Heimatbuch 1992

Heimatbuch19921992 erschien das Heimatbuch von Fritz Glutting. Akribisch hat sich der Hobby-Journalist und frühere Schulleiter mit der Historie des Ortes auseinandergesetzt. Wir möchten Ihnen sein Werk hier präsentieren. Mit ein paar Besonderheiten allerdings. Wir haben fast alle Kapitel des Buches übernommen und alle Artikel aktualisiert, so dass sie – soweit Details in Erfahrung zu bringen waren – dem Stand des Jahres 2016 entsprechen. Bei einzelnen Themenbereichen fehlt uns allerdings noch die Rückmeldung der Verantwortlichen (Vereine etc.). Hier arbeiten wir daran, die Aktualisierung sobald wie möglich abschließen zu können. Die Texte des Buches wurden über ein aufwändiges Verfahren eingelesen, der Text behutsam an die neue Rechtschreibung angepasst und Schreib- bzw. offensichtlich Fehler in der Druckausgabe korrigiert.

Im Dokument selbst finden Sie neben etlichen Bildern auch eine ganze Reihe Dokumente, die sicher ebenfalls Ihr Interesse finden werden.

Das Heimatbuch von Fritz Glutting können Sie in der Druckausführung für 20 Euro im Pfarrbüro der Pfarrgemeinde (Oberdorf 1) erstehen.

 


E-BookHeimatbuecherFür alle Fans „richtiger Bücher“, bieten wir die verschiedenen Heimatbücher über Nunkirchen auch als E-Book an. Laden Sie sich einfach die entsprechende Datei herunter und übertragen Sie sie auf Ihr portables Gerät. (Eine Gebrauchsanweisung zur Übertragung der Datei auf die verschiedenen mobilen Endgeräte finden Sie hier).

Als E-Book erhältlich sind:


Folgende Kapitel können Sie anwählen. Am Ende des gewählten größeren Kapitels finden Sie rechts einen Punkt „Zurück zur Übersicht“, der Sie wieder zum Inhaltsverzeichnis zurückbringt.

Vorwort zum Heimatbuch 1992 – Fritz Glutting

Siedlungsentwicklung von der Vorzeit bis zum Frühmittelalter – Volker Pitzius

Die Ortsnamenforschung – Volker Pitzius

Die Jaspisgrube – Fritz Glutting

Die Entwicklung Nunkirchens


Wahlen in Nunkirchen
– Fritz Glutting/Jochen Kuttler


Wirtschaftliche Entwicklung
– Fritz Glutting


Das Blumenfest
– Fritz Glutting

Die Pfarrei Nunkirchen – Prof. Dr. Alfons Weyand

Auswanderer – Fritz Glutting

Die Entwicklung Münchweilers

Die Gemarkungen Nunkirchen und Münchweiler – Werner Kraus

Schulen in Nunkirchen


Vereine
– Fritz Glutting


Vorwort
Bitte beachten Sie: Obwohl wir das Heimatbuch auf den aktuellen Stand der Dinge (2016) gebracht haben, hat das Vorwort selbstverständlich keine Änderungen erfahren. Alle Angaben und Orte beziehen sich auf den Kenntnis- bzw. Örtlichkeitsstand von 1992.

FritzGluttingSeit Februar 1990 waren die Vorarbeiten zum Heimatbuch angelaufen. Ein Redaktionsausschuss mit mir und den Mitarbeitern Msgr. Prof. Dr. Alfons Weyand, Ortsvorsteher Franz Josef Lauer, Werner Kraus und Josef Moos hatte in mehreren Sitzungen den Inhalt des Buches festgelegt und die Autoren für die einzelnen Beiträge gewonnen.
Zahlreiche Recherchen in Archiven und meine zusätzliche Mitarbeit am Kreisheimatbuch haben die Herausgabe des Buches verzögert. Es liegt nun vor mit einer umfangreichen Darstellung der Geschichte Nunkirchens und Münchweilers von den Anfängen bis zum 31. Dezember 1991, dem Ende der Berichtszeit. Mittlerweile sind wieder in manchen Bereichen, vor allem in der Wirtschaft und bei den Vereinen, Veränderungen eingetreten, die es zu berücksichtigen gilt (Anm. der Redaktion von nunkirchen.net: die Internet-Ausgabe des Heimatbuches wurde soweit die Details bekannt waren, auf den Stand des Jahres 2009 gebracht).
Bewusst wurde der Inhalt so gehalten, dass er neben unumgänglichen geschichtlichen Fakten auch Bereiche anspricht, die in einer besonderen Beziehung zu Nunkirchen stehen, wie z.B. die Jaspisgrube“ und die Feldeisenbahn: Dazu sollen Beiträge in Erzählform zur darstellerischen Auflockerung des Geschichtsbildes dienen.
An dieser Stelle gilt mein Dank den Mitautoren, die einzelne Themen bearbeitet und damit zur umfassenden Gestaltung der Nunkircher Geschichte beigetragen haben. Dank sei auch gesagt den vielen Bürgern, die durch Hergabe von Fotos für eine unbedingt erforderliche bildmäßige Gestaltung gesorgt haben. Manches Foto konnte trotz beabsichtigter Hereinnahme in das Buch wegen drucktechnischer Schwierigkeiten nicht berücksichtigt werden.
Ein Dankeschön soll dem Rat der Stadt Wadern für die Bereitstellung eines nennenswerten Betrages zur Herstellung des Buches sowie der Kreissparkasse Wadern und der Volksbank Losheim eG für Mittel zur Bestreitung der Unkosten geleistet haben.
Ein weiterer Dankesbeweis gilt dem Gewerbe- und Verkehrsverein Nunkirchen für die tatkräftige Unterstützung in der Endphase der Herstellung des Heimatbuches, als wegen drucktechnischer Schwierigkeiten schnelle Hilfe gefragt war. Der Verein hat damit die termingerechte Ausgabe des Buches ermöglicht.
Die Autoren haben sich bemüht, den werten Bogen von der Frühzeit bis in unsere Zeittrotz gebotener Kürze so weitgehend wie möglich zu schlagen. Sollten manche Leser einen Bereich vermissen oder nur unzureichend dargestellt sehen, dürfen sie nicht vergessen, dass kein wissenschaftliches Buch herauszugeben beabsichtigt war. Aber auch solche Bücher stellen nicht immer etwas Vollkommenes dar.
Der Redaktionsausschuss und der Gewerbe- und Verkehrsverein Nunkirchen übergeben der Bevölkerung ein Heimatbuch, das nicht nur das Interesse an der Geschichte Nunkirchens, sondern an der Geschichte überhaupt wecken vertiefen soll.

Fritz Glutting
Vorsitzender des Redaktionsausschusses


Siedlungsentwicklung von der Vorzeit bis zum Frühmittelalter
Von Volker Pitzius

WappenUrkunde_smallDie siedlungsgeographische Vorgeschichte einer Landschaft darzustellen, ist ein Unterfangen, das sich auf archäologische Funde stützt. Dabei muss auf schriftliche Quellen verzichtet werden; denn die Vorgeschichte stellt den Zeitraum der menschlichen Vergangenheit dar, der vor der durch schriftliche Oberlieferung erhellten Geschichte liegt. Dingliche Überreste des Menschen, seien es Geräte, Waffen, Schmuck, Gefäße, Münzen oder auch Spuren von Wehr-, Wohn- und Sakralbauten und schließlich das, was vom menschlichen Körper selbst überdauerte, sind Quellenmaterial. Als Ausgangspunkt für eine Untergliederung der Vorzeit diente das Material, das zur Herstellung der wichtigsten und gebräuchlichsten Werkzeuge und Waffen diente. So kam es zu einer Unterteilung in die drei Gruppen Stein-, Bronze- und Eisenzeit. Zur genaueren Differenzierung hat man dann diese drei Abteilungen jeweils wieder unterteilt in eine Alt-, Mittel- und Jung- Stein-, Bronze- bzw. Eisenzeit.

Die Alt- und Mittel-Steinzeit

In der Alt-Steinzeit (Beginn etwa vor 600000 Jahren) herrschte Eiszeitklima mit extremen Lebensbedingungen: Die Steinzeitmenschen jagten und wurden gejagt. Aber die Menschen aus dieser frühen Epoche waren nicht nur Jäger, sondern auch Fischer und Sammler. Man bezeichnet diese Kulturgruppe auch als Wildbeuter. Sie waren stets darum bemüht, den Tierherden, die als wichtige Nahrungsquelle dienten, zu folgen. Daher waren die Siedlungen der Steinzeitmenschen oft nur kurz bewohnt. Ihre Waffen und Werkzeuge formten sie aus harten Steinen, oder sie bedienten sich derjenigen Steine, die von Natur aus schon zweckmäßig geformt waren.
In der Mittel-Steinzeit (6000 bis  4000 v. Chr.) werden die Formen und Herstellungstechniken stärker differenziert. Zwei weitere wichtige Neuerungen gegenüber der Altsteinzeit wären zum einen der Beginn der Töpferei und zum anderen die Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau, wobei der Mann auf die Jagd ging und die Frau sich der Sammlertätigkeit widmete.
Sowohl aus der Alt- als auch aus der Mittel-Steinzeit gibt es bis heute keine Funde auf der Gemarkung von Nunkirchen. Aber in der Nachbargemeinde Niederlosheim fand man im Jahre 1960 ein 5,9 cm langes Feuersteingerät, dessen Alter auf etwa 100000 Jahre geschätzt wird. Somit zählt es zu den ältesten Fundstücken des Saarlandes. Aufgrund dieses Fundes muss man davon ausgehen, dass sich im Raum Nunkirchen schon in der Altsteinzeit Menschen aufhielten. Da es sich jedoch um einen Einzelfund dieser Zeitstufe handelt, und außerdem nur wenige altsteinzeitliche Fundstücke im Saarland existieren, muss man annehmen, dass es sich bei dem Fund um Spuren kurzer Steifzüge handelt (1).

Die Jungsteinzeit
Die Jung-Steinzeit dauerte etwa von 4000 bis 2000 v. Chr. an und brachte einen entscheidenden Wandel der Lebensführung mit sich. Die Menschen wurden allmählich sesshaft und betrieben eine bis dahin unbekannte Wirtschaftsweise. Sie bauten verschiedene Kulturpflanzen, wie z.B. Weizen, Gerste, Hirse u.a. an und wandelten die bisherige Naturlandschaft z.T. in eine Kulturlandschaft um. Außerdem gingen sie dazu über, Haustiere zu halten. Auch im handwerklichen Bereich kam es in dieser Epoche zu einer für die Zeitstufe kennzeichnenden Entwicklung, nämlich der Herstellung des gebrannten Tongefäßes. Die Form und Verzierung der Tongefäße wurden zur Unterscheidung der einzelnen Kulturkreise herangezogen. Nunkirchen lag im westlichen Kulturkreis, der durch die Bandkeramische und Michelsberger Kultur vertreten war. Auch die Werkzeuge wurden verbessert. Das neue Werkzeug musste eine breite, scharfe Schneide besitzen und für kräftigen Schlag eingerichtet sein, um beispielsweise Balkenwerk zu zimmern. Das geschliffene Steinbeil, ein Leitfossil der Jungsteinzeit, wurde erfunden. Auffallend bei diesen Steinbeilen ist, dass man den Stein durchbohrte und ihn mit einem Holzstiel versah (2).
In der Jung-Steinzeit kam es mit der veränderten Wirtschaftsweise zu einem Ansteigen der Bevölkerungszahl. Beide Faktoren (veränderte Wirtschaftsweise und Ansteigen der Bevölkerungszahl) führten letztendlich zu einer neuen gesellschaftlichen Organisation, deren hervorstechendes Element die Sippe war. Jungsteinzeitliche Funde – in der Regel geschliffene Steinbeile – wurden im Kreis Merzig-Wadern schon viele registriert. Vor allem im nördlichen Saargau hat man solche Funde in großer Zähl gemacht. Daher ist anzunehmen, dass Besiedlungszentren in dieser Region verstärkt aufgetreten waren.
Auf der Gemarkung von Nunkirchen wurde hingegen erst ein Zeugnis aus dieser Epoche entdeckt. Ein Landwirt stieß beim Pflügen auf seinem Acker in dem Flurteil „In den Weihern“ zufällig auf ein Steinbeil aus grauweiß geflecktem Silex (Feuerstein). Es hatte eine länglich dreieckige Form und wurde durch eine bestimmte Abschlagtechnik gefertigt. Dieses Steinbeil ist nur am Schneideteil geschliffen.
Aufgrund der Tatsache, dass man bislang nur ein Zeugnis aus der Jung-Steinzeit gefunden hat, liegt die Vermutung nahe, dass in dieser Zeit in Nunkirchen noch keine Siedlung existiert hat. Über die Art und Weise, wie das Steinbeil dorthin gelangt ist, lassen sich natürlich keine gesicherten Aussagen machen. Vielleicht wurde es bei der Jagd durch irgendein Missgeschick verloren (3).

Die Bronzezeit
Vor der Bronzezeit lag die nur kurz anhaftende Kupferzeit (etwa 2000 bis 1800 v. Chr.). Die Fertigkeit der Erzverhüttung und Gießerei kam zu einer Zeit in unseren Raum, als das Metall am Nil und im Zweistromland schon längst in Gebrauch war. Der neue Werkstoff Kupfer, zunächst ohne Zinnbeimischung, vermochte wegen der schwierigen Erzbeschaffung nur langsam Fuß zu fassen. Außerdem brachte das weiche Kupfer dem Steinbeil gegenüber keine wesentliche Fortschritte. So ist es leichtverständlich, dass die Kupferzeit nur von kurzer Dauer war, und Zeugnisse aus dieser Epoche nicht nur im Kreis Merzig-Wadern äußerst spärlich vorhanden sind. Auf der Gemarkung von Nunkirchen wurden keine kupferzeitlichen Funde gemacht, und somit kann eine weitere Betrachtung der Kupferzeit außer acht gelassen werden.
Eine Verbesserung des Werkstoffes brachte dann die Herstellung von Bronze, einer Kupfer-Zinn-Legierung, die dieser Zeitstufe auch den Namen gab. Sie dauerte ungefähr von 1800 bis 750 v. Chr. und wird in drei Abschnitte (Früh-, Mittel- und Spät-Bronzezeit) gegliedert. Als wichtigstes Abgrenzkriterium ist dabei die Bestattungssitte zu nennen. So wurden in der Früh-Bronzezeit (etwa 1800-1550 v. Chr.) die Menschen in Flachgräbern beigesetzt.
In der von 155-1250 v. Chr. dauernden Mittel-Bronzezeit ging man dazu über, dem ausgestreckt bestatteten Toten einen großen Grabhügel aufzuschütten. Diese monumentale Grabsitte dauerte lange, in manchen Regionen wahrscheinlich kontinuierlich bis ins letzte Jahrhundert vor der Zeitwende (4). Das Alter eines Grabhügels ist daher von außen nicht ohne weiteres zu bestimmen. Nur die Funde geben eine klare Auskunft über die zeitliche Zuordnung des Grabes. Aufgrund dieser Bestattungssitte spricht man in diesem Zusammenhang auch von der „Hügelgräberkultur“. Da die Gräber und Siedlungen dieser Kultur vornehmlich im Bergland liegen, wird zuweilen auch vermutet, dass wir es hier mit einer Hirtenkultur zu tun haben.
Die Mittel-Bronzezeit wurde dann um die Mitte des 13. vorchristlichen Jahrhunderts von der Späten Bronzezeit (etwa 1250 bis 750 v. Chr.) abgelöst. Auch hier ist ähnlich wie beim Wechsel von der Früh- zur Mittel-Bronzezeit die Änderung der Bestattungssitte das ausschlaggebende Faktum. Nun wurden in manchen Gegenden die Toten verbrannt und die Asche in einer Urne beigesetzt, so dass jetzt von einer „Urnenfelderkultur“ gesprochen wird. Die Menschen dieser Kultur gingen allmählich dazu über, sich in den Tälern anzusiedeln. Außerdem fand ein Übergang von der Hirten- zur Ackerkultur statt. Auffallend ist, dass über die gesamte Bronzezeit hinweg die Toten mit Beigaben bestattet wurden. Neben Waffen und Schmuck sind vor allem große Vorratsgefäße wie Teller, Tassen und Schüsseln, die die Wegzehrung für die Verstorbenen enthielten, zu nennen.
In Nunkirchen wurden im Flurteil „Im Kleinen Lückner“ zwei Grabhügelgruppen mit je sechs Grabhügeln entdeckt. Dabei erweist ein Bronzedolch einen Grabhügel als der Mittel-Bronzezeit zugehörig. Andere Funde in den übrigen Grabhügeln – auch aus Bronze – sind der Eisenzeit zuzuweisen (2). Da im Saar-Moselraum bronzezeitliche Funde nur in einem relativ geringen Umfang gemacht wurden, ist das heutige Wissen über bestimmte Lebensbereiche, vor allem über das Siedlungswesen (Siedlungsgröße, Hausbau, usw.) sehr lückenhaft.

Die Eisenzeit
Etwa Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts wurde die Bronzezeit von der Eisenzeit, die etwa von 750 v. Chr. bis zur Zeitwende anzusetzen ist, abgelöst. Sie wird in eine ältere – (750 bis 450 v. Chr.), jüngere – (450 bis 200 v. Chr.) und jüngste Eisenzeit (200 v. Chr. bis 0) untergliedert. Die Ältere Eisenzeit wird auch als „Hallstattkultur“ (5), die Jüngere als „Latenekultur“ (6) bezeichnet. Sie bilden die Zeiträume, in denen im Gebiet zwischen Rheintal und Luxemburg sowie zwischen Nahetal und Hocheifel (also einschließlich des nördlichen Saarlandes) die Hunsrück-Eifelkultur ansässig war. Träger dieser Kultur waren in unserem Raum die Treverer, ein keltischer Stamm, der weit reichende Handelsbeziehungen, vor allem bis in den Mittelmeerraum, unterhielt. So wurden die Kelten auch mit der griechischen Kultur bekannt. Es gibt viele Zeugnisse aus der Lateneperiode, die die griechische Kunst reflektieren. Es ist ein durch Kurven und Schwellbänder, durch Masken und phantastische Tiere gekennzeichneter Stil, der sich vom geometrisch betonten Dekor der vorausgegangenen Hallstattzeit wesentlich unterscheidet. Im Gegensatz zur Hallstattkultur ist die Latenekultur im Kreis Merzig-Wadem durch reich ausgestattete Gräber sehr gut vertreten.
Siedlungen der Hallstatt- und Latenezeit sind, sieht man einmal von den befestigten Anlagen ab, fast völlig unbekannt, so dass man, wie bei der Bronzezeit, über den Hausbau, die Lage der Siedlungen, ihre Größe und innere Organisation keine genauen Aussagen machen kann. Die befestigten Anlagen der Hallstatt- und Lateneperiode, die auf markanten, natürlich geschützten Berghöhen lagen, sind nur selten eingehender untersucht, so dass es meist unklar ist, ob sie ständig besiedelt waren, ob sie als Fliehburgen in Gefahrenzeiten der Bevölkerung der umliegenden Siedlungen Schutz boten, oder ob beides auf sie zutrifft. Immerhin zeugen die Befestigungsanlagen, ähnlich wie die Burgen im Mittelalter, von einer örtlichen oder sogar überregionalen Machtkonzentration. Deshalb dürfen die Befestigungsanlagen der Hailstatt-und Latenezeit als Häuptlings-oder Fürstensitze angesehen werden (1).
Etwa um 200 v. Chr. vollzog sich der Wechsel von der Latene- zur Spätlatenezeit und mit ihm trat eine Änderung der Bestattungssitten ein. So wurden die Toten nicht mehr in Hügelgräbern, sondern in Flachgräbern beigesetzt. Da die oberirdisch sichtbaren Grabstätten im Gegensatz zu den Flachgräbern seit Beginn des 19. Jahrhunderts sehr häufig durch mehr oder weniger systematische Grabungen untersucht wurden, ist das Wissen über die Kultur der hallstatt- und latenezeitlichen Hügelgräberfelder umfangreicher als die der spätlatenezeitlichen Flachgräberfeider.
Der Besiedlung in unserem Raum kamen die reichen Eisenerzvorkommen zugute. Überall im Kreis Merzig-Wadem mit Ausnahme der Muschelkalkzone ist verhüttungsfähiges Eisenerz (Raseneisenstein) zu finden. Als Energieträger diente dabei das ebenfalls reichlich vorhandene Holz aus den Wäldern, aus dem man die Holzkohle zum Verhütten gewann.
Bei den Funden, die im Flurteil „Auf der Heide“ gemacht wurden, ist vieles ungewiss. So weiß man nichts über die näheren Fundumstände, den genauen Fundort und das Funddatum. Genaues Wissen besteht demgegenüber in der zeitlichen Zuordnung des gemachten Fundes. Bei dem gedrehten Ring aus Kupfer kann es sich nur um einen Wendelring oder einen tordierten Ring der Späthallstattzeit handeln. Scherben und Gefäße zeigen, dass hier ein oder mehrere Gräber zerstört worden sind.
Die Hunsrück-Eifelkultur der jüngeren Eisenzeit (Latenezeit) ist für Nunkirchen durch zahlreiche Funde sehr gut belegt Vor allem den Ausgrabungen im Flurteil „Im Kleinen Lückner“ verdankt man sehr viel Material und Informationen. Daneben gibt es aber noch eine Stelle in Nunkirchen, auf der man Hügelgräber gefunden hat. Es handelt sich hierbei um den Flurteil „Nunkircher Hecken“.

Hügelgräber im Flurteil „Im Kleinem Lückner“
Dieser Flurteil befindet sich im Südwesten der Gemarkung am Fuße der Wahlener Berge (etwa 2,3 km Luftlinie Entfernung von der Kirche und knapp 900 m Luftlinie Entfernung von der Landstraße zwischen Oppen und Nunkirchen).
Wie bereits erwähnt, fand man hier zwei Grabhügelgruppen mit je sechs Grabhügeln. Im Jahre 1935 wurden die Hügelgräber unter der Leitung des Landesmuseums Trier in einen Lageplan eingezeichnet. Daraufhin begann man mit den Ausgrabungen. Neben zahlreichen Gegenständen entdeckte man auch Grabgruben, die zum Teil mit und zum Teil ohne Verbrennungsrückstände waren. Das kommt daher, dass man zu Beginn der jüngeren Hunsrück-Eifelkultur die Toten in Holzsärgen bestattete, während sich in der schon fortgeschrittenen jüngeren Hunsrück-Eifelkultur Brandgräber durchsetzten.
Die geborgenen eisernen Gegenstände sind leider sehr stark verrostet, was durch das über 2000 Jahre dauernde Lagern in dem stark kieselsäurehaltigen, sandigen Boden hervorgerufen wurde (7). Eine Besonderheit stellt das Hügelgrab 4 der Grabhügelgruppe B dar, in dem man den bereits erwähnten Bronzedolch fand. Nach Kolling (1972, S.63) finden sich zwar mehrperiodische Gräberfelder häufiger, es ist jedoch selten, dass wie hier ein 1000-jähriger Hiatus zwischen den Belegungen klafft.

Funde aus der Grabhügelguppe A
Hügel 1:

  • Reste einer einfach glättverzierten Schale
  • Reste eines zweiten Gefäßes

Hügel 2:

  • Gefäßscherben
  • Holzkohlebröckchen, Scherben, verbrannte Knochen
  • Scherben, Holzkohlebröckchen

Hügel 5:

  • Scherben, Holzkohlebröckchen

Hügel 6:

  • Eiserne Lanzenspitze
  • Eiserne Gürtelteile
  • 1 Gefäß

Funde aus der Grabhügelgruppe B
Hügel 1:

  • 2 Bronzearmringe
  • 2 glättverzierte Schalen der Hochwaldgruppe
  • Eiserne Reste, vermutlich Gürtelteile

Hügel 2:

  • Holzkohle
  • verbrannte Knochen
  • Reste von mindestens vier Gefäßen

Hügel 3:

  • Holzsargreste
  • 5 Gefäße
  • 1 Bronzefibel vom Frühlatèneschema
  • 1 eisernes Frühlatèneschwert
  • 2 eiserne Lanzenspitzen
  • 1 Lanzenschuh
  • kleine Scherben und Steingerätstücke

Hügel 4:

  • 1 bronzezeitlicher Dolch (siehe Bronzezeit)
  • Feuersteinsplisse (evtl. Neusteinzeit)
  • 2 Bronzeringelchen

Hügel 5:

  • 1 glättverzierte Schale der Hochwaldgruppe

Hügel 6

  • 1 Schale
  • 1 Schüssel (beide der glättverzierten Hochwaldgruppe angehörig)
  • Verbrannte Knochen
  • 1 eiserner Gürtelhaken

Noch keine zwei Kilometer von dieser Fundstelle entfernt, fand man im Staatswald „Großer Lückner“ beiderseits der Landstraße Oppen-Nunkirchen ebenfalls eine Hügelgräbergruppe. Sie liegt etwa 600 m von der Odilienkapelle im Großen Lückner entfernt und befindet sich schon auf der Gemarkung von Wahlen. Diese Hügelgräbergruppe wurde noch nicht ausgegraben, ist aber vom Landesmuseum Trier registriert. Der größte Hügel von ihnen hat einen Durchmesser von 15 Meter und deutet auf die Bestattung eines vornehmen Kelten, vielleicht des Sippenältesten hin (7). An der Stelle der heutigen Odilienkapelle hat sich zur Keltenzeit eine Kultstätte befunden, an der sich die Bewohner der umliegenden Dörfer zu regelmäßig stattfindenden Festen und Opferhandlungen ihrer Priester versammelten.

Hügelgräberfunde im Flurteil „Hannejuschten Heck“
Ein weiteres, besonders großes Gräberfeld befindet sich auf der Waldanhöhe „Nunkircher Hecken“. Diese Grabhügelgruppe liegt in einem nördlichen Zipfel des Bannes im Distrikt „Hannejuschten Heck“. Sie wurde ebenfalls Mitte der 30er Jahre dieses Jahrhunderts vom Landesmuseum Trier vermessen und kartographisch aufgenommen. Bei der Vermessung kamen 27 Grabhügel zur Eintragung in die Karte. Davon liegen 21 in der Gemarkung von Nunkirchen und 6 in der Gemarkung Noswendel. Die gesamte Gräberanlage ist etwa 350 m lang und ca. 250 m breit. Mitten durch diese Gräberanlage führt ein Weg, der als eine bedeutende Keltenstraße angesehen wird. Im Volksmund erhielt erden Namen „Rictiovarusweg“ und führte von Luxemburg kommend und bei Schoden-Ockfen die Saar überquerend über Zerf in Richtung Waldhölzbach in den Hochwald. Der weitere Verlauf erstreckte sich über Rappweiler, Thailen, Batschweiler in die Nunkircher Hecken durch die „Hackenbach“ mitten durch das keltische Dorf und dann weiter durch Bardenbach, über die Prims, eine Schlucht hinauf nach Vogelsbüsch, Überroth, Scheuern, Tholey nach St. Wendel und weiter bis zum Rhein (7).
Weder vom Landesmuseum Trier noch vom Staatlichen Konservatoramt Saarbrücken sind Ausgrabungen vorgenommen worden. Die Gründe hierfür liegen darin, dass die zu erwartenden Funde keine wesentlichen Unterschiede gegenüber den bereits in den hiesigen Gräbern gemachten Entdeckungen aufweisen. Man will sie als Kulturdenkmäler für die Nachwelt so lange wie möglich erhalten. Diese Denkweise hat jedoch ihre Schattenseite. In den Berichten des Staatlichen Konservatoramtes Saarbrücken und auch an den Grabhügeln selbst kann ersehen werden, dass es leider immer wieder zu Raubgrabungen kommt.
Außer der o.a. Straße gab es innerhalb der heutigen Gemarkungsgrenzen einen Knotenpunkt zweier wichtiger keltischer Verkehrswege, so dass die Vermutung nahe liegt, dass Nunkirchen zur Keltenzeit einen wichtigen Verkehrspunkt dargestellt haben muss.
Von Vogelsbüsch, aus dem Keltenweg Luxemburg-Tholey-Rhein abzweigend, führte dieser Weg die Schlucht hinab nach Büschfeld, in der Nähe der heutigen Brücke als Pflasterweg durch die Prims, dann bei der Überlosheimer Brücke über den Nunkircher Bach, am Fuße des Bammersch entlang und etwa entlang der heutigen Klosterstraße ins Dorf hinein. Von hieraus führte er über das Oberdorf zum Flurteil „Kandel“. Dort verließ er die heutige Gemarkungsgrenze und führte durch den Großen Lückner ins Haustadter Tal bis südlich von Erbringen und dann über die Merchinger Platte nach Merzig, wo er in einen anderen Keltenweg mündet. Von dieser Straße abzweigend, begann in Nunkirchen ein zweiter Keltenweg beim Hause Faas in unmittelbarer Nähe der Kirche. Er führte an Münchweiler vorbei über Niederlosheim, Losheim, Bachem nach Merzig.

Die Zeit der Römer
Mit dem Sieg Caesars über die Gallier im Jahre 51 v. Chr. wurde unsere Region der römischen Provinz „Belgica Prima“ einverleibt, zu deren Hauptstadt „Augusta Treverorum“, das heutige Trier, ernannt wurde. In der gesamten Provinz wurden römische Militärstationen errichtet, die dann durch Straßen miteinander verbunden wurden.
Gegenüber den unterlegenen Treverern betrieben die Römer eine geschickte Politik. Sie beließen ihnen ihre Sitten, Religion und Sprache und führten erst nach und nach römische Gesetze und Institutionen ein. Auf diese Art gelang es den Römern, die Treverer für sich zu gewinnen.
Infolge der Anpassung der Kelten an die Römer kam es zu einem enormen zivilisatorischen Aufschwung des gesamten Trierer Landes. Zahlreiche Werkstätten, so z. B. Töpfereien und Ziegeleien, mussten errichtet werden, um all das herzustellen, was die Römer mit ihrem verfeinerten Lebensstil im Gegensatz zu den wirtschaftlich und kulturell rückständigeren Kelten brauchten. Das Handwerk hatte sich auf Fachbereiche spezialisiert und wurde weiter entwickelt.
Aus neuen Baustoffen, wie z. B. Stein, Mörtel und Ziegeln, bauten sie Landhäuser – die so genannten „villae rusticae“, die sich der keltische Adel zum Vorbild für den Bau ihrer Häuser nahm. Fußböden aus Mosaik, Fenster aus Glas, Wasserleitungen, heizbare Räume, Badeeinrichtungen und Marmorverkleidungen gehörten zu den Einrichtungen der römischen Villen.
Auch in der Landwirtschaft kam es durch die Römer in unserer Region zu bedeutenden Fortschritten. An geeigneten Stellen wurden Waldflächen gerodet und für die Landwirtschaft zur Verfügung gestellt. Mit der größeren landwirtschaftlichen Nutzfläche wuchsen auch die Viehherden. Außerdem wurde auch die Palette der Kulturpflanzen erweitert, indem sie u. a. den Flachs, die Weinrebe und einige Gemüse- und Obstsorten einführten.
Was die Siedlungsgröße anbetrifft, so gab es neben den Einzelsiedlungen in kleinem Umfang auch Gruppensiedlungen, meistens Straßenflecken als verbindende Glieder zwischen den großen Städten an Mosel und Rhein, die kleinere Administrations- und Gewerbefunktionen übernahmen.
Bezüglich der Totenbestattung kam es zu einem Übergang von der keltischen Hügelgräber- zur römischen Brandbestattung, die ihrerseits durch die Körperbestattung des Christentums abgelöst wurde.
Funde aus der Römerzeit hat man in Nunkirchen schon im 19. Jahrhundert registriert. In den „Jahresberichten der Gesellschaft für nützliche Forschungen“ (Trier, 1852, S.25) werden folgende Funde aufgeführt:

  • 1 zweidochtige Lampe mit einer aufgedrückten Maske verziert
  • 1 sitzende, verschleierte, weibliche Figur aus Ton, die auf dem Schoß ein junges Tier hält
  • 1 bronzene Gewandnadel mit beweglichem Dorn
  • 1 bronzene Patera
  • 1 Teller von Terra sigillata
  • 1 Glasgefäß
  • 1 Streitkeil aus Serpentin

Zu diesen Entdeckungen wurden jedoch keine Angaben über den Fundort und das Fundjahr gemacht. Weitere Funde aus dem 19. Jahrhundert werden in den „Jahresberichten der Gesellschaft für nützliche Forschungen“ aus dem Jahre 1864 (S.122) aufgeführt. Hierin heißt es, dass 1861/62 von Herrn Pottery, Pastor zu Nunkirchen, für die Sammlung (wahrscheinlich Museum Trier) römische Münzen aus der Umgebung von Nunkirchen erworben wurden. Es handelt sich dabei um folgende Münzen:

  • 1 Mittelerz von Marc Aureli (161/180 n. Chr.)
  • 1 Antonion Gallienus (253/268 n. Chr.)
  • 1 Denar von Postumus (259/268)
  • 1 Antonion Victorinus (268/270)
  • 1 Antonion Tetricus (270/273)
  • 1 Centenionalis Valens (364/378)
  • 1 Centenionalis Theodosius I (379/395)
  • 1 Centenionalis Arcadius (383/408)
  • 1 Münze (unbekannt)
  • 42 Kleinerze

Zwischen 1870 und 1880 wurden in unmittelbarer Nähe der Saarbrücker Straße (im Bungert hinter dem Doppelhaus Hof/Leick) römische Ziegel und Urnen mit Aschenresten entdeckt. Diese Funde wurden leider aus Unkenntnis zerstört und achtlos weggeschaufelt (8). Müller (1957, S.15) nimmt an, dass hier ein römisches Land- oder Gutshaus gestanden hat. Begünstigend für diese Annahme wirkt sich aus, dass sich im Berggelände unweit davon ein Halbedelstein- Vorkommen von Jaspis befindet, und dass dieses Berggelände schon seit jeher im Besitz dieser Häuser durch fortgesetzte Vererbung oder spekulativen Kauf beider Objekte (Haus und Berggelände) war. Außerdem lag das Haus recht verkehrsgünstig in der Nähe der Kreuzung zweier keltischer Verkehrswege, deren Verlauf in dem Kapitel „Die Eisenzeit“ beschrieben ist.

Die Römerstraßen
KeltenwegeundRoemerstrassen_smallNachdem die Römer die gallischen Stämme bezwungen hatten, richteten sie befestigte Plätze ein, um das neu eroberte Land zu sichern. Diese befestigten Plätze mussten nun durch die Anlage zahlreicher Verkehrsstraßen (siehe Karte links) nach rückwärts gesichert werden, damit Legionen rasch in gefährdete Gebiete einmarschieren konnten. Dies bedeutete für unseren Raum, dass Verbindungen nach Trier, nach der befestigten Rheinlinie und natürlich nach Rom erstellt werden mussten. Dabei nützten die Römer zum Teil aber auch bereits vorhandene Keltenwege aus, die sie lediglich verbreitern und befestigen mussten. Auffallend ist, dass die Römerstraßen vorwiegend über die Höhen verliefen, und dass sie Täler und Schluchten mieden, wo es nur ging, Außerdem wurden längs der Strecken weite Flächen gerodet und landwirtschaftlich genutzt. Mit diesen Maßnahmen wollte man Überraschungsangriffen aus dem Hinterhalt vorbeugen. Die meisten römischen Verkehrswege in unserem Raum würden zwar zu militärischen Zwecken erbaut, für den wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung jedoch waren sie von enormer Bedeutung.

Eine Römerstraße, die durch die heutige Gemarkung von Nunkirchen führte, ist bislang noch nicht nachgewiesen worden. Nachgewiesene wichtige Römerstraßen verliefen aber durch Nachbargemeinden unweit von der Nunkircher Gemarkung:

1) Trier- Saarbrücken
Diese Straße führte von Trier über Zerf, Scheiden, Niederlosheim und Wahlen durch den Lückner und weiter über eine Senke nach Schmelz-Außen. Sie überquerte bei Hüttersdorf die Prims und führte weiter in Richtung Saarbrücken. Zwischen Scheiden und Niederlosheim wird sie seit alters her „Rennpfad“ genannt (9). An manchen Stellen im Lückner (in der Nähe des Wahlener Weges) ist sie heute noch deutlich erkennbar. Diese Straße war von so hoher Bedeutung, dass sie in der römischen Militärkarte Aufnahme fand. Ein Seitenweg ging durch das Haustadter Tal und bog bei Honzrath über die Merchinger Muschelkalkplatte nach Merzig ab (4).

2) Trier- Straßburg
Eine zweite wichtige Römerstraße in unmittelbarer Nähe der Nunkircher Gemarkung führte von Trier kommend über Zerf – bis südlich von Zerf ist diese Straße identisch mit der oben genannten Straße – nach Weiskirchen, Thailen, Noswendel und Altland. Ihr weiterer Verlauf führte dann über Tholey zur Nahe bis nach Bingen, wo sie dann rheinaufwärts abbog und über Mainz bis nach Straßburg führte (9).

3) Metz-Mainz
Wenn auch nicht in unmittelbarer Nähe, so doch nur wenige Kilometer von der Gemarkungsgrenze entfernt, verläuft die dritte wichtige Römerstraße in der Umgebung von Nunkirchen. Sie kommt von Metz und überquert zwischen Rehlingen und Beckingen die Saar. Ihr weiterer Verlauf führt sie über Düppenweiler, Außen und Tholey bis hin zum Rhein. Bei Außen kreuzt sie die Straße Trier – Saarbrücken und bei Tholey die Straße Trier – Straßburg.

Die Periode der germanischen Landnahme
Die Zeit der germanischen Landnahme wird im allgemeinen zwischen 400 und 600 n. Chr. angesetzt. Träger dieser Landnahme waren in unserem Raum vor allem die Franken, was sich am deutlichsten durch die Reihengräberfriedhöfe belegen lässt. Dabei wird davon ausgegangen, dass diese Landnahme relativ friedlich vollzogen -wurde, da man häufig neben römischen Gutshöfen ein fränkisches Gehöft mit eigenem Friedhof fand, und es bei der Landnahme zu keiner völligen Neuordnung der Siedlungsverhältnisse kam (10). Viele Forscher stimmen hiermit überein, andere schließen sich dieser Meinung nicht an. Sie halten es für eher zutreffend, dass die Vorbesitzer von den Franken in weniger fruchtbare Gebiete abgedrängt wurden.
Da die Franken im Gegensatz zu den Römern in Holzbauten wohnten, ist es nicht verwunderlich, dass man die Lage der Siedlungen nicht anhand wiedergefundener Haus- oder sonstiger Siedlungsreste feststellte, sondern an der Verbreitung der Reihengräberfriedhöfe (11). Denn mit der fränkischen Herrschaft breitete sich an der Saar wieder die Sitte aus, die Toten mit zahlreichen Dingen des täglichen Gebrauchs, vor allem aber mit ihrer Tracht und ihrer Bewaffnung beizusetzen, nach dem unter dem Einfluss des Christentums die Galloromanen von der heidnischen Sitte der Grabbeigabe abgekommen waren. Die Bezeichnung Reihengräberfriedhöfe ist darauf zu rückzuführen, dass man auf diesen Friedhöfen die Grabstätten einheitlich ausgerichtet hatte.
Anhand dieser Funde konnte man feststellen, dass die Franken überwiegend dort siedelten, wo man aufgrund günstiger Wasser – und Bodenverhältnisse hohe landwirtschaftliche Erträge erzielen konnte. Für unseren Raum bedeutete dies, dass zunächst die Tallandschaften an Mosel, Saar und Blies und die Gebiete der Muschelkalkböden besiedelt wurden. Im Laufe der Zeit drang dann die Besiedlung in die Randgebiete dieser fruchtbaren Zonen ein.
Für Nunkirchen sind bislang keine Zeugnisse einer fränkischen Besiedlung vorhanden. Es ist anzunehmen, dass sich die Franken zu dieser frühen Periode noch nicht in Nunkirchen niederließen, da hier keine besonders gute Böden vorzufinden waren. Die fränkischen Siedlungen bestanden in der Regel aus Einzelhöfen oder Weilern, die sich aus einer oder mehreren umzäunten Gehöftgruppen zusammensetzten. Daher ist es wahrscheinlich, dass sich das Dorf Nunkirchen zunächst nur ganz langsam zu einem engeren Siedlungsgebilde entwickelt hat. Ausgangspunkt für die Besiedlung Nunkirchens und die Entwicklung des heutigen Ortsbildes ist wohl der Bereich um die Kirche. Von hier aus dehnte sich der Ort allmählich entlang des Keltenwegs bis in die „Weihern“ aus, also etwa entlang des heutigen Oberdorfs.(7).

Anmerkungen
(1)  Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern, Bd.5 Saarland, mit einer Einführung in die Vor- rund Frühgeschichte des Saarlandes, Mainz, 1966, S.122.
(2)  W. Busch, „Erläuterungen zur Karte über Bodenfunde im Kreis Merzig-Wadern“, 6. Jahrbuch, 1959, S.80 ff.
(3) Festschrift des Bergmannvereins, 1962, S.8 ff.
(4)  A. Kolfing, „Die Vor- und Frühgeschichte des Kreises Merzig-Wadern“, 1972, S. 54 ff.
(5)  Latenekultur: La Tene am Neuenburger See (Schweiz) lieferte aus reichen Opferdepots bezeichnende Gebrauchs- und Ziergegenstände und gab der Kultur den Namen.
(6) Hailstatkultur: Kultur, die nach einer im österreichischen Salzkammergut gelegenen Gemeinde benannt wurde, in der man reiche Funde aus der Zeit vom 8.- 5. Jahrhundert v. Chr. gemacht hat.
(7) M. Müller, „Nunkirchen – ein Heimatbuch“, 1957, S. 12 ff.
(8) J. Kell, „Geschichte des Kreises  Merzig“, 1925, S. 15 ff.
(9) C. von Briesen, „Urkundliche Geschichte des Kreises Merzig im Regierungsbezirk Trier von 1815-1864“, Saarlouis, 1867, S.48.
(10) U. Born, „Geographische Landeskunde des Saarlandes“, aus dem Nachlass hrsg. von R. Born und H. Frühauf, Saarbrücken, 1980, S.84.
(11) K. Bahner, „Die fränkischen Altertümer des Trierer Landes“, Berlin, 1958, S.362 ff.


Die Ortsnamenforschung
Von Volker Pitzius

Man kann grob drei Perioden unterscheiden, in denen jeweils bestimmte Endungen der Ortsnamen charakteristisch sind:
a) die Zeit der Wanderungen mit „-ingen“,
b) die Zeit der frühen Seßhaftwerdung mit den Endungen „-heim“, „-dort“, „-hofen“, u.a.m.
c) die Zeit des Ausbaus mit den Endungen „-berg“, „-scheid“, „-bach“, „-wald“, u.a.m.
Es muss jedoch beachtet werden, dass man nicht alle Ortsnamen diesem Schema zuordnen darf. So ist z.B. zu bedenken, dass Siedlungen ihren jetzigen Namen lange nach ihrer Gründung erhalten haben können (1).
Bei jedem Versuch der Erklärung eines Ortsnamens muss von der ältesten urkundlichen Form ausgegangen werden (2). Demzufolge hat man sich nach dem Namen „Nunkircha“ (latinisiert) zu richten, denn so wird Nunkirchen zum ersten Mal in einer Urkunde des Trierer Erzbischofs Albero erwähnt und als Pfarrort zusammen mit 70 anderen Pfarreien aufgezählt, die zu den Wallfahrten zu dem Grabe des heiligen Lutwinus in Mettlach verpflichtet waren.
Im Laufe der Geschichte hat sich die Schreibweise des Ortes einige Male geändert. So wird in den Mittelrheinischen Regesten (Gedr. Mttlrh. Ukb. 3,411) der Ort im Jahre 1235 als „Nunkirke“ bezeichnet. Aus dem Jahre 1551 existiert eine Urkunde, die als Abschrift im Pfarrarchiv Nunkirchen zu finden ist, wonach der Name „Neunkirchen“ gebraucht wird. Auch im „Weisthumb“ des Jahrgedings von 1587 und in der Genehmigungsurkunde zur Gründung des Gottbillschen Eisenwerkes durch die Churfürstliche Kanzlei zu Ehrenbreitstein aus dem Jahre 1724 treffen wir auf die Bezeichnung „Neunkirchen“. In Messstiftungen der Pfarrei Nunkirchen werden hingegen die Namen „Brums-Nunkirchen“ und „Brims-Nunkirchen“ gebraucht.
Diese vorangestellten Namen Brums und Brims beziehen sich dabei auf die durch Büschfeld fließende Prims und dienten der Unterscheidung Nunkirchens von anderen Orten mit ähnlichen oder gleich klingenden Namen, so vor allem von Neunkirchen im Nordsaarland (Kreis St. Wendel). Schließlich sei noch eine Namensgebung auf den Takenplatten die im Gottbillschen Eisenwerk in Nunkirchen (18. und 19. Jahrhundert) gegossen wurden, erwähnt: Sie lautet „Nunckirchen“.
Die kirchlichen Namen bzw. die Ortsnamen mit der Endung -kirchen nehmen unter den Siedlungsnamen eine Sonderstellung ein und lassen sich nicht in das o.a. Schema einordnen. In der Regel wurden den Orten, die mit -kirchen endeten, Eigennamen zugrunde gelegt; denn die christlichen Verehrungsstätten waren Eigenkirchen und trugen oft den Namen ihres Besitzers. Dies konnte für fast alle Orte im Saarland mit der Endung -kirchen nachgewiesen werden mit Ausnahme von Neunkirchen und Nunkirchen. Bei diesen Ausnahmen muss bei der Namensgebung eine neu erbaute Kirche Pate gestanden haben, die als Filialkirche einer älteren Mutterkirche erbaut wurde (3). Demnach könnte man wohl davon ausgehen, dass der Name „Nunkirchen“ im Sinne von „neue Kirche“ oder dergleichen gedeutet werden muss.
Einen völlig neuen Aspekt liefert Rektor a.D. F. Glutting mit seinem Aufsatz „Die Nunkirche bei Sargenroth“ (4). Danach sieht die Forschung in der Nunkirche bei Sargenroth im Hunsrück zwischen Gemünden und Simmern den Mittelpunkt einer Germanischen Hundertschaft und deutet sie mit „Hunkirche“.
Etwas außerhalb von Sargenroth erhebt sich die Nunkirche auf einer kleinen Anhöhe. Aus einer Beschreibung im Jahr 1787 erfahren wir aus der Feder eines pfälzischen Historikers: „Ungefähr 200 Schritte vom Dorf entfernt liegt die so genannte Nunkirche auf einem freien Platz, wo die öffentlichen Gerichtstage gehalten werden…“
Könnte dieser Umstand nicht auch ein Hinweis sein auf die Namensdeutung des Hochwalddorfes Nunkirchen? Es bildete mit Niederlosheim und Wahlen einen Hochgerichtsbezirk mit dem Kurfürsten von Trier als oberstem Gerichtsherrn, in dessen Namen Amtsmänner und Vogtherren dem Gericht vorstanden. Ein Hochgerichtsmeyer und 7 bis 14 Schöffen vervollständigten das Gericht, das im Freien unter einer Linde oder auf einem geeigneten Platz tagte. Könnte dieser Platz nicht der ehemalige Marktplatz vor der Pfarrkirche gewesen sein? Verlässliche Nachrichten darüber liegen nicht vor, die Annahme ist aber nicht von der Hand zu weisen.
Das Jahrgeding von 1587 beginnt mit den Worten: „lm Jahr des Herrn 1587 uff Dienstag den 9. des Monaths Juny zu Neunkirchen in gewöhnlichen Richtplatzeb offene Notarien…“ Der Gerichtsschreiber – ein „Notarius“ von Saarburg? – spricht vom „gewöhnlichen Richtplatz“, ohne seine genaue Lage anzugeben. Was hindert uns in der Annahme, diesen Platz vor der Pfarrkirche gelegen zu sehen? Wäre von daher die Namensdeutung als Gerichtsplatz einer Hundertschaft zu verstehen? Absolute Gewissheit gibt es nicht. Die Deutung aber, bei der Festfeier anlässlich der Einweihung der Kirche hätte man allgemein festgestellt: „Nun haben wir eine Kirche!“ ist zu weit hergeholt, um glaubwürdig zu sein (4).
Andere Deutungen liegen ebenfalls noch vor: Die christianisierten germanischen Stämme hätten „Nuwekirche“ – „Nunkirche“ – „Nunnenkirchen“ erbaut, wenn heidnische Wassergottheiten durch christliches Brauchtum abgelöst werden sollten.

Anmerkungen
(1) A. Helbock „Die Ortsnamen im Deutschen“, Berlin, 1939, S.9
(2) H. Jäger „Historische Geographie, Das geographische Seminar“, Braunschweig, 1969, S.26
(3) K. Hoppstädter, „Siedlungskunde des Saarlandes“, Wiebelskirchen, 1957, S.186
(4) F. Glutting, „Die Nunkirche bei Sargenroth“, Saarbrücker Zeitung („Geschichte und Landschaft“), Nr. 368, März 1987.

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Die Jaspisgrube
Von Fritz Glutting

In der Liste der Geologen wird der Nunkircher Jaspis, von den Einheimischen „Achat“ genannt, als „Lapis“ geführt, ein Gemenge aus Ultramarin mit Kalkspat und Silikaten. Der Jaspis ist nicht durchscheinend wie Achat, Topas oder Amethyst. Deshalb gilt er auch nur als Halbedelstein, der jedoch durch den Schimmer der Quarzkörnchen den edlen Steinen nahe kommt und ebenfalls wie diese zu Schmuckstücken gefasst wird.
Der Stein kam als „Deutscher Lapis“ oder „Swiss-Lapis“ als Nachahmung des Lapislazuli in den Handel und wurde zu Halsketten, Cabochons (ein- oder beidseitig rund oder oval geschliffener Edelstein), Ringsteinen oder Manschettenknöpfen verarbeitet. Auch Aschenbecher wurden von einzelnen Schleifern hergestellt.
Das Jaspis-Flöz im Nunkircher Bann am Auschet stellt nur einen kleinen Teil der gesamten Vorkommen im Saar-Nahe-Bergland von Idar-Oberstein an der Nahe bis hinunter zum Weisel- und Füsselberg bei Oberkirchen und Freisen dar. Seit über vierhundert Jahren wurden Edelsteine der Quarzreihe in derart großen Mengen gefunden, dass sich in Idar-Oberstein eine blühende Schleifer-Industrie entwickeln konnte.
Kostbarkeiten werden als solche anfangs oft nicht erkannt. So ähnlich ist es dem Nunkircher Jaspis ergangen. Lange Zeit hindurch wurde er seiner Härte wegen auf Jahrmärkten als „Feuerstein“ angeboten ehe er durch Zufall (?) als Halbedelstein erkannt wurde. Genaueres darüber ist aktenkundig nicht bekannt worden. Sicherlich hat ein Sachkenner nach einer Politur die herrliche Maserung mit den Einschlüssen wasserklaren Quarzes als bestätigende Antwort seiner Vermutung angesehen.
Doch damit war die Anerkennung des Nunkircher Jaspis als Halbedelstein noch lange nicht zum Allgemeingut geworden. Erst als ein Edelsteinhändler aus Idar von einem Italiener das Verfahren des Schwarzfärbens von Achaten erfahren hatte, wurde mit Hilfe der Farbe aus dem Nunkircher „Achat“ ein Schmuckstein. Bei einem echten Achat bleibt allerdings die ursprüngliche Bänderung deutlich sichtbar, so dass er sofort als künstlich gefärbt erkennbar ist.
Über das Färben und Brennen berichtete Pfarrer G. Lange aus Idar in seinem Buch “ Die Halbedelsteine aus der Familie der Quarze“ u.a.: „Die blaue Farbe vom tiefen Lasur- bis zum zarten Himmelblau wird durch verschiedene Mittel hervorgerufen. Eisencyanürcyanid (Berlinerblau), das früher angewendet wurde, hat man verworfen, weil die Farbe verblasst. Man nimmt jetzt Blutlaugensalz zum Beizen und kocht dann die Steine in Eisenvitriol“.
Für den im Naturzustand grau-weiß aussehenden Nunkircher Jaspis, der gleichmäßig dicht und ohne Zeichnung ist, wurde die Behandlung mit Chemikalien zur Geburtsstunde einer glänzenden Karriere: Vor etwa 125 Jahren erhielt er durch Blutlaugensalz eine ansprechende blaue Farbe. Damit war diesem Stein eine Zukunft im Kreis der Edelsteine sicher.
Folgendes Verfahren wurde angewandt: Da es sich beim Nunkircher Jaspis um einen harten Stein handelt, muss das Schneiden äußerst vorsichtig vorgenommen werden. Nach dem Schneiden kam er zunächst in klares Wasser oder Sägemehl. Damit wurde verhindert, dass das an den Schneidemaschinen haftende Petroleum in die Poren eindrang und das Material schwarz werden ließ. Der Schneidevorgang dauerte, je nach der Härte der einzelnen Stücke, drei bis vier Tage. Dann kamen die Steine zum Öffnen der Poren für sechs bis sieben Tage in Blutsalzlauge – bei größeren Stücken auch zehn bis zwölf Tage. Danach erfolgte ein sorgfältiges Auswaschen, dem wiederum ein acht- bis zehntägiges Bad in Eisenvitriol folgte. Den Abschluss bildete ein kaltes Wasserbad, in dem das fertig gebeizte Material noch zwei bis drei Tage liegen musste. Aus gebeiztem Nunkircher Jaspis war damit der deutsche Lapis entstanden.
Unter diesem Namen gingen Schmuckstücke in alle Welt, vornehmlich in die USA. Die Welt nahm diesen Schmuck mit offenen Armen auf, konnten doch die Importsteine aus Brasilien – der Abbau der Mineralien im Saar-Nahe-Bergland war um die Mitte des 19. Jahrhunderts eingestellt worden – mit dem Nunkircher Jaspis nach dessen Einfärbung in keiner Weise konkurrieren, denn der mit Blutlaugensalz behandelte Stein verlor niemals mehr seine schöne blaue Farbe, und je länger die zu Broschen, Ringen, Ketten und Manschettenknöpfen verarbeiteten Steine getragen wurden, desto leuchtender wurden ihre Farben.
Die Nunkircher Jaspis-Grube liegt im „Wingert“ und ist im Kataster mit den Namen „Auf Bambusch“ und „Auf Bambusch Kröte“ verzeichnet. Diese Bezeichnungen weisen darauf hin, dass hier einmal ein „gebannter Busch“ gewesen war,wo nur der kurfürstliche Grundherr bzw. sein Vogt jagen durfte. Die kurfürstlichen Jäger hatten nur Auge und Ohr für das Wild, die Bodenbeschaffenheit war ihnen weitgehend gleichgültig. Wie sollten sie auch wissen, dass hierein erdgeschichtlicher Vorgang zur Ausbildung eines Jaspis-Flözes geführt hatte. Der eine oder andere von ihnen hat sich jedoch gewiss über die zufällig vorgefundene Steinrarität gewundert und sie als „Feuerstein“ gepriesen.
Das gesamte Gelände ist aufgeteilt in den Besitz der Edelsteinschleiferei W. Constantin Wild & Co., Idar-Oberstein, und der Erben Scheid (Familien Franz Finkler und Matthias Kraus). Wo vor etlichen Jahren noch zweimal im Jahr ein reger Betrieb herrschte, wird heute die Stille unter den Bäumen nur gelegentlich noch durch das vorsichtige Klopfen kleiner Hämmer unterbrochen: Steinsammler sind auf der Suche nach Raritäten. Dort, wo ehemals in großem Stil geschürft wurde, gähnen zum Teil Stollenmundlöcher aus dem Berg heraus. Zum Teil sind sie auch zugefallen. Die Grube der Firma Wild & Co. ist durch einen dicken Betondeckel abgeschlossen. Bis 1970 war sie noch in Betrieb.
Der letzte Aufseher der Grube, Heinrich Schmitz, sowie sein Bruder und Arbeitskollege Johann aus der Saarbrücker Straße, beide inzwischen verstorben, wussten zu berichten, dass zwei durch Haken miteinander verbundene Leitern mit einer Länge von rund zehn Metern in die Tiefe führten. „Die Fahrten oder Leitern in den Schächten müssen aus gutem, starken Holze vorgerichtet, und solange sie beim Grubenbetriebe benutzt, in gutem Zustand erhalten werden.“ So steht es in einer Urkunde aus dem Jahr 1844 für die Achatbetriebe. War das auch in Nunkirchen der Fall? „Aber ja,“ versicherte Heinrich Schmitz. „Überhaupt war die Sicherheit großgeschrieben, und es ist noch niemals ein schwerer Unfall passiert.“
Anders betrachtet: Gerade die äußerst strengen Sicherheitsvorschriften durch das Oberbergamt in Saarbrücken – unter anderem musste bei jeder Grabung ein Gruben-Sicherheitsbeamter anwesend sein –, welche die vergleichsweise hohen Betriebskosten um einiges erhöhten, zwangen die Firma Wild zur Schließung der Grube, der einzigen bis dahin fördernden ihrer Art in ganz Europa.
Nach Angaben der Firma verlief die Jaspis-Grube in einer Breite von anderthalb Metern in einem dreizehn Meter tiefen Stollen. Das Gestein sprengte man los und trug es anfangs in Körben auf dem Rücken der Arbeiter hoch. Später legte man einen zweiten Schacht an, mit dessen Abraum der erste zugeschüttet wurde. Dieser zweite, heute zubetonierte Schacht, bot den Arbeitern insoweit eine Erleichterung der Arbeitsbedingungen, als das losgesprengte Gestein in Bottichen mit Hilfe eines Haspels an den Stolleneingang hoch geschafft – anfangs im Handbetrieb, dann durch ein Aggregat – und in Loren ausgekippt wurde. Die Loren zog man durch einen Haspel den Bremsberg hoch und ihren Inhalt schüttete man auf dem Boden aus, wo Schleifer der Firma die Aussortierung vornahmen. Die zum Färben und Weiterverarbeiten ausgesuchten Stücke wurden in Lastkraftwagen geladen und nach Idar-Oberstein gebracht. Pro Jahr wurden durchschnittlich zwei LKW-Ladungen benötigt.
Heute findet man nur noch Reste der Schienen für die Kipploren, eine Wellblechbude mit einer völlig verrosteten Kipplore: letzte Zeugnisse eines ehemals florierenden Kleinbetriebs in Sachen Edelstein.
Wie sieht es bei den anderen Besitzern des Terrains aus? Der 1986 im hohen Alter von 92 Jahren verstorbene Franz Finkler hatte direkt nördlich der Wild’schen Grube abgebaut. Wie er mitteilte, wäre man sich nur dann in die Quere gekommen, wenn die Firmengrube ihren Stollen entwässert hätte und das Wasser in sein Terrain abgelaufen wäre.
Die kurz zuvor erwähnte Urkunde aus dem Jahr 1844 erwähnt u .a.: „Das Vertreiben derjenigen Achatbergleute in den benachbarten durchschlägigen Gruben durch Rauch vermittelst Verbrennen von Heu und Grummet und dergleichen Stoffen, um dadurch ein größeres Grubenfeld zu gewinnen, ist auf das Strengste verboten…“
Franz Finkler versicherte, dass so etwas im Nunkircher Jaspis-Gelände nie vorgekommen wäre. Auch in der Sache mit dem Wasser hätte man sich stets gütlich geeinigt.
Aus seiner Tätigkeit als Steingräber vermerkte Franz Finkler: Der Gesteinsabbau erfolgte vor dem Ersten Weltkrieg in der Weise, dass ein Stollen in den Berghang getrieben wurde, von dessen Sohle aus ein etwa fünf Meter tiefes Loch gegraben wurde, in das eine Leiter hinabführte. Unten wurden die Sprengladungen angebracht. Er selber hatte die Schießmeisterprüfung abgelegt und durfte fünf Kilo Sprengstoff zu Hause aufbewahren. Verpackt hing das gefährliche Zeug hoch auf dem Speicher unter dem Dachfirst; stets unter Kontrolle der zuständigen Polizeibehörde.
Zumeist arbeiteten drei ehemalige Bergleute an der Gesteinsader, die eine Breite von 80 cm bis 1,50 m aufwies. Das hereingebrochene Wasser musste mit Eimern hinausgeschafft werden. Mit einer Lore auf Schienen wurde das Gestein vor dem Stollenmundloch ausgeschüttet, wo eine erste Sortierung erfolgte. Das für Schmuckzwecke ungeeignete Gestein blieb liegen und wurde von Ortseinwohnern zum Teil für Gartenmauern verwendet. Das bessere Material lud man auf einen Wagen, dessen Kühe vor dem Hause Kraus in der heutigen Saarbrücker Straße anhielten. Hier warteten bereits zuvor bestellte Schleifer aus Idar-Oberstein und Umgebung auf die Ladung, um sie für ihre Zwecke noch einmal zu sortieren. Für 500 Gramm ganz helle Splitter zahlten sie 10 bis 15 Pfennige, für 500 Gramm faustgroße wurden 40 bis 45 Pfennige und für ganz dicke einwandfreie Stücke wurden 1 Mark für 500 Gramm gezahlt.
Die sortierten Stücke wurden sodann in leere Zementfässer gepackt (früher wurde der Zement nicht in Tüten, sondern in Holzfässern geliefert!) und zum Bahnhof der Merzig-Büschfelder Eisenbahn in Nunkirchen geschafft, von wo sie die Reise nach Idar-Oberstein antraten. Auch in der Grube Finkler wurde wie in der Firmengrube Wild, zweimal im Jahr, und zwar im Frühjahr und im Herbst, gegraben. In den 30er Jahren, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, stellte Franz Finkler die Grabung ein.
Nordöstlich im „Wingert“ steigt das Gelände an. Auch hier ist gegraben worden. Es ist das Gelände Kraus. Ein offenes Stollenmundloch, das etwa 20 bis 30 Meter in den Hang hineinführt, spricht von einstiger Grabungstätigkeit, die jedoch keinen Gewinn brachte; denn die Jaspis führende Gesteinsader war hier nicht mehr auszumachen. Weitere zusammengebrochene Grabungsstellen markieren die Schürftätigkeit.
Heute macht sich Wildnis breit. Nur noch verrostete Teile der ehemaligen Ausrüstung künden von der einstigen Betriebsamkeit an dieser Stelle.


Die Entwicklung Nunkirchens

I. Unter der Herrschaft des Erzbistums Trier (900 bis 1794)
Von Fritz Glutting

a) Früh- und Spätmittelalter
Die keltische und römische Zeit Nunkirchens ist an anderer Stelle dieser Chronik dargestellt worden. U.a, gibt die „Geschichte der Pfarrei Nunkirchen“, aufgezeichnet von Prof. Dr. A. Weyand, mit den Anfängen der Pfarrei einen Hinweis auf die Entwicklung des Ortes. Mit der Besiedlung durch die Franken beginnt die eigentliche Ortsgeschichte. „Die Märker von Nunkirchen hatten bald einen ansehnlichen Grundbesitz gerodet. Eine solche frühzeitliche Dorfsiedlung war eine Hofgenossenschaft. Um den Fronhof, auf dem als Vertreter des Grundherrn – in dieser Zeit waren es vornehmlich geistliche Grundherren – der Meier saß, lagen Haus und Hof der Hufenbesitzeroder Märker. Diese rodeten die Landstrecken, die ihnen der Grundherr zuwies. Von der Rodungsfläche erhielten die Hofgenossen einen Teil zur Bebauung, von dem sie aber Leistungen an den Grundherrn abführen mussten. Die Regelung und Überwachung dieser Dienste lag in den Händen des Meiers oder villicus. Das gesamte Urbar (das Urbar= im Mittelalter Verzeichnis von Herrschaftsgrundstücken und ihren Einkünften) blieb dem Grundherrn eigen, nur auf Jahre wurde der Bewirtschaftungsanteil der Grundholden (Märker) durch das Los festgelegt. Ackerflur und Allmende (Anm.: die Allmende = Dorfgemeinschaft mit dem Nutzungsrecht an bestimmten Landstücken) standen zur allgemeinen Benutzung der Hofgenossen. Haus und Hof waren Privateigentum. Der Meier war im Besitz des Herren- oder Sallandes, das er für sich, wenn auch mit leibeigenen Kräften, bebaute. Er war frei von Abgaben und Leistungen an den Grundherrn. Der Wiesenbesitz am Salland hieß Brühl.
Die keltoromanische Bezeichnung „Brühl“-„Brohr findet sich heute noch auf dem Nunkircher Bann. Nicht weit davon, zwischen den Häusern am alten Marktplatz vor der Kirche und der Brühl liegt die Selling, Salling, früher das Salland, das dem Meier gehörte.
Von Gertraudentag (17. März) bis nach der Ernte war das Vieh durch einen Zaun vom Ackerland getrennt. In Nunkirchen war das wohl nicht nötig, da der Sellerbach = Sallerbach die Wiesen des Meiers von seinem Salland trennte. Der Ackerflur lag den Höfen der Hofgenossenschaft am nächsten, und so dürfen wir annehmen, dass hier im Oberdorf der älteste Teil Nunkirchens lag (1)“. Eine Annahme, die bereits zuvor schon angedeutet worden war.
Die fränkische Landverfassung begann um die Wende zum zwölften Jahrhundert zu verfallen. Nun setzten neue Rodungen und Urbarmachungen durch die Dorfbewohner ein. Das Urbar zieht weitere Kreise, Waldstrecken werden gerodet und ausgestockt. Hierher gehört auch die Urbarmachung der „Stockstücker“ und des „Murtengartens“, in dem damals die Möhren angepflanzt wurden. Beim Geisweiler Wäldchen gibt es eine Flurteilung, „Raatz“ genannt. Dieses Feld ist aus dem Geisweiler Wäldchen gerodet, gereutet, gereetzt worden.
Die Dorfmark war das für eine Sippe abgegrenzte Gebiet, die Gemarkung, die Flur. Das um das Dorf liegende Land wurde je nach Bodenverschiedenheit in einzelne fest begrenzte Abschnitte oder Gewanne zerlegt. Um keine Nachteile entstehen zu lassen, erhielt jeder Dorfgenosse in jedem Gewann einen Teil. Dieses aus solchen Gewannteilen bestehende Anwesen führte den Hamen „Hufe“. Zum „Behufe“ einer Familie gehörte also das, was eine Familie haben soll.
Die fränkischen Könige, Eigentümer des eroberten römischen Besitzes geworden, belohnten diejenigen, die ihnen besondere Dienste geleistet hatten mit der Zuteilung umfangreicher Ländereien. So entstand ein neuer Großgrundbesitz, teils in den Händen von Kriegsmannen und Beamten, teils in denen der Geistlichkeit. König Pippin schenkte 761 dem Erzbischof Weorad von Trier Klöster, Abteien, Kirchen, Kastelle, Dörfer und Höfe mit ihren Familien, Äckern, Weinbergen, Wiesen und Waldungen zwischen der oberen Prims, der unteren Saar und der mittleren Mosel. Karl der Große bestätigte 773 diese Schenkung und fügte im Jahr 802 sämtliche Forsten dieses Gebietes, die bisher dem König gehörten, noch hinzu.
Die fränkischen Könige teilten das Land in Gaue ein. Unser Gebiet gehörte zum Triergau, der das rechte Saar- und Moselufer von Merzig bis Wintrich und den anschließenden Hochwald umfasste. Eine Urkunde, am 9. Sept. 902 von König Ludwig dem Kind ausgestellt, setzte den Trierer Bischof in den Besitz der vollen gräflichen Gewalt über den Triergau. Seit jener Zeit war nicht mehr die Rede von einem Triergau, dessen Graf der Bischof geworden war. Der Trierer Bischof war nun nicht mehr ausschließlich geistlicher Oberhirte, er war auch Fürst und Landesherr geworden.
Im 13. Jahrhundert wurde das Kollegium der sieben Kurfürsten gebildet. Seiner Machtstellung entsprechend wurde der Erzbischof von Trier als dritter geistlicher Kurfürst heben denen von Mainz und Köln in das Kollegium aufgenommen, dem als weltliche Kurfürsten der Pfalzgraf bei Rhein, der König von Böhmen, der Herzog von Sachsen-Wittenberg und der Markgraf von Brandenburg angehörten. Heinrich II. von Vinstingen (1260 bis 1286) war der erste Kurfürst von Trier gewesen.
Kurfürst Balduin (1307 bis 1354) teilte den Kurstaat Trier in das Ober-Erzstift mit der Hauptstadt Trier und das Nieder-Erzstift mit der Hauptstadt Koblenz ein. Zum Ober-Erzstift gehörten u.a. die Ämter Saarburg, Merzig und St. Wendel. Nunkirchen war ursprünglich dem Amt Saarburg, später dem Amt Merzig und der Pflege Losheim zugeteilt.
Mittelpunkt eines Amtes war in der Regel eine Burg. Für unseren Bereich waren die Saarburg für das Amt Saarburg und die Grimburg für das gleichnamige Amt zuständig. Die Verwaltung gliederte sich in Ämter und diese wiederum in Pflegen. Ein Amtmann führte die Geschäfte. Ein Kellner verwaltete die Finanzen. Vögte, zumeist in den Burgen wohnhaft, hatten die Aufgabe, die geistlichen Grundherren bei Streitigkeiten zu vertreten und zu schützen. Für Nunkirchen war der Burgvogt von Büschfeld zuständig, wo 1322 eine Burg zum Schutz der Handelsstraße Merzig-Tholey errichtet worden war.

Rechtswesen
Die Rechtsprechung erfolgt im Namen des Erzbischofs und Kurfürsten durch Schöffengerichte, die aus dem Schultheiß (Meier, Vogtmeier, Dingvogt) und 7 oder 14 Schöffen bestanden. Zu Schöffen wurden gewöhnlich die Vorstände der Dorfschaften (Zendereien), die Zender, gewählt, die auch im Grundgericht und Vogtgericht amtierten. Der Gerichtsherr ernannte den Vorsitzenden, den Dingvogt, und gab ihm den Stab in die Hand. Die genauen Amtshandlungen bei der Sitzung des Hochgerichts mit Fragen und Antworten zwischen dem Dingvogt und den Schöffen beschreibt das Nunkircher Weistum von 1587, das im Heimatbuch aus dem Jahr 1957 ausführlich angeführt wird.
Die Schöffen waren gewissermaßen die Gesetzgeber des Ortes. Ihre Rechtskenntnisse beruhten größtenteils auf Herkommen und Gewohnheit. Sie „wiesen das Recht“, daher der Name „Weistum“. Um die Rechtsformeln besser im Gedächtnis behalten zu können, wurden sie in stabreimende Zeilen gefasst: Haus und Hof, Leib und Leben, Kind und Kegel, Schutz und Schirm, frank und frei u.a. (5). Urkundlich wurde dieses Gewohnheitsrecht seit dem 13. Jahrhundert in den Weistümern aufgezeichnet. „Selbst nach der Gründung der Trierer Universität 1473, als das römische Recht gelehrt und angewandt wurde, blieb das Gewohnheitsrecht in der Gerichtspraxis bestimmend. Eine Amtsanordnung im Jahr 1574 drang darauf, in jedem Flecken und Dorf, an jedem Gericht ein Buch anzulegen, in das Weistümer jeder Art mit ausführlicher Darlegung dessen, wie jeder darin behandelte Punkt üblich, dem Herkommen entsprechend und gebräuchlich sei, aufgenommen werden sollen…“(4).
Eingeteilt in Hochgerichte – sie waren die Nachfolger der vormaligen Grafengerichte –, in eine mittlere Gerichtsbarkeit und eine Grundgerichtsbarkeit, wurden die verschiedenen Strafsachen verhandelt. Das Hochgericht – für unseren Bereich die Hochgerichte in Saarburg und Merzig – waren zuständig für Mord, Brandstiftung, Zauberei, Diebstähle, Wegelagerei und Verrat. Innerhalb der Hochgerichtsbezirke der Landesherren lagen allenthalben die eximierten (Anm.: von der Landesherrlichkeit ausgenommen) Gebiete geistlicher und weltlicher Grundherren, die für ihre Hörigen und freien Hintersassen ihre eigne Gerichtsverfassung besaßen (Hofrecht). An diese grundherrlichen und Immunitätsgerichte mit einem Schultheiß an der Spitze erinnern noch Namen wie Domfreiheit und Irminenfreiheit in Trier.
Nunkirchen, Wahlen und Niederlosheim bildeten zusammen ein Hochgericht, welches neben der Mittel- und Grundgerichtsbarkeit zu 2/3 dem Erzstift und zu 1/3 den Herren von Zandt und von Hagen gemeinschaftlich zustand. Ausgeübt wurde die Gerichtsbarkeit durch das Amt in Merzig und die Mitherren. Nur für die Grundgerichtsbarkeit bestand ein besonderes Gericht in Nunkirchen, aus dem Meier und 7 Schöffen zusammengesetzt.
Die Besonderheit, dass in Nunkirchen seit 1277 ein Hof des Trierer Domkapitels lag, gibt dem Gerichtswesen einen genaueren Hintergrund. „Das Domkapitel überließ 1312 dem Ritter Boemund von Dagstuhl die niedere Gerichtsbarkeit in Nunkirchen und Wahlen, freilich nicht für immer. Nach dem Weistum von 1419 stand die Hochgerichtsbarkeit in beiden Orten dem Domkapitel zu, das seine Rechte zusammen mit denen in Niederlosheim 1560 dem Erzbischof verkaufte. 1568 verkaufte das Domkapitel auch den salischen Zenten von seinen Hofländereien an Johann von Hagen zu Büschfeld, dessen Geschlecht seit geraumer Zeit in diesem Gebiet Fuß gefasst hatte“ (6).
Zu jedem Gericht gehörte damals ein Galgen, an dem die Hinrichtung durch den Strang vollzogen wurde. In Nunkirchen befand sich dieser Galgen auf dem heute „Galgenberg“ genannten Hügel. Ihren letzten Gang gingen die Verurteilten durch die heute noch im Volksmund „Schäksgaß“ genannte Straße „Im Newer“. Die „Schäksgaß“ hält die Erinnerung wach an die „Schächergasse“.
Die Mittel- oder Vogtgerichtsbarkeit entschied über bürgerliche Streitigkeiten und geringe Vergehen. In der Grundgerichtsbarkeit wurden, wie der Name sagt, Urteile in Sachen Grund und Boden gefällt.

Fronden
Ein Erscheinungsbild des Mittelalters, das sich bis in die Neuzeit hineinzog soll kurz dargestellt werden: Es ist die Leibeigenschaft der Bauern-. Sie rührt aus derbei den Germanen bestehenden Gesellschaftsteilung in Freie und Hörige her. Dass später immer mehr Freie zu Hörigen wurden, zu Leibeigenen, findet seine Begründung im Lehnswesen.
Die Dienstbarkeit der Hörigen vererbte sich auf die Nachkommen. Im Ackerbau bestand die hauptsächliche Leistung der Hörigen oder Huber, da sie ihre Höfe nicht als Eigentum besaßen, sondern damit beliehen waren. Zweierlei Verpflichtungen hatten sie zu erfüllen: Naturallieferungen und Frondienst.
Für Nunkirchen traf folgendes zu: Die Fronden standen den Herren von Zandt und von Hagen allein zu. Die Einwohner mussten dem Freiherrn von Hagen jährlich je einen Tag Land fahren, Hafer säen, mähen, aufmachen und zum Scheuer führen, einen Tag Land brachen, einen Tag Korn schneiden, binden und einführen, dann wegen einer Weinfuhre 5 Thaler bar zahlen, einen Tag Dung ausfahren, ihn einen Tag spreiten, einen Tag Röder hauen (Anm.: Röder = abgeholzte Lohhecken) und einen Tag brennen. Ferner musste jeder Haussässige ein Pfund Hanf oder Werg spinnen, das ihnen von der Herrschaft gegeben wurde. Daneben mussten die Nunkircher Einwohner mit Büschfeld und Biel jedes Mal bei den herrschaftlichen Bauten am Schloss und der Mühle zu Büschfeld mit Gespann und Hand ungemessene Fronden leisten (3).
Der Freiherr von Zandt war Patron und bezog von jedem Schornstein 2 Hühner sowie 1/3 des Zehnten mit den Gottbillschen Erben gemeinsam.
Die Jagd war zu Nunkirchen und zu Wahlen zwischen dem Erzstift und dem Freiherrn v. Zandt gemeinschaftlich, ebenso die Fischerei im Niederlosheimer Bach von Nunkirchen bis Münchweiler. Der übrige Teil der Jagd und der Fischerei auf den drei Bannfluren von Nunkirchen, Wahlen und Niederlosheim stand dem Erzstift allein zu.
Der Große Lückner bei Wahlen stand dem Herrn v. Zandt mit 1/3 gegen das Erzstift zu, war aber ganz der landesherrlichen Forstordnung unterworfen, so dass der Mitbesitzer nur das ihm angewiesene Holz fällen durfte. Der Kleine Lückner war ganz kurfürstlich (3).
Wie verwickelt die Rechte der einzelnen Herrschaften waren, beweist die Jagd- und Fischereiberechtigung im Hochgerichtsbezirk Nunkirchen. Die Vögte von Hagen besaßen eigentlich das Recht zum Jagen und Fischen. „Wenn aber“ – so berichtet Max Müller in seinem Aufsatz „Das Wirtschaftsleben unserer Altvorderen“ (Wadern, 1930) – „bei Treibjagden der Grundherr, der Kurfürst von Trier, erschien, so stand ihm das Recht zu mitzujagen, falls bei seiner Ankunft die Hunde schon losgelassen waren. Waren sie jedoch am Stricke fest, so stand das Jagdrecht dem Vogt allein zu. Kam der Grundherr zum Fischen, so lange die erste und zweite Klaus (Anm.: Unter „Klaus“ verstand man eine abgedämmte Strecke am Bach!) im Bache gemacht war, so hatte er die Hälfte der Beute zu beanspruchen. Erschien er aber erst zur dritten Klaus, dann gehörte der ganze Ertrag des Fischzuges dem Vogt.“
Nun ist es nicht so, dass der Begriff „Fronden“ mit dem Ausgang des Mittelalters sein Ende gefunden hätte. In vielen Formen blieb das Fronden auch in der Neuzeit erhalten. Da gab es z.B. in Nunkirchen eine „Frohndienstordnung“, aufgestellt in der Ratssitzung am 16. Dezember 1905. In ihr wurde zur Ausführung des 68 des Kommunalabgabegesetzes vom 14. Juli 1893 für die Leistung der Gespanndienste in der Gemeinde Nunkirchen in 11 Ziffern genau bestimmt, was im einzelnen zu leisten war an Spann- und Handdiensten bei Wege- und Unterhaltungsarbeiten. Es klingt beinahe nach Mittelalter, wenn es da heißt: „Alle Pflichtigen derselben Feuerstellen werden bei der Leistung von Handdiensten als eine Gemeinschaft angesehen. Sie werden zusammen nicht stärker als eine Haushaltung, der nur ein Pflichtiger angehört, herangezogen. Weibliche Pflichtige, zu deren Haushaltung erwachsene männliche Personen nicht gehören, werden möglichst zu den leichteren Arbeiten herangezogen.“
Kein Pflichtiger konnte sich drücken. Die Ziffer 10 beweist es: „Der Gemeindevorsteher lässt ferner im Auftrag des Bürgermeisters für die säumigen Pflichtigen, die weder hinlänglich entschuldigt sind, noch einen tauglichen Stellvertreter gestellt, noch sich zur Leistung eines Geldbetrages bereit erklärt haben, die Dienste durch Dritte ausführen.“ Und später? Die Gemeinderatssitzung am 14. September 1935 bestimmte im Punkt „Frondienstordnung“: „Handdienste werden von jedem geleistet, der einen eigenen Herd führt.“

b) Die Zeit des 30-jährigen Krieges und des Hexenwahns
Unruhen und Verlauf des 30-jährigen Krieges können hier nicht dargestellt werden. Sie sind allgemein bekannt. Für Nunkirchen und seine Umgebung beginnt mit der Zeit nach der Schlacht bei Nördlingen am 7. September 1634 die eigentliche Leidenszeit. Die Erzählung Die Glocken von Nunkirchen soll diese Zeit in Erinnerung bringen.
Als 1648 Frieden geschlossen wurde, zählt der vordem (1632) noch 25 Haushaltungen umfassende Ort Nunkirchen nur noch eine einzige Feuerstelle, an der sich lt. Familienregister der Pfarrei acht Familien aufhielten.
Eine Epoche schlimmster menschlicher Verirrungen war die Zeit des Hexenwahns. Im furchtbaren Elend des 30-jährigen Krieges sah man das Wirken des Teufels, der in seinen menschlichen Werkzeugen, den Hexen, die Menschheit quälte. Es ist allerdings nicht so, dass erst mit dem 30-jährigen Krieg und seinen Auswirkungen der Hexenwahn begann und sich ausbreitete. Der Glaube an das Wirken übersinnlicher Kräfte ist bereits in der antiken Welt vorhanden gewesen. Kristallisiert hat sich dieser Glaube in den Hexenprozessen zwischen 1570 und 1650. Aber auch später wurden noch Hexen verbrannt. Der letzte Hexenprozess im deutschsprachigen Raum mit einer Verurteilung wurde 1782 im schweizerischen Glarus geführt.
Uns interessiert in diesem Zusammenhang die Antwort auf die Frage, ob es auch in Nunkirchen Hexen gegeben hat, die in einem Prozess zum Feuertod verurteilt wurden. Kurt Hoppstädter hat in seiner umfassenden Darstellung „Die Hexenverfolgungen im saarländischen Raum“ (Zeitschrift f.d. Geschichte der Saargegend IX- 1959) in der Übersicht „Hingerichtete“ für Nunkirchen Kue Engel, verurteilt 1590 durch das Hochgericht Nunkirchen/Wahlen/Niederlosheim und New Mattheiß Schnur Entgen, verurteilt 1594 durch das Hochgericht Dagstuhl, angeführt. Meine Versuche, die Prozessakten dieser Angeklagten aus Nunkirchen aufzufinden, hatten keinen Erfolg. Lt. Auskunft von Prof. Dr. Herrmann sei es möglich, dass sie in einem Prozess als Mittäter genannt, aber nicht hingerichtet wurden.
Auffallend ist, dass in Nunkirchen außer den beiden Genannten keine anderen Hexen oder Hexer bekannt sind, während in der Aufstellung Hoppstädters unter den Hingerichteten in der näheren Umgebung von Nunkirchen für Noswendel 5, Wadern 4, Wedern 6, Weierweiler 16, Thalien 2 erwähnt sind.

c) Nach dem 30-jährigen Krieg bis zum Ende des Kurstaates
Die Besiedlung des Dorfes und die Bestellung der Felder nach den Verwüstungen des 30-jährigen Krieges nahmen naturgemäß eine längere Zeit in Anspruch. Kriegerische Ereignisse jener Zeit, ausgelöst durch die Macht- und Herrschaftsansprüche des französischen Königs Ludwig XIV., verhinderten zudem jeden länger andauernden Aufbau. Der erste (1667 bis 1668) und zweite „Raubkrieg“ (1672 bis 1678) des „Sonnenkönigs“, in denen es hauptsächlich um Eroberungen in den Niederlanden ging, brachten vor allem in den 70er Jahren unserer Gegend durch die dauernden Truppenbewegungen neue Bedrückungen. Aus dieser Zeit wie auch aus den folgenden Jahren des dritten „Raubkrieges“, dem pfälzischen Krieg (1688 bis 1697), dem spanischen und polnischen Erbfolgekrieg (1700 bis 1714 und 1733 bis 1735) sind Belege über die dadurch verursachten Drangsale in Nunkirchen nicht vorhanden. Es darf mit Gewissheit angenommen werden, dass die französische Besatzungsmacht eine harte Steuerlast den Bewohnern des Kurstaates aufgebürdet hat. Dazu kamen die Leiden der dauernden Kriegsoperationen an Saar und Mosel sowie in unserer Gegend.
Im polnischen Erbfolgekrieg z.B. ließ Kurfürst Franz Georg von Schönborn im Jahr 1733 die Burg Dagstuhl zerstören, um sie nicht den Franzosen als Stützpunkt überlassen zu müssen. Als Stanislaus Leszcynski 1766 starb, fiel Lothringen samt seinen saarländischen Teilen, darunter das Haustadter Tal und der Geisweiler Hof, vertragsgemäß an Frankreich.
1778 wurde an der Westgrenze des Reichs ein halbes Jahrtausend andauernder Kampf um die Grenze beendet: Die Teilung der bisherigen Gemeinherrschaft (Kondominium) Merzig-Saargau zwischen dem Kurstaat Trier und Frankreich. Seit diesem Jahr bildete die Saar von Beckingen bis Saarhölzbach die Grenze des Kurstaates gegen Frankreich. Merzig war bei der Grenzziehung Amtssitz der neu gewonnenen Gebiete zuzüglich der vorher zum Amt Saarburg gehörigen Pflege Losheim geworden. Damit gehörte Nunkirchen ab 1778 zum Amt Merzig in der Pflege Losheim. Der Ort zählte damals 307 Einwohner bei einer Gemarkungsgröße von 1.001 ha (4). Außer Nunkirchen (Nunckirch) gehörten „Losheimb, Niederlosheim, Wähle, büschfeft, oppen, Düppendwyhier, rißenthal, rimbling, bachem, Brodorff, Haußbach, britten, bergen zur Pflege Losheimb“ (aus Schätzungsanschlag des Amtes Saarburg vom 2. Oktober 1683).
Aus der Aufbauzeit nach dem 30-jährigen Krieg liegen einige schriftlichen Vorgänge vor, die beweisen, dass die Verwaltung sich nahtlos an die Zeiten vor dem Krieg anschloss. So besagt ein Revisionsbericht vom 3. Juni 1671, dass die Schätzung auf den Schafft (Anm.: „Schafft“ bedeutet soviel wie Besitztum, das der Lehnsherr als sein Eigentum in Pacht gegeben hat) durch eine Kommission vorgenommen wurde. Dabei wurden Niclaß Weinandt, Neumannß Peter, Schmits Clauß, Hanß Wilhelm Nagel, Wartens Joes (Anm.: Johannes), Frantz Nagel, Baltheiß Thones, Joes Schmidt als Steuerpflichtige genannt.
Nunkirchen besaß nach den Saarburger Steuerlisten aus dem Jahr 1684 acht Feuerstellen. Wie viel Personen dazu gehörten, ist nicht angegeben. In einer Abschreibungsliste des Amtes Saarburg aus dem Jahr 1660 erscheinen außer den zuvor Genannten: Thoneß Johannerß, Johantgeß Mertes, Endres Hanß, Steffen Dietz. Des Interesses halber soll noch angemerkt werden, dass Pfarrer, Hirten, Büttel (Flurschützen) nicht steuerpflichtig waren.
Dass auf die Dauer die wenigen Steuerpflichtigen aufbegehrten und sich gegen die Aufnahme von Geringstbemittelten wandten, beweist ein Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 1778. in ihm wird genau bestimmt, welche Zahlungen die eingeheirateten und zugezogenen Bürger zu leisten hatten.
Die Ratsherren wollten um des lieben Friedens willen Streitigkeiten, wie bereits in benachbarten Gemeinden wegen dieses Umstandes vorgekommen waren, vermeiden und setzten Gebühren fest für die Zugänge, vor allem für die, welche „an den abgelegten Gemeinden“ nach Schulden zu zahlen hatten. Die Räte baten um Zustimmung des Kurfürsten für die Erhebung der Gebühren. Es unterzeichneten mit Schriftzug: Peter Naumann, Thiel Weyandt, Peter Scheffer, Johannes Spang, Peter Weyandt, Niclaß Lehnen, Frantz Klässer, Niclas Mauer, Petter Paulus, Franz Weyand; mit Handzeichen: Jacob Klesser, Johannessen Thönes, Matheißen Schneider junioris und sinioris, Friederichen Joost, Johannessen Mayer, Adamen Becker, Joehsen Kuhn, Philipsen modo (Anm.: mit Übernamen:) Joehsen Paulus, Peter Klesser und Johannes Becker (?) als Bürgermeister (9).

Französische Revolution
Einen tiefen Einschnitt in die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des ausgehenden 18. Jahrhunderts durch den Bruch mit dem Feudalsystem bedeuteten die Frz. Revolution und ihre Folgen. Wenn man es so betrachten will, steht ein Eintrag im Familienbuch der Pfarrei Nunkirchen im Zusammenhang mit dem Untergang der kurfürstlichen Feudalherrschaft. Da steht verzeichnet: „Johann Weyand, geb. 4.12.1774 zu Nunkirchen; Sohn des Franz Weyand, geb. 19.7.1752 in Nunkirchen und der Anna Maria Schillo, geb. 1750 in Wahlen, starb als kurfürstlicher Soldat in Trier.“
Wann und welchen Umständen er starb, ist nicht angegeben. Starb er auf dem Krankenlager oder fiel er in den Kämpfen gegen die französischen Revolutionstruppen, die seit 1792 dem abrückenden preußisch-österreichischen Heer (20. Sept. Schlacht bei Valmy) auf dem Fuß folgten und Ende September Merzig besetzten? Beim Angriff der Franzosen auf Trier, das von österreichischen und kurtrierischen Truppenerfolgreich verteidigt wurde, könnte der junge Nunkircher Soldat Weyand gefallen sein.
Die Kämpfe in den Jahren 1792 bis 1794 zwischen den österreichischen und preußischen Truppen gegen die frz. Revolutionstruppen in unserer Gegend, vor allem bei Weiskirchen, brachten auch die Ortschaft Nunkirchen in große Bedrängnis. Die Geschichte um das „Franzenskreuz“ hat als Hintergrund die Kampfhandlungen jener Jahre.
Zwei Jahre später eroberten die Franzosen im April 1794 unter General Moreau, dem späteren Gegner Napoleons, die Moselstadt. Zwei Monate später wurde am 24. Oktober Koblenz den Franzosen übergeben. Die deutsche Besatzung reichte zur Verteidigung der Feste Ehrenbreitstein nicht aus. Kurfürst Clemens Wenzeslaus hatte die Stadt bereits am 5. Oktober verlassen, um niemals mehr zurückzukehren. Die Franzosen waren die neuen Herren des Kurstaates geworden und sollten es bis 1813/14 bleiben. Der Friedensschluss von Lunéville (1801) setzte formell dem Kurstaat ein Ende, der Wiener Kongress 1814/15 übergab den Teil links der Mosel mit Aachen als Hauptstadt dem Königreich Preußen, während der rechte Teil mit Kreuznach als Hauptstadt unter österreichisch-bayerische Verwaltung kam. Österreich trat am 3. November 1815 die ihm durch den Wiener Kongress zugesprochenen Kantone Saarburg, Merzig, Wadern, Tholey und Ottweiler an Preußen ab. Die trierischen Lande, somit auch Nunkirchen, waren preußisch geworden.

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II. Die Franzosenzeit (1794 bis 1814)
Von Fritz Glutting

Es ist unleugbare Tatsache, dass die einfachen Leute die Parolen der Französischen Revolution von der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit begeistert aufnahmen und den flüchtigen Adeligen kaum eine Träne nachweinten. Die allenthalben aufgerichteten „Freiheitsbäume“ waren Ausdruck dieser Begeisterung und erwartungsfrohen Haltung, die ihre Berechtigung besaß, wurden doch im Kurfürstentum Trier sowohl der geistliche wie weltliche Zehnte nach dem Einrücken der frz. Revolutionstruppen aufgehoben. Die Leibeigenschaft, die es in wenigen Gemeinherrschaften immer noch gab, wurde ebenfalls nach der Besetzung des Erzstifts, die am 1. September 1794 vollzogen war, abgeschafft. Doch bald zeigte es sich, dass anstatt der alten Lasten neue auf die Einwohner gekommen waren: Die alte Gemeindeverfassung musste zugunsten einer Zusammenlegung mehrerer Gemeinden weichen. „Mairie“ hieß die neue kommunale Behörde mit einem „maire“ und seinem Beigeordneten, Adjunkt genannt, an der Spitze. Diese Vorsteher wurden entsprechend der streng zentralistischen frz. Verfassung von einer oberen Behörde ernannt und nicht mehr von den Bürgern gewählt. Wie Keulenhiebe sausten unerschwingliche Kontributionslasten auf die Bürger nieder. Eine Tabelle über die von der Gemeinde Nunkirchen – der Ort hatte in dieser Zeit 275 Einwohner – an die französischen Truppen abgelieferten Naturalien, Waren und Geld in den Monaten Oktober, November und Dezember 1794 weist nach: an Früchten vom Eigentum: 83 Pfund Korn; 135 Pfd. Hafer; 860 Pfd. Stroh; an Früchten vom „Zehnten und Zinßen“: 17.192 Pfd. Korn; 4.563 Pf. Hafer; 114 Pfd. Brot; 64 Pfd. Hammelfleisch; 9 Pfd. Schweinefleisch, 9 Maaß Wein; 26 Maaß Bier; 4 Maaß „Brandtenwein“; 1 Pferd; 30 Malter „zehend Grundbieren“. An Geld mussten 234 Reichthaler, 35 albus entrichtet werden.
Am 1. Nivôse 10. Jahrs (22. Dez. 1801) wurde vom maire der mairie Weyerweiler sämtlichen mairie-Gemeinden bekannt gemacht, dass ab diesem Datum der maire ein Ab- und Zuschreibebuch über jede Veränderung, besonders jede Eigentumsveränderung unbeweglicher Güter geführt werde. Die Gemeinde-Einwohner hätten daher jede Güterveränderung, sei es Kauf oder Verkauf bei der mairie anzuzeigen. Grund dieser Zu- und Abschreibung war die Festsetzung der Kontributionslast.
Die frz. Verwaltungs-Organisation hatte nach mehrmaligen Änderungen folgendes Aussehen: Anstelle der vormaligen kurfürstlichen Einteilung in Territorien und Bezirke stand nach dem Frieden von Lunéville 1801 und einer nochmaligen Änderung 1813 ein Department mit Arrondissements, Cantonen und Mairien.
An der Spitze des Departements stand ein Präfekt, das Arrondissement wurde von einem Unterpräfekten, die mairie von einem maire geleitet.
Nunkirchen gehörte zur Maine Weyerweiler, Canton Wadern, Arrondissement Birkenfeld und dem Saar-Departement mit Sitz in Trier.
Bevor auf einige Schreiben in der „Franzosenzeit“ eingegangen werden kann, soll der so genannte republikanische Kalender erklärt werden: Er begann am 22. September 1792, dem Gedenktag der Abschaffung des Königtums und der Einführung der Republik, und teilte das Jahr in zwölf Monate mit je 30 Tagen und zusätzlich fünf oder sechs Tagen als Feiertage zum Gedenken revolutionärer Ereignisse ein. Beispielsweise dauerte das republikanische Jahr IX vom 23.9.1800 bis 22.9.1801; das Jahr X vom 23.9.1801 bis 22.9.1802; das Jahr XI vom 23.9.1802 bis 22.9.1803 usw. Napoleon schaffte diesen Kalender wieder ab und führte ab 1. Januar 1806 den althergebrachten und bis heute gültigen Gregorianischen Kalender ein. Die Monatsnamen des republikanischen Kalenders Vendemiaire (Weinmonat Sept./Okt.); Brumaire (Nebelmonat=Okt./Nov.); Frimaire (Reifmonat= Nov./Dez.); Nivôse (Schneemonat=Dez./Jan.); Pluviôse (Regenmonat=Jan./Febr.); Venôse (Windmonat = Febr./März); Germinal (Keimmonat = März/April); Floréal (Blütenmonat=April/Mai); Prairial (Wiesenmonat=Mai/Juni); Messidor(Erntemonat = Juni/Juli); Termidor (Wärmemonat = Juli/Aug.); Fructidor (Früchtemonat = Aug./Sept.).
Wer war der erste maire (Bürgermeister) der mairie (Bürgermeisterei) Weyerweiler : gewesen? M. Müller stellt ihn im Heimatbuch 1957, S. 98 im Gerbereibesitzer Josef Schneider aus Nunkirchen mit einer Amtszeit von 1794 bis 1804 vor. Zumindest die Amtszeit kann nicht stimmen. Es liegt nämlich ein Schreiben des „citoyen“ (Anm.: Bürger) Hugo von Zandt vor, gerichtet am 19. Germinal X (Anm.: 9. April 1802) an den Bürger Johann Klauck aus Weierweiler mit folgendem Inhalt: „Den 22. frimaire X (Anm.: 13. Dez. 1801) habe ich bei dem Präfecten des Saar-Departements um meine Demission als Maire angestanden und solche durch ein Arrete vom 19. Ventöse (Anm.: 10. März 1802) erhalten. – In diesem Arrete, das mir meine Demission gestattet, sind Sie von der Präfectur ernannt, u m provisorisch die functionen als Maire zu versehen, weshalb ich Ihnen die Mairie-Papiere gemäß diesem arrete ausliefern muss. Hiermit empfangen Sie das duplicat dieses arrete, mit dem Ersuchen, sich heute Mittag dahier einzufinden, um die Mairie-Papiere heute Mittag in Empfang zu nehmen, und solchen Empfang mir zu bescheinigen, damit Sie dadurch in Stand gesetzt werden, die functionen als provisorischer Maire der Mairie Weyerweiler anzutreten und zu versehen. Gruß! H. Zandt.“

Dieser Brief wie auch die folgenden Schriftstücke sind in den Archivakten des Bürgermeisteramtes Weiskirchen vorhanden. Sie sind durch Vincenz Lay, einem gebürtigen Nunkircher, als Unterlagen seiner Forschungen über das Amt Weyerweiler an Weiskirchen übergeben worden. Er beweist eindeutig, dass Hugo Carl von Zandt maire von Weyerweiler gewesen ist. Das passt auch zeitlich zu der Feststellung im Heimatbuch 1957, S. 31, wo M. Müller schreibt: „Nach dem Frieden von Lunéville 1801 konnte die Familie Zandt wieder zurückkehren und durch Zahlung einer hohen Kontribution an den frz. Staat ihr Schloss wieder beziehen…“ Es muss hier festgestellt werden, dass Hugo Carl v. Zandt bereits 1800 in Weiskirchen gewohnt hat. Das Jahr 1800 ist geschichtlich belegt durch die Anlage zu einem Schreiben des Birkenfelder Unterpräfekten Courchamp vom 19. Vendemiaire IX (Anm.: 11. Oktober 1800) an den Präfekten des Saar-Departements in Trier, in der „le citoyen Hugo Zandt, grand proprietaire“ (Anm.: „der Bürger Hugo Zandt, Großgrundbesitzer“) als maire der mairie de Weyerweiler vorgeschlagen wird. Sein Adjunkt sollte Johann Klauck aus Weyerweiler sein. Ein Vorschlag, der, wie bereits dargestellt, angenommen wurde. Ein weiterer stichhaltiger Beweis für die Tatsache, dass Hugo v. Zandt maire gewesen sein muss, liefert ein Schreiben vom 27. Pluviôise (Anm.: 16. Febr. 1802) der mairie zu Weyerweiler an den Bürger Ormechweiler, Präfekt des Saar-Departements, über Bannstreitigkeiten zwischen Nunkirchen und Wahlen. Da heißt es zum Schluss:“Dies habe der Präfectur nach meiner Meinung ohnverhalten wollen, damit sie das Wahre dieser Sache erfahre, welches ich am besten wissen kann, weilen ich in der Vorzeit Grund- und Hochgerichtsherr dieser beiden Gemeinden war. Gruß! Hochachtung!“
Es ist keine Unterschrift vorhanden. Unleugbar kann jedoch nur Freiherr Hugo v. Zandt als maire dieses Schreiben verfasst haben, zumal das Datum vom 16. Febr. 1802 darauf hinweist, dass von Zandt noch im Amt gewesen ist. Sein Nachfolger war, wie aus den vorliegenden Schreiben ersichtlich ist, Johann Klauck aus Weyerweiler und nicht, wie M. Müller angibt, Matthias Spang, Ackerer und Gastwirt aus Nunkirchen mit einer Amtszeit von 1804 bis 1816. J. Klauck amtierte als provisorischer maire vom März bis Juni 1802, um dann Josef Schneider sein Amt zu übergeben.
Die genaue Antwort auf die Frage nach dem ersten maire der mairie Weyerweiler kann wegen fehlender Unterlagen nicht gegeben werden. War es tatsächlich Josef Schneider gewesen, wie Müller meint? Dann hätte Schneider nach seiner Amtsführung von 1794 bis 1800 im Juni 1802 zum zweiten Mal das Amt angetreten, das er mindestens meinen Unterlagen nach nachweislich bis 1805 innehatte, was seine Berichte über Pfarrei- und Schulangelegenheiten aus dem Jahr XIII (Anm.: vom 23.9.1804 bis 22.9.1805) beweisen. Anschließend ist wieder eine Namenslücke bis 1816 festzustellen.
Matthias Spang war in diesen Berichten als „municipalrath“ (Anm.: Ortsvorsteher) von Nunkirchen angegeben. Ob er nach Josef Schneider maire der mairie Weyerweiler geworden ist, konnte ich nachweislich nicht belegen.
Wie bereits angeführt, liegen einige amtliche Schreiben aus der „Franzosenzeit“ vor, die Aufschluss über Zustände und Vorkommnisse in jenen Jahren geben. So z.B. wechselten über die Einstellung einer Hebamme im Jahr 1802 einige Schreiben zwischen der mairie in Weyerweüer und dem arrondissement in Birkenfeld hin und her. Auf eine allgemeine Anordnung des Unterpräfekten vom 20ten Floreal (Anm.: 10. Mai 1802) über die Einstellung von Hebammen fügte maire Klauck für die Gemeinden Nunkirchen und Michelbach hinzu: „Dieses wichtige Schreiben dünkte mir für die Gemeinden Nunkirchen und Michelbach dermalen sie sich grad mit der Wahl einer Hebamme beschäftigen, zu interessant, zu nützlich, zu heilsam und zu notwendig, als dass ich mich hätte enthalten können, Ihnen davon eine wörtliche Übersetzung mitzuteilen; indessen will ich aber dabei nicht stehen bleiben, sonder ich verlange von den beiden Gemeinden Nunkirchen und Michelbach ernstlich, dass dieselben alsbald eine Hebamme auf gemeinschaftliche Kosten bei durch den zu Trier wohnhaften Professor Schneider examinieren lassen mit dem Bemerken, dass diese geringe Kosten sich durch die Verhütung des durch Ungeschicklichkeit der Hebamme verursacht werden können den ersten Unglücks schon reichlich bezahlen. – Auch halte ich die Männer von Nunkirchen und Michelbach für zu vernünftig und zu klug, als daß sie nicht durch eine geschickte Hebamme für die Wahl ihrer schwangeren Weiber, für Leben, Tod und Gesundheit ihrer Kindbetterinnen und neu geboren werdenden Kinder zu ihrem eigenen Familien Glück besorgt sein sollten., (gez.) Johannes Klauck maire.“
Am 6. Messidor X (Anm.: 25. Juni 1802) schlug Bürgermeister Klauck dem Unterpräfekten in Birkenfeld die verwitwete Stammel, geb. Agnes Herrenbrodt aus Saarwellingen als Hebamme in Nunkirchen und Michelbach vor. „Dieselbe ist ohngefähr 42 Jahre alt, kann lesen, schreiben, hat einen guten Ruf, mehr Menschenverstand als andere ihres Alters oder jüngere, die allenfalls auch zu einer Hebamme brauchbar wären, und wird, wenn sie nur instructive von dem Professor der Hebammenkunst erhalten wird, zur Hebamm tauglich sein…“
Im selben Schreiben wird der Bürger Heinrich Günster aus Wadern, Doctor und gewesener Dagstuhlischer Landphysikus vorgeschlagen, die Oberaufsicht im maire-Bezirk über die Hebammen zu führen, damit diese in gefährlichen und außerordentlichen Fällen sich an ihn wenden könnten.
In einem anderen Schreiben wurde die Gemeinde Nunkirchen eindringlich aufgefordert (28. Floreal – 18. Mai 1802), die Ausbesserung der Hauptwege und der Dorfbrücke auszuführen, andernfalls die mairie gezwungen wäre, bei der Präfektur Zwangsmittel anzutragen „Ohngeachtet es für den größten und bevölkersten Ort in der mairie schimpflich und ein Vorwurf von Nachlässigkeit wäre, sich von kleineren Orten in diesem Punkt ein Beispiel geben zu lassen,“ fügte der maire tadelnd hinzu.

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III. Im Königreich Preußen (1816 bis 1918)
Von Fritz Glutting

Per Übergang Blüchers über den Rhein in der Neujahrsnacht 1813/14 läutete das Ende der französischen Herrschaft auf dem linken Rheinufer ein. Die Jahre 1814/15 brachten in der Verwaltung einschneidende Veränderungen. So gehörte der Kanton Wadern anfangs zum Gouvernement des Mittelrheins mit Sitz in Trier. Nach dem Zweiten Pariser Frieden (20. Nov. 1815) und der Zusammenlegung des Großherzogtums Niederrhein mit dem Herzogtum Julien und Kleve/Berg wurde die Rheinprovinz gebildet mit dem Regierungspräsidium in Trier. Die Regierung in Trier begann ihre Verwaltungstätigkeit am 22. April 1816. Am 1. Mai 1816 kamen die Kantone Merzig, Wadern und Saarburg an Preußen. Für den Kreis Merzig kann als Gründungstag der 22. Juli 1816 angenommen werden, da an diesem Tag der erste Landrat seine Tätigkeit aufnahm.
Karte1820_smallDer Kreis Merzig wurde ursprünglich in zehn Bürgermeistereien eingeteilt. Nunkirchen kam mit Konfeld, Michelbach, Mitlosheim, Ober- und Unterthailen, Rappweilerund Steinberg zur Bürgermeisterei Weierweiler. Erster Bürgermeister wurde Freiherr Hugo v. Zandt, der bis 1822 amtierte. Unsere Karte rechts zeigt Nunkirchen und Münchweiler um 1820.
Die Bürgermeisterei Weierweiler war im Jahr 1843 nach Wadern und Hilbringen die drittgrößte im Kreis Merzig mit insgesamt 10 Ortschaften (Weiskirchen, Nunkirchen, Konfeld, Steinberg, Ober- und Unterthailen, Rappweiler, Zwalbach, Mitlosheim, Weierweiler) mit 4753 Einwohnern.
!n dieser Aufstellung (G. Barsch „Beschreibung des Regierungsbezirks Trier“) ist Münchweiler als Ortsteil von Nunkirchen angegeben. Danach bestand Nunkirchen aus den Ortsteilen Münchweiler Schloss (ein Weiler mit 2 Wohnhäusern, einer Kapelle und 24 Einw.); Münchweiler Werk (Hüttenwerk, 10 Wohnhäuser und 85 Einw.); Nunkirchen (ein Dorf mit Kirche, Schulhaus, 142 Wohnhäusern und 919 Einw.) sowie Gottbillshütte (vormaliges Eisenwerk mit 5 Wohnhäusern und 33 Einw.).
Auf die Namensänderung der Bürgermeisterei Weierweiler in Bürgermeisterei Weiskirchen soll hier kurz eingegangen werden. Weierweiler als ehemaliger Sitz eines Verwaltungsbezirks der Herrschaft Dagstuhl war für die französische Verwaltung der Anlass gewesen, der mairie den Namen Weierweiler zu geben. Die Amtsgeschäfte wurden an den jeweiligen Wohnsitz des maire getätigt. Weil Bürgermeister Keller anfangs der 40er Jahre keinen – Wohnsitz in Weiskirchen finden konnte, wollte er nach Nunkirchen ziehen, und aus der Bürgermeisterei Weierweiler wäre wahrscheinlich die Bürgermeisterei Nunkirchen geworden. Das ging der Weiskircher Gemeinde gegen den Strich. Sie kaufte nach langwierigen Verhandlungen ein Gebäude an der Trier-Saarbrücker Staatsstraße und richtete es als Amtsgebäude mit Wohnung für den jeweiligen Bürgermeister ein. Dieses Haus ist das Amtsgebäude bis heute – nach Umbau – geblieben. Ehe Bürgermeister Keller im Frühjahr 1848 Weiskirchen verließ, hatte er noch durchgesetzt, dass die Umbenennung des Amtes Weierweiler in Amt Weiskirchen durch eine Verordnung der Regierung in Trier vom 31. August 1847 erfolgte. Die Umbenennung wurde ab 1. Januar 1848 wirksam.
Bürgermeister Keller verließ mehr oder weniger fluchtartig Weiskirchen. Von da ab war Münchweiler Sitz des Bürgermeisters (Rene v. Zandt). Im Jahr 1862 wurde der Sitz der Bürgermeisterei wieder nach Weiskirchen verlegt und blieb es bis heute.
In Nunkirchen wurde nach der Einführung der preußischen Gemeindeordnung vom 23. Juli 1845 in der Sitzung am 13. August 1846 der erste Gemeinderat für die Zeit bis 1851 eingeführt und Jakob Spang zum Gemeindevorsteher gewählt.
Die verhältnismäßig ruhige politische Entwicklung nach der preußischen Besitzergreifung der Rheinlande 1815/16 („Biedermeierzeit“) wurde im Revolutionsjahr 1848 unterbrochen. Ein Beweis dafür, dass es unter der monarchischen Oberfläche heftige Gegenströmungen gab, die sich allenthalben, u.a. auch in der Bürgermeisterei Weiskirchen, zeigten. Ein Schreiben des Merziger Landrats Fuchs an das Bürgermeisteramt Weiskirchen vom 14. April 1848 mit dem Ersuchen, alle „Verbrechen und Exzesse nach Art. 2 des Strafgesetzbuches zur Anzeige zu bringen“, veranlasste den Bürgermeister Rene v. Zandt zur Meldung folgender Vorfälle: „Am 20ten April Abends um 8 Uhr zogen zirka 150 Einwohner von Weiskirchen, wozu sich auch einige von Confeld und Thailen gesellten, mit Trommel und Trompete vor das dortige Bürgermeisteramt… und warfen mehrere Fensterscheiben in der Wohnung des Herrn Keller ein… Dann stieg der Anführer… auf die Hausthür und riss den über derselben befestigten Königlichen Adler ab. Nun zog die Menge unter fortwährendem Geschrei und dem Ausruf der Republik und unter Vorantragung des Adlers… durch den Ort an die Behausung des Feldhüters Johann Schmitt und warfen diesem in seiner Wohnstube… 5-6 Fensterscheiben ein…“ (8).
Auch aus Rappweiler wurde Ähnliches berichtet, wo das Dienstschild des Ortsvorstehers samt dem Königl. Adler abgerissen und zu Boden geworfen wurden. Die Menge rief dabei: „Es hat uns keine Regierung was mehr zu befehlen.. Wir sind Herr und zahlen dem Einnehmer nichts mehr…“ (8).
Geschahen auch in Nunkirchen ähnliche Vorkommnisse? Wohl kaum, denn der Bürgermeister schloss seinen Bericht an den Landrat mit der Bemerkung ab: „Weitere Exzesse und Ruhestörungen kamen bis heute noch nicht vor.“
Um Unruhen entgegenzuwirken, wurde das 1. Bataillon des Inf.Rgts. 27 von Saarlouis in die Orte der Bürgermeistereien Wadern und Weiskirchen verlegt. Bürgermeister v. Zandt wurde gebeten, über die Stimmung der Einwohner in seinem Amtsbereich und seine eigene Meinung über die Dauer des Militär-Einsatzes Mitteilung zu machen. Die Antwort: „Gastfreundliche Aufnahme! Nach neuntägigem Einsatz ist die Truppe am 7. Mai 1848 wieder nach Saarlouis zurückmarschiert.“ (8)
Eine Warnung besonderer Art erging vor dem Redemptorisien-Pater Johann Ambrosius Zobel, der in Merzig und anderen Orten die Zuhörer seiner Predigten dazu aufgefordert hatte, ihn bei einer möglichen Ausweisung „mit Blut und Leben zu verteidigen“ (Königl. Regierung in Trier am 30.04.1852). Sicherlich hatte der Pater in seinen Predigten demokratische Gedanken anklingen lassen. Ob er auch in Nunkirchen gepredigt hat, ist nicht belegt. Über die Kriegseinwirkungen des deutsch-französischen Krieges 1870/71 auf die Gemeinde Nunkirchen sind keine Unterlagen vorhanden. Dass Soldaten aus Nunkirchen an den äußerst blutigen Schlachten dieses Krieges teilgenommen haben (Gravelotte,Mars-!a-Touru.a.) bewies die Namensliste auf dem ehemaligen Kreis-Kriegerdenkmal in Merzig mit den Namen der Gefallenen der Kriege 1864 (deutsch-dänischer Krieg), 1866 (preußisch-österreichischer Krieg) und 1870/71 (deutsch-französischer Krieg). Aus Nunkirchen starben den Soldatentod Müller Johann, gef. 1870 und Werno Johann infolge Verwundung oder Erkrankung während des Feldzuges.

Kulturkampf
KaiserWilhelmINach der Ausrufung des preußischen Königs Wilhelm l. (Foto links) zum Deutschen Kaiser (18.1.1971 in Versailles) und der Schaffung eines deutschen Kaiserreiches, das Reichskanzler Bismarck ganz nach seinen Vorstellungen ausbauen wollte, war die Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche Teil des alten Kampfes zwischen Kirche und Staat um größeren Einfluss. Diese Auseinandersetzung, die bald nach der Reichsgründung 1871 begann, wurde unter dem Namen „Kulturkampf“ geführt. der sich jedoch nicht nur gegen die katholische Kirche, sondern auch gegen die Zentrumspartei richtete, in der Bismarck ein Sammelbecken der „Reichsfeinde“ sah.
im Kulturkampf wurden zahlreiche Gesetze erlassen mit dem Ziel, die Kirche aus dem Öffentlichen Leben hinauszudrängen. Eines dieser Gesetze war der so genannte „Kanzelparagraph“, nachdem geistliche, die von der Kanzel „Angelegenheiten des Staates in einerden öffentlichen Frieden gefährdenden Weise“ behandelten, mit Gefängnis bestraft werden konnten. Viele Geistliche wurden damals inhaftiert.
Schließlich musste Bismarck einlenken (1878). Die katholische Bevölkerung stand unerschütterlich in ihrer Kirche. Viele Gesetze wurden zurückgenommen. Einige blieben jedoch bestehen, u.a. die Zivilehe, vor einem Standesbeamten geschlossen, war für den Staat allein rechtsgültig. Die Schulaufsicht durch die Geistlichkeit wurde vom Staat übernommen. Der „Kanzelparagraph“ behielt seine Gültigkeit, wie ein Schreiben des Merziger Landrats aus dem Jahr 1881 an den Bürgermeister in Weiskirchen beweist, indem vordem vom Kaplan Dasbach in Trierer gegründeten „Trierischen Bauern-Verein“ gewarnt wurde, der politische, religiöse und Wahl-Angelegenheiten unter die Vereinszwecke aufgenommen hätte. „Ich kann daher den Beamten des Kreises nur zu großer Vorsicht gegenüber dem Verein rathen, dessen Mitglieder möglicherweise in die Opposition gegen die Königl. Staatsregierung gerathen werden“, heißt es wörtlich.(8)
Ob Nunkircher Bauern diesem Verein beigetreten waren, was durchaus möglich war, kann nicht nachgewiesen werden.
Ein werterer Unruheherd entstand in der Arbeiterfrage. Weder durch das Sozialistengesetz noch durch die Reihe sozialer Gesetze (Kranken-, Unfall-, Invaliditäts- und Altersversicherung) konnte Bismarck die Arbeiter von ihrem Streben nach politischer und sozialer Gleichberechtigung abbringen.
Die Bergleute des Saarreviers legten 1889 und drei Jahre später die Arbeit nieder. Die zentrale Figur im Arbeitskampf der Bergleute war Nikolaus Warken, genannt „Eckstein“, in Hasborn geboren und später wohnhaft in Bildstock, setzte sich Warken unermüdlich, trotz der Schikanen durch die Bergbaubehörde und die Polizei, für die Belange der Bergleute ein, deren Arbeitsverhältnisse auf den Gruben alles andere als sozial und menschenwürdig waren. Warken gründete den Rechtsschutzverein, um den Bergleuten eine Hilfe im Arbeitskampf zu bieten.
Im Dezember 1889 wurde Warken mit fünf anderen Mitkämpfern von der Königl. Strafkammer in Saarbrücken wegen Aufruhrs verurteilt. Die Bergleute protestierten durch einen Streik. In einem vertraulichen Schreiben vom 17. Dez. 1889 an den Bürgermeister in Weiskirchen teilte der Merziger Landrat mit, dass die Bergleute des Saargebiets tags zuvor die Arbeit niedergelegt hätten. Er erwarte von dem Bürgermeister, dass er selber und auch „gute und ruhige Elemente in der Bevölkerung“ auf die Bergleute einwirken sollten, die Arbeit wieder aufzunehmen.
Im Mai 1890 berichtete Bürgermeister Marx dem Landrat, dass in Nunkirchen zwei Bergleute in den Wirtschaften Listen zum Einziehen von Sammlungen für ein zu bauendes Gebäude als Sitz des Rechtsschutzvereins offen gelegt hätten. Sie wären mit je 10 Mark bestraft worden.
„Nun hat sich ein Bergmann N.G. aus Nunkirchen herausgenommen, von Haus zu Haus Geldsammlungen zu veranstalten, um mit dem Ertrag den Nunkircher Vertrauensmann des Rechtsschutzvereins, Jon. Hoffmann, für seine bisherigen Bemühungen zu belohnen. Um dem Manne einen Begriff von seinen „Rechtsschutz-Bestrebungen“ beizubringen, habe ich ihn wegen unbefugten Collectierens in eine Strafe von 15 Mark genommen…“ (8).
Eine Besonderheit des Bergarbeiterstreiks 1892/93 soll noch erwähnt werden: Im Saargebiet nahmen viele Frauen der Bergleute aktiven Anteil am Streik und stritten in Versammlungen für die wirtschaftlichen Verbesserungen. „Es war ein Unikum, diese Massenbeteiligung der Frauen am Streik im Deutschland des 19. Jahrhunderts“, schrieb damals eine Zeitung. In den Hochwalddörfern, aus denen viele Bergleute stammte, die in Schlafhäusern lebten, war keine Beteiligung der Frauen am Streik festzustellen. Sie hatten keine Zeit dazu: Die Landwirtschaft, die sie in Abwesenheit der Männer betreiben mussten, nahm sie völlig in Anspruch.
Mit der Entlassung von 2500 Bergleuten brach der Streik im Januar 1893 zusammen. Dass unter den Entlassenen viele aus dem Hochwald waren, lässt ein Bericht des Weiskirchener Bürgermeisters Marx vom 20. März 1893 an den Landrat in Merzig vermuten. Es steht da u.a.: „Kürzlich hat Herr Freiherr Ferdinand v. Zandt mir schriftlich mitgeteilt, dass täglich abgelegte Bergleute bettelnd durch die Orte zögen. Eine Arretierung und Vorführung dieser Bettler hat bisher indessen nicht stattgefunden.“ (8).
Die Armut innerhalb der Bevölkerung war groß. Nicht alle konnten in der saarländischen Industrie Arbeit finden, nicht alle konnten oder wollten nach Amerika auswandern. Einige Beschlüsse des Nunkircher Gemeinderates belegen die sozialen Verhältnisse in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Ratsbeschluss am 18.1.1852: „Die Gemeinde tritt dem Armen-Verein nicht bei, da mehr als drei Viertel der Einwohner Anspruch auf Unterstützung machen würden, die dadurch so gering ausfallen würde, dass die Bettler doch nach wie vor an die Türen Brod fordern gingen, so dass die Unzufriedenheit immer größer würde.“
Am 26.1.1867: „Die Gemeinde billigt für den Districts-Armenarzt Dr. Moritz für die Behandlung der vielen Nunkircher Armen und Kranken eine jährliche Zulage von 6 Thalern in Anbetracht des Umstandes, daß die Gemeinde Nunkirchen im Verhältnisse zu anderen Gemeinden viele Armen hat.“

  • Am 24.2.1876: „Aufnahme einer Kranken im Landesarmenhaus in Trier auf Kosten der Gemeinde.“
  • Am 23.8.1881: „Erbauung einer Wohnung für Arme auf Flur am Mühlenbach zu Nunkirchen.“
  • Am 30.8.1896: „Das Amt eines Waisenrats soll mit dem des Vorsteheramtes verbunden werden, da der Pfarrgeistliche nicht so ortskundig ist wie der Gemeindevorsteher.“
  • Am 17.9.1896: „Armen-Unterstützung für eine große Reihe von Einwohnern (Anm.: Sie werden im Beschlussbuch namentlich aufgeführt!) mit genauer Zuweisung an Geldmitteln und Naturalien, zumeist Kohlen.“

Ein Charakteristikum jener Zeit war die Forderung: Bekommst du etwas von der Allgemeinheit, dann tu gefälligst auch etwas für die Allgemeinheit! Ein Beispiel hierfür ist der Gemeinderatsbeschluss vom 22. März 1847: „In Folge der verehrlichen Verfügung des Königl. Herrn Landraths des Kreises Merzig vom 17ten Februar 1847 N – 920 die Unterstützung der Armen betreffend ist von dem Gemeinde-Rath von Nunkirchen unter dem Vorsitz des Bürgermeisters von Weiskirchen folgendes beschlossen worden; und zwar auf den Antrag des Stellvertreters Herrn Karl Graeser, Gastwirt von hier, welcher sich die Sache bestens angelegt sein lässt nämlich: Es sollen für die Armen der Gemeinde Nunkirchen 25 Quarten Setz-Kartoffeln angekauft, aus Gemeinde-Mitteln bezahlt, in Gemeinde-Land gesetzt und den betreffenden Noth-Leidenden, welche den Dünger zu besorgen und die Handarbeiten zu haben unentgeltlich gegeben werden. Die Wohlhabenden wollen dabei die Fuhrarbeiten leisten.“
Es ließen sich viele Beispiele dieser Art anführen. Sie alle zeichnen sich aus durch ein Merkmal besonderer Qualität: Es wurde niemand im Stich gelassen, es sei denn, er war nachweislich arbeitsscheu.
Auch in den folgenden Jahren wurden Unterstützungen der vielfältigsten Art geleistet. Die „Merziger Zeitung“ meldete am 4. Okt. 1932 aus Wadern: „Seit einigen Monaten hat man hier zur Bekämpfung der Bettelei Gutscheine anstatt wie bisher Barunterstützung eingeführt. Ein Gutschein berechtigt zum Empfang von Lebensmitteln in den einheimischen Geschäften im Werte von 2 Pfennigen. Seitdem die Gutscheine eingeführt wurden, hat die Bettelei bedeutend abgenommen. Vorher gab ein Bettler dem anderen Hand mit einer Durchschnittszahl von täglich 10-12, seitdem 3 bis 5. Dieses Verfahren kann nur empfohlen werden.“
Ein anderer Beweis für die Armut weiter Teile der Bevölkerung in jenen Jahren war die Einrichtung einer Freibank für minderwertiges, jedoch nicht gesundheitsschädliches Fleisch. Zwei Beschlüsse des Nunkircher Gemeinderats beschäftigten sich mit dieser Einrichtung.

  • Am 14.3.1903 wurde u.a. angeordnet, dass das Fleisch nur zum Verbrauch im eigenen Haushalt des Erwerbers oder an die Gast- und Schankstätten erfolgen, die eine Genehmigung dafür haben…
  • Am 24.5.1903 hieß es: „Das Kochen, Dämpfen usw. nach 38 und 39 der Ausführungsbestimmungen zum für den Genuss bedingt brauchbaren Fleisches wird dem Matthias Werding in Nunkirchen übertragen. Die Behandlung sowie der Verkauf des Fleisches findet unter Aufsicht der Polizeibehörde statt.“ Matthias Werding erhielt 5 Pfg. pro Pfund gekochten Fleisches.

1914: Beginn des ersten Weltkriegs
ErsterWeltkrieg_smallÜber Beginn und Verlauf des Ersten Weltkrieges mit den Auswirkungen auf Nunkirchen berichtet die Schulchronik: „Am Abend des 31. Juli wurden schon viele Reservisten, besonders Artilleristen, zu ihren früheren Regimentern nach Metz telegraphisch einberufen (Foto links). Da diese aber meist auf ihren Arbeitsstätten, ja selbst in den Kohlengruben waren, so gingen Väter und Mütter zur Postagentur, um ihren Söhnen Nachricht zu geben. Man sah dortselbst alte Männer, die die früheren Feldzüge mitgemacht hatten, am ganzen Körper zittern vor Aufregung, sie konnten kaum mehr angeben, auf welcher Grube ihre Söhne arbeiteten. Keine Thräne aber rann über ihre Wangen“.
Die Straßen waren bis in die tiefe Nacht belebt. Als dann gegen 11 Uhr die ersten Arbeiter per Rad von ihren Arbeitsstätten zurückkehrten und mitteilten, dass alle Arbeiter nach Hause entlassen seien, zweifelte niemand mehr an einer baldigen Mobilmachung. Und sie kam. Eine an Russland gerichtete Aufforderung, binnen zwölf Stunden seine gegen Deutschland und Österreich gerichtete Mobilmachung einzustellen, blieb unbeantwortet. Infolgedessen befahl unser Kaiser am 1. August als die Frist zur Beantwortung abgelaufen war, die allgemeine Mobilmachung von Heer und Flotte. Als erster Mobilmachungstag war der 2. August festgesetzt. Mit zitternder Stimme verlas, abends gegen 10 Uhr, der Feldhüter die Mobilmachung.
Nun strömten Männer und Jünglinge zur Kirche, um durch würdige Beichte und Kommunion sich Kraft und Stärke zu erflehen und ihr Gewissen zu reinigen. Viele waren schon in der Nacht zu ihren Regimentern gereist, und als der Morgen graute, versammelten sich die Landsturmleute, um sich gleichfalls wie vorgesehen in Saarlouis zu stellen. Der Abschied von Frau und Kindern war wahrlich nicht leicht. Während der Frühmesse gingen die Eingezogenen weg, unsere Lieben aber eilten zur Kirche, um für uns zu beten… Sehr besorgt waren die Einwohner, die Franzosen könnten hier hereinbrechen, besonders, da die Leute täglich den Donner der Kanonen vernahmen…
Während des Aufmarsches unserer Truppen kamen 14 Tage lang täglich alle halbe Stunde ein Militärzug durch das nahe Büschfeld. Die Bewohner Nunkirchens ließen es sich nicht nehmen, mit Esswaren, Kaffee, Limonade und Mineralwasser und Zigarren den jungen Streitern eine Freude zu bereuen. Auf der Kleinbahn dagegen passierte die Strecke Büschfeld-Merzig nur ein Militärzug. Zwei Batterien Artillerie kamen von Weiskirchen her durch Nunkirchen und zogen in Richtung Lebach. Hessische Fußtruppen, von Wadern kommend, streiften das Dorf auf ihrem Marsch nach Merzig. Einquartierungen hatte Nunkirchen außer einem Kreuznacher Pferde-Transport nicht. In Münchweiler lag eine Woche lang eine Kompanie im Schloss.
Wie in allen Orten war auch hier eine Dorfwache in Tätigkeit getreten. Sie hatte ihr Wachlokal im Hotel Meyers-Kraus. Sie bestand aus 6 Mann, die abwechselnd zwei Stunden wachen mussten… Die Wache hatte bei Meyers quer über die Straße Ketten gespannt, um so alle Automobile zum Halten zu bringen. Ein Automobil kam die Straße an der Kirche herunter. Dort hatten die Einwohner aber Wagen und dicke Balken in den Weg gelegt, weil telegraphisch bekannt gegeben war, ein verdächtiges Automobil sei nach hier unterwegs. Das halbe Dorf war auf den Beinen, und die Frauen zeigten nicht übel Lust, die zwei Insassen zu verprügeln. Nach Ausweis dem Wachtmeister gegenüber konnten sie die Reise doch fortsetzen.
Am 2. August nachmittags kamen drei Männer in besserer Arbeitskleidung und eine Frau hier durch. Oberhalb der Bahn hinter dem Wald setzten sie sich hin und studierten anscheinend eine Karte. Man nahm an, es seien verkleidete französische Spione. Als einige Bewohner des Dorfes sich anschickten, sie zu ergreifen, waren sie in Richtung nach Weiskirchen verschwunden, wo sie jedoch festgenommen sein sollen. Ein Mädchen aus Confeld, welches etwas auffallend gekleidet ins Dorf kam, wurde als Spionin festgenommen, aber bald wieder freigegeben. Noch zu bemerken sei, dass die Dorfwache mit alten Flinten, Revolvern und Prügeln ausgerüstet war und das Wasserwerk und die Telegraphenleitung bewachten.
Am 30, Dezember 1914 ist erste Soldat von hier gefallen. Es war dies der 26-jährige Schlosser Nikolaus Jost Er hinterlässt eine Frau (Brandenburger) mit drei unmündigen Kindern.“

1915
„Die Kaisergeburtstagsfeier am 27. Januar wurde still gefeiert. „Die Kinder verzichteten gerne auf ihre ‚Wecke‘, wie überhaupt alle Bewohner den ganzen Winter hindurch freudigst die Vorschriften des Sparens beobachteten. Die Schulkinder brachten kein Butterbrot mehr mit in die Schule, der Kaffee um 4 Uhr fiel fast überall aus…“

Sammlungen
„Gummisammlung mit 6,74 Zentnern; Goldgeld: „Auch in Nunkirchen brachten die Bewohner ihr Goldgeld zur Post. Bei einer erneuten Anregung durch die Schule konnten im Monat Juni noch 370 Mark Gold abgegeben werden…“

1916 Kriegsanleihe
„Als im März 1916 die Schuljugend zur Teilnahme an der 4. Kriegsanleihe aufgefordert wurde, zeichneten unsere Schulen die namhafte Summe von 10.000 Mark und gaben somit den übrigen Schulen ein herrliches Beispiel.
Herr Pfarrer Leinen suchte in einer von ihm anberaumten Versammlung die Bewohner für die Kriegsanleihe zu stimmen. Vorgebrachte Bedenken wurden von ihm und Hauptlehrer L’hoste klar und richtig gestellt. Der Erfolg war gut…“

1917: Lebensmittel werden knapp
„Die Schulen {Anm.; Mit dem Ausdruck ‚Schulen‘ sind die Klassen gemeint) beteiligten sich emsig an der Brennesselsammlung. Himbeeren, Heidelbeeren und Teeblätter sowie 10 Körbe Fallobst waren das weitere Ergebnis.
Das Jahr 1917 war ein mit Obst reich gesegnetes. Da das Obst vom Kreise beschlagnahmt war, durften die Obstbesitzer dasselbe nur an bestimmte vom Kreise dazu ernannte Aufkäufer verkaufen. Zum Aufkäufer für die Orte Nunkirchen, Michelbach, Thailen, Weierweiler und Münchweiler war Hauptlehrer L’hoste bestimmt. Fünf große Waggons wurden von hier abgeschickt.
Wegen der großen Knappheit an Milch und Butter und um dem ausgedehnten Schleichhandel zu begegnen, wurde auch hier eine Lebensmittelkommission ins Leben gerufen. Dieselbe hatte die Aufgabe, nach den bestehenden Vorschriften alle Monat das Milchsoll festzustellen und auf die einzelnen Kuhhalter umzulegen.
Die Milch- und Butterverteilungslisten führte Hauptlehrer L’hoste im Auftrage des Herrn Landraths. Die Verteilung besorgte Familie Matthias Wolter…“

1918: Waffenstillstand
KaiserWilhelmIIAm 3. November 1918 trat Waffenstillstand ein, am 11. November dankte Kaiser Wilhelm II. (Foto rechts) ab. Deutschland wurde ein Volksstaat. Nach dem Waffenstillstandsvertrag mussten unsere Heere innerhalb 14 Tagen über dem Rhein sein. Tag und Nacht fluteten auch durch Nunkirchen Truppen allerlei Gattungen. Die öffentlichen Plätze, Markt und Schulhof waren belagert mit immer wechselnden Kraftwagen usw. Die Schulsäle dienten als Schlafstätten.

Explosionsunglück
„Am 16. November des Nachmittags um 3 Uhr, explodierte auf dem Markt ein großes Benzinauto. Das war ein schrecklich schauerliches Bild. Zwei Nachbarshäuser, die Wohnungen der Familien Dewes und Emmerich wurden ein Raub der Flammen. Menschenleben waren nicht zu beklagen. Einige mutige Soldaten brachten unter Nichtachtung ihres Lebens andere Benzinautos vom Markte fort. Wären diese noch entzündet, so hätte das ganze Dorf im Feuer gestanden. Anfang Dezember rückten die ersten französischen Truppen hier ein. Unser Dorf hatte aber nur zehn Tage Einquartierung…“
FritzGluttingBrand1918Fritz Glutting hat in einem Artikel für die Saarbrücker Zeitung
den schweren Brand im Jahr 1918 ausführlich beschrieben.

Bürgerwehr
Eine Feststellung muss hier getroffen werden; Während der gesamten Kriegsdauer wiesen die Gemeinderatssitzungen keine Hinweise auf den Krieg auf. Erst am 21. November 1918 erfolgte mit der Einrichtung einer Bürgerwehr der erste Tagesordnungspunkt in dieser Beziehung: „Zum Schütze der Bürgerschaft beschließt die Vertretung im Orte, eine Bürgerwehr zu gründen. Durch einen öffentlichen Aufruf sollen zunächst ehrenamtliche Leute für die Gründung einer Bürgerwehr gewonnen und verpflichtet werden, und zwar in einer Stärke von 4 Mann. Personen, die den Dienst ehrenamtlich nicht übernehmen können, wird eine tägliche Vergütung von 2,50 bis 3,00 Mark zugesichert. Es soll zunächst nur eine Haftwache eingeführt werden.“
Fast ein Jahr später am 28. Oktober 1919 wurde eine Sicherheitswehr gegründet, für die 15 Personen benannt wurden. Sie sollen bei Ausübung ihres Dienstes 6 Mark pro Haft erhalten.

Allgemeine Teuerung
„Die allgemeine Teuerung hält immer mehr die Gemüter in Aufregung, es handelt sich vor allem um Kartoffel- und Obstpreise. Um der Fleischnot zu begegnen, erhält die Bevölkerung der besetzten Gebiete mehr oder weniger Gefrierfleisch, Die Bevölkerung im Kreise Merzig erhält allwöchentlich pro Person 150-250 Gramm; anfangs zum Preise von 3 Mark, jetzt zu 4 Mark.“

Rosa Luxemburg in Nunkirchen
RosaLuxemburg_smallEine Begebenheit aus dem letzten Kriegsjahr 1918 soll hier noch erwähnt werden, Frau Elfriede Barth-Koch erzählte sie mir anlässlich des Verkaufs ihrer Gaststätte; „Es war im Jahr 1918. Den Tag genau weiß ich nicht mehr. Der Bergmann Marx Matz kam zu unserer Mutter, um den Saal für eine Versammlung von Bergleuten reservieren zu lassen. Es war wohl mehr Zufall, dass ich später sah, wie eine gut aussehende und gut gekleidete Frau in Begleitung zweier Bergleute von hier die Straße vom Kleinbahnhof zu uns herauf kam. Später, beim Bedienen im Saal, stellte ich fest, dass diese Frau die Versammlung leitete. Da der Saal fast bis zum letzten Platz gefüllt war, unser Geschäft also gut ging und weil es zu keinem Palaver mit Streit kam, waren wir zufrieden. Ein paar Wochen später bestellten bei uns fünf Herren der Regierung ein Mittagessen. Meine Mutter und ich standen hinter dem Büffet. Einer der Herren kam auf uns zu und wandte sich fragend an die Mutter: „Sind Sie Frau Thieser?“ Sie bejahte, „Sie sehen aber nicht wie eine Kommunistin aus. Ist das ihre Tochter?“ Wir standen wie versteinert da. Mit einem schüchternen Nicken bejahte ich seine Feststellung, daß auch ich nicht wie eine Kommunistin aussähe. Zur gleichen Zeit saßen ein paar Burschen aus dem Dorf in der Wirtschaft, Sie hatten das Gespräch am Büffet mitgekriegt und ich sah, wie sie grinsten. Schließlich kam einer von ihnen ans Büffet und fragte: „Ei, habt ihr denn nicht gewusst, dass das damals eine kommunistische Versammlung bei euch war und die Rednerin Rosa Luxemburg hieß, die Rosa Luxemburg (Foto oben rechts) aus Berlin?“ Jetzt wusste ich auch, warum in den Tagen danach einige Burschen aus dem Dorf „tote Rosa“ hinter mir herriefen. Das hat mich zwar gekränkt, doch konnte ich mir keinen Reim darauf machen. Politik war eben nie unser Geschäft.“

1920
Eigenartigerweise gingen weder die Schulchronik noch der Gemeinderat auf die Trennung des Landkreises Merzig in dem Stammkreis Merzig mit Zugehörigkeit zum Saargebiet und in den Restkreis Wadern mit weiterer Zugehörigkeit zum Deutschen Reich ein. Lediglich folgender Eintrag in die Schulchronik weist auf die Trennung hin. „Das Jahr 1920 war noch im Zeichen der Teuerung. Ein stetes Steigen der Preise für alle Bedarfsartikel war die Parole. In unserem Nachbargebiet, dem Saarbecken, wurden Berg- und Hüttenarbeiter mit Franken ausgelohnt, Daher kam bei dem Tiefstand der Mark viel Geld in unser Dorf. Nachweislich erhielten Familien mit Arbeitern bis zu 80.000 Mark Lohn. Daher stiegen die Preise für Butter auf 35-40 Mark, für Milch auf 3,50 pro Liter. Das Fleisch blieb auf 15-20 Mark stehen, wogegen es selbst in Trier 10-15 kostete.“

Anschlusswünsche
Grenzstein_smallProfessor Dr. H.W. Herrmann, Leiter des Landesarchivs in Saarbrücken, teilte mir auf meine Anfrage nach dem genauen Zeitpunkt der Abgrenzung des Saargebietes und damit der Trennung des Kreises Merzig u.a. mit, dass noch im Mai 1919, als die Grenzziehung im wesentlichen abgeschlossen war, viele Gemeinden aus dem Hochwaldraum an die französische Militärverwaltung Anschlusswünsche an das Saargebiet stellten. Verständlich, lagen doch im Saargebiet die lohnenden Arbeitsplätze, wie die vorstehende Eintragung in der Schulchronik beweist. Unter den Gemeinden mit Anschlusswünschen war auch Nunkirchen und mit ihm Wadern, Weiskirchen, Losheim, Michelbach, Wahlen, Münchweiler, um nur die naheliegendsten Orte zu nennen.
Die Abgrenzungsarbeiten waren bis Mitte November 1919 so weit vorangeschritten, dass seit diesem Termin an der Grenze des künftigen Saarbeckens deutsche Zollstellen eingerichtet wurden und  am 15. November 1919 um 12 Uhr ihre Tätigkeit aufnahmen. Dazu gehörte auch Michelbach. Nunkirchen lag im Zollgrenzbezirk.
Die Abtrennung des Saargebietes erfolgte am 10. Januar 1920 mit dem Austausch der Ratifikationsurkunden zwischen der Reichsregierung und dem Bevollmächtigten des Völkerbundes. Das ist nach Auskunft von Dr. Herrmann keine exakte Frist. Meist wird sie auf den 12. Januar 1920 datiert. Dieses Datum kann somit als „Geburtsstunde“ des Restkreises Wadern angesehen werden. Sicherlich ist das Landratsamt Merzig bis zum Beginn der Tätigkeit des Kreisverwalters am 10. März 1920 im nachfolgenden Restkreis tätig gewesen. Fest steht, dass seit jenen Tagen, Steine, die Grenze zwischen dem Saargebiet und dem Deutschen Reich markierten (Foto links).

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IV. In der „Weimarer Zeit (1919 bis 1933)
Von Fritz Glutting


Restkreis Wadern

RestkreisFritz Glutting hat die Entstehung des Restkreises Wadern, dem ja die Bildung des Stammkreises Merzig vorausgegangen war, 1996 ausführlich in einem Artikel, der in der Saarbrücker Zeitung erschienen ist, dokumentiert. Klicken Sie einfach auf das Bild hier rechts, um das entsprechende PDF zu öffnen.

Für die unter preußischer Verwaltung gebliebenen Gebietsteile des Kreises Merzig, die Bürgermeistereien Losheim, Wadern und Weiskirchen mit 38 Gemeinden und rd. 27000 Einwohnern wurde eine eigene Verwaltung eingerichtet, dem Leitung ein Kreisverwalter übenahm. Der Minister des Innern in Berlin hatte am 20. September 1919 dem Oberpräsidenten in Koblenz mitgeteilt: „lch bin grundsätzlich damit einverstanden, dass dem provisorischen Charakter der Saarregierung Rechnung getragen wird und demgemäß nur eine vorübergehende Verwaltungsregelung für die Restkreise Merzig und St. Wendel vorgenommen wird. Ich beabsichtige, Ihrem Vorschlage gemäß die Verwaltung des Restkreises Merzig dem Landrat des Kreises Saarburg mit der Maßgabe zu übertragen, dass ihm, sobald es die Provinzialverhältnisse gestatten, nach Analogie der Verwaltung Helgolands ein ständiger landratlicher Hilfsarbeiter beigegeben wird, der seinen dienstlichen Wohnsitz in Wadern erhält und von dort aus den Restkreis so verwaltet, als wenn er ungeteilt wäre…“ (8)
Am 28. Febr. 1920 richtete der Reg.-Präsident in Trier an den Gerichtsassessor Friedrich Graf von Spee, Hochwohlgeboren in Untermaubach, Kreis Düren, folgendes Schreiben: „Nach telefonischer hierher geplanter Mitteilung des Herrn Oberpräsidenten sind Ew. Hochwohlgeboren als Verwalter des Restkreises Merzig in Wadern bestimmt worden. Sie wollen diese Verwaltung gefälligst umgehend übernehmen und sich nach Meldung bei mir gelegentlich Ihrer Zureise dem Herrn Landrat Klein in Merzig zur Einarbeitung in die Ihnen zufallenden Geschäfte zur Verfügung stellen.“ (8)
Graf v. Spee übernahm am 10. Mai 1920 das Amt als Kreisverwalter;. Er sollte es bis Kriegsende 1945 behalten. Was auf ihn beim Antritt seines Amtes zukam, druckte er in einem Bericht an den Reg.-Präsidenten in Trier (9.9.1920) aus: „Es entspricht der Billigkeit, wenn der Staat dem provisorischen Gebilde des Restkreises reichliche Unterstützung zuteil werden lässt und ihm einen Teil jener Lasten tragen hilft, welche ihm als ungeteilter Kreis ohne die Friedensvetragswirkung fremd geblieben wären…“ (8)
Die druckenden Verhältnisse im Reich wirkten sich im Restkreis besonders hart aus. „Die Lebensverhältnisse werden von Tag zu Tag unhaltbarer. Was heute gekauft wird, ist morgen billig. Heute, am 23. Juni 1923, steht der Frank auf 6900 Mark, der Dollar auf 120000 Mark. Die Butter kostet 25-28000 Mark. Im selben Verhältnis stehen die übrigen Preise. Die Bergleute und Hüttenarbeiter, die in Franken entlohnt werden, können die Preise zahlen. Eine böse Zeit ist das für die Markempfänger und die Rentner. Die Teuerung nahm immergrößere Dimensionen an. Ende 1923 kostete ein Brot 4 Billionen Mark (2 Franken), Hier und in anderen Orten wurde das deutsche Geld nicht mehr in Zahlung genommen. Die Geschäftsleute geben nichts mehr für deutsches Geld. Der Franken wurde das alleinige Zahlungsmittel“, beschreibt die Schulchronik die Tage der Inflation. Sie fand mit der Einführung der Rentenmark im Dezember 1923 (1 Billion Papiermark = 1 Rentenmark) ihr Ende.
Das Jahr 1923 war überhaupt ein Krisenjahr. Zur Inflation gesellten sich politisches und damit verbundenes wirtschaftliches Unheil: Am 11. Januar besetzten französische und belgische Truppen wertere Teile des Ruhrgebietes bis über Dortmund hinaus als Sanktionsmaßnahme für schleppende Reparationszahlungen, Das Reich antwortete mit dem passiven Widerstand.
„Die Ruhraktion macht sich auch hier bemerkbar. Die Verkehrsverhältnisse wurden immer schlimmer. Die Eisenbahnstrecke nach Trier ist von den Franzosen besetzt. Wer nach Trier will, benutzt entweder ein Rad oder ein Fuhrwerk. Zu Anfang verkehrte ein Postauto, das aber bald auf Geheiß der Franzosen den Betrieb einstellen musste. Eine Fahrt auf einem Leiterwagen bis Trier erinnert unwillkürlich an eine Reise in der alten Postkutsche. Man ist froh, zwischen Fass und Fässchen, zwischen Kisten und Kasten ein Plätzchen zu bekommen.
Auch von Ausweisungen wurde Nunkirchen nicht verschont. Es handelt sich um unsere Zollbeamten, die im März ausgewiesen wurden. Schließlich wurde der Passive Widerstand aufgegeben, die Besatzer räumten in der Zeit vom 22.10.1924 bis 25.8.1925 das besetzte Gebiet. Für die Bergleute war der Einfall der Franzosen und Belgier ins Ruhrgebiet der Anlass, aus Sympathie mit den Kumpels im Ruhrgebiet zu streiken. Gleichzeitig verbanden sie mit dem Streik ihre Forderung nach Lohnerhöhung. Hundert Tage dauerte der Streik. Er endete mit einem Erfolg für die Bergleute. Negative Folgen des Streiks waren fehlende Kokslieferungen für die Hüttenwerke in Dillingen und Völklingen, die ihre Betriebe „kurzfahren“ mussten. Viele Arbeiter, darunter auch aus Nunkirchen, wurden arbeitslos. Vom Reich erhielten sie Unterstützungen, die recht erheblich waren“ (Schulchronik). Dafür mussten sie aber in der Gemeinde Notstandsarbeiten verrichten: Wege wurden ausgebessert, Holz gefällt u.a. So wurde auch früher verfahren: Wem die Allgemeinheit hilft, soll umgekehrt auch der Allgemeinheit helfen, so gut er kann.
Über die Jahrtausendfeier im Rheinland im Jahr 1925 zur Erinnerung an die Inbesitznahme der linksrheinischen Gebiete durch König Heinrich l. war kein Eintrag in der Schulchronik zu finden. Auch die Zeitungen brachten ebenfalls nichts über eine Feier in Nunkirchen, die sonst überall, insbesondere im Saargebiet, unter großer Begeisterung begangen wurde.
Nunkirchen war mit Michelbach Grenzort. Der „Kleine Grenzverkehr“ hielt die seit Jahren bestehenden engen wirtschaftlichen Verbindungen diesseits und jenseits der saarländisch-deutschen Grenze im kleinen Maßstab aufrecht,
Am 10. Januar 1925 wurde dieser „Kleine Grenzverkehr“ vollkommen eingestellt. Von diesseits der Grenze kamen lebhafte Klagen aus landwirtschaftlichen Kreisen, ihre Produkte nicht mehr im Saargebiet absetzen zu können. Die im Saargebiet beschäftigten Grenzgänger sahen sich dadurch benachteiligt, dass sie ihren Verdienst nicht mehr wie früher teilweise verwerten konnten, um Waren einzukaufen und nach Hause zu bringen. Die „Schmuggelei“ begann. Sie sollte erst nach der Saarabstimmung ihr Ende finden (17. Februar 1935, 24 Uhr).
In Nunkirchen kursieren heute noch Schmuggelgeschichten aus jener Zeit, als die Grenze zwischen Michelbach und Auschet (zum Saargebiet gehörig!) verlief. Oft sind es Geschichten mit einem lustigen Anstrich, wie die nachfolgende (MZ am 2.9.1930) beweist: „Vor einem Jahr konnten drei hier stationierte Zollbeamte in der Nähe des Geisweilerhofes, also an der Grenze, ein Auto beschlagnahmen, in dem sich 250 Liter Sprit in Korbflaschen befanden. Die Insassen waren zwei Herren von Köln und ein hiesiger Einwohner (der Bauunternehmer P.H.). Die Sache stand vergangener Woche in Trier vor dem Schöffengericht wegen Grenzschmuggel, Der Ortsansässige H. gab an, er habe nur den Weg gezeigt in der Meinung, dass die Ladung Apfelwein sei. Seinen Angaben wurde kein Glaube geschenkt. Er erhielt die gleiche Geldstrafe wie einer der Kölner – der zweite ist inzwischen verschwunden – nämlich 7,373 Mark und 8 Wochen Gefängnis. Wahrhaftig, ein teurer Sprit!“

Als Nunkirchen und Michelbach Grenzstationen wurden
Das Ende des ersten Weltkrieges brachte für den saarländischen Raum eine besondere Regelung: Das neu geschaffene Territorium „Saargebiet“, dessen Grenzen von einer Kommission, bestehend aus einem Franzosen, einem Engländer, einem Japaner, einem Brasilianer und einem Deutschen abgesteckt worden waren, wurde im Versailler Vertrag für 15 Jahre dem Völkerbund unterstellt. Der Grenzverlauf trennte den bisherigen Kreis Merzig in den Stammkreis Merzig und den Restkreis Wadern.
Am 10. Januar 1925 endete die Übergangsfrist, innerhalb deren Dauer der freie Warenverkehr zwischen dem Saargebiet und dem Reich stattfand. Ab diesem Tage war die Trennung zwischen der Saar und dem Reich auch zollpolitisch zementiert worden. Die eigentliche „Schmuggelzeit“ begann.
In diesem Zusammenhang ist zu bedenken, wie hoffnungslos sich die deutschen Grenzbewohner gerade in den Hunsrück- und Hochwalddörfern in wirtschaftlicher Hinsicht vorkamen. Hier in der industriearmen Zone, mit landwirtschaftlich wenig ertragreichem Boden, wurde die Bevölkerung durch die allgemeine Arbeitslosigkeit jener Jahre besonders hart getroffen. Ein weiterer Aspekt, der nicht unterschlagen werden darf, kam noch hinzu: In den Franzosen sah man die eigentlichen Verursacher der bedrückenden Lage. Sie zu schädigen, spielte bei den Schmuggeleien ebenfalls eine Rolle. Als z.B. im Sommer 1931 der amerikanische Präsident Hoover auf Bitte des Reichspräsidenten Hindenburg einen Aufschub aller internationalen Schuldzahlungen durch das Deutsche Reich auf ein Jahr vorschlug, um die ungeheure wirtschaftliche Krise in Deutschland zu lindern, war es die französische Regierung gewesen, welche die „Intervention Hoovers um die erhoffte Wirkung brachte und das Deutsche Reich in weitere finanzielle Schwierigkeiten stürzte. Den Franzosen eins auszuwischen und nebenbei noch etwas zu verdienen, das waren die Hauptgründe zum Schmuggeln.
Zollhaeuser_smallDie Grenze zwischen dem Saargebiet und dem Reich verlief im Norden im Bereich von Schmelz, Michelbach und Nunkirchen von Schmelz her über den Berg nach Michelbach hinab zwischen der Gastwirtschaft Clemens und dem Nachbarhaus hindurch. Die Gastwirtschaft lag auf saarländischem Boden, das Nachbarhaus stand auf dem Gebiet des Deutschen Reiches. Sie zog sich dann den Hang hinauf auf das Gelände des Auscheter Berges. In westlicher Richtung verlief sie zwischen den Zollhäusern in Michelbach in Richtung Geisweilerhof bis zum Großen Lückner. Das gesamte Gelände des Geisweilerhofes und die Gemeinde Reimsbach gehörten zum Saargebiet, während Oppen deutsch war.
Verfolgen wir den Grenzverlauf im Gebiet des Auscheter Berges („Bammersch“), ist die Frage nach den Gründen dieser Grenzziehung gestellt. Von Michelbach her kriecht sie zwischen Jungenwald und Farrenwald hindurch, um am Ende des Jungenwaldes wieder an den Weg zwischen Nunkirchen und Auschet hochzuklettern. Der Grenzstein an dieser Stelle ist den Freudenausbrüchen nach dem 13. Januar 1935 zum Opfer gefallen. Der Weg bildete die Grenze. Ein bemooster Grenzstein am Rande eines Wäldchens zeugt von dieser Zeit. Dass hier oben ein „Schmugglerparadies“ war, ist leicht einzusehen. Der bewaldete steile Abhang nach Überlosheim zu war zwar beschwerlich zu gehen, bot aber dafür hinreichenden Schutz gegen die verfolgenden französischen Zöllner. Über Stock und Stein lief der Weg und damit die Grenze auf Limbach zu. Das französische Zollbüro war im ersten Haus rechts an der ehemaligen Provinzialstraße, dort wo sie von Michelbach herkommt und nach Schmelz abbiegt, untergebracht. Gegenüber am Hang stand die Zollbude mit dem Schlagbaum davor. Das deutsche Zollbüro mit dem Schlagbaum befand sich in Michelbach im Hause an der Ecke der heutigen Hochwaldstraße und der Straße Am Hasenbüsch. Die deutschen Zöllner wohnten mit ihren Familien in Michelbach (Wahlener Straße) und in Nunkirchen (eingangs der Saarbrücker Straße) in eigens für sie errichteten Wohnhäusern, die heute noch in beiden Orten Zollhäuser genannt werden.
Zu den bereits erwähnten Gründen für die Schmuggeleien kamen noch hinzu die unterschiedliche Währung (Ende Oktober 1926: 1 frz. Franken – 0,13 Mark) und das unterschiedliche Warenangebot mit seinem Preisgefälle. Was nun wurde hauptsächlich geschmuggelt? Aus Deutschland ins Saargebiet waren es vornehmlich Solinger Stahlwaren (Rasierklingen, Scheren, Türbeschläge usw.) sowie Damenstrümpfe (Bemberger Seide). In umgekehrter Richtung wechselten vor allem Tabakwaren die Grenze. Die saarländischen „Rot-Füchsel“, der St. Wendeler „Rolles“ (Kautabak) und Pfeifentabak waren begehrte Objekte der deutschen Grenzbewohner, in den 20er Jahren kostete ein Päckchen (20 Stück) „Rot-Füchsel 1 frc. im Reich dagegen 25 Pfennig, also fast das Doppelte.
Für manche Waren, z.B. für Brot, war der „kleine Grenzverkehr“ erlaubt. Die Kolonialwaren-Geschäfte auf beiden Seiten der Grenze machten gute Umsätze. So hatten z.B. in Michelbach die Familien Bernarding (neben ihrem Gasthaus „Zur Erholung“) und Bettscheider unweit der Grenze solche Geschäfte eröffnet. Auch in Nunkirchen boten viele Geschäfte Fleisch- und Wurstwaren sowie Butter zum Tausch gegen saarländische Zigaretten an. An den beiden Wochentagen mit dem „kleinen Grenzverkehr“ herrschte hier, wie in den Geschäften in Michelbach, Hochbetrieb.
Bei Dunkelheit wurde dann aus dem „kleinen“ ein „großer“ Grenzverkehr, den allerdings die Zöllner nicht bemerken durften. Viele Buchseiten ließen sich füllen, würden alle Vorkommnisse bei den Schmuggelgängen, vornehmlich beim Zigarettenschmuggel, aufgezählt. Nicht zu vergessen sind die heimlichen Viehtransporte (Rinder und Schweine) von deutscher Seite ins Saargebiet. Mit allen Raffinessen wurde gearbeitet. Es spielten sich oft Szenen ab, die zumeist komödienhafte, manchmal aber auch tragische Züge trugen.

Hunde als Einschwärzer
Einer Komödie glichen folgende Begebenheiten: Nunkircher, die oben im saarländischen Auschet Zigaretten erstanden, banden die Päckchen an ihre Hunde fest, ließen diese beim Ladenbesitzer zurück, der sie dann nach einer gewissen Zeit laufen ließ, inzwischen waren die Hundebesitzer den Hang hinunter nach Nunkirchen zurückgegangen, wo sie ihre Hunde wieder, und mit ihnen die Tabakwaren – in Empfang nahmen.
Kaufte einer in Auschet Tabak und steckte ihn lose in die Tasche, konnte es ihm passieren, dass ein deutscher Zöllner ihn stellte und untersuchte. Er musste die Tasche ausleeren, über die Grenze nach Auschet zurückgehen und die Hülle, die dort mit Absicht zurückgelassen worden war, holen. Es ging nämlich nichts über preußische Korrektheit. Die Tabakmenge musste mit dem auf der Packung angegebenen Inhalt genau übereinstimmen.
Es kam allerdings des Öfteren vor, dass der Schmuggler nicht mehr zurückkam und den Zöllner mit dem losen Tabak allein ließ. Der Schmuggler hatte einen anderen Weg nach Hause eingeschlagen, um Mißhelligkeiten aus dem Wege zu gehen. Vor allem die Bergleute und die Hüttenarbeiter aus Nunkirchen und Michelbach sowie aus anderen Hochwaldorten, die im Saargebiet beschäftigt waren und – wenn sie nicht in Schlafhäusern wohnten – täglich zu ihrer Arbeitsstelle fuhren, konnten ein Lied singen von den Vorkommnissen an den Zollschranken. Mit Fahrrädern fuhren sie zum Bahnhof Michelbach, von wo aus sie die Züge ins Saargebiet brachten. Die französische Zollverwaltung hatte für jedes Fahrrad einen eigenen Pass ausgestellt, der bei Grenzübertritt genau kontrolliert wurde, denn der Fahrradschmuggel war ein beliebter, wenn auch gefährlicher „Sport“ geworden.

Kühe mit Ausweis
Aber nicht nur Fahrräder hatten ihren französischen Pass, auch Kühe und Pferde deutscher Besitzer waren registriert, wenn sie von reichsdeutschem Boden auf den saarländischen übertraten und dort grasten. Farbe, Größe und sonstige Merkmale waren genau aufgeführt. Französische Zöllner ließen sich oft den Pass vorzeigen. War er nicht zur Hand, wurden Besitzer und Gespann zum Zollbüro geführt und dort so lange festgehalten, bis die Identität zwischen dem Vieh und seinem von der Kommandantur in Bettingen ausgestellten Pass geklärt war.
Ein älterer Mann aus Nunkirchen erzählte, wie er damals als Bub etwas unterhalb vom Weg zwischen Auschet und Limbach die Kühe hütete. Plötzlich stand ein französischer Zöllner ihm:“ Passeport!“ Er zeigte auf die Kühe. Der Junge hatte die Pässe nicht bei sich. Daraufhin machte der Zöllner Anstalten, den Jungen samt den Kühen nach Bettingen zu treiben. Auf die Hilferufe des Jungen liefen der Vater und ein älterer Bruder herbei, die weiter oben im Haferfeld arbeiteten, Sie schwangen ihre Sensen, der Zöllner rannte davon. Das trug sich anfangs der 20er Jahre zu. Später, so versicherte der Erzähler, seien die Kontrollen nicht mehr so streng.
Tragische Züge trugen folgende Vorkommnisse; Ein Mann aus einem Hochwalddort dicht an der Grenze war beim Schmuggeln von Silberbestecken am französischen Zoll in Michelbach erwischt worden. Leute, die bestimmt nicht sein Bestes wollten, stellten die Angelegenheit mit ihren Folgen so dramatisch dar, dass der arme Kerl nach Nordamerika auswanderte.
Dass vor allem deutsche Zöllner von ihren Schusswaffen Gebrauch machten, beweist ein Vorfall in Nunkirchen; Zwei Zigaretten Schmuggler waren am „Bammersch“ von einem deutschen Zollbeamten gestellt worden. Die beiden liefen den Bergabhang hinab über den Friedhof ins Dorf zurück. Der Zöllner verfolgte sie und schoss auf die Flüchtenden, Gott sei dank verfehlten die Kugeln die menschlichen Ziele, trafen aber eine Grabplatte. In einem gerichtlichen Nachspiel wurde der Zöllner zur Bezahlung einer neuen Platte verurteilt.
Es schien überhaupt recht schießfreudig zugegangen zu sein, „Nachts hat es immer geballert“, umschreibt ein Zeitgenosse jener Tage die Situation an der Grenze. Das genaue Ausmaß der unseligen Grenzziehung machte einen Vorfall deutlich, der sich am Pfingstmontag 1926 in Michelbach ereignete.
Dort kam es zu einem Zwischenfall, der tödliche Folgen hatte. Der deutsche Zöllner Augustin war von Grenzgängern erstochen worden. Augustin war bei bestimmten Einwohnern eines Hochwalddorfes wegen seiner strenge, korrekten Haltung gegenüber Schmugglern nicht beliebt. Da diese oft die auf saarländischem Boden gelegene Gastwirtschaft „Zur Erholung“ in Michelbach besuchten, war übers Wochenende immer „ein toller Betrieb“, wie ein Zeitgenosse berichtete – das Bier war billig, die „Rot-Füchsel“, eine der bekanntesten Zigarettenmarken aus Merzig. Am Abend des Pfingstmontags 1928 rotteten sich einige der Grenzgänger zusammen, stellten den Zollbeamten, der ebenfalls in der Gastwirtschaft „Zur Erholung“ gewesen war, vor dem Haus Teusch und stachen ihn nieder. Augustin verblutete an Ort und Stelle. Von den elf Angeklagten wurden acht zu Zuchthausstrafen von zehn bis fünfzehn Jahren verurteilt, drei wurden freigesprochen.
Die Saarwirtschaft hatte Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre viele Flauten zu überstehen. Der Franken war im Wert gesunken. Die Grenzgänger aus dem benachbarten Hochwald bekamen diese Flaute in voller Härte zu spüren. „Über unser Saargrenzland ist großes Elend gekommen“, schrieb die Schulchronik. Im Mai/Juni 1930 wurden in Nunkirchen 28 Bergleute arbeitslos, im Grenzgebiet insgesamt 14000, Besonders waren die Orte Michelbach und Oppen betroffen. Der Vermittlung von deutscher Seite gelang es zu erreichen, dass Bergleute mit vier Kindern unter 14 Jahren wieder anfahren durften.
Eine Zeitungsnotiz aus Nunkirchen (18.9.1931) besagte: „Eine große Anzahl deutscher Staatsangehöriger, meistens Grenzbewohner, die im Saargebiet schon jahrelang beschäftigt waren, wurden ausgewiesen. Es handelt sich in der Hauptsache um Gesellen, Dienstboten und Arbeiter, die zum Teil die Einreise bis auf weiteres hatten. Es sind Personen betroffen, die schon 10 bis 13 Jahre im Saargebiet beschäftigt waren. Allein in Völklingen, in Malstatt-Burbach usw. wurde etwa 80 Metzgergesellen der Aufenthalt polizeilich verweigert. Man rechnet damit, daß binnen kurzem alle im Saargebiet beschäftigten deutsche Staatsangehörige, einerlei welchen Geschlechts, ausgewiesen werden. Damit dürfte auch für unsere Saargänger, die in verschwindend kleiner Zahl noch vorhanden sind, die Gefahr bestehen, ihre Existenz zu verlieren.
Was war zu tun? Die Gemeinde stellte am 15. Oktober 1932 an die Regierung in Trier den Antrag, Waldgelände im Kleinen Lückner an sie abzutreten, um den abgebauten Grenzgängern neue Existenzmöglichkeiten zu bieten. Die Gemeinderatssitzung begründete ihren Antrag u.a.: „Die Fläche ist ca. 15 Hektar groß und mit 70 bis 80-jährigen Buchen bestanden. Der Wald soll früher der Gemeinde gehört haben, wurde jedoch aus unbekannten Gründen an den preußischen Staat abgetreten. Die Räche wirkt störend im Gemeindebann. Der Boden eignet sich außerordentlich zur Urbarmachung in Ackerland. Die hiesige Bevölkerung zumeist aus Berg- und Hüttenarbeitern besteht, die früher im Saargebiet und in Lothringen arbeiteten und heute größtenteils entlassen sind, muss die Frage aufgeworfen werden, wie diesen an ihrem Elend unschuldigen Leute ihre Zukunft gestalten sollen, ohne dauernd auf der Tasche der Steuerzahler zu liegen…“
Die Regierung stimmte dem Antrag zu, wie der Ortsvorsteher in der Sitzung am 15. Dez. 1932 mitteilte. Ein Hinweis noch: Die Zahl der Grenzgänger belief sich in Nunkirchen am 1. März 1934 auf 68.
Über die Parteien in Nunkirchen und die Einstellung der Bevölkerung zu Personen der Politik bis 1933 sollen beispielhaft die Wahlen zum Provinziallandtag und zum Kreistag am 17. November 1929 sowie die Reichspräsidentenwahl im März 1932 Aufschluss geben:

Provinziallandtag
Kreistag
Reichspräsidententwahl
Zentrum 289 287 für Hindenburg: 496
Bürgerliste 187 für Hitler: 174
Sozialdem. 153 für Thälmann: 143
Kommunisten 108 für Düsterberg: 7
Handel u. Gew 97 für Winter: 2
Nationalsoz.
70

Mit 1085 Wahlberechtigten bei der Reichspräsidentenwahl zeigt sich Nunkirchen nicht nur als größter Ort mit rund 1700 Einwohnern der Bürgermeisterei Weiskirchen, sondern auch im Restkreis überhaupt. An zweiter Stelle bei der Wahl lag Losheim. Die Merziger Zeitung nahm am 14. März 1932 unter der Überschrift „Die Mitte steht – Hitler gewinnt nicht – Thälmann der Gewinner“ folgendermaßen Stellung zum Wahlergebnis im Restkreis: „Die Parteien, die hinter Hindenburg stehen, nämlich Sozialdemokratie, Staatspartei, Deutsche Volkspartei und Wirtschaftspartei gaben ihren Kandidaten 8037 Stimmen. Und da diese Mitte zu neun Zehntel Zentrumsanhänger sind, ist der weitere Beweis erbracht daß der Zentrums-Turm im Restkreis steht. Das interessanteste Ergebnis ist das für die Hitlerpartei. Sie bekam, am 14. September 1930 1403 Stimmen, diesmal 1836. Wenn man sich vergegenwärtigt, welch eine Flut von Versammlungen sie über den Restkreis ergossen haben, wenn man sich weiter vorstellt, dass in diesen Versammlungen durch Flugblätter und Zeitung eine ganz unheimliche Hetze entfacht wurde, so muß man den Gewinn von 221 Stimmen als ein ganz klägliches Ergebnis bezeichnen. Besonders interessant sind die Ergebnisse in den Hochburgen des Nationalsozialismus Wadern und Losheim, wo sie 27 bzw. 11 Stimmen gewinnen konnten. Im Restkreis hat, das darf man mit Befriedigung feststellen, die Vernunft gesiegt. Als besonders glänzend dürfen die Ergebnisse von Steinberg und Rimlingen bezeichnet werden, wo Hindenburg 90 bzw. 88 Prozent bekam.“
Die Stimmungslage der Bewohner Nunkirchens und des Restkreises überhaupt zur Politik war gekennzeichnet durch den Ausgang des Ersten Weltkrieges mit dem Vertrag von Versailles, der alles andere als ein Friedensvertrag war und mit dem Ausdruck „Diktatfrieden“ betreffend bezeichnet wurde, und die damit verbundene durch die extremen Parteien der Kommunisten (s. Thälmann!) und der Nationalsozialisten (man sollte sich durch den verhältnismäßig geringen Zuwachs nicht täuschen lassen!).
Symptome für die Wiedererweckung deutscher Größe und für den Widerstand gegen die Sieger von Versailles waren die Kriegsvereine. In Nunkirchen bestanden sogar zwei dieser Vereine: Kriegerverein und Verein ehemaliger Frontsoldaten. Der Kriegerverein zählte im Jahr 1934 bereits fünfzig Jahre – aus Anlass dieses Jubiläums fand im Juli 1934 in Nunkirchen das Kreis-Kriegerverbandsfest statt  –, während der Verein ehemaliger Frontsoldaten am 14. September, 1930 mit dem Vorstand Hans Barzen, Franz Zimmer, Nik. Meyer, Josef Lang und Josef Herbst gegründet wurde. Für die „Merziger Zeitung“ (MZ) war diese Gründung Anlass zur Bemerkung: „Mithin hat Nunkirchen zwei Kriegervereine, während an vielen Orten der Nachbarschaft die Stimmung nicht für derartige Vereine ist, und sich niemand findet, der einen Zusammenschluss organisieren will“
Natürlich brauchte ein Kriegerverein auch einen Schießstand. Der wurde 1930 im Gelände der Achatgrube angelegt (Anm.: heute sind noch Spuren davon kenntlich) – „auch für die Landjäger des Kreises hergerichtet“ lt. Beschluss des Kriegervereins.
Am 7. Sept. 1930 wurde er mit großem Programm eingeweiht. Sogar die Knüppelmusik war dabei, bisher von der frz. Besatzung verboten, die mittlerweile das Rheinland geräumt hatte. Die politischen Verhältnisse im Reich trieben indessen auf eine Entscheidung zwischen extrem rechts (Nationalsozialisten) und extrem links (Kommunisten) hin. Die Mitte war mehr oder weniger bedeutungslos geworden.

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V. Im Dritten Reich (1933 bis 1945)
Von Jochen Kuttler

Es war ein Wintertag, wie jeder andere auch, Der 30. Januar 1933 verlief in Nunkirchen ohne Zwischenfälle. Und doch, der Tag war anders. Nach den chaotischen Zwanzigern, der Wirtschaftskrise und dem Hick-Hack um das Saargebiet lag die Veränderung in der Luft, die mit dem Abend des 30. Januar 1933, einem Montag, zur Gewissheit werden sollte. Das Deutsche Reich hatte einen neuen Kanzler. Adolf Hitler, Vorsitzender der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, hatte sein Ziel erreicht: Die „Machtergreifung“, Schon bei der Reichtagswahl Ende Juli 1932 stellte die NSDAP mit 230 Abgeordneten die stärkste Fraktion im Berliner Reichstag.
Seit Beginn der dreißiger Jahre hatten die Nationalsozialisten auf diesen Tag hingearbeitet. Ein Ausschnitt aus der Merziger Zeitung vom 3. Dezember 1930 erzählt von einer Versammlung, die einige Tage zuvor im Hotel Meyers abgehalten worden war: „Rechtsanwalt Britten sprach über „Korruptionsstaat und Judenfrage“. Auch eine Anzahl von Kommunisten und Sozialdemokraten nahm daran teil. Als gegen 8.30 Uhr der Redner schloss, erklärte der Vorsitzende, dass wegen der vorgeschrittenen Zeit keine Diskussion mehr stattfinden könne. Es setzten nun auf gegnerischer Seite Pfuirufe und Tumulte ein, wobei ein SPD-Mitglied durch einen Schlag mit einem Bierglas verletzt wurde. Nur dem Eingreifen Besonnener ist es zu verdanken, dass eine allgemeine Schlägerei verhindert wurde.“ Zwei Jahre später hatten die Nazis ihr Ziel erreicht: Sie waren an der Macht
Naziaufmarsch_smallDie Begeisterung für die neuen Machthaber in Berlin ist allenthalben. Mit dem ebenso überragenden wie erschreckenden Wahlergebnis vom 5. März 1933 wird wohl auch dem letzten bewusst, dass die Regierung unter Hitler keine einfache Übergangserscheinung ist, wie es in der Weimarer Republik gang und gäbe war. Man stellt sich auf die neue Lage ein. Der Sieg der Nationalsozialisten wird auch in Nunkirchen gebührend gefeiert. „Am 5. März wurden die Hakenkreuzfahnen über unserer Schule gehisst. Am 8. März feierten wir den sie in unserer Schule“, verrät die Schulchronik aus dieser Zeit. Während in Berlin der Reichstag seiner eigenen Entmachtung zustimmt, finden sich auf dem Schulhof unserer heutigen Grundschule die Schüler ein, um diesen Tag mit dem Ruf „Sieg Heil‘ den passenden Rahmen zu verleihen.
Die Wende in Deutschland war überall ersichtlich. Auch in Nunkirchen trat die NSDAP mit der Gründung einer Ortsgruppe unter Führung von Franz Finkler auf den Plan. Am 1. Mai 1933 gab es den ersten großen Aufmarsch der Partei, Der „Tag der Arbeit“ war zum Feiertag erhoben worden, in unserem Dorf wurde er mit einem Festzug begangen. Am Vorabend fand ein großer Fackelzug statt, der mit einer Kundgebung im Saal Lauer endete. Der nächste Morgen stand voll und ganz im Zeichen der Feierlichkeiten: Die Häuser im Dorf waren beflaggt, Fähnchen und Blumen schmückten die Häuser. An der Kreuzung beim heutigen Hotel Kuhn-Münster war Treffpunkt. Aus allen Richtungen kamen die Menschen um am Festzug teilzunehmen. Sogar die Schulkinder zogen „mit geordnetem Gange, unter fröhlichem Gesang“ (Schulchronik) die Straßen entlang, um sich bei der Gastwirtschaft Münster in den festlichen Zug einzureihen. Das ganze Dorf war auf den Beinen, konnte man meinen, alle Vereine beteiligten sieh an dem Aufmarsch, der sich von nun an bis in die Kriegstage hinein jährlich wiederholen sollte. Um 9.30 Uhr wurde an diesem Morgen in der Kirche ein festlicher Gottesdienst abgehalten. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete eine Kundgebung auf dem Marktplatz, wo Vertreter der NSDAP das Wort ergriffen.

1933-37: Das Leben wird organisiert
Allmählich stellte sich der Alltag im Dorf wieder ein. Das Leben ging ja schließlich weiter. Es wurde jedoch in der Stadt und Land langsam aber sicher umgekrempelt. Auch Nunkirchen machte da keine Ausnahme. Am 15. Mai wurde hier die Hitler-Jugend (HJ) gegründet. Hauptlehrer Müller hatte 46 Jugendliche zur neuen Jugendorganisation zusammengefasst. Die Kinder waren schnell zu begeistern für die neue Organisation. Gemeinschaftsgefühl, Kameradschaft und nicht zuletzt Abenteuerlust brachten der HJ regen Zulauf. Am 24. Juni 1933 wurde in Nunkirchen zum ersten Mal eine Sonnenwendfeier durchgeführt. Um 21.30 Uhr setzte sich ein Fackelzug von der Wirtschaft Münster aus in Bewegung. Ziel war der Galgenberg, wo getanzt und gesungen wurde. Eindreiviertel Jahr später, am 3. Februar 1934, wurde im Saale Opitz die NS-Frauenschaft in Nunkirchen gegründet.
Der 21. März 1934 stand ganz im Zeichen der „Tag der Arbeitsschlacht“, der in Nunkirchen, wie auch im übrigen Restkreis, begangen wurde. In Nunkirchen wurde das Ereignis besonders gefeiert, da hier die meisten Erwerbslosen eingestellt wurden. Über 100 ehemalige Wohlfahrtsempfänger versammelten sich um 10 Uhr mit ihrem Arbeitsgerät auf dem Sportplatz, wo eine Rede Hitlers via Volteempfänger übertragen wurde, berichtet die Merziger Volkszeitung in ihrer Ausgabe vom 22. März 1934. Nur, wo die neuen Arbeitnehmer eine Stelle gefunden hatten, welche Arbeit sie verrichteten, darüber ist heute leider nichts mehr in Erfahrung zu bringen. Sicher ist nur, dass die Gemeinde im Rahmen dieser Maßnahme den „Kleinen Lückner“ und Waldflächen im „Geißweilerwäldchen“ erwarb, insgesamt 100 Morgen wurden so zu Ackerland umgewandelt.

1934/35: Wahlkampf und Saarabstimmung
Mit der zweiten Jahreshälfte 1934 rückte auch die Abstimmung im Saargebiet immer näher. Über den Anschluss an Frankreich, die Beibehaltung des Status quo oder die Rückkehr nach Deutschland sollte entschieden werden. Der Wahlkampf wurde mit schärfsten Mitteln geführt. Gewalt war zum legitimen Mittel der Auseinandersetzung geworden. Der Grenzregion des Restkreises Wadern kam in dieser Zeit eine herausragende Bedeutung zu.  Sie war Ausgangspunkt für die deutsche Propaganda im Saargebiet. Auch an Nunkirchen ging diese Zeit nicht spurlos vorüber. Die Grenze zwischen Deutschland und dem Saargebiet verlief östlich von Michelbach (das noch deutsch war) , entlang der heutigen aufsteigende Straße am Bammersch in Richtung Auschet (das saarländisch war). Wer heute über die B268 nach Michelbach fährt, ist sich dieser Grenze überhaupt nicht mehr bewusst, die vor über fünfzig Jahren nicht nur Schmugglern bestens bekannt war. Am 15. August 1934 ereignete sich genau an dieser Grenze ein Zwischenfall. Zwei Männer im Alter von 23 und 24 Jahren, Ferdinand Paulus und Johann Josef Müller, beide aus Saarwellingen, wurden beim „Einschmuggeln von kommunistischem Propagandamaterial über die Saargebietsgrenze festgenommen“ (Staatsanwaltsprotokoll vom 15. Oktober 1934). Die jungen Männer hatten mehrere hundert Streuzettel mit über die Grenze gebracht, worin die Einwohner des Restkreises aufgefordert wurden, den Nazis bei der Wahl am 19. August die Stimme zu versagen. Ihr Aufruf blieb ungehört. Am 2. August war Reichspräsident Hindenburg gestorben. Hitler nutzte die Gelegenheit, sich selbst zum Nachfolger zu ernennen. Mit Hilfe einer Volksabstimmung sollte dem rechtlich äußerst bedenklichen Verfahren ein legaler Anstrich gegeben werden. In der letzten, zumindest teilweise freien Wahl, verweigerten in Nunkirchen nur neun Wahlberechtigte Hitler den Titel „Führer und Reichskanzler“. 1099 stimmten seiner Machtpolitik zu. Damit stimmten 98,6 % für die Politik Hitlers, die höchste Quote im Restkreis Wadern.
Nunkirchen zählte zu diesem Zeitpunkt 1688 Einwohner und war einer der größten Orte im Restkreis. Im Sommer 1934 wurde zum ersten Mal die so genannte „Kinderlandverschickung“ durchgeführt. Sieben Schulkinder konnten sechs Wochen lang im Landkreis Trier Ferien machen. Ein für damalige Zeit völlig neues Angebot
Dann, am 13. Januar 1935, stand das Ereignis ins Haus, das die Gemüter solange erhitzt hatte: die Saarabstimmung. Die überwiegende Mehrheit der Menschen im Saargebiet (90.36%) sprach sich für die Rückkehr ihres Landes zu Deutschland aus. Auch 52 Nunkircher waren abstimmungsberechtigt, weil sie aus dem Saargebiet stammten. Das Ergebnis der Wahl vom 13. Januar ging wie ein Lauffeuer durchs Land. Für viele ein Jubeltag, für manche aber auch Grund zur Nachdenken über die Zukunft.
Das Nachdenken über die Zukunft setzte bei den Behörden des Restkreises sofort nach der Abstimmung ein. Am 1. Februar 1935 verfassten die Gemeinderäte und Gemeindeschulzen des Restkreises eine Resolution mit folgendem Inhalt: „Wir sind bis jetzt noch im Unklaren, was mit dem Restkreis Wadern bei der Rückgliederung des Saargebietes geschehen soll. In der Bevölkerung herrscht hierüber große Beunruhigung. Da wir wirtschaftlich zum Saargebiet gehören und die Arbeitsplätze unserer Arbeiter im Saargebiet liegen, bitten wir bei maßgebender Stelle erwirken zu wollen, wenn der Restkreis aufgelöst werden soll, dass wir wieder an unserem Stammkreis Merzig angeschlossen werden.“ Eine trügerische Hoffnung; denn der Restkreis Wadern mit Graf v. Spee als Kreisverwalter blieb bis zum Einmarsch der Amerikaner im März 1945 bestehen.

Januar 1935: Die Grenze ist weg
Für Nunkirchen brachte der 1. März 1935 eine erfreuliche Neuerung. Die Grenze zwischen dem Saargebiet und Deutschland war hinfällig geworden, die Schmugglerzeiten gehörten auch bei uns der Vergangenheit an. Die Aufregung der ersten Tage des Jahres wich dem Alltag im Dorf. Der tägliche Lebensunterhalt interessierte mehr als die aktuelle Tagespolitik. Das war in Nunkirchen nicht anders als im übrigen Reich, Mittlerweile wurden auch die von der Regierung festgelegten Feiertage mit einer gewissen Gelassenheit absolviert.
Wir sind bereits im Jahr 1937. Es ist der 20. April, Hitlers Geburtstag, der nach einer Anordnung der Berliner Regierung allenthalben gebührend gefeiert werden sollte. Und wieder mussten die Kinder für die Propaganda herhalten: „Am 20, April feierten wir in würdigem Rahmen den Geburtstag unseres Führers Adolf Hitler“, berichtet die Schulchronik aus jenen Tagen. Mit Fahnen, Liedern und Gedichten lief die Prozedur ab. Anschließend wurde eine Rede von Propagandaminister Goebbels mittels eines Volksempfängers den Schülern zugänglich gemacht. Der Unterricht war ganz auf die Weltanschauung der Nationalsozialisten ausgerichtet. Neutralität gab es nicht mehr. Vor allem der Religionsunterricht bekam das zu spüren. Unterrichtete bisher immer der Pfarrer die Schulkinder im Religionsunterricht, wurde diese Aufgabe mit Erlass vom 1. Juli 1937 den Lehrern übertragen. „Seit dem 20. April 1938 waren die Kreuze im Auftrage des Gauleiters Gustav Simon abgehängt worden. Die Entfernung sämtlicher Kruzifixe aus den christlichen Volksschulen sollte ein weiterer Schritt zur Entchristlichung und zugleich ein Geburtstagsgeschenk des NS-Lehrerbundes an Hitler sein. Lehrerin Petronella Lück hatte sich die Kreuze von dem Gemeindebediensteten ausgebeten und sie in Seidenpapier eingewickelt, auf den Schulspeicher tragen lassen, so dass sie in Wirklichkeit das Schulgebäude nie verlassen hatten“ (Schulchronik).
Mit dem Winter 1937 begannen die Sammlungen für das Winterhilfswerk (WHW). Kleider, Geld, Spielzeug, alles, was irgendwie gebraucht werden konnte, kam zur Wohlfahrt. Die Sammlungen für das WHW sollten von nun an bis Kriegsende jedes Jahr stattfinden. Wirtschaftlich bahnte sich die Wende an. Die Kriegswirtschaft lief mittlerweile auf Hochtouren. Deutliches Zeichen für die neue Situation war die immer stärker werdende Präsenz des Militärs, die auch in Nunkirchen nicht zu übersehen war. Nach einem heißen Sommer, der Temperaturen weit über 30 Grad brachte, sind sie da: Militärfahrzeuge, Lastwagen und Soldaten. Auf den bisher ruhigen Straßen Nunkirchens herrscht plötzlich reger Verkehr. Am Bahnhof werden Baracken errichtet, rege Bauarbeiten prägen das Dorf. Der Ort wird hektisch und betriebsam. Dieser Zustand bleibt keine Übergangserscheinung. Eine neue Situation ist entstanden, das Militäraufgebot wächst von Tag zu Tag.

1938/39: Zwischen Bangen und Hoffen
Doch auch an diese Situation schien die Dorfbevölkerung sich zu gewöhnen. So langsam kannte man die Soldaten, vertraute oder weniger vertraute Gesichter begegneten einem auf der Straße.
Weltpolitisch hatte sich die Lage 1938 dramatisch zugespitzt. Österreich war im März 1938, das Sudentenland mit dem Münchener Abkommen vom 19. September 1938 an Deutschland angegliedert worden. Der sich abzeichnende Krieg schien unvermeidlich. Doch 1938 entspannte sich die Lage noch einmal. Dann aber kam der berüchtigte 9. November 1938, die so genannte „Reichskristallnacht“, die große Aufregung über das Land brachte. Auch in unserem Kreis wurden Synagogen angezündet, und die jüdische Bevölkerung aus ihren Häusern vertrieben. In Nunkirchen gab es seinerzeit keine Juden.
Das Jahr 1939 war geprägt vom Hoffen und Bangen. Krieg oder Frieden? Die alles entscheidende Frage stand im Raum. Im Frühjahr kam wieder Hoffnung auf, dass der Friede doch noch gewahrt werden könne. Der Sommer 1939 ließ mit Temperaturen bis zu 35 Grad den Gedanken an einen möglichen Krieg wohl für einige Augenblicke in den Hintergrund treten, der August war ungewöhnlich heiß, kein Wölkchen trübte den Himmel Doch spätestens gegen Ende August wurden die Gemüter aufgeschreckt. Zwischen dem 21. und 28. August wurden in Nunkirchen die Reservisten und Urlauber der Wehrmacht eingezogen.

1. September 1939: Krieg
Am 28. August zogen die ersten Truppen zur deutsch-französischen Grenze. Am Abend des 31. August fand beim Nunkircher Ortsbürgermeister Wolter eine Lagebesprechung statt, um sich auf die neue Situation vorzubereiten. Sollte es Krieg geben, stellte sich natürlich auch die Frage, wohin mit eventuellen Flüchtlingen aus der „roten Zone“, dem Westwallgürtel an der Saar. Der nächste Morgen begann eigentlich so friedlich wie der gestrige Abend geendet hatte. Mit einem Unterschied: Es war Krieg.
Am frühen Morgen des 1. September begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. In Nunkirchen wurden eiligst Verpflegungsstellen eingerichtet. Gegen 17 Uhr am Nachmittag trafen tatsächlich die ersten Flüchtlinge aus der Grenzregion, der „roten Zone“, im Dorf ein. Sie wurden in der Schule und in den umliegenden Gasthäusern einquartiert. In der Nacht zum darauf folgenden Sonntag wurde die Bevölkerung durch eine heftige Detonation geweckt. Anfangs glaubten einige, im Dorf selbst habe sich eine Explosion ereignet, doch wie sich nachträglich herausstellte, rührte der Knall von der Sprengung der Eisenbahnlinie Merzig-Waldwisse her.
Am dritten Kriegssonntag wird in der Schule eine Sanitätskompanie untergebracht. In der gewerblichen Berufsschule wird ein chirurgisches Lazarett eingerichtet, direkt davor ein Ehrenfriedhof angelegt. Das ehemalige Hotel Koch-Thieser wird kurzerhand zum Feldpostamt. Von all den Maßnahmen, die damals getroffen wurden, sind heute nur noch wenige sichtbar. Um einen schnelleren Panzertransport zu ermöglichen, baut die Wehrmacht eine neue Heeresstraße, die parallel zum Bammersch verläuft. Heute ein beliebter Spazierweg, sollten damals Panzer über den asphaltierten Weg rollen. Um einen schnellen Nachschub zu garantieren, hat die Wehrmacht eine Feldbahn (Foto links) einrichten lassen, die vom Nunkircher Bahnhof in Richtung Münchweiler, dann in Richtung „Weihern“ zum Lückner verlief. Hier war ein Munitionsdepot untergebracht, von dem aus die Stellungen im Westwall beliefert werden konnten. In den Weihern entstehen ca. 20 Baracken, die u.a. als Verpflegungsstation dienen sollen.

1940: Angriff auf Frankreich
Zu dieser Zeit war die Lage in Nunkirchen relativ entspannt, denn die Front war weit weg und ein Krieg mit Frankreich zu diesem Zeitpunkt noch nicht aktuell. Der erste Kriegswinter 1939/40 verlief dementsprechend ruhig. Deutsche Erfolge auf der ganzen Linie, der Krieg schien doch kein Zustand von Dauer zu werden. Als in den frühen Morgenstunden des 10. Mai 1940 einundzwanzig schwere Bomber das Dorf in Richtung Frankreich überflogen, ahnten wohl die wenigsten, was Stunden später zur Gewissheit wurde. Die Wehrmacht war nach dem Überfall von Holland, Belgien und Luxemburg nach Frankreich eingedrungen, der Krieg stand urplötzlich vor der Haustür. Aber auch dieser Feldzug glückte. Frankreich wurde überrannt, der Krieg schien vom heimischen Boden gebannt. Mit dem Ende der Angriffe zog auch das Militär wieder aus Nunkirchen ab. Innerhalb weniger Stunden war das gesamte Dorf geräumt, die Truppen in Richtung der französischen Grenze verlegt. Auch einige junge Nunkircher waren unter den ersten Opfern dieser Tage.
Mittlerweile werden im Dorf Lebensmittelkarten ausgegeben. Die Lehrer und Lehrerinnen der Volksschule haben diese Aufgabe übernommen. Das Leben geht eben auch im Krieg weiter. Die Zahl der Gefallenen aus Nunkirchen steigt stetig weiter. Im Sommer 1941 beginnt der Angriff Deutschlands auf Russland, der schließlich die Wende im Krieg bringen wird. Anfangs können die deutschen Truppen auch hier deutliche Erfolge verbuchen. Doch der harte Winter bringt den deutschen Vormarsch zum Erliegen.

1942: Die Kriegswende
Der Winter 1941/42 zeichnet sich in der Tat durch eine extreme Kältewelle aus. In Nunkirchen werden Temperaturen von unter minus 37 Grad gemessen, die Schneeverwehungen sind meterhoch. Die Schüler haben vom 22. Februar bis zum 8. März 1942 so genannte Kohleferien, weil das kostbare Brennmaterial knapp geworden ist. Das Jahr 1942 geht ins Land, die Ernte sichert die Ernährung für den bevorstehenden Winter, der sich überraschend mild zeigt. Die Gefallenen-Meldungen häufen sich. Immer mehr Eltern, Frauen und Kinder trauern um ihre Angehörigen, die in Afrika, über England, in Malta, Griechenland oder Russland gefallen sind. Mit der Schlacht bei Stalingrad im November 1943 tritt die Wende im Krieg ein. Der Krieg kommt nach Deutschland, auch nach Nunkirchen. Anfang 1943 greifen englische Bomber Saarbrücken an. Die Bevölkerung sucht Schutz in den Kellern. „Bomben und Flakgranaten erschütterten die Luft derart, dass die Fensterläden klapperten“, beschreibt die Schulchronik jene Nacht.
Die Fliegerangriffe nehmen ständig zu. Bisher ist das Dorf von Abwürfen verschont geblieben. Doch in einer Nacht des Frühjahrs 1943 fallen in Nunkirchen zum ersten Mal Brandbomben. Einschlagpunkt: das Haus Sauer in den „Weihern“. Der Brand wurde jedoch sofort bemerkt, so dass Schlimmeres verhindert werden konnte, Nunkirchen kommt im vierten Kriegsjahr mit einem blauen Auge davon. Überflüge feindlicher Verbände, das Jahr ging relativ ruhig zu Ende. Weihnachten 1943/44 steht vor der Tür. In diesem Jahr werden Sonderzuteilungen an Lebensmitteln gewährt: 125 g Butter, 500 g Mehl und 250 g Zucker. Für die Kleinen gab’s Süßigkeiten und für die Erwachsenen eine halbe Flasche Schnaps

Januar 1944: Der Krieg kommt näher
Doch mit der besinnlichen Ruhe ist es nach diesen Tagen vorbei. „Die feindlichen Überflüge werden immer häufiger. Am Tage kommen die Amerikaner in vielen Verbänden und nachts die Engländer“ (Schulchronik), im Dorf hat man sich an die Überflüge gewöhnt, sie sind Alltag geworden, denn bisher haben die Flugzeuge nur selten Bomben über Nunkirchen abgeworfen. In der Nacht zum 1. Mai wird dann doch so manchem angst und bange, als in einer Höhe von ungefähr 6000-7000 Metern eine Luftschlacht deutscher gegen amerikanische Flugzeuge tobt. Eine deutsche Maschine wird getroffen und stürzt nahe der „Zandt’schen Hecke“ ab.
Der Krieg kommt näher. Die Angriffe der Alliierten auf die heimischen Bahnhöfe sind zur Tagesordnung geworden. „Bei einem solchen Angriff auf den Zug von Büschfeld nach Wadern wurde Nikolaus Spanier, von Beruf Lokomotivführer, kurz vor dem Bahnhof Wadern tödlich getroffen“, ist in der Schulchronik zu lesen. Bei einem Angriff in der Nähe von Limbach kommt der Klempner Matthias Pitzer aus Nunkirchen ums Leben, in der Nacht vom 27. auf den 28. August explodiert ein englischer Bomber in der Luft. Die Teile fliegen im ganzen Dorf herum, die Besatzung kann nur noch tot geborgen werden.

September 1944: Der Rückzug beginnt
Mit dem Spätsommer beginnt auch im Saarland der Rückzug der deutschen Truppen. In Nunkirchen herrscht reger Betrieb, das Militär ist überall präsent. Im Dorf versucht man, sich auf die neue Situation einzustellen. Am 4. September fand im Saale Lauer eine große Bürgerversammlung statt. Der Ortsgruppenleiter verliest den Aufruf des Gauleiters zum Schanzdienst, zu dem alle Männer von 16 bis 70 Jahren aufgefordert wurden. Wie widersinnig dieser Auftrag war, dürfte den meisten Beteiligten wohl erst sehr viel später bewusst geworden sein. Die Schanzer arbeiten in Pellingen/Trier, in Niederbettingen/Gerolstein und bei Hermeskeil. Mit dem Schanzaufruf wird auch der Schulbetrieb in Nunkirchen eingestellt.
Der Krieg naht seinem Ende. Und trotzdem läuft die Kriegsmaschinerie auf Hochtouren weiter. Im Herbst 1944 wird der Volkssturm ausgerufen. Alle Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren werden zu diesem Dienst verpflichtet. An den Dorfausgängen werden Panzersperren aus Baumstämmen gebaut. Zwischen der Schule, dem Saale Lauer und der Pfarrhausgartenmauer sollen so Baumstämme, zu einem Wall zusammengefasst, der 2,50 m über die Straße hinausragte, Sicherheit vor einem Durchbruch geben.
BesatzungLancasterJAFleming_kleinDie Luftangriffe hatten nun auch die Dörfer erreicht. Und kosten Opfer auf beiden Seiten. In der Nacht vom 25. auf den 26. August 1944 greift die britische Luftwaffe Darmstadt und Rüsselsheim an. Eine der Lancaster-Maschinen explodiert über Münchweiler – die von Pilot J.A. Fleming aus Neuseeland von der 75. Staffel (ein Foto der Crew sehen Sie links, Foto: Roderik Voorhoeve). Die Trümmerteile finden sich, wie die Schulchronik berichtet, in der Höhe der „Zandtersch Heck“ auf beiden Seiten entlang der Straße nach Thailen (in Höhe der Abzweigung nach Münchweiler). Die sieben Insassen können nur noch tot – zum Teil zerstückelt, zum Teil stark verkohlt – geborgen werden. Sie werden auf dem Ehrenfriedhof in Nunkirchen bestattet und nach dem Krieg auf den Militärfriedhof in Rheinberg umgebettet. Die Absturzstelle befindet sich im Wald rechterhand der Straße von Nunkirchen nach Thailen, etwa einen Kilometer vor der Kreuzung nach Weierweiler.
Es ist die Zeit, in der zahlreiche Luftschutzbunker in die Sandberge in Nunkirchen gegraben werden. Anfang Februar 1945 wird der Ort zum ersten Mal hart von Bomben getroffen. Ziel: das Oberdorf: „Zwei Häuser werden zertrümmert und verschütten die Familie Johann Weiß mit vier Personen und Frau und Schwiegermutter der Balzer“ (Schulchronik). Die Häuser Peter Weber, Nikolaus Weiß und Johann Thome werden schwer beschädigt. Mit Hilfe einer langen Menschenkette wird das Löschwasser vom Selerbach zu den brennenden Häusern transportiert. Ende Februar gehen wieder Bomben nieder, diesmal im Bungert. Die Häuser Kraus und Schmitz stürzen zusammen. Durch den gewaltigen Luftdruck und durch umherfliegende Bombensplitter werden Dächer abgedeckt und Fensterscheiben zerbrochen.

März 1945: Die Amerikaner kommen
Anfang März steht die Front vor der Haustür. Nach Überwindung des Orscholz-Riegels stoßen die amerikanischen Truppen von Serrig-Saarburg in den Hochwald vor. Bei vereinzelten Kämpfen geraten Mitglieder des Volkssturms aus Nunkirchen in amerikanische Gefangenschaft. Am 18. März gegen Mittag schlagen alliierte Granaten in Niederlosheim ein. Die Truppen kommen über Münchweiler, an der „Hollo“ vorbei direkt auf den Ort zu. Der Rückzug der deutschen Truppen aus Nunkirchen läuft auf Hochtouren. Nach der Hektik vom Nachmittag stellt sich plötzlich eine merkwürdige Ruhe ein.
Es dämmert. Von den Amerikanern ist weit und breit nichts zu sehen. Die Nacht kommt, alles bleibt ruhig. Gegen 8 Uhr am Morgen schlagen Granaten in den Bergabhang hinter der Schule ein. Der Granatenhagel hält eine halbe Stunde an, bis auf der Straße jemand vorbeigeht und ruft: „Die Amerikaner sind da“. Noch einige Schusswechsel am Bammersch und für Nunkirchen ist am Morgen des 17. März 1945 der Zweite Weltkrieg beendet. Insgesamt 131 Soldaten aus dem Dorf – die genaue Zahl wurde erst durch die Nachforschungen von Herbert Theobald 2006 ermittelt – hat er das Leben gekostet. Der Krieg zieht weiter, bis am 8. Mai in ganz Deutschland die Waffen schweigen. Die Nachkriegszeit beginnt.

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Die Feldeisenbahn in Nunkirchen
Von Fritz Glutting

Dem Angriff der Wehrmacht auf die Maginot-Linie am 10. Mai 1940 ging ein Stellungskrieg voraus. Seit Kriegsbeginn am 1. September 1939 standen auf deutscher Seite an der 400 km langen Front von Basel bis zur deutsch-luxemburgischen Grenze die 7. Armee an der Rheinfront Basel-Karlsruhe und die 1. Armee unter Generaloberst von Witzleben – er sollte nach dem 20. Juli 1944 als Verschwörer gegen Hitler hingerichtet werden – vom Rhein bis zur luxemburgischen Grenze.Die 1. Armee hielt den eigentlichen Westwall und damit auch dessen rückwärtiges Gebiet an der Saar und im Hochwald besetzt. Außer Stoßtruppgefechten kam es kaum zu nennenswerten Gefechten. Man wartete in vorderster Linie und im Hinterland auf den von Hitler festzusetzenden Angriffsbefehl.
Nunkirchen lag im rückwärtigen Gebiet des XXX. AK. mit dem Sitz des Hauptquartiers im Schloss Dagstuhl (General der Artillerie Hartmann). Zum XXX.AK. gehörte auch die 214. Infanterie-Division (I.D.). Ihr Einsatzbereich lag zwischen der 79. I.D. rechts (Merzig-Dillingen) und der 34 I.D. links (Dillingen-Völklingen) der Saar. Sie war eine Landwehrdivision und bestand vorwiegend aus Familienvätern und aus Soldaten, die bereits im Ersten Weltkrieg im Einsatz gewesen waren. Nunkirchen lag in ihrem Bereich.
Generalmajor Theodor war der Kommandeur der am 28. August 1939 vom Landwehrkommandanten in Hanau aufgestellten Division 3. Welle- Es kamen das Int Rgt. 388 aus Aschaffenburg und das Art. Rgt. 214 aus Jena, das Inf, Rgt 255 aus Büdingen, das Int Rgt. 387 aus Bad Orb. Mit Beginn der Kampfhandlungen wurde die hessisch-thüringische 214 I.D. am 1. und 2. September 1939 zunächst zum Truppenübungsplatz Baumholder transportiert und am 3. September 1939 dem AOK 1 unterstellt. Teile der Division wurden im Raum nordostwärts Idar-Oberstein untergebracht. Schulung und gründliche Ausbildung befähigten die Division in den folgenden Wochen, ihre Aufgaben im Bereich der Saarfront wahrzunehmen. Ab 15. September 1939 war dann die Einsatzbereitschaft der Division sichergestellt, Zunächst vom 12. bis 14. September 1939 dem XIIA K. unterstellt, kam sie am 15. September unter den Befehl des XXX. A.K.
Am 18. September 1939 verließ der Stab der 214.1.D. um 20 Uhr Idar-Oberstein und erreichte gegen 24 Uhr seinen neuen Unterkunftsraum in Schmelz-Außen. In der Zeit vom 18. zum 19. September 1939 marschierte die Truppe in den neuen Einsatzraum. Befehlsübernahme meldete die Division am 21. September 1939. Von ihren rückwärtigen Diensten waren die Bäckerei-Kp. und das Feldpostamt zunächst in Limbach bei Lebach untergebracht, während die Veterinär-Kp. Quartier in Biel-Bardenbach bezog. Als Pferdesammelplatz diente der Hof „Gottesbelohnung“ bei Außen, während der Hauptverbandsplatz in Nunkirchen eingerichtet wurde. Hier war auch der Kr.Kw.Zug stationiert, Nr. 2/214. Das Feldlazarett mit dem zugeordneten Kr.Kw.2ug 1/214 kam zunächst nach Hasborn-Dautweiler und ab 25, September 1939 nach Primstal. Nach dem Rückzug der französischen Truppen über die deutsche Reichsgrenze errichtet die San.Kp. mit dem 1. Zug einen Hauptverbandplatz im Krankenhaus in Beckingen, während der 2. Zug den Hauptverbandsplatz in Hüttersdorf betreute.
Glücklicherweise waren während des Einsatzes der Division am Westwall größere Kampfhandlungen nicht zu bestehen, Verluste trafen vor allem durch Unglücksfälle verschiedener Art ein. Für die Beisetzung der Gefallenen aus dem Bereich der 214 I.D. war ein Ehrenfriedhof in Nunkirchen vorgesehen, der auch am 1. November 1939 eingerichtet wurde. Drei Tage später wurden auf diesem Friedhof zwei Soldaten des Algerischen Schützenregiments 13, die beim Angriff von 30 Mann auf den Bereich Lautesberg gefallen waren, beigesetzt.“ (1).
Ehrenfriedhof_smallDer Friedhof (Foto links) lag dem Gebäude der damaligen gewerblichen und ländlichen Berufsschule, das als Kriegslazarett eingerichtet war, gegenüber am Waldrand (heute Wohngebiet „Waldring“). Er diente vor allem für die Toten, die im Kriegslazarett der Berufsschule gestorben waren, im Jahr 1951 wurde er aufgelassen. Die toten Soldaten fanden auf dem Ehrenfriedhof in Weiskirchen ihre letzte Ruhestätte.

Die erhaltenen archivarischen Unterlagen über die 214 I.D. geben einen recht anschaulichen Einblick vor allem in die Tätigkeit der rückwärtigen Dienste. Das in Limbach zunächst untergebrachte Verpflegungsamt kam nach drei Wochen Aufenthalt in Baracken am Bahnhof nach Nunkirchen. Ab Ende Oktober 1939 begannen dann die Arbeiten hier mit dem ortsfesten Einbau von vier Baracken, vier Vorratsschuppen und eines Heischhauses.
Fünf Kilometer Straße wurden neu in Angriff genommen, davon bis Ende Januar 1940 drei Kilometer fertig gestellt. Eine Feldbahnanlage verband das Verpflegungsamt mit dem Bahnhof in Nunkirchen. Die Ausgabestelle konnte die Ausgabe von Verpflegung für zwei Regimenter gleichzeitig bewerkstelligen. Während der RAD Baracken und Straßen baute, errichtete ein Zimmermann Heu- und Haferschuppen, baute eine Eisenbahnkompanie die Feldbahn, bauten Soldaten das Fleischhaus.
Am Bahnhof der MBE in Nunkirchen erstellen Arbeitsdienstmänner zwei Geräteschuppen. Im Möbelgeschäft Franz Müller zwischen den Anwesen Hecktor und Müller war die Dienstverpflegungsstelle mit zwei Feldküchen untergebracht.
Wie wurden die Güter, vor allem die Munition, an Ort und Stelle gebracht? Die Angehörigen einer Kompanie der Eisenbahnpioniere 38 – sie wurden im Februar 1940 von Pionieren der 95 I.D. abgelöst – bauten eine Feldeisenbahn vom Nunkircher Bahnhof bis in den Großen Lückner.
Auf Anordnung des Kommandeurs der Eisenbahntruppen bei der 1. Armee sollten die Feldbahnen so trassiert werden, dass ein späterer Ausbau zu einer Vollbahn möglich war. Diese Anordnung traf jedoch für die Nunkircher Feldeisenbahn nicht zu, denn ihre Trasse war so geführt, dass ein solcher Vollausbau nicht durchgeführt werden konnte.
Von der Division wurden in ihrem Einsatzbereich zwei Munitionsausgabestellen eingerichtet: Für Infanteriemunition bei Düppenweiler und für Artilleriemunition. im Großen Lückner bei Oppen. Die erstere wurde bald wieder aufgelöst und mit der Artilleriemunition im Großen Lückner zur Hauptmunitionsausgabestelle zusammengelegt. Dazu kam deren weiterer Ausbau. Zwei Kilometer Straße mussten deshalb zum Großen Lückner gebaut werden. Mit den Bauarbeiten begann die RAD-Abteilung 64 S XIV bereits am 25. September 1939. Die Ausgabestelle im Großen Lückner verfügte über 1.200 t Munition als Divisionsvorräte. Diese war in 80 Schuppen von je 25 qm Fläche gelagert. Hinzu kamen eine Wohnbaracke für Fachpersonal und Wachmannschaften und ein Unterstand von 30 qm als Schutz vor Beschuss und Fliegern.
Die bei Salzschlirf aufgestellte Werkstattkompanie 214 kam am 7. September 1939 in die Unterkunftsorte Kusel, Freisen, Fischbach und Theley. Ab 18. September 1939 war sie dann in Büschfeld aufnahmebereit. Ihre Aufgabe bestand vor allem im Aufbau der Kraftwagen- und Waffenmeisterei-Werkstätten. Am 23. Oktober 1939 begannen die Bauarbeiten für den Divisionsgefechtsstand im Römerwäldchen bei Reimsbach. Sieben Tage später traf dann die Eisenbahnbau-Ko. 38 in Nunkirchen ein, um eine Feldbahn vom Bahnhof in Nunkirchen zur Munitionsausgabestelle im Großen Lückner zu bauen. (1)
VerpflegungsausgabestelleNunkirchen_smallWie verlief nun genau die Trasse der Feldeisenbahn in Nunkirchen? Sie begann im Gelände der ehemaligen Möbelschreinerei Franz Müller (heute Firma H. Klein), wo ein etwa 25 m langer Lokschuppen stand (einseitig offen), in Holzkonstruktion ausgeführt. Nach dem Krieg fand er als Standort für eine Dreschmaschine eine zivile Aufgabe. Ein Rangiergleis mit Drehscheibe sorgte für Ein- und Ausfahrt der Loks. Für den Bau des Gleiskörpers wurde Kleinbahnmaterial von 1000 mm Spurbreite verwandt bei einer Planungsbreite von 3 m für eingleisige und 6 m für zweigleisige Strecken. Die Bahnlinie verlief parallel zum Gleis der Kleinbahn an der Rückfront der Häuser Hoffmann und Röder vorbei durch das Wiesengelände, überquerte vor dem Haus Lauk die heutige B268 und führte weiter in das Gelände hinter dem Haus Lauk und durch den heutigen Golfplatz (Foto rechts).
Hier wurde von den 38er Pionieren eine Brücke gebaut. Über eine zweite bereits vorhandene Brücke liefen die Gleise auf der vorgefertigten Trasse nach links ins Gelände von Schulz & Kappel Von hier nutzte die Bahn den Hang – heute zum größten Teil abgebaut – gewissermaßen als Schutz vor Riegereinsicht. Sie verlief bis an die heutigen Anwesen Zapp und Blindauer (heute Meier), wo sie die Straße überquerte und von jetzt an zweigleisig der Straße zum Lückner (In den Weihern“) folgte.
Die Gleise gingen rechts an den Häusern und links hinter ihnen in Richtung Haus Schnur, wo sie wieder in einer Art Bahnhof zusammenliefen. „Spremberg“ nannten die Landser diese Stelle in Anlehnung an den Ort ihres Ersatzbataillons in der Nähe von Fürstenwaide bei Berlin. Vom Bahnhof führte die Strecke in das Waldgelände des Großen Lückner, wo heute noch an vielen Stellen die Trasse zu erkennen ist.
Im Bereich der Straße „In den Weihern“ ab dem Hause Lang-Ornau standen die Baracken für Bekleidung, Unterkunftsgerät, Treibstoff u.a. Entlang der Straße in Richtung Lückner bargen die Baracken jene Schätze, für welche die Landser sehr schwärmten: Marketenderwaren, Rauchwaren, Branntwein, Brot und Fleisch. Unser Plan rechts gibt einen Überblick über das Ausmaß der „Verpflegungsausgabestelle Nunkirchen“.
Wie bereits erwähnt, wurde das Fleischhaus in Festbauweise ausgeführt: das heutige Wohnhaus Nr. 13 der Familie Wecker. Es wurde einstöckig mit weit vorspringendem Dach errichtet. Nach dem Krieg baute die Familie Wecker das Gebäude zu einem zweigeschossigen Wohnhaus aus.
Neben dem Wohnhaus Nr. 18, dem Eigentum der Familie Gierend, befand sich die Großbäckerei mit drei Doppelbacköfen. Unter der Leitung eines Backofenbauers aus Limburg an der Lahn bauten Bäcker, die von Beruf Maurer waren, diese Öfen, die Anfang Januar 1940 in Betrieb genommen wurden. Ein Backraum aus Holz entstand vor den Öfen. Hier konnte pro Tag die beachtliche Menge von 9000 Broten gebacken werden. (1)
Für Heu und Hafer entstanden Baracken in unmittelbarer Nähe des Hauses Gierend und werter in Richtung Lückner. Vom Lückner aus führte die Bahn westwärts durch das Gelände am Geisweiler Hof über die Straße Honzrath/Düppenweiler an den Waldrand zur Endstation.
Am 22. Januar 1940 erreichte die 214. I.D, der Befehl zur Ablösung durch die 95. ID., deren Quartiermeister-Abteilung am 27. Januar 1940 eintraf. Am 6. Februar 1940 war die Ablösung durchgeführt. Die 214. I.D. wurde nach 19 Wochen Einsatz an der Saarfront zur Umgliederung in den Raum Mainz-Wiesbaden abtransportiert. Genera! Hartmann, Kommandeur des XXX. AK, würdigte den Einsatz der Division, deren zahlreiche Spähtruppunternehmen wertvolle Aufschlüsse über die Gliederungen dm Truppen auf französischer Seite erbracht hatten.
Feldbahn2_smallEnde April 1940 waren die Arbeiten zum Bau des Feldbahnhofs Honzrath abgeschlossen, die Feldbahn zum Pionierpark im Großen Lückner war fertig gestellt. Neue Gleisanlagen waren auch im Bereich des Bahnhofs Büschfeld verlegt worden. Hier dachte man u.a. auch an die Errichtung eines Armee-Verpflegungslagers, für welches das Gelände bereits feststand. Von Büschfeld über Nunkirchen konnte der Große Lückner inzwischen ebenfalls mit einer Feldbahn erreicht werden. Neben den Munitionsvorräten im Großen Lückner lagen auch Vorräte im Friedwald am Weg von Düppenweiler nach Hüttersdorf bereit.
Eine größere unterirdische Stollenanlage im Römerwäldchen bei Reimsbach dürfte mit im bereits genannten Bau des Divisionsgefechtsstandes zusammenhängen. Eine ähnliche Anlage wurde in Außen gebaut.
Während die Veterinärkompanie in Biel Bardenbach Unterkunft bezogen hatte, war die Werkstattkompanie der 95. ID. in Büschfeld untergebracht. Der Schlächtereizug der Division hatte in Schmelz seine Arbeit aufgenommen, die Bäckerei war mit dem Verpflegungsamt in Nunkirchen gekoppelt.
Das in Beckingen untergebrachte Feldpostamt der 95. ID. sollte später nach Nunkirchen verlegt werden. Reimsbach und Düppenweiler sollte auch die Hauptverbandsplätze der Division aus Beckingen und Dillingen übernehmen.
Bis in die letzten Kriegstage hinein blieb Nunkirchen Etappen- und Nachschubort für die Front an der Saar. Eines der letzten Zeugnisse aus Kriegstagen war ein ehemaliger Pionier-Schuppen auf dem Gelände des heutigen Wasgau-Marktes, der nach anfänglicher Benutzung durch den Schmiedebetrieb Billen in den ersten Nachkriegsjahren abgerissen wurde.

Quelle:

(1) „Kriegsgeschichte 1939/49 an der Saar“ von Dieter R. Betünger in den Heften XX VI und XXVIII (Jahrgänge 1978,1979 und 1960} der „Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend“

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Gefallene, Vermisste und Tote durch Kriegshandlungen der Gemeinde
Von Fritz Glutting und Herbert Theobald

Kirche6_smallUnter  „eingesandt“ erschien am 12. März 1921 in der „Merziger Volkszeitung ein Artikel, der mit „ein Kriegkamerad“ unterschrieben, über die Erstellung einer Kriegerdenkmals in Nunkirchen u.a. schrieb: „Muß es nicht wundernehmen, wenn unter den Bürgern eines Ortes ein Zwiespalt entsteht darüber, wohin das Denkmal zu stehen kommt. Wäre es da nicht am Platze gewesen, in ruhiger, sachlicher und ernster Form die Gründe und Gegengründe zu erwägen und dann in aller Ruhe abzustimmen! In Nunkirchen hat es man es noch immer nicht gerlent, das zeigte die Bürgerversammlung am verflossenen Sonntag.“
Es gab herbe Diskussionen über das Kriegerdenkmal. Dennoch scheint man sich schließlich einig geworden zu sein. Denn bereits am 12. Juni 1921 wurde das Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz vor der Pfarrkirche feierlich eingeweiht, um fast auf den Tag genau 35 Jahre später wieder abgebaut zu werden. In der Sitzung vom 13. Juni 1956 beschloss der Gemeinderat: „In Anbetracht dessen, dass noch in diesem Jahr mit dem Neubau einer Kriegergedächtniskapelle gerechnet werden kann, beschließt der Gemeinderat einstimmig, das Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz abzubauen und die Baufirma Meier in Merzig damit zu beauftragen.

Die Kriegergedächtnistafel ist gebaut worden, allerdings ohne Namenstafeln. Die Kapelle entsprach jedoch nicht den Anforderungen einer neuzeitlichen Leichenhalle. Der letzte Gemeinderat der damals noch selbstständigen Gemeinde Nunkirchen entschloss sich zur Neugestaltung, die im Herbst 1973 nach den Plänen des einheimischen Architekten R. Schulz begonnen und Ende April 1974 mit der Einweihung durch Pastor H.J. Hoferer abgeschlossen wurde.
Gedenktafeln_1939_1945_smallAuf Vorstellungen des VdK Nunkirchen ließ Ortsvorsteher F.J. Lauer an die östliche Seitenwand der Leichenhalle ein Erinnerungsmal an die Gefallenen, Toten und Vermissten der beiden letzten Kriege anbringen, vor dem am Buß- und Bettag 1985 zum erstmal die Gedenkstunde für die Kriegsopfer begangenen wurde. Später wurden die früher am Kriegerdenkmal angebrachten Platten mit den Namen der Gefallenen des Erstens Weltkrieges an einer Front der Leichenhalle angebracht. Für die Hinterbliebenen der Gefallenen und Vermissten war das allerdings alles nicht ausreichend. Der Wunsch nach Namenstafeln auch für die Opfer des Zweiten Weltkrieges verstummte nie. Herbert Theobald nahm sich 2006 dem Anliegen erneut an. Mit tatkräftiger Unterstützung durch den damaligen Ortsvorsteher Jochen Kuttler und dem Verein „Kultur am Tor“ wurden akribisch die Namen der Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs ermittelt und ausschließlich über private Spendengelder Gedenktafeln finanziert, die deren Namen auflisten. Am Volkstrauertag 2006 fand im Rahmen einer festlichen Zeremonie die Einweihung der Tafeln statt.
Hier die Liste der Gefallenen, Vermissten und Toten der Gemeinde Nunkirchen aus den Kriegen 1870-1871, 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945.

VI. Die Nachkriegszeit
Von Fritz Glutting

Die Nachkriegszeit begann mit der Maßnahme der amerikanischen Besatzungsbehörde, den Restkreis Wadern unter die Verwaltung des Landrats Hübner von Saarburg zu stellen. Doch machte schon im Juli 1945 die frz. Militärregierung – das Saargebiet war der französischen Zone zugeschlagen worden – diese Maßnahme rückgängig und setzte wieder einen eigenen Kreisverwalter für Wadern ein. Durch Anordnung Nr. 8 des „Commandant en chef français en Allemagne“ vom 18. Juli 1946 wurde ein Kreis Wadern mit den Amtsbezirken Losheim, Wadern, Weiskirchen und Nonnweiler geschaffen. Der Amtsbereich Nonnweiier hatte bislang zum Kreis Trier-Land gehört.
Der selbständige Landkreis Wadern wurde durch Anordnung Nr. 12 des Regierungspräsidiums Saar vom 1. Oktober 1946 wieder aufgehoben und die beiden damals bestehenden Kreise Merzig und Wadern unter der neuen Bezeichnung „Kreis Merzig-Wadern“ vereinigt.
Die letzte Sitzung des Nunkircher Gemeinderats vor dem Einrücken der Amerikaner war am 8. Januar 1945 und beschäftigte sich mit dem Haushaltsplan, der Rechnungsprüfung 1943 und der Neufestsetzung der Gemeinde-Hundesteuer ab 1. April 1945. Dass sich Entscheidendes ändern würde, war fast mit Händen zu greifen. Doch was sollte man beschließen? Etwa ein Begrüßungsprogramm für die Amerikaner? Unmöglich! Also verblieb man bei der normalen Tagesordnung und beschäftigte sich u.a. mit der Hundesteuer.Die Schulchronik beschreibt über die Ereignisse im Frühjahr und Sommer 1945: „Am Morgen des 17. März 1945 rückten amerikanische Truppen in Nunkirchen ein. Wir sahen sie in zwei Ketten an den Straßenrändern entlang mit vorgehaltenem Gewehr den Bungert hinaufgehen. Kurz darauf kamen einige von ihnen in die Schule und durchsuchten alle Räume nach deutschen Soldaten. Auch fragten sie nach Schnaps, Wein und Bier. Vom Bammersch her schoss ein deutsches Maschinengewehr in die amerikanische Schützenkette. Daraufhin stürmten diese über das Vorgelände auf den Bammersch zu. Acht Amerikaner sollen dabei verwundet worden sein, inzwischen rasselten Ami-Panzer über die Straße auf Michelbach zu. Es fiel jedoch kein Schuss mehr.

Am zweiten Tag ihrer Besetzung richteten die Amerikaner eine neue Dorfverwaltung ein. Der bisherige Ortsbürgermeister Wolter wurde seines Amtes enthoben und an seine Stelle Herr Karius eingesetzt, der nie Mitglied der NSDAP, sondern eine führende Persönlichkeit der Zentrumspartei gewesen war. Ihm zur Seite wurden ebenfalls Männer als Beirat gegeben, die auch nie Mitglieder der NSDAP gewesen waren.
Die Amerikaner verließen Nunkirchen Ende April 1945, als ihnen Süddeutschland als Besatzungszone zugewiesen worden war. Ihre Nachfolger wurden Belgier, die im Hotel Meyers ihr Wachlokal hatten. Die Posten standen bei der Straßenbrücke neben einem Schilderhäuschen.
Nach kurzer Zeit, im Juni 1945, wurden die Belgier von den Franzosen abgelöst. Diese hatten im Restaurant Münster ihre Wachstube. Der frz. Kommandant wohnte wie zuvor der amerikanische in der Villa Wagner. In der Berufsschule wurde die Besatzungstruppe, meistens Marokkaner, Algerier, aber auch weiße Franzosen, untergebracht. Nunkirchen und alle umliegenden Ortschaften mussten für die zusätzliche Versorgung – außer Brot und Fleisch – der Besatzungstruppe aufkommen. Alle acht Tage wurden freiwillige Spenden von Lebensmitteln eingesammelt: Eier, Schlachthühner, Kartoffeln, Salat, Zwiebeln und Gemüse. Die Besatzung wurde Mitte November 1945 von hier nach Weiskirchen verlegt, wo sie die Volksschule bezog.
Seit Sommer 1948 sind wir an das Saarland angegliedert. Von Trier sind wir jetzt durch eine Zollgrenze abgegrenzt. Es ist verboten, mehr als 100 Mark über die Grenze mitzunehmen. Die Grenze selbst verlief zuerst von Konz-Karthaus über Obernennig, Pellingen, Zerf, Mandern, Waldweiler, Nonnweiler, Türkismühle, durch Birkenfeld bis Homburg“. Frankreich hatte auf der Potsdamer Konferenz durchgesetzt, die Grenze von 1935 zu erweitern, „um die Verkehrswege oder die Arbeitersiedlungen einzubeziehen…“. Am 18. Juli 1946 wurde durch die Anordnung Nr. 8 des Zonenbefehlshabers insgesamt 142 Gemeinden an die „Delegation Superieure de la Sarre“ angeschlossen. Im einzelnen gehörten diese Gemeinden zu folgenden Kreisen: Saarburg 70; Trier-Land 11; Wadern 43; Birkenfeld 18 Gemeinden, Ein Jahr später wurden 81 Gemeinden an das später Rheinland-Pfalz genannte Bundesland (11 an den Kreis Trier-Land und 50 an den Kreis Saarburg) wieder zurückgegeben, 7 Gemeinden aus dem Kreis Birkenfeld und 8 aus dem Kreis Kusel wurden dem Saarland angegliedert,
Erwähnt werden sollte die beabsichtigte Auflösung des Amtes Weiskirchen und die Zuweisung der einzelnen Gemeinden nach den Ämtern Losheim und Wadern. Dieses Vorhaben regte das Amt in Weiskirchen am 13. März 1947 zu einem Schreiben an die Militärregierung in Saarbrücken an. Man hob darin die günstige Verkehrslage von Weiskirchen zu den einzelnen Orten der Umgebung hervor. Von Nunkirchen heißt es: „So hat z.B. Nunkirchen keine Verbindung nach Wadern“
Das Schreiben schließt: „Es ist der allgemeine Wunsch der gesamten Bevölkerung vom Amte Weiskirchen, den bisherigen Zustand zu belassen, weil er für sie der günstigste ist. Die hohe Militärregierung wird daher höflichst gebeten, von einer Auflösung des Amtes Weiskirchen absehen zu wollen.“ Was auch geschehen ist!
Das Landratsamt in Wadern wurde aufgehoben und Landrat Burr zum Landrat des Gesamtkreises Merzig-Wadern ernannt. Gleichzeitig wechselte der Kreiskommandant Bourg von Wadern nach Merzig. Die politische Leitung des Saarlandes unterstand dem Gouverneur Gilbert Grandval aus Saarbrücken. Die Zeit der Entnazifizierung, vor allem die der Lehrer, begann. Da der von den Amerikanern eingesetzte Ortsbürgermeister Matthias Karius wegen Krankheit abtreten musste – er war zudem bei den Franzosen in Ungnade gefallen – wurde mit dem 1. Sept. 1945 Organist und Küster Johann Weyand („Gnadse Johann“) zum Nachfolger bestimmt Er führte sein oft schweres und undankbares Amt mit größter Gewissenhaftigkeit und viel Geschick, bis am 15. Sept. 1946 ein neuer Gemeinderat gewählt wurde, der den Hotelier Nikolaus Biewer-Hahn zum neuen Ortsbürgermeister wählte. Er trat am 1. Oktober 1946 sein Amt an.
Wie nach dem Ersten Weltkrieg brachten auch die ersten Jahre der Nachkriegszeit ab 1945 große Schwierigkeiten in der Versorgung der Bevölkerung. Der neu gewählte Gemeinderat mit Bürgermeister Biewer und den Räten Zimmer Josef, Faas Anton, Hoff Johann, Kläser Franz, Meyer Alfons, Groß Peter, Marx Matthias und Wilkin Wilhelm musste sich seit der ersten Sitzung am 5. Oktober 1948 vornehmlich mit Versorgungsaufgaben beschäftigen. Die Bauern z.B. mussten den größten Teil ihres Brotgetreides abliefern und gegen Brotkarten ihr Brot beim Bäcker kaufen.
Es war die Zeit der umgekehrten Verhältnisse zu früher: Waren vordem die Hochwälder ins Saargebiet zur Arbeit gegangen, um ihren Lebensunterhalt verdienen zu können, so kamen jetzt die Saarländer in Scharen in den Hochwald, um hier Sachwerte gegen Nahrungsmittel einzutauschen. Die Not war groß. Eine Anmerkung in der Schulchronik soll stellvertretend für die damalige „Karten-Zeit“ stehen: „Im November 1948 erfolgte die Zuweisung eines Schuhkontingents an Schüler. Leider erhielt jede Gemeinde im Amt Weiskirchen nur 10-15 Paar Schuhe, so dass auf die hiesigen Kinder mit mangelhaftestem Schuhwerk und den weitesten Schulwegen in Vorschlag gebracht.“
Weitere Schilderungen beleuchten eine Zeit, die in Bezug auf die Versorgungslage schlimmer war als die Kriegszeit. Zu der Leere des Magens kam die Kälte der Wohnung im außerordentlich strengen Winter 1946/47. Seitens der Besatzungsbehörde war die allgemeine Belieferung der Bevölkerung mit Kohlen verboten. Das „schwarze Gold“ samt den aus der englischen Zone eingeführten Briketts wurden nur für die Versorgungsbetriebe wie Bäckereien, Metzgereien und Öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser und in beschränktem Maß auch für die Gasthäuser kontingentiert geliefert. Die Bergleute halfen aus. In jedem Wintermonat fuhren sie ein bis zwei Sonntagsschichten für die Allgemeinheit. Die in diesen Freischichten geförderten Kohlen durften an die Bevölkerung der Städte und größeren Plätze verteilt werden. Obwohl Nunkirchen nicht zu diesen Gemeinden zählte, die je nach der Zahl der Haushaltsangehörigen mit 1-5 Zentnern. Kohlen beliefert wurden, kam der Ort dank der Bemühungen des pensionierten. Lokführers Peter Biewer, der im Wirtschaftsamt Wadern die Brennstoffzuteilung für den zivilen Bedarf verwaltete, in den Genuss der Zuwendung. Er hatte an entsprechender Stelle darauf hingewiesen, dass die Bürgermeisterei Weiskirchen mit Nunkirchen als größtem Ort ein verhältnismäßig großes Kontingent Bergleute stelle.
Eine Besserung trat mit dem Umtausch der Reichsmark in die so genannte Saarmark ein (Juli 1947), Ein Höchstbetrag von 300 Reichsmark für jeden Erwachsenen wurde in Saarmark umgetauscht. Dem Schwarzhandel wurde damit ein Ende gemacht. Endgültige Besserung brachte der wirtschaftliche Anschluss des Saarlandes an Frankreich (20. November 1947) mit der Einführung des Franken (1 Saarmark = 20,00 frs).
Welche Konsequenzen ergaben sich aus dem wirtschaftlichen und währungs-politischen Anschluss? Die Einbeziehung des Saarlandes in den frz. Zollbereich, die frz. Währung als einzige legale Währung an der Saar und die Angleichung des Preis- und Gehaltsniveaus der Saar an das frz. Niveau. In politischer Hinsicht wurden einschneidende Bestimmungen erlassen: Das Saarland hört auf, ein Teil Deutschlands zu sein; eine saarländische Verfassung erledigte den Aufbau der öffentlichen Verwaltung, die gesetzgebenden und die ausführenden Gewalten werden durch allgemeine, direkte und geheime Wahlen bestimmt. Ein „Haut-Commissaire de la République Française en Sarre“ („Hochkommissar“) überwacht die genaue Ausführung der Grundsätze des wirtschaftlichen und währungspolitischen Anschlusses. Die Gesetzgebende Versammlung beschloss am 15. Dezember 1947 das Grundgesetz des Saarlandes.
Eine Zeit der Beruhigung begann. Sie war zum Teil geprägt durch eine neue „Schmugglerzeit“, Infolge eines günstigen Lohngefälles von Franc zur DM war die Busfahrt nach Trier für die Bewohner des Hochwalds stets mit dem Ankauf von Waren verbunden, deren Einfuhr man ohne Zollgebühren ermöglichen wollte. Diese beinahe lieb gewonnenen „Schmuggelfahrten“ endeten am 6. Juli 1959, als die Zollschranken fielen. Wie war es dazu gekommen? Die stille oder offene Annexion der Saar durch Frankreich wurde von allen Parteien abgelehnt. Das wurde deutlich bei der Landtagswahl am 30. Nov. 1952, als 43202 Stimmenthaltungen und 141876 ungültige Stimmen bei abgegebenen 437350 gültigen Stimmen gezählt wurden, nachdem bei den Gemeinderatswahlen am 15, September 1946 noch klare Zustimmung zu den beiden Parteien der Christlichen Volkspartei (CVP) und der Sozialdemokratischen Partei Saar (SPS), die für den wirtschaftlichen Anschluss eintraten, zu erkennen war. Das bis dahin bestehende Regierungspräsidium Saar unter Leitung von Dr. Neureuther wurde durch eine vorläufige Verwaltungskommission abgelöst.
Nach der allgemeinen Wahl am 5. Oktober 1947 wurde die erste saarländische Regierung unter Ministerpräsident Johannes Hoffmann (CVP) und seinem Stellvertreter Richard Kirn (SPS) gebildet. Die sich verstärkt ins Blickfeld der Öffentlichkeit setzende Opposition aus Vertretern der CDU Saar, der Demokratischen Partei Saar (DPS) und der Deutschen Sozialdemokratischen Partei (DSP) gegenüber den Regierungsparteien CVP und SPS gewann immer mehr an Boden, was die zuvor erwähnte Wahl am 30. Nov. 1952 bewies.
Johannes Hoffmann propagierte die Europäisierung der Saar. Damit wäre der Weg frei für die Einigung Europas, untermauerte er seine Absicht. Das „Abkommen über das Status der Saar“ vom 23. Oktober 1954 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich mit dem Ziel der Einbeziehung „des Saarlandes in eine vorerst wirtschaftliche europäische Einbindung, schien zu Beginn des Wahlkampfes für die Abstimmung ein Jahr später Vorteile für die Annahme des Statuts zu bringen. Doch die Heimatbund-Parteien CDU, DPS und DSP schoben nach ihrer Zulassung zum DickemusswegWahlkampf das Statut in den Hintergrund und erklärten die Abstimmung als Entscheidung für oder gegen Deutschland. Wer für die Annahme des Statuts eintrat, wurde als Vaterlandsverräter und Separatist verunglimpft. Hauptangriffspunkt der Heimatbund-Parteien war die Person von Johannes Hoffmann, der in äußerst polemischer Form angegriffen wurde. Seine Wahlversammlungen wurden vehement gestört. „Der Dicke muss weg!“ (Foto links) lautete die geläufigste Parole des Jahres 1955.
Bis in die Familien hinein wirkte sich die Entscheidung um Ja oder Nein aus. Besonders die konservativen Familien hatten darunter zu leiden, hatten sie bisher stets die CVP des Johannes Hoffmann gewählt. Nun aber setzten sich einzelne Familienmitglieder oder Verwandte und Bekannte für die Ziele der CDU ein. Oft zog dieser Zwiespalt tiefe Gräben in viele Familien, die erst Jahre später, als CDU und CVP sich vereinigten, überwunden wurden.
Zwischenfälle bei dem Wahlkampf in Nunkirchen sind keine zu vermelden. Hätte allerdings Johannes Hoffmann hier gesprochen, wer weiß! Das Nunkircher Wahlergebnis am 23. Oktober 1955 schloss sich dem allgemeinen Trend an: Für Nein stimmten; 700 = 57,8%; für Ja: 516 = 42,4%.

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VII. Nunkirchen als Teil des zehnten Bundeslandes
Von Fritz Glutting

Nach der Übergangsregierung Welsch übernahm nach der Landtagswahl am 18. Dezember 1955 Dr. Hubert Ney (CDU) mit einem Kabinett (außer zwei Ministern alle übrigen aus den Heimatbund-Parteien) die Regierung. Am 1. Januar 1957 erfolgte die Übernahme des Saarlandes als zehntes Bundesland in die Bundesrepublik Deutschland. Die geltenden frz. und saarländische Währungs- und Zollbeziehungen blieben für die Zeit bis spätestens 31. Dezember 1959 bestehen. Gerade in der Zeit zwischen den Jahren 1956 und 1959 stiegen die „Schmuggelfahrten“ nach Trier stark an. Am 6. Juli 1959, dem „Tag X“, war es damit vorbei: Das Saarland war auch wirtschaftlich in den Verband der Bundesländer aufgenommen worden. Der Umtausch erfolgte zum Kurs ffrs 100 – DM 0,8507. Wieder begann eine „Invasion“: Umgekehrt allerdings wie bei den „Schmuggelfahrten“ aus dem Saarland ins „Reich“, wie die Saarländer immer noch seit der Saargebietszeit bis 1935 Deutschland bezeichnen. Vertreter aller Handelszweige fielen wie Fliegenschwärme ins Saarland ein und suchten, große Geschäfte zu machen. Man hielt das Saarland „ausgehungert“ nach deutschen Waren. Erste Proteste gegen Preiswucher wurden laut. So veröffentlichte der Deutsche Gewerkschaftsbund Saar ein Flugblatt mit der Überschrift „Arbeiter, Angestellte und Beamte des Saarlands! Ihr seid mit Recht empört über die skrupellose Preisgestaltung! Die Arbeitnehmer sind nicht gewillt, mit ihrem kargen Lohn die Taschen der Wucherer und Preistreiber zu füllen!“
Grubenunglueck von Luisenthal_kleinEs folgten jahrelange Eingliederungsschwierigkeiten, ehe die Normalität gefunden war. in dieser Zeit wurde das Saarland von einer schweren Katastrophe erschüttert: Morgens um 7.45 Uhr ereignete sich im Alsbachfeld der Grube Luisenthal eine Schlagwetterexplosion. Über 300 Bergleute starben den Tod im Schacht, darunter fünf aus Nunkirchen: Alois Ganz, Walter Groß, Josef Mentges, Franz Steinbach und Nikolaus Thome. Sie erhielten auf dem Friedhof eine besondere Grabstätte (Foto rechts: Stefan Ehl).

Gebiets- und Verwaltungsreform
In gemeindepolitischer Hinsicht war die Jahreswende 1973/74 ein einschneidender Wendepunkt: Nunkirchen löste sich aus der Bürgermeisterei Weiskirchen und wurde Bestandteil der Einheitsgemeinde Wadern.
Zuvor hatte es lange Zeit Richtungskämpfe gegeben, ausgelöst durch die Forderung der SPD, einen Großkreis Saarlouis (Kreisregion Westsaar) unter Abschaffung der Kreise Merzig-Wadern und Saarlouis zu bilden. Das gesamte Saarland sollte nach der Vorstellung der SPD in drei Kreisregionen Saarbrücken, Ost- und Westsaar aufgegliedert werden.
Im August 1973 nahm der Gemeinderat Nunkirchen Stellung zu dem vorgenannten Modell. Er lehnte mehrheitlich die Kreisregion Westsaar ab und schloss sich damit dem Votum der Gemeinden in den Kreisen Merzig-Wadern und Saarlouis an, die für die Beibehaltung der beiden Kreise gestimmt hatten. Nach dem Entwurf des Neugliederungsgesetzes sollten die zum, gehörenden Gemeinden Michelbach der Einheitsgemeinde Schmelz, Mitlosheim der Einheitsgemeinde Losheim und Nunkirchen, Münchweiler und Steinberg der Einheitsgemeinde Wadern zugeordnet werden.
Im Juni 1973 hatte sich der Gemeinderat bereits für die Einheitsgemeinde Wadern entschieden. Die Befürworter führten an, Nunkirchen passe besser zum Mittelzentrum Wadern, das insbesondere auf das Gewerbe eingestellt sei und bei Verwirklichung von Lockweiler über Wadern bis Nunkirchen reiche. Das Neugliederungsgesetz hatte u.a. angeführt, dass Nunkirchen als Selbstversorgungsort eine nicht ganz vollständige untere Ausstattung besitze, im kommunalen und privaten Versorgungsbereich aber nur eine Mindestausstattung aufweise.
Am 27. Dezember 1973 fand die letzte Sitzung des Nunkircher Gemeinderates unter der Zugehörigkeit zur Bürgermeisterei Weiskirchen statt. Bürgermeister P. Schmitz – er sollte später die Bezeichnung „Ortsvorsteher“ führen – stellte dabei in einer längeren Übersicht die Entwicklung Nunkirchens vor, die nun nach fast zweihundert jähriger Zugehörigkeit zum Amt Weierweiler/Weiskirchen mit der Einheitsgemeinde Wadern eine Fortsetzung erfahre. Amtsvorsteher P. Kolling – seine Bezeichnung sollte in „Bürgermeister“ abgeändert werden – verabschiedete Nunkirchen und wünschte ihm gute Entwicklung im neuen Großverband Wadern, in dem Nunkirchen mit einer Flächengröße von 10,21 qkm nach Lockweiler mit 13,35 qkm die zweitgrößte, der Einwohnerzahl von 2193 nach jedoch die größte Gemeinde vor Wadern mit 1948 innerhalb der 18 Waderner Gemeindebezirke war, Münchweiler hatte unter 200 Einwohner und konnte dem Gesetz nach keinen Gemeindebezirk bilden. Der Ort wurde dem Gemeindebezirk Nunkirchen zugeordnet, der nun mit den 68 Einwohnern Münchweilers insgesamt 2259 Einwohner zählte und damit der größte Gemeindebezirk innerhalb der Einheitsgemeinde Wadern war. Das neue Vertretergremium hieß ab jetzt nicht mehr Gemeinde- sondern Ortsrat und sollte nur noch beratende Funktion ausüben. Es verzeichnet 11 Mitglieder.
Bürgermeister der neuen Einheitsgemeinde Wadern war der bisherige Amtsvorsteher des Amtes Wadern, Herbert Klein. Er übte dieses Amt bis 31.3.1984 aus. Sein Nachfolger wurde ab 1 .April 1984 Berthold Müller. Von November 1998 bis 31. Oktober 2014 stand Fredi Dewald der Verwaltung in Wadern vor. Er wurde am 1. November 2014 von Jochen Kuttler abgelöst. Damit zog zum ersten Mal ein Nunkircher als Verwaltungschef ins Waderner Rathaus. Am 1. Juli 1978 erhielt Wadern die Stadtrechte, Nunkirchen wurde somit Stadtteil.
Zum letzten Gemeinderat (also bis 31.12.1973) der selbstständigen Gemeinde Nunkirchen zählten folgende Mitglieder: Schmitz Paul (Bürgermeister); Lauer Franz; Müller Hans-Werner; Schmitz Hans; Schommer Walter; Spang Hans (alle CDU); Badern Peter; Lauer Franz-Josef; Lillig Ewald; Schmitz Heinrich; Stein Karl; Wagner Heinrich jr.; Wilkin Klaus (alle SPD); Kraus Werner und Zimmer Josef, beide FBL.

Bürgermeister und Ortsvorsteher der Gemeinde bzw. des Gemeindebezirks Nunkirchen
Ab der Einführung der preußischen Gemeindeordnung: Jakob Spang (1846-1851); Peter Kraus (1851-1861); Heinrich Schmitt (1861-1866); Josef Demmer (1868-1892); Johann Kraus (1892-1894); Peter Schmitt (1894-1910); Nikolaus Kraus (1910-1936). Als Anerkennung für seine lange Amtsführung erhielt er am 10. Juli 1934 ein Geschenk von 120,00 Reichsmark. Matthias Wolter (1936-1945); Matthias Karius (März 1945- 31.8.1945); Johann Weyand (1.9.1945-14.9.1946); Nikolaus Biewer (1.10.1946-1956); Josef Zimmer (1956-1958); Ambrosius Quinten (1958-1960); Peter Groß (1960-1968); Paul Schmitz (1968-1984); Franz-Josef Lauer (1984-1999), Josef Moos (1999-2004), Jochen Kuttler (2004-2014), Frank Hiry (2014-2017), Patrizia Mötzel (ab 28. März 2017).
Ehrenbürger der Gemeinde war Pastor Alois Kreutzer.

Fotos von den Bürgermeistern und Ortsvorstehern bis 2004 finden Sie in unserer Fotogalerie.

Bürgermeister der Bürgermeisterei Weiskirchen
Ab Einführung der preußischen Gemeindeordnung bis zur Gebiets- und Verwaltungsreform 1.1.1974: Keller (1841-48); Rene v. Zandt (1848-82); Jakob Marx (1862-97); Wedewer (1897-1903); Kirch (1903-1909); Theisen (1909-20). Für die Zeit von 1920 bis 1923 sind als stellvertretende Bürgermeister im Heimatbuch 1957 Schütz, Scheiden, Hoffmann angegeben. Das Amt in Weiskirchen verfügt über keine Unterlagen bezügl. der Tätigkeit der Genannten. Rudolf Wilhelmy (1923-36); Otto Pagei (1936-45); Josef Deku (1945-46); Alfons Feid (1948-48) als Amtsdirektor; Luitwin Weber (1948-51) als Amtsvorsteher; Hubert Castor mit der Wahrung der Geschäfte beauftragt (1951-53); Anton Schweizer (1953-62); Nik, Harig (1962-72); Peter Kolling (1972-73) als Amtsvorsteher und von 1974 bis 1982 als Bürgermeister; Bernd Theobald (1982-2002), Werner Hero (ab 2002).

Zwei Vorgänge bei der Bewerbung um das Amt des Bürgermeisters: 1) „Mit dem 1. April 1898 trat Herr Bürgermeister Marx in den Ruhestand. An dessen Stelle wurde Herr Major a.D. Wedewer mit der Verwaltung der Bürgermeisterei Weiskirchen betraut trotz großer Anstrengungen, die von gewisser Seite nicht gescheut wurden, um den Sohn des Abgegangenen, jetzt Bürgermeister in Zeltingen a.d. Mosel, nach hier zu bringen“ (Schulchronik); 2) „Als im Herbst des vergangenen Jahres die neue Kreis- und Gemeindeordnung in Kraft trat, mussten sämtliche Amtsvorsteher neu gewählt werden. Die meisten Amtsinhaber wollten ihren bisherigen Amtsbereich behalten, doch dem wurde nicht stattgegeben. Alle Stellen wurden neu ausgeschrieben. Nun ergab sich das Kuriosum, dass Verwaltungsbezirke nicht mehr die alten Stelleninhaber wählten, sondern neue Bewerber für diese Stellen kürten. So auch in Weiskirchen. Gegen die Wahl des 1951 gewählten Anton Schweizer wurde von einem Verwaltungsratsmitglied und einem Bürger der Gemeinde Weiskirchen Einspruch bei der Aufsichtsbehörde eingelegt. Diese wies den Einspruch zurück. Der Kreis-Rechtsausschuss musste daraufhin in Aktion treten. Er wies ebenfalls die Klage zurück, wie es auch das Verwaltungsgericht in Saarlouis tat“ (SVZ am 26.7.1952). Am 1. April 1953 konnte dann Anton Schweizer sein Amt antreten.

Quellen:
1) M. H. Demmer, „Nunkirchen und seine Namen“ (Merziger Volkszeitung vom 11,8.1934)
2) M. Müller, „Nunkircher Heimatbuch“, 1957
3) v. Briesen, „Urkundl. Geschichte des Kreises Merzig“, 1863
4) J. H. Kell, „Geschichte des Kreises Merzig“, 1925
5) Haiferu. Züsch, Trierische Geschichte“, 1908
6) F. Pauiy, „Siedlung u. Pfarrorganisation im alten Erzbistum Trier, Landkapitel Merzig“
7) Leo Griebler, „Die Mettlacher Wallfahrtsliste“, Ztschr. f.d. Geschichte der Saargegend, 1960/81
8) Landesarchiv Ssarbrücken, Bestand Kreis Merzig, Bgm. Weiskirchen
9} Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 1G Nr. 6802
10) Stadtarchiv Trier
11) „Das Saargebiet“, Verlag „Die Mitte“, Saarbrücken 1958


Abgeordnete aus Nunkirchen
Hans-Werner Müller/Jochen Kuttler

Peter Groß
PeterGross_smallPeter Groß wurde am 29. August 1902 als elftes und jüngstes Kind der Eheleute Nikolaus Groß und Gertrud, geb. Petry, in Nunkirchen an der Saar geboren. Vor seiner einjährigen Tätigkeit auf der Dillinger Hütte, besuchte er von 1908 bis 1916 die Volksschule in seinem Heimatdorf. „Als jüngster Bergmann fuhr ich am 10. April 1919 zum erstenmal in den tiefen Schacht ein“ so kennzeichnete Peter Groß seine ersten Bemühungen mit seiner Bergmannstätigkeit. Als Bergmann – ein Beruf, den schon sein Vater ausgeübt hat – fuhr er 1919 auf der Grube Altenwald an und arbeitete bis Mai 1945 auf verschiedenen Saar- bzw. lothringischen Gruben. Bereits als junger Mann sah Peter Groß die Notwendigkeit und die Dringlichkeit des gesellschaftspolitischen Engagements und trat deshalb am 18. April 1919 dem freien Bergarbeiterverband bei.
„Mit ganzer Kraft setze ich mich für die Bewegung und Idee der Sozialdemokratischen Partei ein“, hat Peter Groß einmal bekannt. Mit der Gründung der Ortsgruppe Nunkirchen im Juni 1925, die er federführend mitbestimmte, begann seine politische Laufbahn in der SPD. In den darauffolgenden Jahren standen ihm jederzeit die Probleme der Bergleute plastisch vor Augen und prägten somit seine Arbeit als Funktionär und Gewerkschaftler.
Beiden letzten freien Kommunalwahlen im März 1933 wurde Peter Groß über die Liste der SPD in den Gemeinderat Nunkirchen gewählt. Dieses Mandat, das er zunächst nicht ausüben durfte, wurde ihm schließlich wegen Zugehörigkeit zu einer „staatsfeindlichen“ Partei aberkannt.
„Trotz Zerschlagung aller politischen Tätigkeiten blieb ich als illegales Mitglied meiner Partei sowie meiner Gewerkschaft treu“, dieser Ausspruch charakterisiert das Handeln von Peter Groß während der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland. Als Anti-Nazi bekannt, gehörte er von 1933 bis 1945 zu keinem Zeitpunkt der NSDAP, noch einer ihrer Gliederungen an.
Im April 1933 wurde er nach einer politischen Auseinandersetzung mit Leitern der NSDAP misshandelt und als „Schutzhäftling“ zwei Monate lang inhaftiert. Nach seiner Entlassung stand er weitere eineinhalb Jahre unter Polizeiaufsicht.
„Als im Hai 1945 der Zusammenbruch des autoritären Regimes erfolgte, war wieder die Stunde meiner politischen Tätigkeit gekommen.“ Dieses Zitat beschreibt den Ausgangspunk! des Landtagsabgeordneten Peter Groß. Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte er zu den „ersten Bürgern unseres Landes“, die um die Wiederherstellung einer demokratischen Ordnung fochten. Zunächst wurde er im September 1946 in den Gemeinderat Nunkirchen gewählt. Aber schon kurze Zeit später wurde er schließlich 1947 bis 1955 über die Kreisliste Merzig-Wadern der SPD Mitglied des saarländischen Landtages. Peter Groß war zum damaligen Zeitpunkt von 1945 bis 1951 als Verwaltungsangestellter bei der Verwaltung in Weiskirchen beschäftigt.
Im Landtag war er ein unerbittlicher Kämpfer für die sozialpolitischen Anliegen seiner Landsleute und hat als Sozialreferent seiner Fraktion vielen durch persönlichen Einsatz weiterhelfen können. Ab 1952 führte Peter Groß die Geschäfte der Arbeiterwohlfahrt, Bezirk Saar. Auch seine Tätigkeit als Nunkircher Bürgermeister von 1960 bis 1968 ist unvergessen. Hier brachte er vor allem seine in der Politik gewonnenen Erfahrungen ein. Trotz gesundheitlicher Beschwerden kandidierte er 1960 erneut für den Landtag des Saarlandes und rückte im Oktober 1961 für den ausgeschiedenen Abgeordneten Alwin Kulwaig nach. Im Jahre 1965 wurde er wiederum in den Landtag gewählt. In der 5. Wahlperiode bekleidete er schließlich das Amt des Alterspräsidenten. In Anerkennung seiner Verdienste wurde Peter Groß am 31. Dezember 1970 mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und am 10. Juni 1975 mit dem saarländischen Verdienstorden ausgezeichnet.
Nach langer Krankheit verstarb er am 29. Januar 1976 im Alter von 74 Jahren.

Peter Weber
PeterWeber_smallPeter Weber wurde am 7. Juni 1901 als Sohn eines Landwirtes in Weierweiler geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in seinem Geburtsort und dem zweijährigen Besuch der Landwirtschaftsschule in Saarburg ergriff er den Beruf seines Vaters. Berufvertiefende Kenntnisse und Fertigkeiten erwarb er sich im Münsterland
Bis zum Jahr 1933 war er eigenständiger Verwalter auf dem Hofgut Imsbach. Danach führte er seinen eigenen Landwirtschaftsbetrieb in Nunkirchen. Nach dem Krieg setzte er sich mit viel Engagement für die Erhaltung und den Ausbau der saarländischen Landwirtschaft ein.
Um seinen, aus seiner Tätigkeit resultierenden Forderungen Nachdruck zu verleihen, wurde Peter Weber im saarländischen Bauernverband Saar aktiv. Nach der Reorganisation im Jahre 1956 wurde er Geschäftsführer des Bauernverbandes Saar, zuvor harte er von 1949 das Amt des Kreisvorsitzenden inne.
Seine parteipolitische Arbeit begann mit dem Eintritt in die Demokratische Partei Saar (DPS), der heutigen FDP, im Jahre 1956. Bereits 1958 wurde er zum Kreisvorsitzenden des Kreises Merzig-Wadern nominiert und mit überwältigender Mehrheit gewählt.
Der Höhepunkt seiner Arbeit stellte die Wahl in den Saarländischen Landtag am 4. Dezember 1960 dar. Seine parlamentarische Arbeit galt vor allem den Sorgen und Problemen der saarländischen Landwirtschaft, die ihn zu ihren markante Persönlichkeiten zählte. Abgeordneter sein, hieß für Peter Weber politischen Auftrag, den ihm die Bevölkerung erteilt hat, jederzeit wahrzunehmen.
Noch nicht einmal an der kirchlichen Trauung seiner Tochter erlaubte man es ihm teilzunehmen, selbst tags darauf die Familienfeier im engeren Familienkreis war ihm versagt Die Oberen im Landtag riefen, und Peter Weber eilte. Die Mehrheitsverhältnisse waren zur damaligen Zeit äußerst knapp. Im Landtag selbst war er im Fachausschuss für Ernährung, Landwirtschaft, Jagd sowie im Ausschuss für öffentliche Arbeiten und Wiederaufbau tätig, oft waren gerade hier sein Wissen und seine Erfahrungen von entscheidender Bedeutung.
Fragt man, was Peter Weber neben seinem politisch erfüllten Leben interessierte, so erfährt man einerseits die Familie, aber andererseits die Liebe zur Natur und den Tieren. Nicht zuletzt aus diesem Grunde gründete er 1962 den Reiterverein Hochwald. Als erster Vorsitzender führte er den Verein bis zu seinem Tode. Peter Weber starb am 12. März 1965.

Hans-Werner Müller
HansWMueller_small Hans-Werner Müller wurde am 3. September 1942 in Nunkirchen geboren. Nach dem Abitur absolvierte er zunächst eine Maschinenbaulehre. Später studierte H.W., wie er von den Einheimischen kurz genannt wird, Betriebswirtschaftslehre. Das Studium schloss er 1967 ab. Von 1967 bis 1976 war er Oberstudienrat an einer Handelsschule. 1976 erwarb er den Meisterbrief in Maschinenbau. Seit 1972 war er Partner in der Werkzeugbaufirma seines Vaters. Nach dessen Tod übernahm er 1976 die Leitung des Unternehmens, das ab 1992 unter „Müller Formenbau“ firmierte.
Nach etlichen Jahren im Gemeinderat Nunkirchen und im Gemeinde- bzw. Stadtrat Wadern sowie im Kreistag Merzig-Wadern wurde Hans-Werner Müller 1976 in den Bundestag gewählt. Dem Bonner Parlament blieb er bis 1994 über fünf Wahlperioden, insgesamt 18 Jahre lang, treu. Von 1976 bis 1979, vor der ersten Direktwahl zum Europäischen Parlament, gehörte Hans Werner Müller gleichzeitig als vom Bundestag gewählter Vertreter dem Europäischen Parlament an. Von 1980 bis 1991 war er Vorsitzender der CDU Merzig-Wadern. Von 1992 bis 2007 koordinierte und organisierte er als Generalsekretär die Aktivitäten der UEAPME, des europäischen Dachverbands für das Handwerk und kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Brüssel, der die Interessen von rund zwölf Millionen Betrieben mit 50 Millionen Beschäftigten in der Europäischen Union vertritt.
Im Laufe seiner politischen Laufbahn wurden dem Politiker aus Nunkirchen etliche Ehrungen zuteil. So erhielt er 1988 das Bundesverdienstkreuz am Bande, das österreichische „Große Goldene Ehrenabzeichen“ (1996), die Ehrendoktorwürde der Kingston-Universität London (2003) und den Saarlandorden (2005). Frankreich zeichnete ihn 2004 als „Chevalier de l’ordre national de la légion d’honneur“ aus.
Der verheiratete Familienvater von zwei Kindern hat seinen Hauptwohnsitz in Nunkirchen, verbringt aber einen Teil des Jahres in Südfrankreich.
Quelle: Wikipedia/Internet

Das Forum-Magazin hat Hans-Werner Müller in seiner Ausgabe 46/2010 ein Porträt gewidmet, das sie hier nachlesen können.

Anke Rehlinger
Anke Rehlinger wurde am 6. April 1976 in Wadern geboren. Nach Grundschule und Gymnasium studierte sie ab 1995 in Saarbrücken Jura. Das erste juristische Staatsexamen legte sie 1999, das zweite 2003 ab. Seit September 2004 gehört sie dem Saarländischen Landtag an. 2009 bewarb sie sich um das Amt des Ortvorstehers von Nunkirchen, konnte sich aber nicht gegen den amtierenden Ortsvorsteher Jochen Kuttler durchsetzen. Am 9. Mai 2012 wurde Anke Rehlinger zur saarländischen Ministerin für Justiz und Ministerin für Umwelt und Verbraucherschutz im Kabinett von Annegret Kramp-Karrenbauer ernannt. Am 15.  Januar 2013 wechselte sie als Chef ins Ministerum für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr. Gleichzeitig wurde sie zur stellvertretenden Ministerpräsidentin des Saarlandes berufen. Bei den Landtagswahlen 2017 trat sie als Spitzenkandidatin der SPD an.
Ein Mandat hatte die Mutter eines Sohnes auch im Ortsrat Nunkirchen und im Stadtrat Wadern (bis 2012). Anke Rehlinger ist unter anderem Kreisvorsitzende der SPD Merzig-Wadern. Neben ihrer politischen Karriere war die verheiratete Münchweilererin lange beim „LC asics Rehlingen“ im Mehrkampf, später dann im Diskuswerfen und Kugelstoßen aktiv.
Quelle: Wikipedia/Internet

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Die territoriale Zugehörigkeit Nunkirchens seit der ersten urkundlichen Erwähnung in tabellarischer Form.

Zeit
Territoriale Zugehörigkeit
1140 bis 1147
(Erzbischof Albero)
Erste urkundliche Erwähnung des Ortes Nunkirchen durch Albero, Erzbischof von Trier.
1307-1354
(Erzbischof Balduin)
Verwaltungsreform des Erzbistums Trier: Nunkirchen wird der „Pflege“ Losheim unterstellt (Unterabteilung des Amtes Saarburg).
ab 1779
(Aufhebung des Kondominiums
Merzig-Saargau)
„Pflege“ Losheim mit „Schultheißerei“ Merzig kommt zum „Amt“ Merzig im Kurfürstentum Trier.
ab 1801
(Friede zu Lunéville)
Einordnung in die französische Zivilverwaltung: Die „Mairie“ Weierweiler (mit allen Gemeinden von Michelbach bis Mitlosheim, Weiskirchen und Steinberg) gehört zum „Kanton“ Wadern im „Arrondissement“ Birkenfeld im „Departement“ Saar.
1814
(1. Pariser Friede)
Das gesamte Kreisgebiet kommt in den Zuständigkeitsbereich einer „österreichisch-bayerischen Landesadministrationskommission“.
1815
(2. Pariser Friede)
Nunkirchen wird zusammen mit Konfeld, Michelbach, Mitlosheim, Ober- und Unterthailen, Rappweiler, Steinberg und Weiskirchen der Bürgermeisterei Weierweiler zugeteilt.
1845
(neue Gemeindeordnung)
Die Bürgermeisterei Weierweiler wird in Bürgermeisterei Weiskirchen umbenannt, die die gleichen Gemeinden umfasst; sie liegt im Kreis Merzig, Regierungsbezirk Trier.
1919
(Versailler Vertrag)
Abtrennung der Bürgermeisterei Weiskirchen (mit Nunkirchen) vom Stammkreis Merzig und Angliederung an den „Restkreis Wadern“. Während der Kreis Merzig zum Saargebiet und unter die Verwaltung des Völkerbundes kommt, verbleibt der Restkreis bei Deutschland.
1946
(Anordnung des Befehlshabers der französischen Besatzungszone)
Der Restkreis Wadern mit Nunkirchen wird mit dem Kreis Merzig-Wadern im Saarland zusammengeschlossen.
1.1.1957
(Eingliederungsgesetz)
Eingliederung des Saarlandes als selbständiges Bundesland in die Bundesrepuplik Deutschland.
1.1.1974
(Gebiets- und Verwaltungsreform)
Gründung der Großgemeinde Wadern mit den Gemeindebezirken Bardenbach, Büschfeld, Buweiler-Rathen, Dagstuhl, Gehweiler, Kostenbach, Krettnich, Lockweiler, Morscholz, Münchweiler, Niederlöstern, Noswendel, Nunkirchen, Oberlöstern, Steinberg, Wadrill, Wadern, Wedern. Nunkirchen und Münchweiler werden zum Gemeindebezirk Nunkirchen veschmolzen.
1.7.1978
(Stadtwerdung)
Die Großgemeinde Wadern wird Stadt, Nunkirchen wird Stadtteil.

Wahlen in Nunkirchen

Ergebnisse der Gemeinderatswahlen ab 1946

Am CVP
Stimmen/Sitze
SPS
DPS
KP
Bemerkungen
15.09.1946 392/8 439/8
05.10.1947 364/- 481/- 45/-
27.03.1949 411/6 601/10 33/- Ministerpräsident J. Hoffmann hatte gemeinsam mit Wirtschaftsminister Dr. F Singer an einer Wahlveranstaltung der CVP im Saal Spang teilgenommen (1949)

 

Ergebnisse der Gemeinderats- bzw. (ab 1974) Ortsratswahlen ab 1956
Die Jahresunterscheidugen erklären sich aus der Tatsache, dass das Saarland zum 1. Januar 1957 Teil der Bundesrepublik Deutschland wurde.

Am
CDU
Stimmen/Sitze
SPD
DPS/FDP
CVP/SVP
WGRP/Fr. Liste
FWG/FBL ProHochwald Andere
Bemerkungen
13.05.1956
285/4 427/6 174/2 251/3
15.05.1960
379/5 581/8 131/2 Die Wahl wurde durch das Bundesverfassungsgericht für ungültig erklärt.
04.12.1960
229/3 810/10 86/1 109/1
25.10.1964 334/4 731/9 97/1 123/1
20.10.1968
509/6 575/7 148/2
05.05.1974
656/5 655/5 25/- 112/1 Ab 1974 bilden Nunkirchen und Münchweiler einen Stimmbezirk. Aus dem Gemeinderat wurde ein Ortsrat. Der Bürgermeister heißt jetzt Ortsvorsteher.
10.06.1979
761/6 706/5
17.06.1984
684/5 943/6
18.06.1989
437/3 1012/8 60/- 54/- 45/-
12.06.1994 408/3 1010/8
13.06.1999
436/4 718/7
13.06.2004 266/2 498/4 47/- 508/5
07.06.2009
154/1 392/3 19/- 777/7 Seit 2009 gibt es keine 5-Prozent-Hürde mehr.
25.05.2014
156/1 251/2 864/8

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Wirtschaftliche Entwicklung
Von Fritz Glutting

Verkehrsanbindung
Zum Gedeihen einer gewinnbringenden Wirtschaftsentwicklung gehört die Verkehrserschließung einer Region bzw. einer Gemeinde. Nach dieser Erkenntnis handelten die Landräte des Kreises Merzig mit Beginn der preußischen Verwaltung und sorgten sich um den Wegebau. „Sie folgten damit einer Instruktion der königl. Regierung in Trier vom 7. Mai 1818, welche die Einteilung der Wege in Feld-, Orts-, Gemeinde- und Kreiswege und die verhältnismäßige Heranziehung der Gemeinden zu Kunstbauten durch Naturalleistungen und Geldbeiträge anordnete. Als besonderen Wegebaukommissar für den Kreis ernannte Landrat Werner den Bürgermeister Hugo v. Zandt für die Bürgermeistereien Wadern, Weierweiler, Losheim und Wahlen…“
Auf Grund dieser Anordnung wurde in den Jahren 1844 bis 1867 die Prämienstraße Beckingen-Nunkirchen gebaut, die ab 1867 in die Liste der Bezirksstraßen übernommen wurde.
Über ein halbes Jahrhundert später beschloss der Gemeinderat von Nunkirchen am 8. November 1925 den Ausbau des Weges Wadern-Nunkirchen-Losheim als Provinzialstraße und die Übereignung der Straße nach dem Ausbau in das Eigentum der Provinzialverwaltung im Prinzip zuzustimmen und die Kosten anteilig zu übernehmen unter der Voraussetzung, dass der Kreistag die Hauptlasten der ungedeckten Kostensumme übernimmt.
Das Projekt dieser Provinzialstraße rief den Unwillen der Weiskircher Bevölkerung hervor, die dafür plädierte, auf derartige Straßenneubauten zu verzichten und den Bau einer Kleinbahn durch das Waldland, sprich Restkreis, ins Auge zu fassen (Zuschrift in der „Merziger Zeitung“ vom 5. November 1925). Mit dieser Forderung wurde ein Streitobjekt berührt, das mitunter zu scharfen Polemiken führte.
Die Bestrebung, den vorderen Hochwald über Merzig an das saarländische Eisenbahnnetz anzuschließen, schien seit der Inbetriebnahme der Strecke Saarbrücken-Trier 1858/60 Erfolg zu haben. Die Schulchronik schreibt dazu: „Bereits beim Bau der Bahn Trier-Saarbrücken wurde eine Bahnstrecke von Merzig nach Büschfeld abgesteckt und durch den Gutwieswald eine Schneise gehauen, die über 20 Jahre sichtbar war. Sie lief dorther, wo jetzt die Kleinbahn verläuft. Die Eisenbahnstrecke Trier-Saarbrücken war ursprünglich in der Richtung Trier-Zerf-Weiskirchen-Nunkirchen-Lebach-Saarbrücken geplant.“
Erst 1897 entschloss sich der Kreistag, den Vorschlag des Preußischen Staatsministeriums anzunehmen und den Bau einer Kleinbahn von Merzig über Weiskirchen nach Wadern in die Wege zu leiten. Diese ursprünglich geplante Streckenführung wurde jedoch zugunsten der Linienführung Losheim-Nunkirchen-Büschfeld mit Anschluss an die Staatsbahnstrecke Hermeskeil-Wemmetsweiler in Büschfeld fallenlassen.
Der Nunkircher Gemeinderat stellte in seiner Sitzung am 16. September 1899 „Gemeindeeigentum für den Eisenbahnbau unentgeltlich und lastenfrei dem Kreis zur Verfügung, wenn der Bahnhof zwischen Münchweiler und Nunkirchen zu liegen kommt.“ Die Schulchronik berichtet: „In den Monaten Mai bis Juli 1900 wurden die Vorarbeiten zum Bahnbau … vorgenommen, indem unter Leitung des Kreisbaumeisters Herrn Brech die Feststellung der Achsenrichtung und die Aufnahme des Querprofils bewirkt wurden.“
Und weiter: „Am 14. August 1901 definitiver Kreistagsbeschluss betreffs Bahnlinie Merzig-Büschfeld.“
„Im März 1902 wurde hierselbst mit dem Bahnbau Merzig-Büschfeld begonnen; besonders sind viele Arbeiter und Arbeiterinnen unserer östlichen Provinzen (Posen und Oberschlesien) daran beteiligt (…) Im Monat September 1902 wurde hiesiges Bahnhofsgebäude fertiggestellt. (…) Am 6. Juli 1903 wurde die Kreisbahn Merzig-Büschfeld eröffnet.“
Die Proteste der Gemeinde Weiskirchen (s. auch das vorerwähnte „Eingesandt“ betr. Provinzialstraße!) und der umliegenden Gemeinden über die Linienführung hörten auch nicht nach der Inbetriebnahme der Bahn auf. So legten die Weiskircher Gemeinderäte noch zehn Jahre nach der Eröffnung der Kleinbahn in der Sitzung vom 9. Dez. 1913 eine Stellungnahme vor, in der sie die ursprüngliche Streckenführung über Weiskirchen als die vorteilhafteste für die Hochwaldgemeinden bezeichneten und darum baten, die Möglichkeit einer Anbindung von Weiskirchen her an die Strecke bei Nunkirchen zu prüfen. Man ging jedoch nicht auf diesen Vorschlag ein. Die Nunkircher hätten bestimmt nichts dagegen gehabt.
Die nach dem Zweiten Weltkrieg sich rasch entwickelnde Motorisierung bekam neben der Staatsbahn auch die Kleinbahn zu spüren. Sie war seit 1962 im Besitz des Saarlandes, obwohl der Gewerbe- und Verkehrsverein Losheim in einer Eingabe vom 14. Juli 1952 den Landrat, den Verwaltungsvorsteher und die Gemeinde Losheim darum gebeten hatte, alles zu tun, um einer Verstaatlichung und damit dem Ende der MBE entgegenzuwirken. Der Kreistag hatte zuvor im Mai 1952 die saarländische Regierung um Übernahme der Bahn gebeten.
Ab 26. Mai 1962 war es dann soweit: Es erfolgte die Stilllegung des gesamten Personenverkehrs auf der Schiene und die Umstellung auf Omnibusbetrieb, der mittlerweile an die Post übergegangen ist. Der Schienengüterverkehr war ab Oktober 1960 auf dem Abschnitt Nunkirchen-Büschfeld eingestellt worden. Die Schienen hinter dem Nunkircher Bahnhof, der inzwischen in Privatbesitz übergegangen war, wurden einige Meter nach dem Straßenübergang in Richtung Büschfeld abgebrochen und das Ende der Strecke durch einen Prellbock abgesichert. Im Sommer 1991 wurde das letzte Schienenstück ab der Straße bis zum Prellbock weggeräumt. Der frühere Bahnhof Nunkirchen ist inzwischen verkauft und komplett umgebaut worden. Er wird heute als Privathaus genutzt.
Der Museums-Eisenbahn-Club Losheim (MECL) veranstaltete seit 12. Juni 1982 Nostalgie-Fahrten auf der Strecke Merzig-Nunkirchen, die sich eines großen Zuspruchs erfreuen. Mit Übernahme der Firma Renitex durch das Unternehmen Homanit konnte die Nostalgiebahn das Firmengelände nicht mehr durchqueren. Die Museumseisenbahn verkehrt seither nur noch zwischen Niederlosheim und Merzig. Die Bahntrasse zwischen Münchweiler und Nunkirchen ist noch vorhanden, soll aber auf einem Streckenabschnitt von etwa einem Kilometer einem Radweg weichen.

Industrielle Entwicklung
Hauptstrasse_smallDie Straßenanbindungen (Unser Foto zeigt die Weiskircher Straße in Höhe der Brücke 1949) nach allen Seiten, verbunden mit der Bahnstation der MBE, schafften günstige Voraussetzungen für die industrielle Entwicklung Nunkirchens, die durch das Eisenwerk der Gebrüder Gottbill begonnen worden war. Über Mühlen (zwei Mahlmühlen, zwei Walkmühlen, zwei Ölmühlen) wird in einem besonderen Artikel berichtet.
In Nunkirchen bestand in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Tabakfabrik des Viktor Marx, die lt. Schulchronik im Jahr 1864 210 Zentner Rohtabak zu 400000 Zigarren und 100 Rollen Tabak verarbeitete. Vier Arbeiter waren 1864 beschäftigt, deren Zahl bis zur Einstellung des Betriebs nach 1870 noch anwuchs.
Eine Bierbrauerei kann Nunkirchen in diesen Jahren ebenfalls aufweisen. Jakob Spang, der das Brauereihandwerk erlernt hatte, richtete 1860 eine Brauerei mit Gastwirtschaft ein. Es war die heutige Pizzeria Vesuvio, das damals als „Bahnhofswirtschaft“ geführt wurde. Der Wirt war der Meinung, das Projekt einer Eisenbahnstrecke zwischen Merzig als Anschluss des vorderen Hochwalds an das saarländische Eisenbahnnetz über Nunkirchen nach Büschfeld würde verwirklicht werden. Bierbrauer Spang konnte nicht ahnen, dass dieses Projekt erst vierzig Jahre später durch den Bau der Kleinbahnstrecke Merzig-Büschfeld wieder aufgenommen werden sollte. Einige Jahre war seine Brauerei in Betrieb. 1864/65 verarbeitete der Betrieb 165 Zentner Maisschrot – ehe sie aufgegeben wurde.
Im Jahr 1871 verzeichnete der Ort fünf Gastwirtschaften und eine Reihe von Bierniederlagen. Die Schulchronik konnte sich in Bezug auf die Folgen dieser Bierschwemme folgender Anmerkung nicht enthalten: „In mehreren dieser Niederlagen wurde der Völlerei Vorschub geleistet, indem sich dieselben zu geheimen Bierwirtschaften entwickelt hatten. Ein anderer großer Übelstand, der durch die Niederlagen entstand, war der, dass kaum noch ein Arbeiter, ohne die Bierflasche bei sich zu haben, arbeiten konnte…“
Einen ähnlichen Seitenhieb führte die Chronik mit folgender Feststellung: „Im Jahr 1919 war die Erwerbstätigkeit hier sehr rege. In der Landwirtschaft, in Bergwerken und auf Fabriken suchen die Bewohner ihr Brot zu verdienen. Arbeitslosenunterstützung wurde hier keine bezahlt. Dem Fleiße entspricht leider auf der anderen Seite auch der Hang nach Vergnügen…“
Im Zusammenhang mit dem Bier muss ein „Bierstreik“ erwähnt werden, über den die MZ am 6. Mai 1930 schrieb: „Infolge der Biersteuer ist sowohl im Ort wie auch in der Umgebung das Bier aufgeschlagen. Die Biertrinker sind mit dem Aufschlag von 5 Pfg. pro Glas nicht einverstanden. Folge: passiver Widerstand in Form von Bierstreik! Am vergangenen Sonntag waren die Wirtschaften fast leer, nur die Skatspieler saßen an den Tischen, aber die tranken Sprudel oder Wein!“
Die Zeitung fragte anschließend: „Ob wohl auch die Kraftfahrer streiken, da alle Arten Benzin ebenfalls aufgeschlagen sind?“
Wohl selten hat eine Gemeinde auf Steuern verzichtet. In Nunkirchen geschah es aber doch: In der Sitzung vom 3. März 1931 hatten die Gemeindeväter die Einführung der Biersteuer abgelehnt. Der Widerstand nutzte jedoch nichts: Ab 1. Mai 1931 wurde die Gemeinde-Biersteuer aufgrund der reichsrechtlichen Verpflichtung doch eingeführt, was in Nunkirchen, wie wir eben sahen, zum „Bierstreik“ führte. Am 1. Juli 1935 wurde die Steuer von 2 RM pro Hektoliter auf 1 RM herabgesetzt.
Im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung soll an dieser Stelle die Einführung des elektrischen Lichts kurz dargestellt werden. „Seit dem Monat Oktober 1899 erstrahlt im hiesigen Ort elektrisches Licht, da der Herr Meyers von hier in seinem Mühlenbetrieb die hierzu nötige Anlage herstellte,“ berichtet die Schulchronik, um anderthalb Jahre später anzuführen: „Im Monat März 1901 wurde im hiesigen Orte nebst dem elektrischen Lichte in verschiedenen Häusern das Acetylen-Licht eingeführt.“
Im August 1903 wurde It. Schulchronik mit der Installation der elektrischen Ortsbeleuchtung begonnen. Die Gemeindevertretung bestimmte: „Die Ortsbeleuchtung soll mittelst Elektrizität erfolgen, falls sich „Herr Meyers bereit erklärt, gegen Gewährung einer einmaligen Beihilfe zu den Anlagekosten in Höhe von 200 RM vier Lampen (an der Brücke und am Marx’schen Hause je eine, auf dem Marktplatz zwei) aufzustellen und zwar zwei Stück von je 25 Kerzen, zwei von je 16 Kerzen. Die jährlichen Unkosten für Stromverbrauch dürfen sich nicht höher als 80 Mark belaufen.“
Im Februar 1912 beschloss der Gemeinderat die Erweiterung der Ortsbeleuchtung um zehn Lampen für den ganzen Ort. Die Firma Meyers erklärte sich bereit, die elektrische Energie zum Preis von 40 Pfg. pro Kilowattstunde zu liefern. Der Rat bat die Firma um einen Zuschuss von 200 Mark. Als Gegenleistung durfte die Firma die Masten zu Privatzwecken benutzen. Eine Lampenkommission wurde gebildet, die den Standort der Lampen festsetzen sollte.
An der Verlegung der elektrischen Leitungen im Ort war vornehmlich Matthias Thome beteiligt, der schon sehr früh die Meisterprüfung im Elektroinstallations-Handwerk abgelegt hatte, wie der ornamentenreiche Meisterbrief vom 22. März 1918 aussagt. Matthias Thome war auch zuständig für die Anlage der elektrischen Ortsbeleuchtung in den „Bachgemeinden“ und in Thaiien.
Im Dezember 1926 erklärte sich die Firma Meyers bereit, die Ortsbeleuchtung ordnungsgemäß instand zu setzen sowie eine weitere Lampe bei Antz einzubauen.
Ende des Jahres 1928 ging das E-Werk Meyers (18. Nov.) in den Besitz der RWE über, worüber die Gemeinde einen Vertrag mit der RWE abschloss. An den Vertragabschluss knüpfte die Gemeinde folgende Bedingungen (verkürzt wiedergegeben!): Die RWE verpflichtet sich, 1. die gleichen Strompreise zu erheben wie in den übrigen Gemeinden des Restkreises Merzig-Wadern; 2. das vorhandene Gleichstromnetz in ein Drehstromnetz ohne Kosten für die Gemeinde umzubauen; 3. die am 1.10.1928 vorhandenen Gleichstrommotoren auf seine Kosten durch Drehstrommotoren zu ersetzen; 4. die beiden Gehöfte Sauer und Schnur erhalten kostenlos die Freileitungsanlage erstellt; 5. die Ortsstraßenbeleuchtung mit der bisherigen Zentralschaltung bestehen zu lassen und die schon vorher beschlossenen vier neuen Brennstellen kostenlos mit einzubauen.
Die RWE erkannte die Bedingungen in allen Punkten mit Ausnahme der im Vertrag vorgesehenen Pachtbestimmungen am 23. April 1929 an. Sie galten bis 1. Januar 1958. Der Vertrag vom 18. Nov. 1928 wurde im Dezember 1952 durch einen Nachfolgevertrag ersetzt.
Zum 1. Januar 1962 brachte das RWE sein saarländisches Versorgungsgebiet in die VSE ein, die formell heute noch bestehende VSE- später Energis-Zweigstelle Merzig. Zu diesem Zeitpunkt übernahm die VSE auch die Versorgung der Beleuchtungsanlagen mit elektrischer Energie.
„Blühendes Industrie- und Gewerbeleben in Nunkirchen“ überschrieb die „Saarländische Volkszeitung“ (SVZ) am 15.2.1950 eine Artikel, der u.a. aussagte: „Nur wenige Dorfbewohner suchen auf Grund der einheimischen Betriebe eine Verdienstmöglichkeit in den Hütten- und Bergwerken an der unteren Saar.“
Saegewerg_smallEs war vor allem die Holzindustrie, bereits in den 30er Jahren sehr rege, die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufblühte und in den Sägewerken Meyers (Foto rechts) und Wollscheid vielen Arbeitern Verdienstmöglichkeiten bot. Meyers schnitt alle gebräuchlichen Holzarten, vor allem Buche, während Wollscheid insbesondere Fichten- und Eichenholz verarbeitete. Aus der anfänglichen Spezialität der Belieferung der Saargruben mit Grubenholz hat das Sägewerk Wollscheid zwei Nebenbetriebe aufgebaut für Dachkonstruktionen sowie Bau- und Möbelschreinerei. Beide Betriebe sind eingegangen. Wie schrieb noch am 26.2.1953 die SVZ in ihrem Artikel „Nunkirchen – eine der schönsten Orte im Hochwald“: „Man kann nur wünschen, dass die Betriebe Wollscheid und Meyers zum Segen der Gemeinde flott bleiben. An Rohstoffen dürfte es kaum fehlen…“
Der Wunsch ging nicht in Erfüllung. Im Sägewerk Meyers blieben Ende 1962 die Maschinen stehen. Die Gebäude wurden abgerissen. Auf dem Gelände stehen heute das Feuerwehrgerätehaus und Wohnhäuser der Straße „Zum Wiesental“.
Das Sägewerk Wollscheid stellte 1966 den Betrieb ein und wurde bis 31. Januar 1968 bankmäßig an die Firma Julius Hofert verpachtet, die Paletten anfertigte und Aufträge der Bundeswehr ausführte. Ab 1. Januar 1969 übernahm der Getränke-Fachgroßhandel Stalter & Sohn sämtliche Anlagen. Das Verkaufgebiet für Getränke einschl. von Wein und Spirituosen erstreckte sich über das Saarland und die Pfalz. Heute werden die Hallen als Lagerfläche genutzt. Hans Wollscheid beschäftigte sich bis 1988 mit Polyester-Verfertigung, ehe er dann mit Arbeiten in Tiffany und Bleiverglasung begann.
Eine andere holzverarbeitende Firma war die Stuhlfabrik Jakob Mayer-Fontaine, die 1928 ihren Betrieb aufgenommen hatte. Sie entwickelte sich zu einem ansehnlichen Betrieb, der in die Bundesrepublik, Frankreich und die Beneluxländer lieferte. Wo früher nur Stühle aus Holz angefertigt wurden, war in den 60er Jahren eine moderne Stahlmöbel-Fabrikation hinzugekommen. 80 Mitarbeiter waren damals beschäftigt.
Im Jahr 1962 übernahm der Enkel des Firmengründers, Josef Mayer-Fontaine, den Betrieb und leitete ihn bis zu seinem Tod im Jahr 1972. Danach wurde Frau Gretel Mayer, die zuvor zwanzig Jahre lang Geschäftsführerin gewesen war, Firmenchefin. Sie schied 1984 aus, nachdem die Fabrik verkauft worden war. Es lief danach nicht mehr so recht, und drei Jahre später musste die Produktion eingestellt werden.
Heute sind in dem Fabrikgelände eine Futtermittel-, ein Gravurlgeschäft und verschiedene andere Firmen und in der ehemaligen Fertigungshalle eine Maschinenbaufirma untergebracht. Das Ehepaar Elisabeth und Wolfgang Mayer betrieb ab 1985 die Planung für Sitzmöbel, vornehmlich für Gaststätteneinrichtung. Geschäftsverbindungen bestahden ins Saarland, nach Rheinland-Pfalz, Frankreich und Luxemburg.
Die Schulmöbel- und Turngerätefabrik Müller & Sohn ging aus dem ehemaligen Bau- und Möbelschreinereibetrieb Gebr. Müller hervor, der vor über hundert Jahren entstanden war. Die Firma spezialisierte sich auf Schulmöbel und Turngeräte, mit denen sie viele saarländischen Schulen ausrüstete. Im Jahr 1981 stellt sie ihre Produktion ein, nachdem sie 1954 ihre neue Werkstätte – die alte Fertigungshalle in der Weiskircher Straße ist 1991 abgerissen worden – an der Losheimer Straße bezogen hatte. Die Firma Heinz Klein GmbH, Fenster und Türen-Produktion, hat im Mai 1986 ihren Betrieb von Büschfeld in die Räume der ehemaligen Schulmöbelfabrik verlegt.
Eisen und Stahl, Maschinenbau: An Stelle der früher vorherrschenden holzverarbeitenden Industrie haben sich heute Industriezweige der verschiedensten Branchen in Nunkirchen angesiedelt. Ihre Reihe soll mit der Firma Reinguss eröffnet werden.
Diese Firma wurde am 24. März 1961 als Zweigniederlassung unter der Bezeichnung „Reinguß, Daussan & Söhne GmbH“ gegründet. Das Stammhaus steht in Metz. Im Jahr 1981 wurde die vormalige Firmenbezeichnung in „Reinguss, Gesellschaft für Industrie- und Hüttenwerkstechnik mbH“ geändert. Für die Firma war es nach dem wirtschaftlichen Anschluss des Saarlandes an die Bundesrepublik 1959 notwendig geworden, ihren bisherigen saarländischen Markt für die Belieferung der Hüttenwerke mit speziellen feuerfesten Materialien, die bei der Stahlherstellung in der Flüssigphase benötigt werden, zu erhalten und zu erweitern. In Nunkirchen fand man einen geeigneten Standort für das vorgesehene Zweigwerk. Mit 15 Beschäftigten war der Betrieb aufgenommen worden. Zu Glanzzeiten waren es zirka 100. Mitte der 1990er Jahre wurde die Produktion am Standort „Industriestraße“ (heute „Am Felswäldchen) aufgegeben. Die Gebäude der Firma stehen heute leer.
Ein Unternehmen des Werkzeugbaus ist die Firma Thiku-Saar, früher Müller-Formbau GmbH in der Kleinbahnstraße. Es ist ein mit modernsten Maschinen ausgestatteter Betrieb des Werkzeug- und Formenbaus. Hauptfertigung sind komplizierte Werkzeuge zur Produktion von Gummi- und Plastikteilen. Gegründet wurde die Firma als mechanische Werkstatt 1946 von dem aus Michelbach stammenden Emil Müller. Im Jahr 1969 zog das Unternehmen aus der Saarbrücker Straße in die Kleinbahnstraße um, wo 1989 eine neue Halle eingerichtet wurde. Nach dem Tode Emil Müllers 1975 ging das Unternehmen auf die drei Kinder, die selbst nicht in dem Betrieb arbeiteten, und einen sachkundigen Partner über. Später ging das Unternehmen Müller-Formenbau in der Firma Thiku-Saar auf.
Kurhaus: Hier soll das ehemalige „Kneipp-Sanatorium Kurhaus „Eichwald“ erwähnt werden, das 1963 von der Familie Pront eröffnet wurde. 50 Betten in Ein- und Zweibettzimmern standen zur Verfügung, dazu 25 Betten für ambulante Patienten. Die ärztliche Leitung lag in den Händen von Dr. P. Leistenschneider (bis 1965) und von Dr. J. Kratz(1966 bis 1968). Danach übernahmen ortsansässige Ärzte die Betreuung. Im Jahr 1969 ging das Haus in den Besitz von Messedirektor Heinz Grandmontagne über. Etwa 3000 silikosekranke Bergleute kurten in diesen Jahren vier Wochen lang im Haus „Eichwald“. Notwendige Erneuerungen blieben jedoch aus. Die Belegzahlen sanken. Ab 1983 wurden nur noch Erholungskuren für Senioren ohne Therapie durchgeführt. Mitte 1987 schloss das Haus, um später vom Selbstverwalteten Bildungshaus übernommen zu werden. Das Gebäude wurde Mitte der 1990er Jahre für das neue Alten- und Pflegeheim abgerissen.

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Postgeschichte von Nunkirchen
Drei Bogen „Betriebsverhältnisse der Postagentur Nunkirchen“ von 1913 bis 1921 geben eine erste amtliche Nachricht über die Postgeschichte von Nunkirchen. Diesen Listen ist zu entnehmen, dass in Nunkirchen am 10. Dezember 1878 eine Postagentur (Abrechungsanstalt Merzig) eingerichtet worden war.
Die „Postgeschichtl. Blätter“ der Oberpostdirektion Saarbrücken führen dazu an: „Frühzeitig hat Nunkirchen – am 10. Dezember 1878 – eine Postagentur erhalten, die… zum Postamt Merzig gehörte und am 10. Januar 1920 Wadern zugeschlagen wurde, als die Grenze zum Saargebiet Nunkirchen von Merzig trennte.“
Weiter heißt es; „Als Wadern am 1. April 1914 in ein Postamt II. Klasse umgewandelt wurde… betreute das Postamt mit seinen Postagenturen folgende Landzustellbezirke:… Postagentur Nunkirchen mit Landzustellung Sägemühle und Münchweiler“. Hier darf auf Nichtvollständigkeit geschlossen werden: Michelbach ist nicht angeführt.
Ist die Sachlage so zu verstehen, dass ab 1. April 1914 Wadern für die Landzustellung, Merzig weiterhin für die Abrechnung zuständig war? Erst auf dem Betriebsbogen für die Jahre 1915 bis 1920 ist bei der Angabe der Abrechnungs-Postanstalt „Merzig“ durchgestrichen und durch „Wadern Bz. Trier“ ersetzt.
Posthaus_1_smallDer erste Postagent in Nunkirchen war Peter Antz als dessen Hauptbeschäftigung auf dem Betriebsbogen „Klempner und Krämer“ angegeben war. Die Dienststelle befand sich im Geschäftshaus Antz in der damaligen Provinzialstraße, heute Saarbrücker Straße, gegenüber dem Volksschulgebäude (Foto links: Das Gebäude im Hintergrund rechts). Das Haus gehört heute der Familie Hoffmann, die zeitweise hier auch eine Gastronomie eingerichtet hatte. Der Name des Gasthauses „Alte Post“ verwies auf die frühere postalische Benutzung. Heute befindet sich hier das Bisto „Late Knight“.
Als Eigentümlichkeiten des Ortes vermerkten die Betriebsbogen noch zusätzlich: „Die Bevölkerung treibt vorwiegend Landwirtschaft. In der Nähe des Ortes liegt das Schloss Münchweiler, im Besitze der Barone von Zandt.“
Der Aufzählung der Landzustellungen von Nunkirchen aus mit Sägemühle und Münchweiler muss, wie zuvor bereits angemerkt, Michelbach hinzugefügt werden. Von 1878 an gehörte Michelbach zum Zustellungsbezirk Nunkirchen. Die Betriebsbogen geben darüber Aufschluss. Der Geisweiler Hof wurde bis 1920, als er bei der Grenzziehung dem Saargebiet zugeschlagen worden war, ebenfalls postalisch von Nunkirchen aus versorgt, um dann wieder nach 1935 in dasselbe postalische Verhältnis zu Nunkirchen zurückzukehren.
Nach dem 1. September 1954 wurde in Michelbach wie in Münchweiler eine Poststelle II eingerichtet, die vom Postamt Wadern aus beliefert wurde.
Dieses Datum wurde von Frau Wahlen, Münchweiler, angegeben. Ihr Ehemann Johann Wahlen, damals Bürgermeister von Münchweiler, war Leiter der Poststelle gewesen. Die Hauszustellung der Postsachen erfolgte durch das Ehepaar Wahlen. Bis 30. Juni 1985 war die Poststelle in Betrieb gewesen. Ab 1. Juli 1985 werden die Einwohner von Münchweiler direkt durch Zustellung von Wadern aus postalisch versorgt.
War Büschfeld von 1878 ab ebenfalls von der Postagentur Nunkirchen betreut worden? Anzunehmen ist es, denn lt. Betriebsbogen war die Telegraphenstelle Büschfeld der Postagentur in Nunkirchen angeschlossen. Am 10. Dezember 1897 erhielt Büschfeld eine Posthilfsstelle, die am 1. November 1919 in eine Postagentur mit den Landzustellungen Überlosheim, Biel und Bardenbach umgewandelt wurde.
Eine andere Landzustellung von Nunkirchen dürfte der Limbacher Ortsteil Auschet gewesen sein, der pfarrlich und schulisch zu Nunkirchen gehörte. Lt. Aussagen von Familienangehörigen des Briefträgers Jakob Spang, der ab 1900 Briefträger in Nunkirchen gewesen war, musste dieser die Post auf den „Bammersch“ (Auschet) tragen. Diese Auskunft wird bestätigt durch die „Postgeschichtlichen Blätter“, die aussagen, dass die Postagenturen in Außen, Bettingen und Limbach zu Wadern gehörten und 1920 durch die Abtrennung des Saargebietes zum Postamt Lebach kamen.
Wie erfolgte die Postzustellung zur Postagentur in Nunkirchen? Bis zum Jahr 1903 muss sie über Beckingen erfolgt sein. Da nirgends eine genaue Auskunft zu erhalten war, muss der Artikel „Der letzte Postillion der Privat-Personenpost-Verbindung zwischen Beckingen und Nunkirchen“ im „Nach-der Schicht-Kalender 1954“, als beweiskräftiges Zeugnis gelten.
„Anfang 1879 wurde eine Beförderungsmöglichkeit mittels eines täglich einmal verkehrenden 6-sitzigen Privat-Personen-Fuhrwerks durch das Haustadter Tal zwischen Beckingen und Nunkirchen eingerichtet. Der Betrieb wurde dem Fuhrwerksbesitzer Matthias Wagner zu Merzig übertragen. 1822 ging er auf den Ackerer Peter Fries und 1884 auf den Unternehmer Johann Zarth, beide aus Beckingen, über…
1899 wurde Adam Rösler aus Reimsbach als Postillion für die Linie Beckingen-Nunkirchen eingestellt. Seitdem trug erden Beinamen „Post-Adam“. In Nunkirchen fuhr Rösler morgens um 6 Uhr ab, um durch den Lückner über Oppen, Reimsbach durchs romantische Haustadter Tal den Anschluss an den 9-Uhr-Zug in Beckingen zu erreichen. Nachmittags um 4 Uhr erfolgte die Rückfahrt nach Nunkirchen. Bis zu Eröffnung der Bahnlinie Dillingen-Primsweiler im Jahr 1901 benutzten die Reisenden aus der Waderner und Weiskirchener Gegend den Postomnibus, der an der Wirtschaft Basenach in Nunkirchen seine Endstation hatte…“
Einer Angabe aus Nunkirchen zufolge war der Helfer Adam Rösler ein Nunkircher Einwohner mit Namen Johann Kraus gewesen, ein ehemaliger Ulan, der mit Pferden umzugehen verstand. Nach der Eröffnung der Kleinbahn-Linie Merzig-Büschfeld im Jahr 1903 war der Bahnhof in Nunkirchen Umschlagplatz für die Brief- und Paketpost geworden. In einem hohen zweirädrigen Karren wurde, mit einem Verschlussdeckel versehen, das Postgut am Bahnhof abgeholt bzw. dorthin gebracht.
Die Landverkraftung im Jahr 1928 stellte mit Kraftwagen die Verbindung her zwischen dem Waderner Postamt und den einzelnen Landorten – auch die zum Postamt Losheim gehörigen Landorte kamen hinzu.
Ortsbriefträger in Nunkirchen waren bis zum Ausbruch des Krieges 1939 – soweit es sich ermitteln ließ – Jakob Spang („Schütze Jakob“); Nikolaus Hahn; Sebastian Wilkin und Josef Lauer, alle aus Nunkirchen. Dazu kamen noch Albert Lauermann aus Biel und Peter Groß aus Büschfeld.
Während des Krieges waren eingesetzt: Nikolaus Balzer; Peter Zimmer und Theresia Lillig, alle aus Nunkirchen.
Nach dem Krieg: Peter Geier aus Waldhölzbach; Peter Hoff aus Mitlosheim; Josef Lauer nach der Entlassung aus der Gefangenschaft; Otto Haas aus Michelbach und – des öfteres vertretungsweise – Peter Schillo, Nunkirchen. Heute wechseln die Briefträger häufig, sie sind nicht mehr ortsansässig.
Bei der Einrichtung der Postagentur hatte Postagent Peter Antz die Postsachen durch seine Töchter, die in der Agentur aushalfen, austragen lassen. Welchen Umfang das Postgut damals hätte, konnte nicht ermittelt werden. Erst ab 1913/14 wies der Betriebsbogen entsprechende Angaben auf. Die Ortszustellung erfolgte werktags zweimal, sonntags einmal. Die Landzustellung nach insgesamt 7 Ortschaften, die leider namentlich nicht aufgeführt wurden, musste an Werktagen nach 5 Orten zweimal und nach 2 Orten einmal durchgeführt werden; sonntags einmal nach den 7 Orten. An Briefkästen standen un stehen in Nunkirchen heute noch drei und im Landbezirk ebenfalls drei zur Verfügung. Sie wurden werktags und sonntags je zweimal geleert.
Bis Februar 1934 ging der Fernsprechdienst mittels Handvermittlung (Klappenschrank) für alle Orts- und Ferngespräche vor sich (Nunkirchen, Michelbach, Büschfeld, Münchweiler, Weierweiler). Im Februar 1934 erfolgte die Inbetriebnahme der VS + W (Vermittlungsstelle Wählbetrieb), d.h. alle Ortsgespräche konnten selbst gewählt werden, für Ferngespräche wurde das Fernamt Wadern angewählt.
Ab März 1952 war auch Selbstwählferndienst und Direktwahl des Fernamtes Saarbrücken für noch zu vermittelnde Gespräche möglich. Wadern bildete einen Netzgruppenmittelpunkt, dem die Ortsnetze Losheim, Nonnweiler, Nunkirchen, Primstal und Weiskirchen angeschlossen wurden. Die Herstellung von Ferngesprächsverbindungen durch Selbstwahl war dadurch innerhalb des Saarlandes möglich.
Wie lange Postagent Antz sein Amt ausübte, ist behördlich nicht festzustellen. Dem Vernehmen nach ist er nach dem Anschluss der Agentur an Wadern (10.1.1920) ausgeschieden. Sein Nachfolger wurde August (?) Krämer, der bis zum 31. Dezember 1926 die Dienststelle leitete. Mit dem Ausscheiden von Peter Antz erfolgte auch ein Wechsel der Amtsräume. Nachfolger Krämer zog in eines der so genannten „Faas-Häuser“ hinter der Kirche. Ab 1. Januar 1927 übernahm Katharina Oehm die Amtsgeschäfte, die bis Ende Februar 1934 im Haus Faas abgewickelt wurden. Ab diesem Datum wurde die Poststelle ins Wohnhaus von Kath. Oehm in der Losheimer Straße umgesiedelt. Eine Zeitungsnotiz vom 1. März 1934 meldete: „Seit Montag, 26. Februar 1934, ist die Post verlegt in das von der Posthalterin kürzlich angesteigerte Haus der verst. Witwe Brausch, Losheimer Straße. Da die Post so abgelegen ist, müsste inmitten des Ortes wenigsten eine Marken-Verkaufstelle eingerichtet werden. Femer müsste für Anbringung mehrerer Briefkästen in der Ortsmitte Sorge getragen werden.“
Ob die Anregung der Zeitung befolgt wurde, war nicht zu ermitteln. Bis 1955 blieb die Poststelle in der Losheimer Straße. Die Posthalterin Kath. Oehm war im November 1954 wegen Erreichung der Altersgrenze aus dem Dienst ausgeschieden. Bis zum 30. Juni 1955 wurden die Dienstgeschäfte von verschiedenen Angehörigen des PA Wadern versehen, ehe am 1. Juli 1955 die Poststelle ins Haus Emmerich neben dem Pfarrhaus umzog. Posthalterin Maria Emmerich, später Betriebsleiterin, übernahm die Dienstgeschäfte und führte sie bis zum 31. März 1970 (Erreichung der Altersgrenze). Betriebsleiter wurde Egon Ott bis zum 19. Dezember 1972.
Die Postagentur Nunkirchen war am 1. Juli 1939 in ein Zweigpostamt (M) und am 1. März 1955 in eine Poststelle l umgewandelt worden. Am 1. Nov. 1958 erfolgte wieder die Zurückstufung in ein Zweigpostamt (M), der weitere Organisationsänderungen folgten: 1. Januar 1959 Post (L); 1. Mai 1960 Postamt (K) und am 1. Mai 1965 Postamt (J); ab 1982 Annahmepostamt. Nunkirchen wurde dem Postamt (V) Wadern und nach dessen Auflösung dem Postamt (V) Merzig (1. Juni 1978), gehört aber weiterhin zur Amtsstellenleitung des Postamtes Wadern.
Ab 19. Dezember 1972 wurde das Postamt Nunkirchen von verschiedenen Beamten des PA Wadern geleitet; später auch wieder ab dem 1. Januar 1984.
DazElkeSauerwischen amtierte Peter Schillo vom 1. Jan. 1978 bis 31. Dez. 1983 in der neuen Dienststelle (ehemalige Femmelde-Vermittlungsstelle neben der Kreissparkasse), wo sie sich heute noch befindet. Mit seiner 42,34 qm großen Grundfläche und 12,55 qm Schalterraum war Nunkirchens Postamt das räumlich kleinste Postamt des Saarlandes. Ab 1983 wurden die Dienstgeschäfte von Betriebsleiter Franz Schramm wahrgenommen. Seit 1998 hat Nunkirchen eine Postagentur mit Elke Sauer (Foto links) als Inhaberin. Das Gebäude neben der Sparkasse wurde Ende Dezember 2011 geräumt und 2013 abgerissen. Seither hat die Postagentur ihre neue Heimatstatt ein paar Häuser weiter in der Losheimer Straße 8a. Nachdem Elke Sauer zum 31. März 2016 in den Ruhestand trat, wird die Postagentur seit April 2016 von Martin Biegner geführt.

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Die Eisenschmelzen in Nunkirchen und Münchweiler
Von Fritz Glutting

In Nunkirchen
Takenplatte_smallDie Takenplatten im Ort (Foto links) erinnern noch heute an ihre ruhmreiche Geschichte: Am 1. September 1715 erwarben die beiden Brüder Carl und Johann Baptist Gottbill von der Gemeinde Nunkirchen einen Platz, auf dem sie eine Hammerschmiede errichten wollten.
„Der ehrsame Carl Godbille ersteht mit Beystand seines Bruders Baptist einen Platz bei der Bergmühle, nemblich im Wehlenbruch benent, oberhalb der Mahlmühlen gelegen, und umb die Summa achtzehn Reichstaler und zwey Reichstaler Weihnkauff jeden ad fünffzig Albus gerechnet, welche Platz in der Vierkandt sechzig Werkschuhe begreifen thut… solchergestalten, dass gemeldete Brüder Carl und Baptista Godbill selbige Platz verbauen, einen Hammer aufrichten und erblich besitzen, brauchen und genießen zu immerwehrden Zeiten.“
Laut Vertrag vom 9. August 1720 kauften die „ehrenvesten“ Gebrüder Carl und Baptist Gottbill, „wohnhaft uff der Hammerschmitt bey oder ohnweit besagtem Nunkirchen“, ein weiteres Stück Land, angrenzend an den „Hammerschmittenplatz“. Bei diesem weiteren Ankauf wird es sich um den Platz gehandelt haben, auf dem das Wohnhaus errichtet werden sollte.
Woher kamen die Brüder Gottbill? Der allgemein vertretenen Ansicht, dass sie wie die Familie Hauzeurs, die Wiederbegründer der Hochwaldhütten in Nonnweiler, Abentheuer, Dhronecken, Braunshausen aus dem wallonischen Lüttich stammten, muss widersprochen werden. Die Gottbills kamen mit ziemlicher Sicherheit aus dem Schwäbischen. Ihr Name ist urdeutsch. Die ersten bekannten Unterschriften lauteten „gottbilt oder „godbild“. Die französische Sprache beherrschten sie jedenfalls nicht.
Bis zum Jahr 1715 liegt ihre Geschichte ziemlich im Dunklen. Als Hammerschmiede und Schmelzer wanderten sie zwischen Neunkirchen, Dillingen und Züsch, unsesshaft wie die meisten von den unstabilen Arbeitsbedingungen abhängigen Eisenfachleute.
Die beiden Brüder hatten gleich nach 1715 im erworbenen Gelände in Nunkirchen einen Hammer errichtet; denn das erzbischöfliche Protokoll vom 31. März 1724 erteilte die Erlaubnis „zu Bereitung neuen Eisensteins oder des erhaltenden alten Eisens eine neue Schmeltz zu Nunkirchen im Amt Saarburg… zu errichten und aufzubauen…“
Im einzelnen wurden in der Erlaubnis fast nur Pflichten für den Erbauer aufgezählt, z.B. „… alle andere unter aufsuchende Eisenstein ufstossende oder an Tag kommende Mineralia wie diese Nahmen haben mögen ohn verweilt dem churfürstl.. Kellner zu Saarburg anzuzeigen, den Eisenstein auch niemahlen abführen oder verschmeltzen, es seyedannd er selb unter bestellter pflichhtenmäsigerObsicht…“ Zum Schluss musste Carl Gottbill schriftlich erklären, niemals im Erzstift Trier wegen des eingerissenen Holzmangels Brand- oder Kohlholz zu suchen. Das wurde ihm ausdrücklich verboten und abgeschlagen.
WappenGottbill_Klauck_kleinDie Frage drängt sich auf: Woher holte dann Carl Gottbill (sein Wappen sehen Sie auf der Abbildung rechts) das benötigte Holz, wenn nicht aus dem waldreichen Hochwald? Aber der gehörte ja dem Kurfürsten. Es gibt keine Unterlagen darüber, woher das Holz bezogen wurde. Noch eine andere Frage kann nicht beantwortet werden: Warum ist die Erlaubnis zum Bau einer „neuen Schmeltz“ lediglich an Carl und nicht an Johann Baptist erteilt worden? Der wurde auch in anderen Schriftstücken nicht erwähnt. Er starb am 28. April 1729. Im Nunkircher Kirchenbuch steht die Eintragung: „Die 28: April 1729 obiit Joannes Gottbill turn temporis habitans in Nunkirchen motte quasi subitanea“ („Am 28. April 1729 verstarb Johannes Gottbill, damals wohnhaft in Nunkirchen, eines gleichsam plötzlichen Todes“). Damit ist bewiesen, dass Johannes Gottbill ebenfalls in Nunkirchen sesshaft war, aber mit der Eisenschmelze nicht in Verbindung stand. Die Gründe dafür sind nicht bekannt. Johannes Baptist war verheiratet mit Catharina Baut und hatte mit ihr fünf Kinder. Carl, der am 27. Juli 1733 in Nunkirchen starb, war unverheiratet geblieben.
Die fünf Kinder aus der Ehe Gottbill/Baur sind bekannt: Carl (II) – es ist derjenige Gottbill, dem Nunkircher Ortsteil „Gottbills Hütte“ den Namen gab und zu dessen Andenken eine Straße „Carl-Gottbill-Straße“ heißt –; Maria Philippine, Franz, Anna Maria und Catharina. Franz starb 1749 unverheiratet. Maria Philippine wurde Ordensschwester (Franziskanerin) in Trier. Anna-Maria und Catharina heirateten Männer, deren Namen mit den Eisenwerken in Nunkirchen und Münchweiler verbunden sind: Anna-Maria wurde die Ehefrau des späteren Hüttenmeisters Conrad Lehnen, Catharina heiratete den Waffenschmied Joseph Loth aus Blieskastel.
Nach dem Tod seines Onkels im Jahr 1733 übernahm Carl (II) das Nunkircher Werk und leitete es mit Umsicht und Tatkraft bis zu seinem Tod im Jahr 1755. Sein Schwager Conrad Lehnen hatte ihn im Werk als fachmännischer Ratgeber unterstützt.
Aufschwung und Blüte der Nunkircher Eisenschmelze sind dem Wirken von Carl (II) Gottbill und seinem Schwager Conrad Lehnen zuzuschreiben. Sicherlich hat schon zu Lebzeiten seines Onkels der Neffe tatkräftig am Emporkommen des Werkes mitgearbeitet. Der Ausbau mit Hüttenhaus zur Aufnahme der beiden Schmelzöfen und des Frischfeuers mit der Gießerei und dem Hammer, mit den Hallen zur Lagerung der Erze und Holzkohlen, mit Anlegung des Teichs und des Wassergrabens – 1 km lang, vom Hösbach abzweigend – waren eine Gemeinschaftsarbeit der beiden Schwäger Gottbill und Lehnen.
Der erste Schmelzofen schickte das glühende Eisen in den Kanal mit dem Frischfeuer, wo der noch vorhandene Kohlenstoff in der glühenden Masse als Kohlensäure in die Luft entwich. „Auf diese Weise erhielt man das schmiedbare Eisen, das im Hammerwerk zu Stab- und Rundeisen für die Schmiede gehämmert oder auch in Blöcken ins Eisenwerk nach Dillingen transportiert wurde, wo es im Walzwerk zu großen Blechtafeln ausgewalzt wurde.
Der zweite Schmelzofen diente dem Gießereibetrieb. Das geschmolzene Eisen ließ man in vorbereitete Sandformen laufen. Nach dem Erkalten hatte man schon in etwa verkaufsfertige Erzeugnisse wie Koch- und Brattöpfe, Bratpfannen in allen Größen, Henkelkessel, Öllampen, Feuerböcke, Ambosse und vor allem Takenplatten.“ Über die Takenplatten siehe den Artikel „Denkmalschutz!“
Abnehmer für die Erzeugnisse der Nunkircher Hütte waren zumeist die Haushaltungen in über 50 Dörfern zwischen Hochwald und Saar. Geschäftsverbindungen bestanden nach Homburg, Kaiserslautern, Koblenz und Düsseldorf.
Von den ehemaligen Werks- und Wohnanlagen ist außer dem Direktionsgebäude nichts mehr im ursprünglichen Zustand vorhanden. Auf einer vorliegenden Karte von Tranchot und Müffling (1803-1820), aus der französischen Besatzungszeit also, steht an der Stelle, wo das Eisenwerk lag, die Bezeichnung „Fonderie“ (Schmelze), während dort, wo heute das Anwesen Lauk sich erstreckt die Bezeichnung „Forge“ (Schmiede) vermerkt ist. Die Annahme eines Forschers, dass hier der Schneid-Werkplatz sich befand, besteht wahrscheinlich zu Recht. In dem „Verzeichnis der zur Nunkircher Eisenhütten-Gewerkschaft gehörigen Plätze und Gebäude“ vom 18. November 1800 steht nämlich unter Nr. 8: „Der Platz vom Schneidwerk herunter bis auf den Hammer, einerseits der Hammerkanal und andererseits der Bach; der Platz, worauf die alte Kohlscheuer stand.“
Die Ansicht, dieses Schneidwerk könnte jedoch eine Schmiede gewesen sein, ist nicht ganz von der Hand zu weisen; denn für die zahlreichen landwirtschaftlichen Geräte des Schlosses Münchweiler, auf dessen Gelände die „Forge“ stand und später in einer Sägemühle umgewandelt wurde, muss wohl eine eigene Schmiede vonnöten gewesen sein (Übersichtskarte der Gemeinde Nunkirchen und Münchweiler, 1855). Die übrigen Parzellen des Werks sind lt. Verzeichnis eingeteilt in
1. Der Wasserlauf von oben bei Münchweiler bis unterhalb des Werkes an der Ölmühle (Anm.: In der Karte von 1803-1820 sind unterhalb der Schmelze zwei Mühlen – „Moulins“ – eingetragen, etwa auf dem Gelände des späteren Sägewerks Meyers); 2. Der Platz samt Klein- und Großhammer, Formhaus oder Magazinplatz samt dem daneben liegenden Schmelzplatz und sämtliche noch darauf stehende Gebäulichkeiten; 3. Der gemeinschaftliche Hausplatz mit dem dahinter liegenden Garten; 4. Der ganze Platz, wo zur Zeit das Gottbillsche Haus steht, der ehemals der zum gemeinschaftlichen Haus gehörige Holzplatz gewesen war; 5. Der Platz von beiden Hämmerhäusern; 6. Der Schlackenplatz; 7. Der Schneidwerkplatz; 8. Der eben erwähnte Platz vom Schneidwerk herunter bis auf den Hammer…). Die Baracken standen und stehen noch teils auf dem der Gemeinde gehörigen Boden, die Gebäulichkeiten gehören aber der Gemeinschaft.
Das Hammerwerk befand sich in der ehemaligen Mühle Weyand. Aus den Jahren vor 1865 liegt ein Urhandriss vor, in dem die Verteilung der einzelnen Gebäude eingezeichnet ist. Danach bestand damals die gesamte Anlage aus dem Hüttenhaus mit Schmelzöfen, Frischfeuer, Gießerei und Hammerwerk (ehemalige Mühle Weyand), aus je einer Halle zur Lagerung der Erze und Holzkohle (vielleicht der Platz, wo heute die Schreinerei H. Klein GmbH steht), dem Mühlenteich mit einer Erzwäsche daneben, einem Stampfwerk zur Zerkleinerung der Erze, dem Direktionsgebäude und dem Wohnhaus.

In Bezug auf das Direktionsgebäude (Foto links) kann die Frage aufgeworfen werden, ob dieses Gebäude nicht doch – wenigstens teilweise – als Wohnhaus benutzt wurde. Sicherlich, das eigentliche Wohnhaus lag gegenüber dem Direktionsgebäude, wo jetzt die Häuser Hoffmann stehen. Aber in diesem ursprünglich einstöckigen Haus an der Ecke Losheimer Straße und Carl-Gottbill-Straße, wo man nach Auskunft des mittlerweile verstorbenen Johann Engstler, der hier im Jahr 1895 geboren wurde, „mit der Hand die Dachrinne fassen konnte“, war bestimmt nicht Platz für alle Gottbills und ihre Verwandten. Wo hat z.B. Conrad Lehnen gewohnt? in dem Leumundszeugnis des Hochgerichts Wahien-Nunkirchen vom 26.9.1736 ist u.a. angeführt: „Conrad Lehnen, wohnhaft auf der Eysenschmeltz Undt Eysenhammer zu Nunkirchen…“
Johann Engstier konnte sich noch an den ursprünglichen Zustand des Wohnhauses erinnern, ehe es 1904 zu seinem heutigen Aussehen umgebaut wurde.
Das einstöckige Haus hatte dieselben Draillen-Fenster wie das Direktionsgebäude. Des weiteren wusste er anzugeben, dass die Gottbills nicht nur tüchtige Hüttenfachleute gewesen waren, sondern auch tüchtige Landwirte gewesen sein mussten, denn zehn Morgen Land seien ihr Eigentum gewesen. Scheune und Stall – heute zu einem Wohnhaus umgebaut – zeugten von dieser landwirtschaftlichen Tätigkeit. Ein Schild an der Hausfront zur B 268 hin zeigte noch um die Jahrhundertwende an, wem das Anwesen gehörte; „Carl-Gottbill-sel. Erben“ hatte die Inschrift gelautet.
Wie war die Entwicklung des Hüttenwerks nach dem Tod von Carl (II) verlaufen? Die Erben von ihm führten ab 1755 das Werk weiter. Es war vor allem Cari (III), der älteste Sohn von Carl (Il), am 28. Mai 1731 in Nunkirchen getauft, der sich um den Fortbestand des Werkes bemühte, obwohl er Jurist geworden war und es sogar bis zum Bürgermeister der Stadt Trier (1769-1792) gebracht hatte. 1764 hatte er von der Tochter des wallonischen Hüttenmeisters de Hauzeurs das Hüttenwerk Nonnweiler erworben und unter dem Namen „Mariahütte“ neu aufgebaut. Auf Grund der reicheren Holz- und Erzvorkommen verlegte er 1765 das Gottbillsche Unternehmen nach Nonnweiler.
In den sechziger Jahren scheint in Nunkirchen der Schmelzbetrieb schon eingestellt gewesen sein, denn in der Abrechnung vom 5. Januar 1771 mit den trierischen Behörden schuldeten Gottbill und Lehnen „von wegen der ausgegangenen Schmeltz zu Nunckirchen“ bis zum 12. Dezember 1759 und von der Münchweiler Hütte bis zum 12. März 1759… noch 335 Reichsthaler. In Nunkirchen wurde anscheinend nur noch der Hammer weiter betrieben. Carl (III) zahlte 1789 seine Geschwister aus und blieb alleiniger Besitzer der Hüttenbetriebe. Er starb am 2. November 1799 in Mariahütte.
Die sieben Kinder von ihm aus seiner Ehe mit Catharina Doell, Tochter des Gerichts- und Kirchenschöffen Johannes Doell aus Cochem, führten das Familienunternehmen unter der Bezeichnung „Carl Gottbill sei. Erben“ weiter. Fünf Söhne waren Hüttenmeister gewesen. Unter ihnen Joseph Gottbill (1766-1833) als Hüttenmeister in Nunkirchen. Vier der fünf Hüttenmeister blieben ledig. Nur der jüngste, Sebastian Joseph (1775-1803), heiratete. Die Tochter Susanna, die Alleinerbin des reichen Familienkonzern, vermählte sich 1826 mit dem zwanzig Jahre älteren, aus Sachsen stammenden, Alexander von Beulwitz (1783-1854), der als königlicher Oberforstmeister nach Trier gekommen war.
Zuvor hatten im Jahr 1800 die Söhne von Carl (III) alle Anteile an der Nunkircher Hütte von den Familien Lehnen und Loth erworben. Sie setzten für knapp zwei Jahrzehnte die Öfen wieder in Betrieb. Ein Großhammer, zwei Frischfeuer und ein Sägewerk (das heutige Anwesen Lauk!) nahmen die Arbeit auf. Im Jahr XII des französischen Revolutionskalenders (1803/04) wurden 250000 kg Roheisen erzeugt. Beschäftigt waren sechs Arbeiter, nicht eingerechnet die Erzgräber und Fuhrleute. 1812 betrug der Roheisenausstoß 277830 kg.
Mit dem Erwerb der Bierfelder Hubertushütte wurde Nunkirchen für die Gottbills uninteressant. Nach 1820 ist der Betrieb endgültig zum Erliegen gekommen. Die 1828 veröffentlichte Bemerkung eines Trierer Regierungsbeamten zu seinem vorangestellten Verzeichnis der Fabriken: „Von den vorgenannten Eisenwerken stehen einige nicht mehr im Betriebe“ wird sehr wahrscheinlich auch für das mitaufgezählte Nunkircher Werk gegolten haben, im Jahr 1833 wird das Werk Nunkirchen ausdrücklich als eingegangen bezeichnet.
An wen die Gottbills ihr Nunkircher Werk direkt verkauft haben, konnte in den Unterlagen beim Landeshauptarchiv in Koblenz nicht festgestellt werden. Die Familie Gottbill war immer mit Nunkirchen verbunden gewesen. Die Kirchenbücher sind Zeugen dafür. Viele Messstiftungen sind eingetragen. Eine letzte Erinnerung in Nunkirchen an die Gottbills war das inzwischen abgerissene Bauernhaus, an dessen Steile heute das Pfarrheim bzw. der Saalbau steht. Im Jahr 1839 hatten es Nikolaus Weyand und Maria Philippine Gottbill, das einzige Kind von Peter Franz Gottbill und Anna Maria Raß aus Nunkirchen, erbaut. Diese Maria Philippine war die letzte Trägerin des Namens Gottbill in Nunkirchen.
Der leider verschwundene Türstein im abgebrochenen Haus Weyand/Gottbill trug die Initialen NW (Nikolaus Weyand) und PhG (Philippine Gottbill) mit der Jahreszahl 1839. Er dokumentierte damit die Tatsache, dass die fast hundertjährige räumliche Nähe der Gottbills im Eisenwerk mit der Weyands in der Mühle eine eheliche Verbindung, wenn auch recht spät, zustande gebracht hat.
Dreizehn Kinder gingen aus dieser Ehe hervor, so dass die Bemerkung von Franz Schneider (s. bei „benutzte Quellen“!), selber ein Nachkomme aus dieser Familie, zu Recht besteht; „Der Name Gottbill gehört der Vergangenheit an, aber das Blut der Gottbills pulsiert auch heute noch in vielen Familien, besonders im Nunkircher Raum.“
In diesem Zusammenhang ist besonders die Familie Kraus zu nennen. Ein kurzer Blick auf ihre Genealogie sagt folgendes aus: Aus der Ehe von Carl (II) Gottbill mit Johanna Catharina Mann entstammten neun Kinder, darunter der mehrfach erwähnte Carl (III), Trierer Ratsherr und Begründer der Mariahütte, sowie Joseph mit seinem Ordensnamen Nepomuk, Abt von Mettlach (1735-1788) und Peter Franz (1744-1830), der am 27.2.1786 die Anna Raß aus Nunkirchen heiratete. Das Ehepaar hatte nur ein Kind, Maria Philippine, geboren 1788. Sie heiratete am 14.8.1806 den Mühlenbesitzer Nikolaus Weyand aus Nunkirchen. Von ihren zwölf Kindern verehelichte sich die Tochter Margaretha am 26.1.1857 mit Mathias Kraus aus Nunkirchen. Sie hinterließen den Sohn Heinrich, verheiratet mit Margarethe Scheidt aus Nunkirchen. Aus dieser Ehe entstammte Mathias Kraus, verheiratet mit Kath. Sturm aus Büschfeld. Sie hatten fünf Kinder, darunter Werner, der letzte Namensträger Kraus in Nunkirchen aus der Verbindung mit den Gottbills.
Benutzte Quellen: W. Petto „Zur Geschichte der Eisenindustrie im Schwarzwälder Hochwald…“ (Zeitschrift f. d. Geschichte der Saargegend XVII/XVIII – 1969/70); F. Martin „Saarland – ein landeskundlicher Abriss“ („Saarheimat“ 1970); Dr. F. Kloevekorn °Geschichte des saarländischen-lothringischen Eisenhüttenwesens“, 1958; Familienarchiv von Beulwitz, Akten betr. Nunkirchen; Fr. Schneider „Die Famiiie Gottbill und ihr Anteil…“ (Trierisches Jahrbuch“ 1966 und 1967); HJ. Gebel „Relikte der Eisenindustrie… im Schwarzwälder Hochwald“ (Univ. d. Saar!., 1973/74); Landesarchiv Saarbrücken, Bestand Münchweiler Urk.Nr. 440.

In Münchweiler
EisenwerkMuenchweiler_smallNach dem Saaratlas (Karte 28a) wurde das Eisenwerk Münchweiler um 1725 vom Freiherrn Emmerich Karl Joseph von Zandt gegründet, fast gleichzeitig also mit dem Nunkircher Werk (1724). Mit Sicherheit kann angenommen werden, dass in der Gemarkung Nunkirchen/Münchweiler keine altertümliche Rennfeuer-Anlage gebaut worden war. Die entsprechende Hanglage fehlte. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatten sich die ursprünglich einfachen Gruben an einem Hang, so genannte „Hangwind-Öfen“ oder auch „Zugöfen“, zu steinernen Hochöfen, den „Blas“- oder „Stücköfen“ entwickelt.
Die Werksgebäude lagen an der Straße Nunkirchen-Niederlosheim, der Lindenallee gegenüber. Die im Café des Schlosses ausgestellte Zeichnung aus dem Jahr 1752 zeigt die genaue Lage auf. In einem Wassergraben, der aus einem Weiher kommt, laufen vier Wasserräder, die das Hammerwerk und das Gebläse antreiben. Das Gebäude davor beherbergt die beiden Schmelzöfen und die beiden Frischfeuer. In zwei großen Schuppen sind die Erze und die Holzkohlen gelagert, wo das Schmiede-Eisen hergestellt wurde, das im Hammerwerk zu Stabeisen ausgereckt wurde.
Rechts davon steht das Direktionsgebäude mit einem großen Garten dahinter (heute Anwesen Hoffmann). Links der Allee ist ein Gebäudekomplex errichtet, Wohnung für acht Arbeiterfamilien. Rechts stand eine Ziegelhütte. Die kleine Kapelle ist weitaus älter als die Werksanlagen. Sie soll – datumsmäßige genaue Hinweise fehlen – im 17. Jahrhundert von der Familie der Hagen zur Motten erbaut worden sein. Kirchlich gehörten Schloss und Werk zur Pfarrei Losheim, 1791 nach Nunkirchen umgepfarrt. Diese Angaben sind dem Heimatbuch Nunkirchen-Münchweiler 1957 entnommen. Pastor Schäfer, Losheim, hat in einer Abhandlung der Merziger Volkszeitung vom 24.5.1935 eine andere Darstellung gegeben: „Im Jahr 1721 wurde in Münchweiler eine Eisenschmelze errichtet… In der Arbeitersiedlung wohnt vornehmlich Arbeiter aus Wallonien. Mit ihnen waren etwa 50 Hilfskräfte aus der Umgebung beschäftigt. 1749 erbaute Baron Emmerich Joseph von Zandt eine Kapelle, die dem hl. Nepomuk geweiht war. Herr Pastor de Bely aus Losheim segnete am 16.5.1749 die Kapelle ein mit der Auflage, dass die Bewohner von Hirtzenacker (Anm.: damaliger Name der Siedlung?) verpflichtet seien, sonntags eine heilige Messe in der Pfarrkirche zu Losheim zu besuchen. Münchweiler war bis 1793 Filiale der Pfarrei Losheim. Die Eisenschmelze wurde 1868 stillgelegt, mit ihr verschwand auch die Siedlung Hirtzenacker.“
Anmerkung: Man ersieht aus der Gegenüberstellung der beiden Berichte über die Kapelle, wie manche Heimatforscher zu gegenteiligen Annahmen in Bezug auf Daten kommen. Ich habe in Kenntnis dieses Umstandes bewusst auf die am Ende des Artikels über die Eisenschmelze Nunkirchen angeführten Quellen Bezug genommen, weil ich sie als am meisten gesichert ansehe.

Eisenwerk Münchweiler
MuenchweilerSchloss_KarteKlauck_kleinIm Jahr 1742 traten Carl Gottbill und Conrad Lehnen in Verbindung zum Baron Emmerich Joseph, um dessen inzwischen eingegangene Münchweiler Schmelze (ein Lageplan sehen Sie auf der Abbildung links) zu übernehmen. Der Grund war einleuchtend: Beide Männer wollten kein Konkurrenz-Unternehmen in ihrer Nähe haben.
Der Konsortiumsvertrag vom 5. Mai 1743 drückt es klar und eindeutig aus: „Kundt und zu wissen seihe hirmidt…, deme es zu wißen nodtwendig ist, dass wir drey Schweger Carell Gottbill, Joseph Lodt, Cunradt Lenen vor gudt befunde, dem genedigten Herrn von Zandt sein Hüttenweßen am Wanerwiß in bestandt von acht Jahren zu nehmen wegen Ursachen, dass dih Hidt zu nah bei der Nunkirger Hidt gelegen ist, wegen den Eisenhandtelf und Holtzhandtell sehr verterblig wahr…“
Die beiden Schwäger hatten ihren anderen Schwager Joseph Loth – er war seit dem 21. Januar 1729 mit der Schwester Catharina von Carl Gottbill verheirate – hinzugezogen und ein Konsortium gegründet, das die Verhandlungen mit Emmerich Joseph bis zum erfolgreichen Abschluss führt: Am 23. April 1743 begann die Pacht für eine Laufzeit von acht Jahren. Die jährliche Pacht, die das Konsortium zu zahlen hatte, betrug 500 Reichsthaler. Zusätzlich waren 1.000 Pfund geschlagenes Eisen und 500 Pfund Gusseisen an den Verpächter zu liefern. Am 18. Januar 1750 wurde um weitere sechs Jahre verlängert, beginnend mit dem 23. April 1751. Doch am 22. April 1751 war das Konsortium Gottbill-Lehnen-Loth aufgelöst worden. Lehnen führte den zweiten Temporalbestand auf eigene Rechnung weiter. Freiherr Franz Georg v. Zandt übernahm dann 1753 nach dem Tod von J. Loth sein Werk wieder in eigene Regie. Er betreibt es weiter bis 1768. Die Eisenerze bezog er hauptsächlich aus dem Trierischen, da in unmittelbarer Nähe keine nennenswerten Funde gemacht werden konnten. Versuche, in der eigenen oder auf Nunkircher Gemarkung zu schürfen – z.B. auf der Wahlener Rur am Eisenberg oder in der „Nunkircher Heck'“ – hatten kaum Erfolg. Auf der gesamten Gemarkung von Münchweiler gibt es keine Parzellen-Bezeichnung, die auf eine Eisenerz-Schürfstelle hindeutet.
Nach einigen Jahren des Stillstand schloss am 11. April 1788 die Freifrau Agnes Apollonia, Witwe von Franz Georg, unter Beistand ihres Sohnes Hugo Carl mit Johann Baptist Binger aus Saarbrücken einen „wegen der hierzu Münchweiler neu zu erbauenden Schmelze nachstehen Kontrakt. Als erstes verbindet sich Herr Beständer Johann Baptist Binger den Bau für die Schmelze und Wohnung des Faktors und Arbeitsleute auf seine Kosten fest und dauerhaft hinzustellen; 2. wird der Kontrakt auf sechs Jahre geschlossen; 3. Nach Verlauf dieser sechs Jahre stehet es der Freiherr von Zandischen Herrschaft frei die Schmeltz selbst anzutreten, oder durch andre betrieben zu lassen; und in diesem Falle ist sie verbunden, dem Herrn Beständer den Bau und die zur Schmelze gehörigen Gerätschaften nach der durch zwei unparteiische Hüttenverständige vorgenommenen Abschätzungen zu vergüten. Ist es aber 4. nach Verlauf dieser sechs Jahre der Gnädigen Herrschaft nicht anständig, die Schmeltz selbst anzutreten, oder durch andre betreiben zu lassen: so wird dieser Bestand auf anderweite sechs Jahre gegen den nämlichen Kanon erneuert…“ Es folgen noch fünf weitere Kontraktpunkte.
Binger konnte jedoch das erforderliche Kapital nicht aufbringen. An seiner Stelle trat eine Eisenwerksgesellschaft aus Saarbrücken in den Kontrakt ein. Sie baute das Werk neu aus und betrieb es bis 1792, wo es durch die Kriegsverhältnisse zum Erliegen kam. Die freiherrliche Familie floh vor den französischen Revolutionstruppen, kehrte jedoch um 1800 wieder zurück. Die Eisenwerksgesellschaft überließ der Nunkircher Firma Gottbill den Betrieb in Afterpacht.
Nach der Rückkehr aus der Emigration verlangte die Freifrau von Zandt die Nachzahlung des fälligen Kanons. Es kam zu einem Gerichtsverfahren vor einem Trierer Gericht, dessen Ausgang aus den Akten nicht ersichtlich ist. Im Jahr 1800 erlosch die Gottbillsche Afterpacht, und die Witwe Agnes Appolonia übernahm das Werk wieder in eigene Regie. Das klappte aber nicht so recht. Sie verpachtete 1804 die Schmelze an das Hüttenwerk in Dillingen, das die Münchweiler Anlage mit einem Großhammer und zwei Frischfeuern im Jahr 1819 aufkaufte. Im Jahr 1868 steifte man den Betrieb in Münchweiler ein und verlegt ihn nach Dillingen (Saaratlas S. 84). Der letzte Direktor in Münchweiler namens Fellrath stammte aus dem lothringischen, wohin er nach der Auflösung des Werks zurückkehrte.
Freiherr von Zandt verkaufte kurz nach 1870 die Gebäude des Werks außer den beiden Schuppen auf Abbruch und ließ das Gelände einebnen. Der Teich blieb eine Zeitlang zur Fischzucht erhalten. Die letzten Reste wurden 1932 bei der Errichtung der Siedlungshöfe und ihrem Gelände beseitigt. Auch der Teich ist eingeebnet und im Wiesengelände aufgegangen.

Fritz Glutting beschäftige sich in einem Artikel für die Saarbrücker Zeitung im Januar 1979 mit der Geschichte der Schmelze in Münchweiler. Auch Rudolf Gross nahm sich der Historie der eisenverarbeitenden Industrie im kleinen Ort in einem Artikel für die Zeitschrift „Us Hütt“ (1976) an (beide Artikel jeweils 5 MB, mit Dank an Fam. Hoffmann, Münchweiler für die Leihgabe).

Landwirtschaft
Von Fritz Glutting

Die Landwirtschaft prägte Jahrhunderte hindurch das Gesicht der Orte im Hochwaldraum. Die industrielle Entwicklung und die grenzübergreifenden Beschlüsse der EU haben in den letzten Jahren zu einem Rückgang landwirtschaftlicher Betriebe geführt. Noch am 15. Februar 1950 konnte der Zeitungsartikel „Blühendes Industrie- und Gewerbeleben in Nunkirchen“ feststellen: „Bei den vorhandenen landwirtschaftlichen Unternehmen handelt es sich überwiegend um Großbetriebe.“ Es waren damals etwa 25 hauptberufliche Betriebe, die bis Ende 2008 auf zwei – ausschließlich einschließlich in Münchweiler geschrumpft sind. Zwei weitere werden im Nebenerwerb geführt. Damit bleiben als hauptberufliche Betriebe noch zwei bestehen: R. Fontaine und S. Schulien in Münchweiler. Dazu kamen noch die therapeutischen Bauernhöfe I und ll der Arbeiterwohlfahrt in Münchweiler, wovon heute noch einer betrieben wird. Die Landwirtschaftsfläche beträgt in Nunkirchen 557,4934 ha und in Münchweiler 187,2032 ha, insgesamt also 744,6966 ha.

Forst
Von Horst Staub

Die „Generelle Beschreibung der Oberförsterei Wadern, Kapitel I, über geographische Lage, Größe, Boden und Einteilung der Forsten“ im Auszug aus dem Inventarius der königlichen Oberförsterei Wadern, Jahr 1856, gibt an: „Das Revier liegt in der Provinz Niederrhein im Regierungsbezirk Trier der Forstinspektion Trier  den Kreisen Merzig und Landkreis Trier und gehört zu den Friedensgerichten Wadern, Hermeskeil und Merzig…“
Eine Erläuterung des Namens „Schwarzwälder Hochwald“ gibt eine Zuschrift des Forstamtes Wadern vom 21. Juli 1970 an, in der es u.a. heißt: „…Dass dieser Name von Nadelhölzern abstammt, stimmt nicht; denn aus den alten Betriebswerken geht einwandfrei hervor, dass diese Fläche mit Buchen besteckt war. Die Fichte war Anfang des 19. Jahrhunderts im Schwarzwälder Hochwald nur auf kleinen Flächen im jüngeren Alter vertreten. Die Hauptarten waren Buche und etwas Eiche. Ob nun die Bezeichnung „Schwarzwald“ durch die Farbe des Bodens (Humus- oder Torfboden) oder andere Umstände begründet ist, kann von hier aus nicht gestellt werden.“
Die Einteilung der Forste geschah im Mittelalter in Forsthufe, Forst, Bannforst und Königsforst; in der Zeit bis 1794 in Bannforst und Königsforst während der „Franzosenzeit“ von 1794 bis 1814 in Distrikte; in Preußen ab 1815 in Jagen und heute in Abteilungen.
Die „Übersicht der Waldungen des Kreises Merzig“ von 1815 bis 1864 weist für Nunkirchen 1028 Morgen nach, davon Staatswald 58 Morgen, Gemeindewald 438 Morgen und Privatwald 532 Morgen. An Lohhecken besaß die Gemeinde 103 Morgen, während der Anteil privater Besitzer 412 Morgen betrug.
Bis zur Gebiets-und Verwaltungsreform 1974 gehörte der damalige Gemeindewald Nunkirchen zum Revierförster-Bezirk Niederlosheim, der im Zug der Reform aufgelöst wurde.
Der heutige Stadtwald Wadern-Nunkirchen ist zirka 120 ha groß bei einer Gesamtwaldfläche der Gemarkung Nunkirchen von 300,28 ha. Er wird vom staatlichen Revier Büschfeld des Forstamtes Wadern mitbeförstert. In drei größere Waldkomplexe gliedert sich der Gemeindewald auf: im Norden der Gutwieswaid, im Westen der Sommerwald und der Schallenberg, im Süden der Geisweilerwald.
Die Wälder sind mit zirka 65 Prozent Laubholz (davon 30 Prozent Buchen, 30 Prozent Eichen und 5 Prozent übriges Laubholz) sowie 35 Prozent Nadelholz (30 Prozent Fichten, 5 Prozent übriges Nadelholz) bestockt. Der jährliche Holzeinschlag beträgt z.Zt. red. 800 Festmeter. Seitdem Jahr 1989 wird der Stadtwald Wadern-Nunkirchen naturnah bewirtschaftet. Die natürliche Verjüngung der Waldbestände wird gezielt gefördert, Kahlschläge werden nicht mehr durchgeführt. Baumartenreiche Wälder mit standortgerechten Baumarten sind das Ziel.
Durch die hohe Rehwilddichte und dem daraus resultierenden Wildverbiss der jungen Pflanzen müssen die zur Verjüngung heranstehenden Altholzbestände für eine Übergangsphase von 5 bis 10 Jahren gezäunt werden.
Die Holzbringung in schwachen Beständen bis zu einer Stückmasse von 0,3 fm erfolgt boden- und bestandsschonend mit dem Pferd. Um Schäden am Boden-Ökosystem zu vermeiden, befahren Rückemaschinen die Waldböden nicht mehr ganzflächig, sondern nur auf dafür vorgesehenen Rückegassen.
Seine größte Katastrophe erlebte der Nunkircher Forst durch die Orkane im Frühjahr 1990 am 3. Februar und 1. März. Diesen Orkanen fiel der gesamte Geisweiler Wald in einer Größe von 11 ha zum Opfer. Insgesamt wurden im Stadtwald Wadern-Nunkirchen zirka 5000 fm Holz geworfen.
Um die Nachhaltigkeit zu gewährleisten, mussten diese Massen in den darauffolgenden sechs Jahren beim Holzeinschlag konsequent eingespart werden. Die Flächen der ehemaligen Fichten-Reinbeständen wurden durch einen baumartenreichen Mischwald aus standortgerechten Baumarten ersetzt.
Revierförster in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute waren Walter Beyer (bis 1973); Werner Martini (1973 bis 1983) und Horst Staub (ab 1983 bis heute).

Mühlen in Nunkirchen
Von Fritz Glutting

Die Schulchronik berichtet: „An Mühlen besaß Nunkirchen zwei Mahlmühlen (Gottbillshütte und Weyandsmühle, jetzt Sägewerk Meyers), zwei Walkmühlen sowie zwei Sägemühlen.
Eine Ölmühle stand in dem Ortsteil, der heute noch den Namen „Oligmühle“ führt. Die zweite stand bei der Sagemühle, die früher dort stand, wo jetzt der Hof von Otto von Zandt steht.“ (Anm.: Es handelt sich um das Anwesen von Dieter Lauk). „Dort war auch eine Walkmühle. Die zweite Walkmühle stand auf dem Lagerplatz oberhalb des Meyerschen Sägewerks. Sie hieß „Lohmühle“. Jedenfalls wurde hier auch Lohe für die Gerbereien gemahlen.
Die Aufzählung der verschiedenen Mühlen muss so gesehen werden, dass die Mühlen ursprünglich Getreidemühlen waren, von den weltlichen und geistlichen Grundherren durch ihre Fröner erbaut. Sie standen an natürlichen Bachläufen oder in der Nähe davon, durch Gräben mit ihnen verbunden. Das Wasserrecht, ursprünglichen zum freien Grundeigentum gehörend, war in die Befugnisse der Grundherren übergegangen. Sie errichteten, je nach Bedarf, neben der Zwangs- oder Bannmühle Beimühlen in Form von Walk- oder Wollmühlen, Loh- und Sägemühlen. Das geschah im 18. Jahrhundert. Zuvor waren aber schon Ölschlägereien eingerichtet worden. Die Mühlen waren an Müller verpachtet worden.
„Die ältesten Mühlen waren einfache oberschlächtige Werke mit einem Rade und einem Gange, denen das Wasser aus einem aufgestauten Bache zugeführt wurde, Das Güterverzeichnis des Erzstiftes erwähnt solche Anlagen schon um 1220 in unseren Walddörfern…
So waren die Grundholde des Hochgerichtes Nunkirchen verpflichtet, bei den herrschaftlichen Bauarbeiten an der Mühle Büschfeld mit Hand und Spann ungemessene Fronden zu leisten. Jede Mühle bediente einen bestimmten Bezirk, dessen Bewohner verpflichtet waren, in dieser Zwangs- oder Bannmühle mahlen zu lassen… Kein Müller durfte diesen Bann brechen, indem er entweder in fremden Bezirken das Mahlgut abholte oder ihm fremd zugebrachtes vermahlte… Der Grundherr bezog von jeder Bannmühle ein fettes „Mahlschwein“ und gewöhnlich auch noch einen Geldzins…“.

Bannmühle
Muehle_smallWann in Nunkirchen eine Bannmühle errichtet worden ist, liegt nicht fest. Das älteste vorliegende Zeugnis über eine solche Mühle – unser Foto links zeigt einen Mischer und eine Walzenstuhl – stammt aus dem Saalbuch der Saarburger Kellerei, einer Aufstellung über Zubehör zur Bannmühle (1587) entnommen, in der alles Zubehör in Form von „wiesen, feld, wilten und büsch zu vorgemelter Nunkircher mühlen gehörig“ angeführt ist . Der Name des Pächters ist nicht genannt, dürfte aber dem „Peters Clasen undt Barbara seiner Hausfrauen daselbst zu Nu undt ihrer beyden Erben erblich undt eigenthumblich verleyhen…“ worden sein, wie das Saalbuch fol. 87 nachweist, worin festgehalten ist, dass der vormalige Erzbischof Jacob III. von Eltz (1567 bis 1581) dem genannten Peter Clasen die „Neunkircher Mahlmühll mit zweyen Läuffen sambt dero Zugehoere“ verliehen hat (1).
Diese Mühle dürfte verfallen gewesen sein, als Kurfürst Carl Caspar von der Leyen urkundlich am 25. Februar 1671 „tut kund und bekennt öffentlich, dass er Lorenz Weyandt von Nunkirchen, seiner Hausfrau, ihren Erben und Nachkommen unsere verfallene Mahlmühl daselbsten mit allem Zugehör, samt Recht- und Gerechtigkeiten erblich verlassen haben…“ (1).
Lorenz Weyandt sollte die verfallene Mühle auf seine Kosten wieder aufbauen und alles dazugehörige Geschirr selber stellen. Weiter wurde dem „obgemetten Beständer, seinen Erben und Nachkommen“ die Abgaben aufgelistet, die er „in unserer Kellerey Saarburg termino sanctilatiu ohn fehl lieffern möge“ (1), Dann kam zum Schluss der Hinweis, wer in der Nunkircher Mühle mahlen lassen musste: „So haben wir gnädigst befohlen, daß unsere Unterthanen zu Nunkirchen, Wahlen ihr getreydt bey niemanden anders als in obgenannter Mühlen gegen gebührenden Molter bereiten lassen sollen.“ (1).
Wo lag diese Bannmühle, die erste Mühle auf Nunkircher Bann? Der Hinweis der Schulchronik auf die Weyandsmühle im Gelände des nachmaligen Sägewerkes Meyers gibt Aufschluss über den Standort. Es ist also festzustellen, dass das ehemalige Sägewerk sich aus dieser mittelalterlichen Bannmühle mit späteren Beimühlen wie Loh-, Walk- und Sagemühle entwickelt hat. Dass eine Sägemühle mit der Mahlmühle verbunden war, beweist ein Schreiben der erzbischöflichen Kammer auf dem Ehrenbreitstein vom 25. August 1686, in welchem dem „Niclassen Weyand Einwohnere zu Neunkirchen im Amte Saarburg hiermit gnädigst gestattet wird, dass er zu besserem seinem Auskommen, und Liefferung seines Mühlenpachts eine Seegmühle an seiner daselbst habende Mahlmühle auf seine eigenen Kosten bauen und aufrichten möge…“ (1). (Anm.: Auch hier wieder die Zweifachschreibung „Neunkirchen“ und „Nunkirchen“!). Im weiteren folgen die Pachtsätze und Bestimmungen auf die Dielenlänge, die aus erzbischöflichem Gehölz zu schneiden waren. Im Schlusssatz dann die Anordnung, dass, wann er oder seine Erben die Mahlmühle in Abgang kommen lassen, als dann die „Seeg“ mit seiner Mahlmühle an den Kurfürsten zurückfallen sollte. Es ist anzunehmen, dass Niclassen Weyand ein Sohn des Lorenz Weyandt war. Anm.: Auch hierverschiedene Schreibweise: „Weyandt“ und „Weyand“. Friedrich Weyandt und seine Brüder sind die Söhne des Nikolaus Weyandt und Erben „dorthiger Maahl. undt Seegmüllen auch eine Lohmühll, wie des Orthsmänniglichen bekandt…“ (1735).
Sie bitten den Kurfürsten um die Erlaubnis, anstelle der „gäntzlich zerfallenen Lohmühll“ eine neue und dazu eine „Vollmühle“ erbauen zu dürfen. Darüber legten Schöffen von Wahlen, Niederlosheim und Nunkirchen Verwahrung ein. Es kam zu einem Kompromiss derart, dass Bartholomäus Weyand – im folgenden diese Schreibweise! –, sicherlich ein Bruder von Friedrich, und seine Brüder die Lohmühle erbauen dürften, aber „Von jetzo an zu ewigen Tagen undt Zeitten“ die Bewässerung der Wiesen nicht verhindern dürften (1736). (1).
1764 wird in einer Abschreibungsliste des Amtes Saarburg einem „Frantz Weiand Churtr. Müller“ ein Nachlass von 3,5 Denaren auf die veranlagten 12 Albus gewährt . Anm.: 1 Reichstaler hatte 54 Albus oder Alb. Die kleinste Geldeinheit in den Steuerlisten war der Denar. Ein Alb hatte 8 Denare.
Über das weitere Schicksal der kurfürstl. Bannmühle mit der Familie Weyand als Pächter nach der Besetzung des Kurstaates durch die Franzosen ist nichts bekannt. Die Kartenaufnahme der Rheinlande durch Tranchot und v. Müffling 1803 bis 1820 zeigt bei Nunkirchen zwischen dem Ort und der Fonderie (Eisenwerk) den Standort der ehemaligen Bannmühle als „moulins“ (Mühlen) an.
Waren sie inzwischen in den Besitz der Familie Weyand übergegangen? Das ist anzunehmen; denn in der Gemarkungsübersichtskarte (Urhandriss) 1829 sind als Eigentümer eingetragen Weyand Nikolaus, Müller, mit Haus, Mahlmühle, Ölmühle, Walkmühle und Schneidmühle durch sechs Geläufe und Weyand Konrad mit Haus, Ölmühle und Walkmühle.
Den Unterlagen des Katasteramtes Wadern nach hat Nik. Weiand (die damalige Schreibweise!) 1843 seinen Besitz an Joseph Weiand (sein Sohn?) abgegeben. Der wiederum verkaufte das Gelände 1848 an die Dillinger Hütte, von der 1863 ein Joseph Schneider den Mühlenbering erworben hat. Joseph Schneider wird im Geburtsregister der Bürgermeisterei Weiskirchen am 5. August 1852, als er die Geburt seines Sohnes Nikolaus anmeldete, so beschrieben: „Neununddreißig Jahre alt, Standes Müller, wohnhaft zu Nunkirchen…“
Auch Konrad Weiand verkaufte 1863 seinen Besitz an Joseph Schneider. Dieser veräußerte 1866 den vormaligen Nikolaus-Weiand-Besitz an Hubert-Joseph Dethier, der ihn drei Jahre später (1869) an Johann Meiers (spätere Schreibweise „Meyers“) verkaufte. Ein Jahr darauf (1870) verkaufte er auch den ehemaligen Mühlenbering des Konrad Weiand an Johann Meiers, der aus den Mühlenbetrieben ein Sägewerk einrichtete.

Ölmühle
„Eine Ölmühle stand in dem Ortsteil, der heute noch den Namen ‚Oligmühle‘ führt“, steht in der Schulchronik. Dieser Ortsteil wurde sogar als Pfarrfiliale bezeichnet, nachgewiesen in der „Geschichte der Pfarrei“ von Dr. A. Weyand. ‚Mühleberg‘ heißt der ansteigende Teil des Oberdorfs ab dem Haus Lütz, die ‚Mühlewies‘ liegt im Tal davor. Der Mühlteich lag im Wiesenbereich hinter dem heutigen Anwesen Meier (früher Blindauer). Er ist zugeschüttet. Sein Zulauf aus den Weihern – früher führte ein kleiner Brückensteg über ihn hinweg – ist ebenso im Gelände verschwunden wie sein Ablauf durch das Wiesental am Gelände des früheren Unternehmens Reinguss. Dieser Graben wurde anlässlich der Streckenführung der Feldeisenbahn zugeschüttet.
Die Ölmühle – es sind keine Reste mehr vorhanden – soll in Höhe der Kurve gegenüber dem mittlerweile leider entfernten Kreuz vor dem Haus Krämer im Wiesental gestanden haben. Die „Gemeindeübersicht von Nunkirchen 1829“ (Katasteramt Wadern) nennt einen Nikolaus Ganther und „Consorten“ als Eigentümer der Ölmühle. Sie ist noch im Jahr 1829 auf Nikolaus Weyand überschrieben worden. Dann kam sie 1843/44 an Johann Meiers, Niederlosheim, und Paul Simon, Nunkirchen. Kurz darauf hat sie ihren Betrieb eingestellt und wurde dem Verfall preisgegeben.

Eigenständige Sägemühle

Sie lag beim heutigen Anwesen Lauk, dem ehemaligen Vorwerk des Münchweiler Schlosses. Das bereits mehrfach erwähnte Saalbuch der Saarburger Kellerei mit Aktenmaterial über Nunkircher Mühlen weist eine Klage des „Seegmühleren Johannesen Becker“ aus dem Jahr 1757 auf, in der besagter Sägmüller Johann Becker sich darüber beschwert, dass durch einen „zantischen Jäger“ das Sägmühlenwehr an der „Schmittges Wies“ im „Teuffels Brugh“ eingerissen worden sei, so dass im Sommer „beim kieynen Gewässer“ die Mühle stillstehen müsste. Einen kriminellen Anstrich bekommt die Beschwerde dadurch, dass der Jäger „solches auf Befehl seiner gnädigen Herrschaft getan habe“. Es ging um die Wasserlaufsgerechtigkeit, die durch Verkehrung des bisherigen Wasserlaufs zur Mühle an die Zandt’sche Eisenschmelze die Mühle „trucken mache“. Johann bittet den Kurfürsten „kniefälligst“, ihm hinlänglichen Beistand angedeihen zu lassen und dem Freiherrn v. Zandt anzubefehlen, den vorherigen Wasserlauf unverändert zu lassen.
Die Entscheidung des Kurfürsten vom 12. Juli 1757 ging dahin, dass der Freiherr von Zandt den Wasserlauf „in statu quo“ (Anm.: „wie bisher“) zu belassen hätte. Aus einer Familienchronik der Familie Becker („Sähmüllersch“), in Händen von Walter Schommer, mütterlicherseits mit der Familie Becker verwandt, ist folgendes zu entnehmen: „Becker Johann, geb. in Oberemmel, wurde Besitzer der Sägemühle im Bann Nunkirchen Kreis Merzig im Jahre 1711. Die Mühle ging im Jahre 1884 in den Besitz der Barone von Zandt im Schloss Münchweiler über, die die alte Becker’sche Mühle nach einigen Umbauten zum Sitze einer Seitenlinie ihrer Familie machten. An die Niederlassung des aus Oberemmel zugewanderten Johann Becker und die Übernahme der damals offenbar schon vorhandenen Mühle erinnert ein altes Wegekreuz (siehe dazu das das Thema „Wegekreuze“ auf www.nunkirchen.net). Die bereits erwähnte Karte Tranchot/v. Müffling (1803 bis 1820) bezeichnet den Standort der Mühle als „Forge“ („Schmiede“). Wahrscheinlich diente sie als Schmiede für landwirtschaftliche Geräte.
Der Urhandriss 1829 weist diese Mühle im westlichen Teil den Gebrüdern Gottbild (Gottbill!), den östlichen Teil dem Johann Becker zu. Ein Bachlauf trennt zwei Gebäude: Säge- und Ölmühle sowie Walkmühle mit Wohnung. Die Darstellung im Parzellarhandriss zeigt zwei im Bachlauf stehende Räder.
Johann Becker veräußerte seinen Teil 1840 an den Walkmüller Nikolaus Becker, der 1884, wie bereits berichtet, an Otto von Zandt verkaufte. Der Anteil der Gebr. Gottbill war bereits 1860/61 an Rene v. Zandt übergegangen.
Es sei noch erwähnt, dass außer der Sägmühle noch eine Getreide- und später eine Ölmühle hier standen, die abgerissen wurden. Ein Weiher wurde angelegt, wo Gottfried v. Zandt eine Turbine zur Stromerzeugung bauen ließ, die bis 1951 in Betrieb war.
Anfang der 30er Jahre hat der Gutsverwalter Hans-Albert Lauk das Zandt’sche Vorwerk, das noch in den 20er Jahren als Ortszustellbezirk der Postagentur Nunkirchen geführt wurde, erworben. Es ist heute noch im Lauk’schen Familienbesitz.

Mühle Weyand
Sie ist die zeitlich jüngste Nunkircher Mühle. Dass hier auf dem Gelände der aufgelassenen Gottbill’schen Eisenhütte überhaupt eine Mühle errichtet wurde, ist dem Teich zu verdanken, der vom Hösbach zum Werk führte, um das Wasserrad für das Gebläse zu den Schmelzöfen und zum Stampfwerk anzutreiben. Lt. Grundbucheintragung hatte der Teich später als Mühlenteich eine Wasserfläche von 32,20 ar. Wegen des geringen Eisengehaltes der Erzlager und der hohen Transportkosten war das Eisenwerk um 1830 aufgegeben worden. Die Familie Gottbill zog nach Mariahütte, wo sie die Hubertushütte erworben hatte.
Ein Hinweis noch: Carl (II) Gottbill besaß ausgedehnte Ländereien in Niederlosheim – er war Schöffe vom Hochgericht Wahlen-Niederlosheim-Nunkirchen –, darunter auch eine Mühle, die er 1763 umbauen ließ. Johann Meyers, Ackerer in Niederlosheim, heiratete am 26. Januar 1828 Anna Maria Weyand von Nunkirchen, Tochter des Nikolaus Weyand und der Maria Philippina Gottbill, Enkelin von Carl Gottbill. Die Gottbillsche Mühle in Niederlosheim kam durch diese Heirat in den Besitz der Familie Meyers.
Wer hat das Nunkircher Werk der Gottbills übernommen? Der Urhandriss von 1829 weist bis 1865 keinen Nachweis auf. Ab 1865 wird der Eigentumsnachweis beim Katasteramt Wadern geführt. Danach ist am 5. September 1865 ein Johann Resch als Eigentümer aller Grundstücke eingetragen. Eine Berufsbezeichnung ist nicht angegeben.
1875 wechselte das Anwesen in den Besitz des Michael Pinter, gebürtig in Bachem. Er dürfte in der ehemaligen Schmelze eine Getreidemühle eingerichtet haben. Da sein Sohn und Erbe Nikolaus im Alter von 21 Jahren tödlich verunglückte, verkaufte Pinter die Mühle an den Müller Nikolaus Graf aus Lebach (1882/83). Der Eigentumsnachweis nennt ab 1885/86 den Christian Graf und seine Ehefrau, eine geborene Finkler, als Eigentümer. Nach dem Tod ihres Ehemannes heiratete die Witwe den Johann Weyand aus Nunkirchen (1888). 1925 wurde die Mühle modernisiert (Walzenstuhl eingebaut). Johann Weyand galt als „Mühlenarzt“, da er alle Reparaturen selber ausführen konnte. Mit seiner zweiten Frau Katharina geb. Klein fuhr er in die Nachbardörfer, um das Mahlgut zu erwerben. „Müller Hannes“ und „Müller Kätt“ waren überall bekannt.
1935 übernahm Sohn Nikolaus (den Nunkirchern damals als „Grafen Nikla“ bekannt!) die Mühle und betrieb sie im Lohnverfahren als Getreidemühle (Getreide/ Schrot) bis 1957. Der Betrieb musste eingestellt werden. Die Kleinbauern brachten nichts mehr zum Mahlen.

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Das Blumenfest

Blumenfest_smallEin Fest, an dessen Gestaltung das ganze Ort regen Anteil nahm, war das Blumenfest. Der Vorsitzende des ein Jahr zuvor gegründeten Verkehrs- und Heimatvereins, Matthias Müller, hatte mit großem Engagement das Fest organisiert und ihm am 7. August 1955 den Startschuss gegeben. Die „Saarbrücker Zeitung“ schrieb: „Wer am Spätnachmittag des Samstags durch die Hauptstraße von Nunkirchen ging, konnte allenthalben feststellen, dass sich die Bewohner alle Mühe gaben, ihre Fenster mit Blumen zu schmücken und, wo es zutraf, aus ihren Blumen-Vorgärtchen auch das kleinste Unkraut zu entfernen. Weil aber nun das Fest zum ersten Mall gefeiert wurde, und der eine oder andere noch nicht die richtige Einstellung dazu hatte, ging der ‚Schütz‘ mit seiner Schelle durch die Straßen und empfahl, die Fenster zu schmücken und die Fahnen zu hissen…. Das Blumenfeste sollte schon bei seiner Geburt wie aus dem Ei gepellt erscheinen (…). Es war ein schönes Kind, das da in der Wiege lag. Ihm zu Ehren wurde drei Tage lang gefeiert: Am Samstagabend erfolgte unter entsprechenden Zeremonien auf der Bühne im Saal Lauer die Krönung der ersten Nunkircher Blumenkönigin Ingrid I. (Engel) durch den ersten Beigeordneten der Gemeinde in Vertretung des erkrankten Ortsbürgermeisters.“
Am Sonntag darauf zog ein Blumenkorso durch den Ort, dessen Gestaltung bei den Zuschauern aus nah und fern höchste Anerkennung fand. Montags und dienstags wurde auf dem Festgelände des Sportplatzes mit einem Bunten Abend und sportlichen Vorführungen weiter gefeiert. Der Rahmen dieses Festprogramms blieb bis zur Einsteilung des Festes im Jahr 1967 nach dreizehnfacher ununterbrochener Reihenfolge bestehen und verlieh der Gemeinde Nunkirchen einen nachhaltig anerkennenden Ruf. Aus verschiedenen Gründen, die hier nicht untersucht werden sollen, endete der Reigen der Blumenfeste im Jahr 1967.
Eine Bildergalerie mit den Blumenköniginnen finden Sie hier.

BlumenfestSiggi Engel hat die Filme aus jener Zeit zusammengeschnitten und auch Zeitzeugen interviewt. Den gesamten Film können Sie bei ihm anfordern (06874182246). Einen Kurzvorstellung des Films können Sie sich anschauen, indem Sie links auf das Cover klicken (große Bandbreite). Eine verkleinerte Version finden, Sie, wenn Sie hier klicken.

 

Die Pfarrei Nunkirchen
Von Prof. Dr. Alfons Weyand

Die ältesten Zeiten
Die Ursprünge des Ortes Nunkirchen liegen im geschichtlichen Dunkel. Die keltischen Hügelgräber im „Kleinen Lückner“ deuten auf eine vorgeschichtliche Besiedlung des Raumes hin, ohne dass damit auf einen Ort geschlossen werden kann. Die Anfänge einer Siedlung in Nunkirchen reichen vermutlich in römische Zeiten zurück, wie eine Reihe von Funden nahe legen. Rudolf Schulz erwähnt in seiner Geschichte der Pfarrei Nunkirchen römische Gräber (1), die man beim Graben eines Brunnens im Jahre 1880 gefunden habe. Er bedauert, dass die Funde, Urnen und Asche, zerstört wurden.
An gleicher Stelle bemerkt er, dass 1928 beim Ausschachten eines Kellers weitere römische Scherben gefunden worden seien, denen man ebenfalls keine Beachtung schenkte. Leider wird der Fundort nicht angegeben. Römische Funde sind auch am Fuße des Bungerts gemacht worden. Auch sie fanden keine Beachtung. Man darf vermuten, dass die Nähe der Römerstraße, die jenseits der Wahlener Berge von Trier nach Metz verlief, eine Ansiedlung im Tal von Nunkirchen begünstigte.
Zudem verließen viele Einwohner Triers beim Herannahen der Franken gegen Ende des 4. Jahrhunderts die Stadt Trier, um in den Wäldern jene Sicherheit zu suchen, die ihnen die Stadt nicht bieten konnte. Wer von den beutelustigen Franken suchte schon in den unzugänglichen ländlichen Waldgebieten nach verstreut wohnenden Familien? Ob diese Wohnsiedlungen damals bereits einen Namen hatten, bleibt ungewiss. Es gab nicht allzu viel Kommunikation zwischen den einzelnen Wohnniederlassungen der Menschen, die über die Sorge um ihren eigenen Lebensunterhalt hinaus keine großen Interessen hatten und die zum großen Teil auf sich und die eigene Sippe selbst angewiesen waren.
Die ersten Hinweise auf eine Ortsbezeichnung tauchen erst in den Eigentums- und Besitzumschreibungen auf, in denen die Grundherren ihre Rechte und Zuständigkeiten festzulegen suchten.
So ließ etwa fränkische König Zwentibold durch seinen Kanzler, den Trierer Erzbischof Radbod, (883 bis 915) die Grenzen der Wälder des Bistums und der Trierer Abtei St. Maximin umschreiben. Dabei wurde jedoch der Grenzverlauf, der
in der Bannforsturkunde von 896 umschrieben wurde, nur ungenau angegeben. Nur so viel ist bekannt, dass sie zwischen der Idarquelle und dem Ort Losheim verlief. Ferdinand Pauly vermutet, dass diese ungenaue Festlegung mit Rücksicht auf die Interessen des Hunsrückadels geschehen ist. Dieser hatte Vogtrechte der mächtigen Abteien St. Maximin und St. Paulin in diesem Gebiet, über die er argwöhnisch wachte und die er sich nicht schmälern lassen wollte (2).
Unter diesen Umständen war es ratsam, nicht zu konkret zu werden, um niemand herauszufordern.
In einer Urkunde Ottos I von 949 zur Zeit des Erzbischofs Ruotbert (931 bis 956), der sein Schwager war, wird schon etwas genauer von einer Grenzlinie Prims-Büschfeld-Merzig gesprochen, die vermutlich über Nunkirchen führte. Der Ort selbst wird jedoch nicht genannt.
Die Gründung von Büschfeld, lateinisch „vili episcopi“ hat möglicherweise auch mit dem Ort Nunkirchen zu tun. Der Name „Bischofsfeld = Bischofsgebiet“ weist darauf hin, dass hier nicht nur alte bischöflicher Besitzrechte bestanden, sondern dass die Erzbischöfe auch eine Burg als Bollwerk zur Wahrung ihrer Besitzansprüche errichten ließen.
Diese Burg Büschfeld wurde 1322 vom Erzbischof Balduin von Luxemburg einem Ritter mit Namen Johann von Chamblay übertragen.
Ferdinand Pauly vermutet, dass im Zuge solcher Sicherungsmaßnahmen auch eine neue Kirche in der Nähe sozusagen unter dem Schutz der Burg auf dem Gebiet des Trierer Erzstiftes erbaut wurde, von der sich der Ortsname Nunkirchen = Neue Kirche offenbar ableitet (2). Diese Kirche entstand vermutlich bereits im 10. Jahrhundert. Jakob Marx berichtet in seiner „Geschichte der Pfarreien der Diözese Trier“, dass die Kirche in Nunkirchen als königliche Eigenkirche bereits in karolingischer Zeit bestanden habe. Sie sei 937 dem Bistum Worms übertragen worden (3).
Unklar ist, auf welchen Titel die Kirche geweiht war. Die Kirchenpatrone St. Barbara und St. Sebastianus werden in den Visitationsberichten von 1569 und 1591 erwähnt. Auch De Lorenzi war der Auffassung, dass die Pfarrei Nunkirchen sehr alten Ursprungs ist. Nunkirchen wird jedenfalls in einer Aufzählung der Pfarreien genannt, die schon im 10. Jahrhundert alljährlich ihre Wallfahrt nach Mettlach machen mussten. Diese Wallfahrt ist jedoch dokumentarisch erst zwischen den Jahren 1140 und 1147 erwähnt. Dort wird sie aber als alte Gewohnheit bezeichnet, die erneut eingeschärft wird. Der Trierer Erzbischof Albero von Montreuil (1131 bis 1152) war diese Wallfahrt so wichtig, dass er jeder Pfarrei mit dem Kirchenbann drohte, wenn sie sich dieser Verpflichtung entziehen sollte. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass diese Drohung je einmal Wirklichkeit wurde. Zu sehr zählten solche Wallfahrten in der damaligen Zeit zu den willkommenen Abwechslungen im Einerlei des Alltags. Auf diese Urkunde soll kurz eingegangen werden. Erzbischof Albero von Trier wendet sich in ihr in einem Schreiben an die Brüder des Klosters in Mettlach wie folgt: „An die Brüder der Kirche von Mettlach. Ich Adalbero durch Gottes Gnade demütiger Diener und Knecht der Trierer, ständiger Legat des Apostolischen Stuhles. Da immer wieder versucht wird, die kirchlichen Gewohnheiten entsprechend den Veränderungen der Zeit abzuschaffen, muss mit größter Sorgfalt von den Rektoren der Kirchen darauf geachtet werden, dass dies unter keinen Umständen geschieht, zumal die Schlechtigkeit der Welt von Tag zu Tag zunimmt und die Freiheit der Kirche oft sogar nicht einmal mehr von den Ordensleuten beachtet wird. Auf Anregung der Brüder der vorgenannten Kirche bestätigen und bekräftigen wir mit unserem Siegel eine bestimmte Gewohnheit, die schon lange Zeit bestanden hat, die aber im Wandel der Zeit einige Jahre hindurch aufgegeben war, eine Gewohnheit, die auf Bittendes Herrn Abtes Rüdewic ihnen von unserem Vorgänger seligen Angedenkens, dem Erzbischof Rupert (gemeint ist wohl Ruotbert, 931 bis 956) einst gewährt worden war.
Am Palmsonntag weisen wir in Gegenwart aller diese Unterlassung der Wallfahrt zurück und bestätigen sie von Stund an aufs neue. In der Autorität Gottes und in unserer eigenen schreiben wir vor, dass die Pfarrkirchen des Umkreises am Tag der Weihe der vorgenannten Kirche nach guter Gewohnheit zusammenkommen. Es handelt sich dabei um Servierte, Tavenon, Hüsma, Sincicha, Reildinga, Luc, Kirchfa, Lietorf S. Martinskirchen, Winchera, Heilifelt, Wilre, Paloela, Nenniche, Bresche, Lundstorf, Hildegringa, Walderuinga, Roiinga, Idespach, Gelslanden, Altort, Sueruedorf, Kirchporch, Hemmerstorf, Frimmerstorf, Herieuinga, Mamendurf, Büdinga, We.Jse, Rümelinga, Tuntistorf, Mandera, Perle, Rüchenstorf, Kirsiche, Kirlinga, Lumersvelt, Hachamberh, Nunkircha (Es handelt sich hier wohl um Neunkirchen-les-Boutonville im alten Landkapitel Perl), Nunmagon, Walamünstre, Büza… Brütorf, Lampekda, Hemtre, Cedruon, Inne, Bederstorf, Lut..wilre, Rümestat, Hustat, Beckinga, Patha, Duilinga, Rodena, Herztorf, Swalpach, Weilingen, Bulingerslorf…ogelbach, Hittinstorf, Bettinge, Leibach, Limpach, Waderelia, Wala, Nunkircha, Theilna, Cnorskeid, Losma.
Durch Almosen und Gaben für Gott sollen sie dieser Kirche Ehre erweisen so dass sie dadurch Heil für ihre Sünden erlangen und so sage ich, am Tag der Vergeltung vom höchsten Richter, Gott, Lohn und Heil erhalten. Wer aber diese unsere Bestätigungsurkunde verachtet, zieht sich den Unwillen der Apostel Petrus und Paulus und die strafe des Kirchenbanns aufgrund unserer Autorität zu, bis er zur Kirche Gottes, die er hartnäckig verletzt hat, durch Wiedergutmachung demütig zurückkehrt.“
Marx verweist am gleichen Orte darauf, dass diese Kirchen ausdrücklich als Pfarrkirchen bezeichnet wurden. Damit ist die Pfarrei Nunkirchen offenbar schon im 10. Jahrhundert nachzuweisen. Rund 130 Jahre später wird Nunkirchen erneut erwähnt. Im Jahre 1277 bestand nämlich in Nunkirchen ein Hof, der dem Trierer Domkapitel gehörte und der 1340 mit dem Hof in Harlingen zu einer Pfründe für einen Angehörigen des Domkapitels vereinigt war. Dieser Hof war nicht identisch mit dem Hof Münchweiler, der eine späte Ausbausiedlung darstellt und von dem bekannt ist, dass er 1483 im Besitz von Tilmann von Hagen war. Münchweiler trug damals die Bezeichnung „Wynchwiler“ (Der Besitz kam 1666 über eine Hagensche Tochter an die Familie von Britzke in Weiskirchen und schließlich an die Familie Zandt von Merl, die 1749 eine dem hl. Johannes Nepomuk geweihte Kapelfe erbaute (2).
Eine Pfründe stellte das Stelleneinkommen eines Geistlichen mit Grund und Boden dar. Sie sollte als materielle Lebensgrundlage für den Unterhalt des Geistlichen sicher stellen.
Das bedeutet allerdings noch nicht, dass damit auch ein Priester in Nunkirchen als Pfarrer tätig war.
Das Domkapitel überließ 1312 dem Ritter von Dagstuhl die niedere Gerichtsbarkeit in Nunkirchen und Wahlen. Es behielt sich jedoch die Hochgerichtsbarkeit vor. Nach dem Weistum von 1419 stand diese noch dem Domkapitel zu, das damals seine Rechte dem Erzbischof verkaufte.
Das Hochgericht bestand „binnen der Marken“ von Neunkirchen und Wahlen“. Der Ort trug nach dem Weistum von 1419 also den Namen Neunkirchen. Die Gerichtsbußen gehörten zu zwei Dritteln dem Dompropst und dem Domkapitel, während der Vogt das letzte Drittel erhielt.
Nunkirchen hatte deshalb für das Domkapitel in Trier eine besondere Bedeutung, weil dort das Jahrgeding des Domkapitelshofes gehalten wurde.
Erst 1560 verkaufte es seine Rechte an den Hofländereien dem Erzbischof Johann VI von der Leyen und wenige Jahre später im Jahre 1568 auch die Einkünfte aus dem so genannten „salischen Zehnten“ an Johann von Hagen in Büschfeid (2). Der salische Zehnte stellte eine Abgabe dar, die von den Pächtern zu entrichten war, die Anteile eines Herrenhofs bewirtschafteten.
In den Jahren 1569/70 wurde das Obererzstift Trier einer gründlichen Visitation unterzogen (3). Darin werden als Filialen von Nunkirchen genannt: Monkler (Menzberg) Büschfeld und Münchweiler, wobei die Herren von Hagen Kollatoren waren.
Aus dem Jahr 1353 werden unter den Lehen, die Otto von Kyrburg, der Sohn des Wildgrafen Friedrich von Kyrburg (bei Kirn) vom Erzstift Trier hatte, Burg und Dorf Büschfeld, Güter in Nunkirchen, Michelbach und Lebach erwähnt. Diese Lehen bildeten offenbar eine Besitzeinheit. Sie werden nämlich noch einmal im Jahr 1370 erwähnt, als der Trierer Erzbischof Kuno II. von Falkenstein (1362 bis 1388) sie an Tilman von Hagen übertrug. Ferdinand Pauly hält es für wahrscheinlich, dass vor dem Jahre 1180 das Patronatsrecht der Kirche in Nunkirchen dem Erzbischof von Trier gehörte.
Die Herren von Hagen hatten jedoch mit den Patronatsrechten, d.h. den Besetzungsrechten für die Kirche in Nunkirchen nichts zu tun. Diese besaßen nachweislich seit 1520 die Grafen von Sayn, die auch die Burg Montclair als Trierer Lehen besaßen. Die Patronatsherren durften dem Erzbischof einen Pfarrer für die Kirche vorschlagen, den dieser dann ernannte (4).
Der Visitationsbericht von 1591 nennt ebenfalls die Grafen von Sayn als vorschlagsberechtigt. Das Geschlecht derer von Hagen hatte jedoch nach wie vor ein Auge auf Nunkirchen geworfen. Johann von Hagen gelang es schließlich nach einiger Mühe, die Zehntrechte von Nunkirchen zu erwerben. Zu nahe lag schließlich dieses Territorium für ihn, dass er nicht daran hätte interessiert sein können. Diese Zehntrechte blieben der Familie von Hagen über lange Zeit erhalten. In den Visitationsberichten des 17. und 18. Jahrhunderts wird davon gesprochen, dass ein Drittel des Zehnten im Pfarrbezirk Nunkirchen der Familie von Hagen gehörte. Ein zweites Drittel des Zehnten blieb nach Ferdinand Pauly mit der Burg Montclair verbunden und stellte eine Dotation für den Altar des Hl. Johannes des Täufers in Montclair dar (2).
Die Pfründe war offenbar vom Trierer Domkapitel verliehen worden, denn dieses schenkte auf Bitten Kaiser Ferdinands II. dem Trierer Jesuitenkolleg 1631 diesen Zehnten. Da die Güter des Jesuitenkollegs 1773 zum Teil an das Priesterseminar Clementinum in Trier übergingen, findet sich dieser Zehnte an den Besitztümern von Nunkirchen unter den Einkünften des Priesterseminars in Trier wieder.
Der Zehntanteil der Familie von Hagen ging an die Herren von Zandt als deren Erben über. Das letzte Drittel des Zehnten gehörte 1773 dem Pfarrer von Nunkirchen. Das Patronatsrecht von Nunkirchen war nach dem Aussterben des Geschlechtes der Herren von Sayn an den Erzbischof von Trier zurückgefallen, wie aus dem Visitationsbericht von 1739 hervorgeht.
Obwohl Nunkirchen eine alte Pfarrei war, sind leider keine Namen von Pfarrern für die Frühzeit überliefert. Der erste Name eines Pfarrerstaucht 1519 auf. Damals soll ein Pfarrer mit dem Namen „Johann Mair von Senheim“ Pfarrer von Nunkirchen gewesen sein. Pfarrer Portery schreibt in einem Visitationsbericht von 1854, dass nach einer Urkunde, die er noch in seinem Besitz habe, 1551 ein Pfarrer Schmitt in Nunkirchen Pfarrer gewesen sei. 1591 wird ein weiterer Pfarrer mit dem Namen Andreas von Esch erwähnt (5). De Lorenzi berichtet, dass nach dem Visitationsbericht von 1569 zwei Schlosskapläne genannt werden, von denen einer auf dem Schloss derer von Zandt in Michelbach gewesen sein soll.
Im Jahre 1623 zählte man in der Pfarrei Nunkirchen 49 Familien (1), nach dem Dreißigjährigen Krieg soll nur noch 1 Familie übrig geblieben sein (6). Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Einblick in die Steuerlisten des Amtes Saarburg, die im Trierer Stadtarchiv aufbewahrt werden. Dort sind die Steuerzahler von Nunkirchen für die Jahre 1651,1661,1663,1668,1671,1683,1698 und 1703 verzeichnet. Für den Ort Nunkirchen nennt Guido Müller in seinem Beitrag „Die Bevölkerung der Pflege Losheim nach dem Dreißigjährigen Krieg“ (7) für das Jahr 1651 also drei Jahre nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges als Steuerzahler: Steffen Ditzler, ein Novitius (Neuzugezogener) Thönes Boos, Hans Wendeil, Schmidt Bast Schosten (?), (ein Schmied), Scherers Matheiß (ist ein Siedler des Herrn von Söterland Hagen). Das sind fünf Steuer zahlende Personen. Man darf davon ausgehen, dass es sieh dabei um Familien bzw. Einzelpersonen handelte. Angehörige werden von diesen Personen dann zehn Jahre später auch genannt.
Für das Jahr 1661 wird erwähnt, dass Schmidts Johann Bast eine Frau und einen Schwiegersohn hat (er besaß damals 4 Pferde, 5 Kühe, 8 Schafe).
Thoniß Johannes gehört vermutlich in die Familie von Thönes Boos (er hatte 3 Pferde und 3 Kühe), Johantgeß Martin wird neu aufgeführt (3 Pferde, 3 Kühe), Steffen Dietz (identisch mit Steffen Ditzler) (2 Pferde). Neu genannt werden Lorentz von Bardebach, – Schue Theis Martin oder Martin Neunkircher genannt (2 Pferde, 1 Kuh) sowie Endreß Hans (4 Pferde, 2 Kühe).
Im Jahr 1663 werden wieder genannt Schmidts Johann Bast mit Frau und Schwiegersohn (4 Pferde, 5 Kühe, 8 Schafe), sowie Thönes Johannes mit Frau, 1 Magd (1 Pferd, 3 Kühe) und Johäntgens Martin mit Frau und Schwiegervater (4 Pferde, 3 Kühe, 6 Schafe). Wendeis Hans mit Frau (2 Pferde, 3 Kühe) und Stephan Drtzeller mit Frau (2 Pferde, 3 Kühe, 6 Schafe, erscheinen bereits im Verzeichnis von 1651. Schue Wendell mit Frau (2 Kühe) gehört in die Familie Schue von 1661 ebenso Martin Neunkirch mit Frau (4 Pferde, 2 Kühe). Neu sind Niciauß Schneider, ein Kuhhirt (2 Kühe), Albertus Pfeiffermit Frau (4 Pferde, 2 Kühe) und ein gewisser Hilgerts mit Frau.
Im Jahre 1668 steht immer noch bei den Steuerzahlern zu lesen Schmidt Joh. Bast, ein Witwer, hat seinen Schwiegersohn, auch Witwer, bei sich (3 Pferde, 5 Kühe), ebenfalls Thönes Johannes (3 Pferde, 4 Kühe). Hinzu kommen Thönes Balteß (2 Pferde, 2 Kühe) und Lorentz Weiandt, als Wirt aufgeführt (4 Pferde, 5 Kühe). Hart hatte es Stephan Detzler getroffen, der 1663 als Besitzer von 2 Pferden genannt wurde. Stephan Detzler hat jetzt nur noch 1 Kuh. Es erscheint seine Frau, so heißt es im Bericht, weil der Ehemann vom lothringischen Militär festgehalten wird, da er die Pferde nicht freiwillig abgeben wollte. Neu genannt wird Peter Nagel, ein Novitius (1 Kuh) und Schultheiß Merten (4 Pferde, 5 Kühe, davon 2 gelehnt). Hans Wendell (2 Pferde, 2 Kühe) wurde schon 1651 genannt. Johantgeß Merten, ein Sechzigjähriger (3 Pferde, 4 Kühe) gehört offenbar in die gleiche Familie… im gleichen Bericht vom 6. Juli 1668 steht am Ende der Aufstellung: „Dieß Dorff Neunkirchen ist gleich Buschfeldt sehr von den Lothringischen ruiniert worden.“
Der Trierer Kurfürst Carl Caspar von der Leyen (1652 bis 1676) vermachte Lorenz Weyandt laut einer Urkunde vom 25. Febr. 1671 die „verfallene Mahlmühl daselbsten mit allem Zugehör, samt Recht- und Gerechtigkeiten“ und legte damit den Grundstein zur Geschichte der Nunkircher Mühlen (8). Die Schreibweise der Namen ist zur damaligen Zeit noch nicht gefestigt, wie man leicht erkennen kann.
Hinweise auf das kirchliche Leben der Zeit bringt das Lagerbuch der Pfarrei Nunkrichen von 1705, das von Pfarrer Matthis Heinen angelegt wurde. Es nennt als Synodalen und Schöffen der Pfarrei Nunkirchen, Johann Lang, Hochgerichtsmeier des Orthes Michelbach, Hans Matthes Landwirdt, Schöffen des Orthes Michelbach, Nicolaus Weyandt, Schöffen des Orthes Nunkirchen, Jacobus Schmidt, Schöffen des Orthes Büschfeld, Lehnen Peter, Schöffen des Orthes Büschfeld, Meriches Johanneß, Schöffen des Orthes Nunkirchen und Johannes Schommer, Schöffen des Orthes Nunkirchen.
Kirche1_smallEin Sohn von Lorenz Weyandt mit Namen Johann Weyandt aus „Neunkirchen“ erwarb im Jahr 1686 den Grad eines Baccalaureus an der Universität Trier. Am 23. März 1697 wurde er zum Priester geweiht und wirkte von 1701 bis 1707 als Pfarrer von Neunkirchen (Nahe) und ab 1707 als Pfarrer von Mettnich. 1739 wurde er Dechant des Landkapitels Wadrill. Rudolf Schulz berichtet in der bereits erwähnten Publikation über einen Kirchenneubau im Jahr 1660, der wohl die im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Kirche ersetzte. De Lorenzi erwähnt, dass nach dem Visitationsbericht von 1720 der Zustand der Kirche sehr beklagt wurde. Daraufhin seien 1730 bis 32 Schiff und Chor neu erbaut und diese am 3. September 1732 durch Weihbischof Lothar Friedrich von Nalbach konsekriert worden (5). Unser Foto links zeigt die frühere Kirche.
Die Bevölkerung des Ortes nahm in der Folgezeit beträchtlich zu. Im Jahre 1739 zählte man bereits wieder 200 Kommunikanten (5). Im Visitationsbericht von 1569 ist kein Pfarrer erwähnt. Von den bereits vorher genannten Schlosskaplänen soll nach Schulz der erste in Michelbach, der zweite auf dem Schloss in Büschfeld residiert haben (1).
Die kontinuierliche Serie der Pfarrer von Nunkirchen beginnt mit Johann von Oppen, der vom 17. März 1675 bis 25. Mai 1706 Pfarrer in Nunkirchen war. Über sein Wirken hat sich der Visitator des Jahres 1692 sehr lobend ausgesprochen (5). Ihm folgte Matthias Heinen vom 24. Juni 1704 bis 21. April 1706. Danach kam Johann Adam Fehr vom 24. Juni 1706  bis zum 18. Oktober 1712. Nach ihm war die Pfarrei zwei Jahre nicht besetzt. Am 24. Juni 1714 kam dann Markus Zisch nach Nunkirchen und blieb dort bis 15. Juni 1721. Ihm folgte Peter Michaely, der von Michelbach stammte, am 24. Juni 1721 bis 10. Januar 1771. Er war also 50 Jahre Pfarrer von Nunkirchen. Sein Nachfolger war Sebastian Fischer, der vom 9. Juli 1771 bis 20.8.1787 der Pfarrei Nunkirchen vorstand.

Die Pfarrei Nunkirchen nach der französischen Revolution
Die Französische Revolution von 1789 fiel in die Zeit, da Pfarrer Johann Bapist Schaak Pfarrer von Nunkirchen war. Pfarrer Schaak trat seinen Dienst 1788 an, gerade ein Jahr vor Beginn der Revolution. Er war bis 1805 im Amt. Aus seiner Amtszeit bemerkt Rudolf Schulz in seiner Arbeit über die Pfarrei Nunkirchen, dass in ihr viele Messstiftungen gemacht worden seien. Dies kennzeichnet die Frömmigkeit der Menschen der Zeit, ist aber zugleich auch ein Hinweis auf die enge Verbundenheit mit der Ortskirche.
Der Pfarrer war auf das Einkommen aus diesen Stiftungen zu seinem Lebensunterhalt in erheblichem Maße angewiesen. Von Pfarrer Schaak wird allerdings berichtet, dass er das aus den Stiftungen anfallende Geld nicht als persönliches Einkommen betrachtete, obwohl es ihm zustand, sondern es stets auch fürdie Bedürfnisse der Kirche verwandte.
Rudolf Schulz berichtet in seiner „Geschichte der Pfarrei Nunkirchen“, dass der Vorgänger von Pfarrer Schaak am 2. März 1789 der Pfarrkirche von Nunkirchen ein Kapital von 40 Thalern vermacht habe, mit der Auflage jährlich zwei Messen für ? zu halten, von denen der Pfarrer vier Albus (Silbergroschen) und der Küster drei Albus haben sollte, und dass der Rest dem Unterhalt der Pfarrkirche zukommen solle. Die Pfarrkirche war nach dem Visitationsbericht von 1859 gerade erweitert worden. Dort heißt es: „Wann die Kirche erbaut ist, ist unbekannt, forte circa 1660, sicut e lapide quodam elucere videtur, qui super porta parva ecclesiae huius sita est. Per Decimatores anno 1793 vel 1794 vigtnit novempedibus prolongatur“ („Vielleicht um das Jahr 1660, wie aus einem Stein hervorzugehen scheint, der über der kleinen Tür dieser Kirche eingesetzt ist. durch die Zehntnehmer wurde sie im Jahre 1793 oder 1794 um 29 Fuß verlängert“). Rudolf Schulz spricht in Anlehnung an de Lorenzi jedoch von einer Erweiterung, die 1789 durchgeführt worden sein soll. Vermutlich hat sich die Baumaßnahme über mehrere Jahre hingezogen.
Man muss bedenken, dass der Pfarrer und die örtliche Pfarrei in der damaligen Zeit sehr auf sich aliein gestellt waren. Der Kurfürst residierte in Koblenz, und das war sehr weit weg, wenn man die Entfernung und die damaligen Verkehrsverbindungen und Kommunikationsmöglichkeiten in Betracht zieht.
Zudem zogen düstere Wolken am politischen Horizont auf, die mit Unheil drohten. Die Französische Revolution begann mit dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 und mit der Verfolgung des Adels und des Klerus. Viele französische Adlige flohen in das Kurfürstentum Trier und versuchten, von Koblenz aus eine französische Exilregierung zu bilden. Sie hoben gegen den Willen des Kurfürsten Truppen aus, um gegen die französischen Revolutionsarmeen zu kämpfen. Diese ihrerseits erkannten die Gefahr im Osten und versuchten ihr zu begegnen.
1792 hatte der österreichische Kaiser in Verbindung mit den Preußen den Franzosen den Krieg erklärt. Österreichische und preußische Truppen rückten in der Folge in unser Gebiet ein. Sie konnten die Revolutionstruppen zunächst in der Schlacht bei den Pelllinger Schanzen vom 10. bis 15. Dezember 1792 schlagen und sie bis nach Thionville zurückdrängen. Doch die Freude über diesen Sieg dauerte nicht lange. Die französischen Revolutionstruppen konnten erneut vorrücken und drangen in unsere Heimat ein. Am 27. Juli 1794 konnten sie Merzig besetzen, am 9. August 1794 fiel Trier und am 23. Oktober des gleichen Jahre auch Koblenz. Das linksrheinische Gebiet des Obererzstiftes Trier war damit in französischer Hand. Der Erzbischof Klemens Wenzeslaus hatte Koblenz am 5. Oktober 1794 verlassen und sich nach Augsburg begeben, da er gleichzeitig auch Bischof von Augsburg war.
Das Territorium des Obererzstiftes Trier wurde nach französischem Muster in Departements aufgeteilt. Unsere Heimat gehörte fortan zum Departement Saar mit Trier als Zentrum. Die neue Verwaltung forderte zunächst 1798 die Kirchenbücher ein, weil sie selbst fortan die Führung von Zivilstandsregistern in Angriff nehmen wollte. Dadurch gingen die alten Nunkircher Kirchenbücher verloren. Sie wurden vermutlich nach Nancy oder gar nach Paris gebracht. Die antikirchliche Grundhaltung der Revolution wurde schnell spürbar. Am 10. Dezember 1798 verlangte man von den Geistlichen den Treueeid auf die Französische Republik. Man wollte dadurch verhindern, dass die Monarchie wieder entstehen und die Pfarrer als die Gebildeten der damaligen Zeit die Rückkehr der Monarchie unterstützen könnten. Wer den Eid nicht leistete, musste fliehen oder wurde verhaftet.
Das Erzbischöfliche Generalvikariat erlaubte unter dem Druck der drohenden Verfolgung nicht nur die Eidesleistung, es drohte sogar den Pfarrern, die den Eid nicht leisteten mit der Suspension – der Amtsenthebung.
Da Nunkirchen zum Kurfürstentum Trier und damit zum besetzten Gebiet gehörte, brauchte Pfarrer Schaak diesen Eid nicht zu leisten. Im lothringischen Gebiet freilich war die Eidesleistung verpflichtend. Pfarrer Schaak blieb jedenfalls in seiner Stellung als Pfarrer unangetastet.
Eine neue Zeitrechnung wurde eingeführt. Sie begann mit dem 22. September 1792, dem Tag der Ausrufung der Republik. An die Stelle der Woche trat die Dekade. Der Sonntag wurde abgeschafft und statt dessen der 10. Tag als Tag der „Göttin der Vernunft“ gefeiert. Die Jesuitenkirche in Trier wurde zum Tempel der Göttin der Vernunft erklärt. An die Stelle der christlichen Lebensgestaltung sollte fortan der „republikanische Kult“ treten (2).
Die Ausübung der Religion wurde auf den Kirchenraum beschränkt. Das ging so weit, dass etwa das Anzünden von Lichtern an den Heiligenbildern an den Häusern verboten wurde. Die Pfarrer durften die Kirche nicht verlassen, um die Toten auf dem um die Kirche liegenden „Kirchhof“ zu beerdigen. Sie durften auch die Gräber nicht mehr einsegnen. Hatte man sich noch aufgeregt, als Kurfürst Klemens Wenzeslaus 1769 die Zahl der kirchlichen Feiertage von 38 auf 19 reduzierte und die Sakramentsprozessionen 1784 auf die Umgebung der Pfarrkirchen beschränkte (2), so wurden die kirchlichen Feiertage jetzt allesamt für abgeschafft erklärt. Man darf jedoch nicht annehmen, dass diese Anordnungen alle befolgt wurden und dass die Leute diese Entwicklung mitmachten. Man verhielt sich ruhig und wartete ab.
Wenn die Pfarrkirche in Nunkirchen in dieser Zeit noch erweitert werden konnte, spricht dies dafür, dass man zunächst versuchte, die alten Wege weiterzugehen. Man kann von Glück sagen, dass diese Erweiterung in Nunkirchen abgeschlossen war, ehe die finanziellen Belastungen so groß wurden, dass daran nicht mehr zu denken gewesen wäre. Bei der Neuorganisation der Pfarreien blieb die Pfarrei Nunkirchen erhalten. Sie wurde 1803 Sukkursalpfarrei im Kanton Wadern. Die  Einwohnern hatte unter dem Wandel der Zeitläufe viel mitzumachen. Zu sehr drückten die Kontributionen, die der Bevölkerung von den Franzosen auferlegt wurden. Das bis zum 1. September 1794 besetzte Gebiet des Erzbistums sollte drei Millionen Livres aufbringen. Die kriegerischen Ereignisse hinterließen ihre Spuren. Bekannt ist in Nunkirchen die Geschichte von dem österreichischen Deserteur, der aufgegriffen und gehenkt wurde.
Man hatte aber auch eigene Methoden, wie man mit den Kontributionsleistungen zurecht zu kommen versuchte. Im alten Lagerbuch findet sich darüber ein Bericht von Pfarrer Hardt (1844 bis 1851). Man kann dort lesen: „Nach dem Berichte vieler alter Bürger, ging es mit dem Pfarrrkirchengute ebenso wie mit dem Gemeindevermögen. Wenn nämlich während und nach den französischen Kriegsjahren bis in die Jahre 1824, ja bis 1830, die Gemeinde ein kleines Geldbedürfnis hatte, so verkaufte man bis zum Überschuss Eichenstämme aus der Gemeindeverwaltung, und der Überschuss wurde in dem so genannten Spangs-Hause von den Schöffen verzehrt. Ebenso veräußerte die Kirchenverwaltung von Nunkirchen, noch unter und nach dem Pastor Schaak, Kirchengrundstücke, die in Kontribution genommen wurden und verzehrte leichtsinnig den Überschuss. Sie nahmen so oft eine Pfarrwiese in Anspruch, als der zeitliche Pastor mit Kriegskontributionen belastet wurde. Der zeitliche Pastor gab hierzu gerne sein Placet, weil er die Kontribution nicht selbst aus eigenen Mitteln zu bezahlen brauchte. Die Sendschöffen benutzten diese Gelegenheit, um manch guten Schmaus zu erhalten“ (9). Dieser Hinweis macht deutlich, dass man sich zu helfen wusste.
Man musste sich dabei zweifellos im Klaren sein, dass man von der Substanz lebte. Vermutlich war man pessimistisch über den Erhalt des Kirchenvermögens, oder man wusste sich in der Zwangslage keine andere Lösung. Die relativ abgelegene Lage im Hochwald kam zweifellos dem Ort zugute. Das Gegenteil davon deutet jedoch ein Schreiben vom 10. April 1831 nach Trier an. Dort heißt es „Als die Franzosen in das trierische Land einzogen, wurden von Commissaire Bourbette eine Contribution auf alle Steuerpflichtigen gelegt und nach dem im Trierischen Lande gebräuchlichen Steuerzähifuß verteilt. Da die Mehrzahl der Fabriken (= Pfarrgüter) und Pfarrer kein bares Geld hatten, um ihre Anträge abzutragen, so ward ihnen durch Beschluss der Bezirksverwaltung vom 21. Vevose des 4.J. der Republik gestattet, die Pfarrgüter unter der Bedingung zu verpfänden, dass jährlich von dem Darlehen 10 Thaler nebst 21 Silbergroschen sollten abgetragen werden. Pfarrer Schaack soll am 20. Januar 1796 ein Kapital von 40 Thalern aufgewandt haben und nach Trier geliefert haben“.
Am 14. Vendimiaire XiV starb Pfarrer Schaack. Im Zusammenhang mit dem Pfarrwechsel wird von der französischen Regierung der Betrag von 500 frs. als Gehalt für den Pfarrer der Succursalpfarrei Nunkirchen bestimmt. Dazu kam der Genuss des Pfarrwittums und des Pfarrgartens und der freie Bezug der Cura stoia (Stolgebühren für Sakramentenspendung) in der Höhe von jährlich 500 frs, von denen man annahm, dass sie von den Nunkircher Pfarrgenossen bezahlt werden könnten.
In den Jahren nach 1831 noch gab es einen hin und hergehenden Streit zwischen der preußischen Regierung und der Kirchengemeinde, wer das Darlehen an die Kirchenfabrik zurückzuerstatten hätte. Die Kirchengemeinde berief sich darauf, dass sie kein Geld hätte. Über das Ergebnis des Streites ist nichts bekannt. Die Einrichtung einer so genannten „Kirchenfabrik“ beruhte auf einer Anordnung des so genannten Fabrikdekrets vom 30. Dezember 1809. Danach sollten die Kirchenrechner die eingehenden Summen in der so genannten „Kirchenkiste“ deponieren und nicht etwa in eigenen Händen halten.
Am 26. Januar 1876 machte das Bischöfliche Generalvikariat auf die wichtigsten Bestimmungen dieses Dekrets noch einmal aufmerksam (10).
Der Artikel 50 besagte „Jede Fabrik soll eine Kiste oder einen Schrank besitzen, welcher mit 3 Schlüsseln verschließbar ist, von welchen der eine in den Händendes Schatzmeisters, der andere in den Händen des Pfarrers oder Hilfspfarrers und der dritte in denen des Präsidenten der Kirchenmeisterstube sich befindet.“ Im Artikel 51 heißt es dann weiter: „In diese Kiste werden alle der Kirche zugehörigen Gelder, sowie die Schlüssel der Opferkasten der Kirche deponiert.“ Artikel 52 besagte: „Keine Summe kann ohne Ermächtigung der Kirchenmeisterstube und ohne eine Empfangsbescheinigung, welche in dieser Kiste aufbewahrt wird, aus derselben genommen werden“. Im Artikel 34 hieß es zuvor: „Der Schatzmeister ist gehalten, alle drei Monate der Kirchenmeisterstube eine von ihm unterzeichnete und als wahrhaft beglaubigte Übersicht über den Activ- und Passivzustand der Kirchenfabrik während der drei vorhergehenden Monate vorzulegen. Diese Übersichten werden von denjenigen unterzeichnet, welche der Versammlung beigewohnt haben, und in die Kiste oder den Schrank der Kirchenfabrik hinterlegt, um bei der jährlichen Rechnung wieder vorgelegt zu werden.“ Der Artikel 53 regelte: „Wenn der Schatzmeister die für jedes Vierteljahr durch die Kirchenmeisterstube für die laufende Ausgabe festgelegte Summe nicht in Händen hat, so wird das fehlende aus der Kiste genommen, sowie dasjenige, was jene Summe übersteigt, in die Kiste gelegt werden muss. Man kann daraus ersehen, dass man sich alle Mühe gab, die gewissenhafte Verwaltung der Pfarrfinanzen zu regeln. Der Pfarrer musste angesichts der knappen Mittel sehen, wie er zurecht kam und teils vom Stelleneinkommen und teils, wie alle anderen Leute auch, von der Landwirtschaft leben. Er hatte einen Knecht und eine Magd, aus der letzteren wurde mit der Zeit die Pfarrhaushälterin. Die Anordnungen der Revolutionsregierung wurden allerdings nicht so genau genommen. Das kirchliche Leben in der Pfarrei wurde im wesentlichen auf die Angebote der Gottesdienste und der Spendung der Sakramente verkürzt. Die Prozessionen, die sich offenbar großer Beliebtheit erfreuten, wurden jedoch nach wie vor durchgeführt. Nach einer Aufstellung von Pfr. Matthias Portery vom Jahr 1856 gab es damals in Nunkirchen noch 16 Prozessionen: Die erste am 3. Freitag nach Ostern nach Greirnerath, die zweite am 25. April, am Markustag, nach Wahlen, die dritte am 4. Sonntag nach Ostern nach Niederlosheim. Die 4. Prozession ging in Kreuzwoche montags nach Erbringen zu Ehren der Hl. Luzia und von dort nach Hargarten zu Ehren der Hl. Mutter Anna; die fünfte folgte dann dienstags nach Bettingen, die sechste mittwochs innerhalb der eigenen Gemeinde. Die siebte Prozession führte donnerstags nach Christi Himmelfahrt nach Wadern. Die achte Prozession ging am Sonntag nach der Kreuzwoche (ohne Pastor) nach Losheim. Eine neunte Prozession lag am Fronfastenmittwoch nach Pfingsten und führte nach Lockweiler. Ihr folgte eine zehnte in der gleichen Fronfastenfreitag nach Tholey.
Die elfte Prozession ging am 13. Juli nach Losheim zum hl. Donatus. Eine zwölfte führte an Christi Himmelfahrt vor Beginn der Messe zum „Franzenkreuz“ (Dieses so genannte „Franzenkreuz“ hatte seinen Namen von seinem Erbauer Franz Kieser aus Nunkirchen, der es mit seiner Ehefrau Maria geb. Lorig aus Sitzerath errichtet hatte). Dieses Franzenkreuz war von den Franzosen verstümmelt worden, wurde danach aber wiedererrichtet. Dann warf es ein Sturm um, wonach es dann erneut von Franz Schmitt, Kirchenrechner und seiner Frau Susanna Schneider aus Nunkirchen wieder aufgebaut wurde. Die dreizehnte Prozession lag am Herz Jesu Fest. Sie führte ebenfalls zum „Franzenkreuz“.
Hinzu kam eine vierzehnte Prozession am „Frauen-Wisch-Tag“, an Maria Himmelfahrt. Auch sie ging zum „Franzenkreuz“. Die fünfzehnte Prozession führte am Fronleichnamstag bis zum Kreuz an der Michelbacher Linde und zum „Weißen Kreuz“ und die sechzehnte Prozession im September, am so genannten „Halbfest“, am Sebastianstag, ging wieder zum „Franzenkreuz“.
Man kann aus dieser Aufzählung von Pfarrer Pottery die Beliebtheit solcher Prozessionen erkennen. Seit 1756 gab es die Feier des Ewigen Gebetes, das Kurfürst Johann Philipp von Walderdorf im November 1756 für das ganze Gebiet des Erzbistums angeordnet hatte (2). Für Nunkirchen wurde dieser Tag auf den 27. Dezember festgelegt. Eine Verlegung ist nur nach Zustimmung durch das Bistum möglich, da anderenfalls die Reihenfolge des Ewigen Gebetes für alle Tage des Jahres nicht mehr gewährleistet wäre.
Mit der Herrschaft Napoleons begannen sich die kirchlichen Verhältnisse wieder zu bessern. Zunächst wurde fürdas Gebiet des Departements Sarre ein französischer Bischof ernannt. Charles Mannay war von 1802 bis 1816 Bischof von Trier. Das Territorium dieses wesentlich kleineren Bistums schloss auch die Pfarrei Nunkirchen sein. 1801 war nach dem Frieden von Lunéville das Kirchenvermögen säkularisiert und damit enteignet worden. Es sollte nach und nach verkauft werden. Die Zahl der Pfarreien im Gebiet des Restbistums wurde verringert. Nunkirchen blieb jedoch erhalten, wie aus dem Kirchlichen Amtsanzeiger von 1858 hervorgeht (11). Dort wird gleichzeitig berichtet, dass Nunkirchen trierisches Territorium war und zum Landkapitel Merzig gehörte und als Filialen Michelbach (Territorium der Abtei Tholey) Büschfeld (Territorium des Stiftes St. Simeon in Trier) und Büth (?) ebenfalls Trierisches Gebiet aufwies. Dem Pfarrer Johann Schaak wird an gleicher Stelle bescheinigt, dass er zehn Jahre Kaplan gewesen sei und große Fähigkeiten habe. Es handelt sich bei der Bezeichnung „Büth“ offenbar um einen Druckfehler. Wie aus einer Messstiftungsurkunde aus dem Lagerbuch der Pfarrei Nunkirchen von 1705 hervorgeht, hieß der Ort am 21. Oktober 1797 „Bühel“ und entspricht dem in Bardenbach aufgegangenen Ortsteil „Biel“. Die Schreibweisen der Gemeinden sind bei den einzelnen Autoren oft nach dem Wortklang wiedergegeben (9).
Pfarrer Schaak starb am 6. Oktober 1805 in Nunkirchen. Ihm folgte als Pfarrer in Nunkirchen Bernard Ewen (1805 bis 1835). Er wurde am 8. September 1760 in Düppenweiler geboren, war also 45 Jahre alt, als er am 4. Dezember 1805 nach Nunkirchen kam. In den alten Akten liegt ein Inventarverzeichnis der Succursalkirche Nunkirchen aus dem Jahr 1813 vor, das von dem Präsidenten des Kirchenraths J. Zimmer, Pfr. Ewen und von dem Kirchendiener F. Weyand unterzeichnet ist. In ihm sind kirchliche Geräte und Gewänder aufgeführt. Auch in der Zeit von Pfarrer Ewen gab es große politische Veränderungen. Der Bischof Mannay war von den Preußen aus seinem Bistum verdrängt worden (2).
Da es damals keinen Weihbischof gab, wurde der Generalvikar Anton Kordel zum Kapitelsvikar ernannt. Er führte die Geschäfte der Bistumsverwaltung bis zur Neuordnung der Bistümer in Deutschland durch die Bulle von Pius VII, „De Salute Animarum“ („Über das Heil der Seelen“) vom 1. Juli 1821. In dieser Bulle erhielt das Bistum im wesentlichen seine heutige Gestalt. Das Gebiet war inzwischen preußisches Territorium geworden.
Es dauerte jedoch noch bis 1824, ehe in Trier ein neuer Bischof, Josef Ludwig Alois von Hommer (1824-1838), sein Amt übernehmen konnte. Sein Versuch, das Bistum in vier Archidiakonate und 39 Landkapite! mit 694 Pfarreien neu zu gliedern, scheiterte am Widerstand der Preußen. Erst am 19. Oktober 1827 konnten 26 Dekanate neu gebildet werden. Die Dekanate deckten sich mit den Landkreisen, so dass Nunkirchen zum Dekanat Merzig kam. Aus einem Visitationsbericht des Jahres 1830 erhalten wir einen Einblick in das kirchliche Leben in Nunkirchen zur Zeit des Pfarrers Bernard Ewen. Es gab sonntags nur eine Messe, die im Sommer um 9 Uhr und im Winter um 10 Uhr begann. Eine weitere Messe am Sonntag war nicht gestattet, auch nicht in den Filialen, so dass diese sonntags nach Nunkirchen gehen mussten. An den höchsten Festtagen wurde die Messe lateinisch gesungen, an den gewöhnlichen Sonntagen sang man deutsche Kirchenlieder. An den hohen Festtagen wurde nachmittags eine lateinische Vesper gesungen, an den normalen Sonntagen gab es eine Christenlehre. Ein Fastenhirtenbrief von Bischof Hommer vom 8. Januar 828 mahnte an, dass alle Kinder und Jugendlichen, von der Erstkommunion bis zum 20. Lebensjahr, die sonntägliche Christenlehre zu besuchen hätten. Diese Anordnung bestand noch bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges. Nach dem Ende des Krieges ist sie weggefallen. In dem vorgenannten Visitationsbericht bescheinigt Pfarrer Ewen der Pfarrei Nunkirchen eine gute öffentliche Moral. „Es finden kaum große Ausschweifungen statt. Auch finden keine unnötigen Tänze oder sonstige Belustigungen statt. Unter den Eheleuten ist nicht häufig Streit und Zank. Der Gottesdienst wird sehr zufriedenstellend besucht. Viele Familien beten das täglich Abendgebet. Aberglaube wird nicht gepflegt. Auch bestehen in der Pfarrei keine Sekten“ gez. Ewen Bernard.
Im Antwortschreiben des Generalvikariates wird angemahnt. „Wenn ich an etwas zu erinnern hätte, so wäre es, dass Sie noch drei Prozessionen cum SSm. (mit dem Ailerheiligsten) haben. Am Fronleichnamsfest, Christi- und Maria Himmelfahrt.“ Offenba rwa res der französischen Revolution doch nicht gelungen, die Prozessionen ganz abzuschaffen.
Das Generalvikariat sprach sich freilich gegen die Vielzahl dieser Prozessionen aus und bat den Pastor, doch wenigstens eine der drei Prozessionen einzustellen. Während seiner Amtszeit wurde nach Rudolf Schulz im Jahre 1827 der Nunkircher Bann neu ausgemessen (1). Der Kirchenschöffe und Adjunkt Jakob Scherer hatte diese Aufgabe übernommen. Er schreibt in diesem Bannbuch „Wie ich dieses Buch verfertigt habe, ist geschehen 1827 im Monat Januar den ahnfang gemacht, und im Monat Februarii am 20. Febr. geschlossen alt war ich dahmals 57 jar und 9 mohnat. Jakob bin ich getaufft, Scherer bin ich genannt, Nunkirchen ist mein Vaterland, gelobt sey Gott in seine Heiligen Amen; Amen; Amen.“ (1). Dieser Hinweis ist bedeutsam, gibt er doch einen Einblick in die Denkweise der Menschen dieser Zeit. Nicht die große Weltpolitik, nicht nationale oder territoriale Zugehörigkeit stehen im Vordergrund des Bewusstseins, sondern das eigene Dorf, in dem man wohnt, in dem sich alle Lebensvollzüge abspielen und das damit die Welt der Menschen in der damaligen Zeit war.
Im Jahre 1831 wurde der Kirchturm vom Blitz getroffen. Die Versuche, der Zivilgemeinde die Beseitigung der Schäden anzulasten, blieben ohne Erfolg. Die Kirchenfabrik musste wohl oder übel die Reparaturkosten übernehmen. in einem Schreiben vom 12. Januar 1838 des Definitors Kipp nach Trier wird auf die Altersschwäche von Pfarrer Ewen eingegangen und sein Rücktritt nahe gelegt. Er sei wohlhabend, ja sogar reich, meinte der Definitor. Er könne durchaus seinen eigenen Unterhalt sicherstellen. Pfarrer Ewen weigerte sich jedoch, der Aufforderung von Trier vom 12. Februar 1838, sein Amt aufzugeben, nachzukommen. Er hielt auch eine zusätzliche Hilfe für unnötig. Die Nunkircher Schöffen haben zu ihm gehalten, sie wollten den 75-jährigen behalten, so lange er lebe.
Am 6. Mai 1838 stimmte Pfarrer Ewen schließlich zu, einen Kaplan auf eigene Kosten zu übernehmen. Und so wurde Sebastian Arens schließlich zum Kaplan ernannt. Pfarrer Ewen kam jedoch nicht mit ihm aus, so dass der Kaplan selbst am 6. Sept. 1838 um seine Versetzung einkam, der auch am 10. Sept. 1838 entsprochen wurde. Damit war das alte Problem der Hilfe wieder akut.
Der königliche Landrat von Merzig schaltete sich ein und wies in Trier darauf hin, dass ein neuer Kaplan notwendig sei. Das Generalvikariat forderte Pfr. Ewen auf, sich zu erklären. Pfr. Ewen schrieb daraufhin am 26. Januar 1839 „meine Pfarrei niederzulegen, dazu kann ich mich nicht entschließen“. Er bittet um die Zuweisung von Kaplan Barth, den er wohl kannte. Dazu kommt es jedoch nicht mehr, da Pfarrer Ewen am 28. März 1839 in Nunkirchen starb.
Sein Nachfolger hat über den Tod seines Vorgängers geschrieben wie folgt: R.D. Bernardus Ewen, parochus in Nunkirchen vigesima octava Martii 1839 omnibus morientium sacramentis munitus obiit in Domino in Nunkirchen anno aetatis suae septuagesimo nono. R-D-Bermardus Ewen, postuam annos triginta quattuor parochiae in Nunkirchen praefuit et prima Apriiis in coemiterio Nunkirchensi sepuitus est. gez. P. Schu, par.“ („Der Hochwürdige Herr Bernardus Ewen, Pfarrer in Nunkirchen ist am 28. März 1839, versehen mit den Sakramenten der Sterbenden, in Nunkirchen im Herrn entschlafen in seinem 79. Lebensjahr. Der Hochwürdige Herr Pfarrer Bernardus Ewen wurde am 1. April nachdem er 34 Jahre der Pfarrei Nunkirchen vorstand, auf dem Nunkircher Friedhof begraben.“).
Am Tag der Beerdigung von Pfarrer Ewen, also am 1. April 1839, übernahm bereits sein Nachfolger Peter Schu (1839-1844) die Pfarrei Nunkirchen. In einem Schreiben nach Trier teilt er dem Bistumsverweser Weihbischof Günther am 11. Mai 1839 mit, dass er seit dem 4. Mai 1839 ein Zimmer im Pfarrhaus bewohne. Alle Unterlagen im Pfarrhaus wurden in ein anderes Zimmer gebracht und das Zimmer wurde versiegelt. Am 22. Mai 1839 wurde durch den königlichen Friedensrichter in Wadern die „Entsiegelung“ vorgenommen. Pfarrer Schu berichtet darüber „Das Kirchenkistchen war verschlossen. Beim Öffnen fand sich darin: Nichts“.
Im gleichen Jahr brannte die Pfarrscheune ab. Pfarrer Schu verwies darauf, dass das Budget für 1840 ein Defizit von 139 Thalern, 22 Silbergroschen und 2 Pfennig habe und dass man daher zum Wiederaufbau der Scheune nichts beitragen könne. Im Jahr 1842 steht die Scheune jedoch wieder. Wer sie bezahlt hat, ist nicht berichtet. Über das weitere Wirken von Pfarrer Schu ist nichts näheres bekannt. Pfarrer Schu hat die Pfarrei Nunkirchen 1844 verlassen. Er wurde Pfarrer in der Kantonalspfarrei Wadern als Nachfolger seines Namensvetters, des späteren Domkapitulars und Domdechanten Matthias Schu. Da die Kantonalspfarrei ein Jahresgehalt von 1000 frs. erhielt verdoppelte sich damit das Einkommen des Pfarrers, ein nicht zu übersehendes Motiv für einen Wechsel.
Mit der Landwirtschaft wollten Pfarrer Schu und sein Vorgänger Pfarrer Ewen nicht viel zu tun haben. In einem Schreiben vom 13.2.1846 erwähnte Pfarrer Hardt, dass weder Pfarrer Schu noch sein Vorgänger das Pfarrgut bewirtschaftet hätten. „Das Pfarrgut der Pfarrei Nunkirchen, im Kreise Merzig, ist von den Herren Ewen und Schu, meinen beiden Vorgängern, weder selbst bewirtschaftet, noch Anderen in eine regelmäßige Pacht gegeben, sondern bald von Diesem bald von Jenem gegen einzelne Dienstleistungen benutzt worden. Durch diesen Umstand sind an allen Parzellen des Wittums die Grenzsteine verschwunden und der Flächen-Inhalt selbst bedeutend verringert worden, wie die alten Pfarrbücher erweisen. Da nun diese Ländereien einen Theil des Einkommens des zeitlichen Pfarrers ausmachen und namentlich in einer Zeit, wo die Kasual-Gefälle selten bezahlt werden, benutzt werden müssen, so erachte ich es, abgesehen von der Pflicht des Nutznießers namentlich für meine Verbindlichkeit, für die Regulierung des Pfarrguts zu sorgen, weil mit jedem Jahr die Sache schwieriger wird und die Pfarrei Schaden leidet. Ohne Zweifel hat mein Vorgänger diesen Punkt übergangen, um den Verdrießlichkeiten auszuweichen; und auch für mich würde dergleichen nicht ausbleiben, wenn ich die gehörige Abgrenzung vornehmen und mich in den Genuß des hiesigen Pfarrgutes setzen würde. Zudem entstehen für die nothwendig gewordene neue Vermessung Kosten, welche eher meine Vorgängern als mir zur Last gelegt werden können. Indem ich bitte, dass diese Abgrenzung rsp. Vermessung bei Königlicher Regierung veranlaßt werden oder mir desbaldigst Verhaltensregeln zugeschickt werden, unterzeichne ich ehrerbietigst Euer Hochwürdigsten Generalvikariates ergebenster Joseph Hardt, Pastor, Nunkirchen am 5. Februar 1846.“ Der Bischöfliche Kommissar, Definitor J. Kipp, stellt 1844 bei Beginn der Vakanz fest, dass das Zusatzgehalt des Pfarrers 500 frs. und der Abzug vom Staatsgehalt wegen der Nutzung des Wittums 8 Thaler und 22 Silbergroschen betrage. Der Definitor findet das Zusatzgehalt sehr niedrig. „Ein reichlicheres Zusatzgehalt sei jedoch von der ziemlich armen Pfarrei nicht zu erschwingen“. Der Kapitalbestand der Fabrik betrug 1881 Thaler, 21 Silbergroschen und 8 Rennig; die Stolgebühren werden auf 30 Thaler geschätzt. Wie Pfarrer Hardt in seinem Schreiben vom 5. Februar 1846 erwähnte, würden sie jedoch nur selten bezahlt, so dass es sich nur um ein Einkommen auf dem Papier handelte.
Pfr. Hardt bemerkt in einem Brief vom 17. Dezember 1846 „daß in der Pfarrei Nunkirchen, welche dem Pastor Schu zweifelsohne durch Verfolgung den Tod gebracht hat, durch zeitweilig Brandstiftung so sehr in Schulden gerathen ist, daß nicht nur keine Kasual-Stolgebühren einkommen, sondern nicht einmal bei großen Leichen hl. Messen bestellt werden folglich es nothtut, dem zeitlichen Pastor dasselbige zu sichern und standesgemäß zu fixieren, was aus öffentlichen Fonds herfließt. Euer Hochwürdigsten Generalvikariates gehorsamster Diener Joseph Hardt, Pastor“. Pfarrer Hardt litt nach eigenen Angaben an einer Hals-Schwindsucht und bittet daher um Verlängerung der Cura sowie um Verlängerung der Binationsvollmacht für Pfr. Draeger von Wahlen. Er berichtet über die Feier des Festes der Herz Jesu Bruderschaft am 17. Juni 1849. Sie war also nicht, wie später Pfarrer Fuchs meinte, in der französischen Revolution erloschen.
In einem Schreiben vom 18.5.1851 wird erwähnt, dass sich die Kapelle in Michelbach in einem so schlechten Zustand befinde, dass nach Anordnung des bischöflichen Generalvikars dort keine Messe mehr gehalten werden dürfe. Die Kapelle war einem Feuer zum Opfer gefallen, das in den Häusern neben der Kirche entstanden war und auf diese übergegriffen hatte. Dabei waren die Paramente und die Messbücher verbrannt, der Kelch sehr beschädigt und die Patene bis auf einen Rest geschmolzen.
Der Berichterstatter dieses Tatbestandes, Pfr. Zens von Weiskirchen, äußert sich jedoch zuversichtlich, dass die Schäden bald beseitigt sein könnten, wenn der Kirchenrechner die 300 Thaler, die er der Kapelle schulde, auszahlen wollte. Pfarrer Hardt sei nach Wiederherstellung der Kirche auch bereit, wieder die Messen Michelbach zu halten (Schreiben von Pfr. Zens, Weiskirchen an das Bischöfliche Generalvikariat vom 16. Mai 1857,70/4534 Nr. 1, Pfarrer Hardt hatte diesbezüglich ebenfalls nach Trier geschrieben am 26. Mai 1851). Pfarrer Hardt beklagte sich darüber beim Bistum: „im täglichen Konseil mit dem Schullehrer Fett involviert die hiesige Kirchenverwaltung und namentlich der Rechner Schmitt so vieie Hindernisse welche meinen Abzug von hier hemmen, dass die offenbare Absicht, mich noch mehr zu kreuzigen, Jederman einleuchtet und ich die Hülfe meiner Hochwürdigsten Oberbehörde anzurufen genöthigt bin, um von hier wegziehen zu können.“ Es seien ihm Teile seines Salärs für persolvierte Stiftungsverpflichtungen nicht ausbezahlt worden und er brauche seine Salarien, um die Reisekosten begleichen zu können. Pfr. Hardt hatte sich inzwischen als Pfarrer nach Gondershausen versetzen lassen. Das Generalvikariat antwortete ihm, dass dies kein Grund sei, länger in der Pfarrei zu bleiben.
Der Lehrer Fett (der auch Küster war) wurde wegen vorgeworfener Unterschlagung lt. Schreiben des Regierungspräsidenten verurteilt und vom Dienst mit halbem Gehalt suspendiert. Der Lehrer und Küster Fett wehrte sich jedoch gegen die ihm angelasteten Unterstellungen und schließlich kam es zu einem Vergleich mit Pfr. Hardt. Das Küsteramt übernahm am 1. September 1850 interimistisch Friedrich Weyand, der jedoch vom Kirchenrath nicht anerkannt wurde, weil der Pfarrer Hardt bei der Bestellung eigenmächtig gehandelt habe. Erst am 1. Juli 1851 gab der Kirchenrath seinen Widerstand auf und wählte Friedrich Weyand einstimmig zum Küster. Seinem Gesuch auf Erstattung von 27 Thaiern für die Zeit, in der er nicht bekommen hatte, wurde entsprochen. Friedrich Weyand verwies darauf, dass sein Großvater 50 Jahre und sein Vater 45 Jahre als Lehrer und Küster tätig gewesen seien und zwei seiner Söhne, der eine 27 und der andere 16 Jahre alt einen Männerchor und den Kirchengesang leiteten. Hier liegen offenbar die ältesten Nachrichten über das Bestehen eines Kirchenchors, der in der damaligen Zeit ein reiner Männerchor war. Für den Weggang des streitbaren Pfarrers Hardt von Nunkirchen nach Obergondershausen im Jahr 1851 waren vor allem seine Auseinandersetzungen mit dem Küster und Lehrer Fett ausschlaggebend gewesen. Den Pfarrer Hardt hielt es aber auch nicht lange in Obergondershausen.
Er wurde 1852 beurlaubt und wurde 1855 Vikar in Schwetzingen und war schließlich vom 20. Januar 1857 Pfarrer in Beinhausen bis 1864. Ab 10.2.1866 finden wir ihn als Pfarrer in Tellig, wo er schließlich am 18. März 1875 starb. Die Verwaltung der Pfarrei Nunkirchen übernahm nach dem Weggang von Pfarrer Hardt zunächst Pfr. Draeger von Wahlen. Vom Kirchenrath Nunkirchen ist ein Schreiben erhalten, in dem er zur Übernahme einer Sonntagsmesse ersucht wird. Pfarrer Matthias Portery schreibt bereits am 27. September 1851 nach Trier, hatte also schon damals die Pfarrei übernommen. Er war vorher Pfarrer in Mondorf gewesen. Er bittet um die Genehmigung der Bination. Bezeichnend ist eine Bemerkung in seinem Schreiben vom 27. September 1851 „in vielen Häusern ist die Armuth so groß, dass sich nur eine Person anständig kleiden und in die Kirche gehen kann, die anderen aber deshalb zurückbleiben müssen; ohne Bination empfinden solche Armen gerade an Sonn- und Feiertagen also doppelt den Druck ihrer Armut, am Leib und an der Seele und der Trost, den sie gerade zum Tragen ihrer täglichen Last so notwendig hätten, wird ihnen auch noch von ihrer Mutter Kirche grad an den Tagen entzogen, wo sie doch eben jenen zu spenden den Auftrag und die Pflicht hat. Die Religion und Moralität ist hier so gesunken und Venus und Bacchus haben hier so viele Anhänger, dass schon ganz allein aus diesem Grunde diesen Götzen gegenüber hier eine neue Gelegenheit zur größeren Verehrung des wahren Gottes gegeben, d.h. eine Bination eingeführt werden müsste.“
Das Bistum antwortete „die Gründe, womit Sie ihr Gesuch motivieren, lassen sich für hundert andere Pfarreien geltend machen, wo jetzt noch keine Bination stattfindet… diejenigen Pfarrgenossen, welche während der einen in der Pfarrkirche stattfindenden hl. Messe das Haus hüten müssen und auch keine Frühmesse in der Nachbarschaft bekommen können, sind vom Anhören der hl. Messe rechtmäßig entschuldigt.“ Am 17. Februar 1854 wurde die Filiale Vogelsbüsch von Nunkirchen nach Limbach umgepfarrt. Nunkirchen erhielt dafür von Limbach Auschet als Filiale (12).
Nach einem Schreiben von Pfarrer Portery vom 18. Februar 1863 an das Bischöfliche Generalvikariat Trier zählte die Pfarrei damals 2220 Seelen mit 1360 Kommunikanten. Die Kirche, so Pfarrer Portery, sei zu klein. Im gleichen Jahr 1863 gab es zum ersten Mal in Nunkirchen einen Kirchenschweizer. Er wurde vom Kirchenrath gewählt, der ihm jährlich zwölf Thaler als Salär zubilligte.
Pfarrer Portery beantragte beim Bistum die Nutzung des Grases auf dem Kirchhof. Diese Nutzung wurde ihm 1864 mit der Auflage zugestanden, dass der Bürgermeister in Weiskirchen und der Friedensrichter in Wadern entsprechend zu informieren seien. 1866 kommt es zu einem Streit zwischen Pfr. Portery und der Gemeinde über den Totengräber, den Pfarrer Portery als „Diener des Pfarrers“ ansieht. Er dürfe also nur auf Anweisung des Pfarrers beerdigen dürfen. Das Bistum hielt diesen Streit für unnötiges Gezänk und empfahl eine gütliche Einigung. Pfarrer Portery war ein unermüdlicher Schreiber, der sich immer wieder in das Bistum wandte. Dadurch sind manche Ereignisse der Zeit festgehalten worden. Die Antworten von Trier ergänzen die Einzelheiten. So wird Pfarrer Portery 1866 gemahnt, dass es nicht hingenommen werden könne, dass neben ihm und der Haushälterin auch noch die Lehrerin und neun Kinder im Pfarrhaus wohnten. Die Kirchenregelung 1866 gibt Auskunft über den Haushalt der Pfarrei. Er betrug an Einnahmen 335 Taler und an Ausgaben 285 Taler.
Jakob Gnad, der 16 Jahre lang Lehrer in Michelbach war, wurde 1867 Lehrer von Nunkirchen und danach am 30. Juli 1867 vom Kirchenrath zum Küster gewählt. Das wird am 24. Januar 1868 von Trier bestätigt. Im gleichen Jahr fand in Nunkirchen auch eine Mission statt, von der de Lorenzi berichtet (5).
Am 11. März 1869 bewirbt sich Pfr. Portery auf die Pfarrstelle in Bad Hönningen, weil der mit dem Bürgermeister Marx von Weiskirchen nicht mehr klar kam. Portery schreibt, Bürgermeister Marx sei ihm gram, weil er nicht alles bei seinem Bruder Viktor Marx kaufe, der in Nunkirchen ein Geschäft habe. Das Bistum ging auf dieses fadenscheinige Argument nicht ein und lehnte den Antrag ab. Am 12. März 1869 setzte sich Pfr. Portery für die Errichtung einer Kaplansstelle in Nunkirchen ein. Dafür könnten 60 Taler im Jahr erbracht werden.
Kirche2_smallDer Bürgermeister in Weiskirchen hält das nicht für notwendig. Die 60 Thaler sollten besser für den Fußboden der Kirche verwandt werden. Der Kirchenrath  beschloss entsprechend die Reparatur des Fußbodens (das Bild rechts zeigt einen Blick in die frühere Kirche) sehen Sie auf, die am 27. Oktober 1869 genehmigt Kurde. Die Kosten beliefen sich laut einer Rechnung vom Schreiner Nikolaus Wilkin auf 58 Taler 10 Silbergroschen.
Die Vorhaltungen von Pfr. Portery bezüglich der Kaplanstelle hatten jedoch Erfolg. Am 4. Februar 1870 schrieb Generalvikar Philipp de Lorenzi an Pfarrer Portery „…Im übrigen müßen auch wir die Sanierung einer Kaplansstelle für Ihre Pfarrei mit Rücksicht auf die dort vorhandenen Verhältnisse für nothwendig erachten. Die Seelenzahl beträgt jetzt schon über 2100 und ist des ferneren ein Anwachsen derselben zu erwarten. Sie verteilt sich auf den Pfarrort und acht Filialen. In der Pfarrei befinden sich fünf Schulen. Auch ist die Pfarrkirche zu klein, um die Pfarrmitglieder, welche dem Gottesdienst beiwohnen sollen, zusammen aufnehmen zu können. Unter solchen Verhältnissen übersteigen die Erfordernisse einer gehörigen Pastoration die Kräfte eines einzigen Priesters. Es ist daher im höchsten Grade wünschenswerth, daß die Filialgemeinden die Dotation für die Stelle eines Hilfsgeistlichen sichersteilen. Auch sind wir nicht abgeneigt, für den Fall, daß eine solche Dotation im Betrage von 500 Francs pro Jahr von den Civilgemeinden übernommen wird, zu genehmigen, daß zur Ergänzung derselben aus den Kirchenstuhlverpachtungsgeldern von 66 Thalern 20 Siibergroschen jährlich verwendet werden, so daß der anzustellende Kaplan ein applikationsfreies Einkommen von 50 Thalern und der Pfarrer für die Aufnahme des Kaplans im Pfarrhause die Summe von 150 Thaler pro Jahr wird beziehen können.“
Pfingsten 1869 erfolgte im Bistum Trier eine Neuordnung der Dekanate. Nunkirchen, das 1868 noch zum Dekanat Merzig gehörte, wurde danach dem Dekanat Wadern eingegliedert. Bürgermeister Marx fasste am 30. Dezember 1869 mit den Kirchenräten in einem Gasthaus in Nunkirchen einen Beschluss, die Kirche zu verlängern und schickte ihn nach Trier. Dieser Beschluss wurde abgelehnt, weil der Pfarrer an seinem Zustandekommen nicht beteiligt worden war. Pfarrer Portery schrieb zur alten Kirche. „Sie ist einschiffig und über 27 Fuß breit und hat auf der Frauenseite 24 Stühle und ebenso viele auf der Mannseite und jeder Stuhl faßt acht Personen. Sieben dieser Stühle sind bereits von der Emporkirche überdeckt und darum im trüben Lichte, nach vorliegendem Projekte sollen jedoch auf jeder Seite 18 Stühle überdeckt werden, so dass auf jeder Seite sich nur 6 Stühle im freien Licht befänden und die Emporkirche bei drei Stühlen möcht wider die Kanzel stoßen“.
Im Streit um die Einrichtung der Kaplansstelle, der der Bürgermeistereirath von Weiskirchen nicht zustimmt, zählt Pfarrer Portery zur Unterstützung der Dringlichkeit seines Antrages als am 15. Mai 1870 folgende Filialen von Nunkirchen auf: 1. Auf dem Wasen (8 Häuser) in einiger Entfernung davon stehen noch drei Häuser, worunter eine neue Bierbrauerei und ein neues Haus, so dass mit diesen der Wasen 11 Häuser mit 14 Haushaltungen zählt. Zudem sind unfern dieses Wasens durch Wiesen, Gärten und einen Bach von demselben geschieden zwei Mühlen, eine Mahlmühle und eine Walkmühle (die auch wieder voneinander getrennt liegen) mit 2 Haushaltungen nebst Dienstleuten in der ersten Mühle. Was die Gottbillshütte betrifft, so besteht diese aus 5 resp. 7 Häusern mit 8 Haushaltungen u. sollte der Herr Bürgermeister Marx dieses nun auch zur Gemeinde Nunkirchen rechnen so ist es dennoch eine Filiale, weil es 1/6 bis 1/4 Stunde von hier entfernt ist. So bilden ja auch Büschfeld und Biel eine Civilgemeinde sind aber doch unwidersprüchlich zwei Filialen hiesiger Pfarrei Desgleichen gehört Überlosheim zur Gemeinde Büschfeld ist aber 1/4 bis 1/6 Stunde hiervon getrennt durch einen Bach und durch Wiesen und ist 1/2 Stunde von hier gelegen. So gehört Auschet zur Gemeinde Limbach, es gehört zur Pfarrei Nunkirchen und ist hiervon eine Filiale u. eine recht lästige, indem der Weg dorthin der schlechteste in der ganzen Pfarrei ist und die Wohnung derselben in 4-5 einzelnen Gruppen auf Höhen und Abhängen und durch Wiesen voneinander getrennt liegen. So rechnet H. Marx vielleicht auch die Sägmühle zur Gemeinde Münchweiler, ist aber bei 5 Minuten davon und hiervon Nunkirchen bei 25 Minuten entfernt und besteht aus 3 Häusern. 1. In der Ohligsmühie war früher eine Oelmühle gestanden, 15-18 Minuten von hier; es sind da 6 Häuser mit 7 Haushaltungen. 2.  „In den Weihern“ – früher waren da Weiher – jetzt sind dort Wiesen mit 2 einzeln stehenden Häusern, deren entfernteres unweit des Großen Lückener-Waldes steht, eine halbe Stunde von hier entfernt, wohin ich schon öfters gerufen wurde. 4. „In den Ellern“: 4 Häuser, 3/4 Stunde von hier, wohin ich schon öfters selbst in der Winterszeit zu den Kranken gehen musste. Hierzu könnte ich 5. Vier Häuser in Michelbach auf dem so genannten „Zarrwiese“ (?) und 6. die „Scherzches Mühle“ welche zwar Mennoniten gehört, aber auch katholische Dienstleute hat – ich habe als einmal einen Knecht daselbst versehen zirka 3/4 Stunden von hier entfernt und ein Haus und eine Mühle vom linken Ufer der Prims Büschfeld gegenüber, voneinander getrennt liegend, rechnen, so dass ich 14-15 Filialen von Nunkirchen anführen könnte…“
Die Verzögerung um die Genehmigung einer Kaplansstelle scheint vor allem darin eine Ursache gehabt zu haben, dass man nicht bereit war, die vorgenannten 500 Francs Dotation seitens der Zivilgemeinde zu leisten. Der misstrauische Pfarrer Portery glaubte auch dass die persönliche Verbindung zwischen dem Bürgermeister Marx und dem Herrn Landrath Baron von Louisenthal Grund für die Ablehnung der Kaplansstelle durch die königliche Bezirksregierung in Trier gewesen sei, wie aus einem Schreiben an das BGV vom 30. Mai 1870 hervorgeht. Am 27. Juli 1870 hat die Bezirksregierung in Trier die Auffassung vertreten, die Kirchengemeinde könnte die Kosten für einen Kaplan wohl selbst aufbringen. Pfarrer Portery war zwar nicht dieser Meinung, entnahm dieser Feststellung jedoch, dass damit indirekt die Notwendigkeit eines Kaplans anerkannt worden sei. Des ständigen Streitens müde wechselte Pfarrer Portery am 19. März 1872 von Nunkirchen nach Kirf. In der Abteilungsverhandlung wurde über Nunkirchen berichtet: Das Pfarrhaus, das von 1618 stammt, sei restauriert worden. Die Verwaltung von Nunkirchen übernahm nach dem Weggang von Pfr. Portery der Pfarrer Fammler von Wahlen.
Die Kirche in Nunkirchen hatte im Jahre 1872 zwei Glocken, die eine stammte von 1775 und die andere von 1824 (nach einer Inventaraufstellung, die Pfr. Portery vor seinem Weggang angefertigt hatte). Pastor Fuchs, bislang Pfarrer in Bruch, Dek. Piesport, erklärte sich am 25. Juni 1872 bereit, die Pfarrei Nunkirchen zu übernehmen. Er begann seine Amtszeit am 26. Juli 1872. Noch im gleichen Jahr 1872 begann Pfr. Fuchs mit der Anlage des Familienbuchs von Nunkirchen, eine Arbeit, die er zeitlebens mit großem Einsatz ausgebaut und fortgeführt hat und die ihm offenbar große Freude machte. Dieses Werk ist unschätzbar für die Familienkunde von Nunkirchen und sucht seinesgleichen. Der bedrückenden Enge der Kirche versuchte Pfr. Fuchs zunächst durch eine Bination (Erlaubnis einer 2. Messe) zu begegnen, die ihm auch am 25. Februar 1873 für ein halbes Jahr, allerdings mit dem Hinweis zugestanden wurde, er habe zu berichten, wie weit die Schritte für eine Kirchenerweiterung gediehen seien. Pfarrer Fuchs antwortete, dass zuerst zwei neue Schulhäuser gebaut werden müssten und dass daher vorerst an eine Vergrößerung der Kirche nicht gedacht werden könne. Am 12. September 1873 zählte die Pfarrei 2338 Seelen. Pfarrer Fuchs sprach dabei von einer Zahl von 400 bis 500 Kindern. Der Generalvikar De Lorenzi verlängerte daraufhin die Binationsvollmacht für ein weiteres Jahr, teilte aber zugleich mit, dass eine darüber hinausgehende Verlängerung nicht mehr erteilt werde, sollte die Pfarrei keine Anstalten zur Vergrößerung der Kirche unternehmen. Pfarrer Fuchs berichtet in seiner Antwort darauf, dass ein Baufonds angelegt worden sei und er an einen Neubau denke, da eine Erweiterung der vorhandenen Kirche nicht möglich sei. Am 6.4.1886 greift Pfr. Fuchs die Errichtung einer Kaplanstelle erneut auf, er nennt 2338 Seelen und 6 Schulen mit 445 Kindern. Für 1889 wird der Bauangriffstermin festgelegt, den Pfr. Fuchs jedoch aufzuschieben bittet, da eine Vergrößerung der Kirche nicht möglich sei. Pfr. Fuchs berichtet zugleich dem Bistum, dass er auf einem Auge am grünen Star erblindet sei und trägt erneut die Bitte um einen Kaplan vor (1885).
Pfarrer Fuchs berichtet ebenfalls über die Gründung der Herz-Jesu-Bruderschaft. Im Jahre 1771 hatte die Baronin von Zandt geb. von Hagen bereits eine solche Bruderschaft errichten lassen und dazu auch ein Kapital bereitgestellt. In der Französischen Revolution war sie nicht untergegangen, wie Pfarrer Fuchs meinte. Sie war durchaus um die Mitte des Jahrhunderts noch wichtig genug, dass sie im Prozessionswesen am Herz-Jesu-Fest eine Rolle spielte. Offenbar hatte sie jedoch in der Erinnerung immer noch weitergelebt, denn Pfarrer Hardt hatte etwa um 1850 herum das Patronatsfest auf den Sonntag nach dem Fest des Hlst. Herzens Jesu gelegt, an dem auch die weltliche Kirmes gefeiert wurde. Der Tag des Hl. Sebastian war wohl für die Feier der Kirmes nicht als geeignet empfunden worden. Deshalb hat Pfr. Fuchs auch beantragt, das Hlst. Herz Jesu zum Pfarrpatron der neuen Kirche zu machen, unter Beibehaltung des Hl. Sebastians und der Hl. Barbara als weiterer Patrone. (Schreiben vom 1. Juni 1894). Die Herz-Jesu-Bruderschaft sei 1875 neu errichtet worden.
Am 17. November 1886 wird eine Kollekte für die Kirche zu Nunkirchen genehmigt. Der Kostenvoranschlag für die neue Kirche belief sich auf 45000 Mark, im Jahr 1887 wird von 63700 Mark gesprochen. 1885 wurde die Schlosskapelle in Münchweiler erneuert, weil die alte dem Umbau des Schlosses durch Baron von Zandt zum Opfer gefallen war. 1887 teilt der Regierungspräsident in Trier mit, dass eine Straßenkollekte bei den Bewohnern der Rheinprovinz vom Oberregierungspräsidenten in Düsseldorf genehmigt werden müsse.

Der Kirchenneubau
Kirche3_smallBis zum 1. November 1879 war der alte Kirchhof um die Kirche herum benutzt worden. Bei den Bauüberlegungen entstand alsbald die Frage, ob er mit in den Bereich des Neubaus der Kirche einbezogen werden könne. Der alte Turm sollte ursprünglich stehen bleiben. Seine Fundamente waren jedoch nur einen Meter tief. Die Dachfirste des Mittelschiffs der neuen Kirche hätten die Höhe des Turmhahns der alten Kirche erreicht. Im Winter 1890/91 wurden die Toten exhumiert (Foto links) und auf dem neuen heutigen Friedhof in ein Massengrab gebettet, das den ältesten Schulklassen zur Pflege übertragen wurde. Die königliche Regierung hatte die Abtragung des Friedhofsterrains gefordert. Das Erdreiches war allerdings erst zwei Jahre später komplett entfernt.
Die Bausumme der neuen Kirche wurde am 30. Juli 1892 nunmehr auf 81500 Mark geschätzt. Die Grundsteinlegung erfolgte schließlich am 10. Juli 1894 durch Dechant Acker von Losheim. Für die Gottesdienste musste eine Notkirche gebaut werden. Sie entstand im Bereich des westlichen Teils des Pfarrhauses, im späteren Jugendheim. Sie kostete 15000 Mark und konnte am 15. Januar 1894 bezogen werden. Die Hauskollekte im Gebiet der Rheinprovinz wurde im Jahr 1894 durchgeführt. Unter schwierigen Verhältnissen und unter großen Opfern zogen Mitglieder der Pfarrei durch das Land, um sie einzubringen, eine Leistung, die man nicht genug bewundern und würdigen kann. Am 11. März 1894 wurden die Arbeiten an der neuen Kirche vergeben. Die Erd- und Maurerarbeiten sowie die Steinmetzarbeit übernahm die Firma Josef Walter aus Lauterecken. Dabei sollten keine Nunkircher Steine verwandt werden. Man sah diese als offenbar nicht geeignet an.
Die Zimmerarbeit führte die Firma Heinrich Grach aus Wadern aus. Die Klempnerarbeiten wurden der Firma Nikolaus Becker aus Merzig und die Schreinerarbeiten der Firma Franz Müller aus Nunkirchen zugeschlagen. Die Schlosserarbeiten übernahm Josef Kneip aus Fraulautern und die Anstreicherarbeiten Matthias Werding aus Nunkirchen (1).
Kirche4_smallZwei Jahre später, am 25. April 1896 schließlich konnte die neue Kirche durch den Trierer Weihbischof Schrod konsekriert werden. Die Gesamtkosten des Rohbaus beliefen sich auf 97.117,06 Mark, die Gesamtkosten der Kirche schließlich auf 117.478,62 Mark.
Der Bau konnte erst nach dem Tode des Architekten durch den Dombaumeister Wirtz 1898 abgenommen werden. Endlich war die bedrückende Enge in der Kirche, über die man im ganzen 19. Jahrhundert geklagt hafte, überwunden.
Pfarrer Fuchs aber war noch nicht am Ende. Es musste an die Innengestaltung gedacht werden. Am 31. März 1897 stellte Pfarrer Fuchs den Antrag auf Wiedererrichtung des Kreuzwegs in der Kirche. Dem wurde bereits am 7. März stattgegeben. Erst 1907 konnte der jetzige Kreuzweg angeschafft werden; er wurde am 5. Mai 1907 benediziert. Die alten Stationen kamen nach Michelbach.
Am 22. August 1897 wurde beantragt, zwei neue Fahnen, darunter die des Bergmannsvereins, segnen zu dürfen. Das geschah dann auch am 5. September des Jahres. Mit der inneren Ausgestaltung des Gotteshauses einher ging dann die geistliche Erneuerung der Gemeinde durch eine große Volksmission, die durch die Redemptoristen vom 13. bis 23. März 1898 durchgeführt wurde. Sie fand eine große Beteiligung seitens der Gläubigen. Am 6. Juni 1898 wurde beantragt, das Gnadenbild von der immerwährenden Hilfe aufstellen zu dürfen. Im gleichen Jahr wurde die Rosenkranzbruderschaft gegründet und auch der Verein der Hl. Familie, dem 400 Familien beitraten. Von daher rührt das Motiv des Seitenaltars, des Altars der „Heiligen Familie“ in der rechten Seitenkapelle der Kirche.
Die Altäre und die Kanzel wurden am 10. Juli 1899 genehmigt und vom Bildhauer Karl Dörr aus Saalgau in Eichenholz ausgeführt.
Der Hauptaltar kostete 2400 Mark, die Seitenaltäre, ebenfalls in Eichenholz ausgeführt, je 900 Mark, desgleichen auch die Kanzel mit der Darstellung der vier Evangelisten und der Darstellung des Hl. Geistes im Schalldeckel.
Im Visitationsbericht von 1854 wurden zwei Glocken für die Kirche in Nunkirchen erwähnt. Die kleinere, dem Hl. Sebastian und dem Hl. Johannes geweiht, war 1775 von Philipp Haas in Beurig gegossen worden, die größere stammte aus dem Jahr 1824 aus der Glockengießerei zu Prostert bei Beuren und war den Pfarrpatronen St. Sebastian und St. Barbara geweiht.
Im Visitationsbericht von 1908 sind vier Glocken für Nunkirchen bezeugt, die erste dem Hlst. Herzen Jesu und der Allerseligsten Jungfrau von der immerwährenden Hilfe (35 Zentner), die 2. war die alte Glocke von 1824 und wog 25 Zentner, die 3. Stocke war 13 Zentner schwer und dem Hl. Josef und dem Hl. Wendalinus geweiht. Die vierte schließlich wog 9 Zentner und hatte als Patrone die Hl. Agnes und die Hl. Mutter Anna.
Bis auf die kleinste Glocke wurden diese Glocken am 5. Juli 1917 im ersten Weltkrieg heruntergenommen und eingezogen. Pfarrer Leinen hat 1919 dann zunächst die zweite Glocke hinzugefügt. Auch in der Angelegenheit eines Kaplans für die Pfarrei gab es eine neue Entwicklung. Am 8. August 1896 wird für den ersten Kaplan Sebastian Arens, der aus personellen Gründen dem Pfarrer Ewen zugeteilt worden war, ein Nachfolger zugesagt.
Am 21. Dezember 1901 wurde der Antrag gestellt, in Bardenbach am Sonntag eine Messe halten zu dürfen. Pfarrer Fuchs verwies dabei auf die Bergleute der Nachtschicht, die erst am Sonntagmorgen von der Arbeit nach Hause kämen.
Generalvikar Reuss genehmigte die Bination für Pfarrer Fuchs und für den Kaplan von Wadern, eine Erlaubnis um die Pfarrer Portery noch vergebens gekämpft hatte. Am 8. Januar 1907 wurde der Antrag auf Genehmigung einer neuen Orgel gestellt, die auch gewährt wurde.
Pfarrer Fuchs starb im Jahre 1915. Ihm folgt in diesem zweiten Jahr des 1. Weltkrieges Eduard Leinen. Pfarrer Leinen war ein nach innen gekehrter Mann, der sehr unter den Verhältnissen der Kriegs- und der Nachkriegszeit nach dem 1. Weltkrieg litt. Er fühlte sich vor allem durch die politischen Konfrontierungen und die Auswirkungen des Gewerkschaftsstreits und den damit einhergehenden Verlust an Kirchlichkeit in seiner Pfarrei sehr betroffen. Seine Seelsorge richtete er sehr stark nach liturgischen Zielen aus. Gottesdienst und Sakramentenspendung hatten bei ihm höchste Priorität. Um die äußeren Dinge war er weniger besorgt.
Pfarrer Leinen verließ die Pfarrei Nunkirchen am 21. Januar 1928. In der Abteilungsverhandlung vom 19. Januar 1928 heißt es, die Kirchenkiste ist wegen ihres schlechten Zustandes nicht gebrauchsfähig. Sämtliche Urkunden sind im Pfarrhaus. Das Pfarrhaus, erbaut 1618, erweitert 1784, ist in einem noch soeben befriedigenden Zustand. Das Bistum ordnete daraufhin an, dass bis zum 1. März eine neue Kirchenkiste anzuschaffen sei und erbat eine entsprechende Vollzugsmeldung.
Auf Pfarrer Leinen folgte Nikolaus Himbert. Er war Pfarrer von Nunkirchen von 1928 bis 21. März 1941. Seine Amtszeit fiel in die Zeit der großen Inflation und die Zeit der aufkommenden Naziherrschaft. Pfarrer Himbert versuchte nach Kräften, das kirchliche Leben aufrecht zu erhalten. Er ließ sich nicht beirren durch die Störversuche der Partei. Er musste jedoch die Schließung der Borromäusbücherei hinnehmen. Im übrigen gab es nur geringe Reibereien zwischen dem Pfarrer und den Nazis. Pfarrer Himbert hielt sich offenkundig zurück. Von ihm sind keine schriftlichen Unterlagen vorhanden, die über diese Zeit berichtet hätten.

Die Pfarrei ab 1939
Kirche7_smallDer ausbrechende 2. Weltkrieg brachte 1939 andere Sorgen als die Konfrontation mit den Nationalsozialisten. Pfarrer Himberts (Foto rechts mit Kommunionkindern) Schwerpunkt war das Festhalten an den traditionellen Formen des Gottesdienstes und der Frömmigkeit. Er musste jedoch erleben, wie sich die Formen des Nationalsozialismus auch in seiner Gemeinde breitmachten und zu einer Entfremdung mancher Pfarrmitglieder von der Kirche führten. Bezeichnend dafür ist der Eintrag in der Schulchronik vom Juli 1937: „Aufgrund eines Erlasses des Ministers für Wissenschaft und Erziehung vom 1. Juli 1937 wurde die gesamte Erteilung des Religionsunterrichtes in die Hand der Lehrpersonen gelegt. Die Änderung vollzog sich reibungslos.“
Pastor Himbert starb am 21. März 1941 in Nunkirchen und wurde hier auf dem Friedhof beerdigt. Als „Nachbar“ bekam er seinen Nachfolger, Pastor Alois Kreutzer, der von 1941 bis 1968 die Pfarrei leitete. Pastor Alois Kreutzer, in Eiweiler 1888 als Sohn einer Bergmanns- und Bauernfamilie geboren, wurde nach seinen Studien am 7. August 1921 durch Bischof Dr. M.F. Korum in Trier zum Priester geweiht. Nach den Kaplansjahren in Gebhardtshain (Sieg) und St. Josef in Saarbrücken-Malstatt erhielt er seine erste Pfarrerstelle in der Eifelgemeinde Ringhuscheid mit elf (!) Filialorten. Im Kriegsjahr 1941 übernahm er die Pfarrei Nunkirchen mit den Filialen Büschfeld und Michelbach, die er bis zu seiner Pensionierung im Sommer 1968 verwaltete. Er verbrachte seinen Lebensabend in seinem Wohnhaus auf „Meschels“. Hier starb er am 20. April 1976 und wurde neben seinem Vorgänger Nikolaus Himbert begraben. Besondere Ehrungen hatte Pastor Kreutzer – u.a. durch die Verleihung der Ehrenbürgerschaft seiner Gemeinde Nunkirchen – anlässlich seines goldenen Priesterjubiläums am 15. August 1971 erfahren. Große Verdienste hat sich Pastor Kreutzer durch die Anschaffung des Vier-Glocken-Geläuts der Pfarrkirche im Advent 1953 und die Erbauung des Altenheims.

Am 25. August 1968 wurde Pastor Hans-Jörg Hoferer, 1938 in Völklingen geboren, als Nachfolger von Pastor Kreutzer eingeführt. Nach Kaplansjahren in Koblenz und Gerolstein erhielt der Dreißigjährige in Nunkirchen seine erste Pfarrersteile. Der junge Pfarrer ging mit Eifer zu Werke, und zwar nicht nur auf seelsorgerischem Feld, sondern auch in baulicher Hinsicht. Herausragende Baudenkmäler seiner Amtszeit waren der Bau eines neuen Pfarrhauses (1969), bei dessen Ausführung leider der Torbogen (Foto links), der seit 1741 das alte Pfarrhaus mit der Kirche verband, abgerissen wurde, der Bau des Pfarrheims/Saalbaus, in gemeinsamer Trägerschaft von Kirchen- und Zivilgemeinde, im Juni 1973 eingeweiht. Im Jahr zuvor (Juli 1972) war der neue Kindergarten bezogen worden. Pastor Hoferer ließ 1974 eine Innenrenovierung der Pfarrkirche durchführen (Heizung, Neugestaltung des Chorraumes mit Opfer-Altar, Wegräumung der Kommunionbank, Beseitigung der Versteigerungs-Bänke).
Nach fast neunjähriger Amtszeit verließ Pastor Hoferer im Frühjahr 1977 die Pfarrei Nunkirchen, um in Neuwied (und später in Püttlingen) eine neue Pfarrsteile zu übernehmen. Er starb am 30. Mai 2015. Sein Nachfolger wurde Pastor Felix Pelzer, 1931 in Bitburg/Eifel geboren. Am 4. August 1957 in Trier zum Priester geweiht, erhielt er nach seinen Kaplansjahren in Koblenz-Rübenach, Konz-Karthaus, Sulzbach-Hühnerfled seine erste Pfarrstelle in Dorf im Warndt, wo er von 1964 bis 1977 wirkte. Von 1972 bis 1975 war er Dechant des Dekanates Völklingen.
Am 2. Oktober 1977 wurde er als Pfarrer der Herz-Jesu-Pfarrei Nunkirchen eingeführt. Ab Oktober 1977 hatte Pastor Pelzer neben der Pfarrei Nunkirchen mit der Filiale Michelbach noch die Pfarrei Büschfeld mit der Filiale Bardenbach zu leiten. 1996 gab Pastor Pelzer die Pfarreien ab. Er starb am 20. November 2003 in Bitburg.
1996 kam Ralf-Matthias Willmes als Pfarrer nach Nunkirchen. Zum Priester geweiht am 7. Juli 1990, war er von 1990 bis 1993  Kaplan in Merzig und Merchingen, von 1993 bis August 1996 Vikar in Plaidt. Im April 2004 wurde er neben seiner Tätigkeit als Pfarrer der Pfarreien Nunkirchen-Michelbach und Büschfeld-Bardenbach Dechant des Dekanats Wadern, seit April 2004 war er Dechant des Dekanats Losheim-Wadern.
2011 trat eine Strukturreform des Bistums in Kraft, aus der die neue „Pfarreiengemeinschaft Wadern“ hervorging, die im Wesentlichen (bis auf die Zugehörigkeit von Michelbach, das der Gemeinde Schmelz im Landkreis Saarlouis angehört) die kommunalen Grenzen berücksichtigt. Seither sind die Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Pfarrer aller Pfarrgemeinden der Pfarreiengemeinschaft. Für Nunkirchen kamen so Pfarrer Paul-Johannes Mittermüller und Pfarrer Jakob Spaniol als Seelsorger hinzu. Gleichzeitig übernahm Dechant Willmes auch die Pfarrerfunktion für die übrigen Kirchengemeinden der Pfarreiengemeinschaft.
Am 20. Juni 2013 wurde Dechant Ralf-Matthias Willmes als Pfarrer von Nunkirchen verabschiedet. Er trat am 1. September 2013 seine neue Aufgabe als Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Waldrach an. Paul-Johannes Mittermüller (im Juli 2015 verabschiedet) und Jakob Spaniol (im Januar 2014 verabschiedet) blieben in ihrer Funktion als Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft auch Pfarrer von Nunkirchen.
Am 16. Mai 2014 wurde Stefan Sänger als neuer Pastor der Pfarreiengemeinschaft in sein Amt eingeführt. Der am 24. Dezember 1956 in Saarlouis geborne Seelsorger wuchs in Klarenthal auf. Nach dem Abitur im Jahre 1975 trat er in das Priesterseminar Trier ein und studierte in Trier und Freiburg im Breisgau Theologie bis zum Diplom. 1982 wurde Stefan Sänger im Trierer Dom zum Priester geweiht. Anschließend fungierte er als Kaplan in Klausen und Boppard, dann als Vikar in Klausen, Elkenroth und in Rosenheim im Westerwald. Von 1988 bis 2000 war er Pfarrer von Brotdorf und Bachem. 2000 bis 20014 leitete er die Pfarrei Sulzbach, Allerheiligen und Sulzbach-Neuweiler, St. Hildegard. Er war auch einige Jahre als Dechant in Merzig und Sulzbach tätig.

Noch unter der Federführung von Ralf Matthias Willmes erfolgte in den Jahren 1995/96 die Bleiverglasung der Kirchenfenster, ausgeführt von der Firma in Trier. Dieses Vorhaben in Höhe von 271000 DM konnte dank der Spenden aus den Haussammlungen und der Einzahlungen auf das Spendenkonto, sowie der Zuschüsse des Bistums, des Landeskonservators und des Kreises durchgeführt werden. Im Mai des Jahres 2000 findet – auf Initiative von Pastor Willmes – ein Treffen mit den Verantwortlichen des Bau- und Denkmalamtes des BGV Trier und eine Besichtigung der Pfarrkirche statt. Hiernach ist dringender Renovierungs- und Restaurationsbedarf gegeben. Im Juni 2002 ist abzusehen, dass die Baumaßnahme auf Grund finanzieller Schwierigkeiten, nicht wie geplant durchzuführen ist. Die Maßnahme wird daher in zwei Bauabschnitte aufgeteilt: 1. Bauabschnitt: Kanalsanierung, Erneuerung der Resonanzböden und der Laufstege im Glockenturm und Kirchendachboden, Überarbeitung der Elektrik, Sanierung der Wendeltreppe im Turm und Erneuerung der Glockenanlage, Schlosserarbeiten. Der erste Bauabschnitt wurde am 15. Januar 2003 durch das BGV bewilligt. Die Arbeiten begannen im Herbst 2003. 2. Bauabschnitt: Elektroinstallation, Abnahme der alten Dispersionsfarben, Putzarbeiten, Glaserarbeiten, Anstriche, Sanierung der Bankfelder, Gerüstarbeiten, Ausmalungen. Der zweite Bauabschnitt wurde am 19. Januar 2004 durch das BGV genehmigt. Nachdem alle mit der Genehmigung befassten Stellen ihre Zustimmung erteilten, konnte im Mai 2004 mit den Arbeiten des zweiten Bauabschnittes begonnen werden. Die Orgel wurde eingehaust und mit der Farbablösung begonnen. Danach erfolgte das Auftragen des neuen Anstrichs. In mühevoller Kleinarbeit anschließend das wieder hergestellt, was in den 60er Jahren leichtfertig überdeckt wurde. Am 19. Juni 2005 wurde mit einem großen Fest-Gottesdienst die Wiedereröffnung der Kirche gefeiert. Die ehrwürdige Kirche erstrahlt seither wieder „in altem neuem Glanze“.

Ab Mitte 2008 wurde die Holztragkonstruktion des gesamten Turmhelms saniert. Besonders die Schwellenhölzer waren vom so genannten „Echten Hausschwamm“ befallen. Dabei wurde unter anderem der 25 Meter hohe Turmhelm mit Stahlträgern abgefangen, abgestützt und um 15 Zentimeter angehoben. Turmhelm und Nebentürmchen wurden mit Spanischem Naturschiefer in Altdeutscher Deckung versehen und die Kupfer-Blitzableiterleitungen erneuert. Mit den Arbeiten am Turm selbst wurden der Wetterhahn vergoldet und die Turmuhr, die einen Durchmesser von rund zwei Metern aufweist – in einer Fachwerkstatt „generalüberholt“. Zifferblatt und Zeiger wurden ebenfalls vergoldet. Mitte Oktober 2009 waren die aufwändigen und langwierigen Arbeiten beendet.

Fotos von den Pfarrern bis 1996 finden Sie in unserer Fotogalerie.

Quellen:
1. R. Schulz: Geschichte der Pfarrei Nunkirchen, Trier 1938
2. F. Pauly: Siedlung und Pfarrorganisation im alten Erzbistum Trier, Das Landkapitel Merzig, Trier 1967
3. Jakob Marx: Geschichte der Pfarreien des Bistums Trier, Band I, Paulinus-Verlag Trier, 1923
4. Fabricius: Erläuterungen 5,3, S. 96
5. Ph. de Lorenzi: Geschichte sämtlicher Pfarreien des Bistums Trier; Trier 1887 und 1984
6. J.H. Kell: Geschichte des Kreises Merzig, Sbr., 1925
7. Guido Müller: Die Bevölkerung der Pflege Losheim… Saarl. Familienkunde, Jhg. X, 1977, Heft 40
8. Extractus Saarburger Keilerei, Saalbuch 1587, Landeshauptarchiv Koblenz, 1c, Nr. 4996
9. Pfarrarchiv Nunkirchen, Lagerbuch
10. Kirchl. Anzeiger f.d. Diözese Trier vom 26.1.1876
11. Kirchl. Anzeiger f.d. Diözese Trier vom 7.12.1858
12. Kirchl. Anzeiger f.d. Diözese Trier von 1854, Seite 30

Schulen in Nunkirchen

I. Volksschule Nunkirchen
Von Fritz Glutting

Allgemeines
Das Schulwesen ist in seiner heutigen Gestaltung aus sehr einfachen Verhältnissen hervorgegangen. Pfarrschulen des Mittelalters legten das Fundament. Der Schulbesuch war freiwillig. Noch bestand kein Schulzwang. Unter diesen Umständen besuchten fast ausschließlich nur Kinder von Adligen und später auch vom reich gewordenen Bürgerstand die Schule. Kinder vom Land wuchsen zumeist ohne jegliche Schulbildung auf.
„Im Hochmittelalter, als Handwerk und Gewerbe aufblühten, musste eine entsprechende Berufsausbildung erfolgen. Sie geschah zumeist in den so genannten Stadtschulen, entweder unter kirchlichem Patronat als Pfarrschulen oder städtischer Aufsicht als niedere Lateinschulen. Daneben gab es noch Schreibschulen, die in der Muttersprache Schreiben und Lesen lehrten. Rechnen lernte man bei Privatlehrern, die ‚Rechenmeister‘ genannt wurden“ (3).
Damit war die Pfarrschule über ihre ursprünglich rein religiöse Unterweisung hinaus um Lesen und Schreiben erweitert worden (17. Jahrhundert). Ende des 18. Jahrhunderts kam noch das Rechnen hinzu. „Die Mädchen blieben zunächst vom Schreibunterricht ausgeschlossen, da man glaubte, die Schreibkunst verführe zu Tändeleien und Liebschaften. Erst im 19. Jahrhundert kam die Volksschule zur reifen Ausbildung und erhielt durch die Auswirkung der „Allgemeinen Bestimmungen“ von 1872 ihre endgültige Gestalt“ (3).
Erst nach und nach setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Kinder aller Stände und jedes Geschlechts eine schulische Bildung erfahren sollten. Auf den Dörfern gab es vielfach im 18. Jahrhundert noch keine Schulen, größere Ortschaften hatten nur Winterschulen, in denen ab dem Gertrudentag (17. März) der Unterricht eingestellt wurde, um wieder mit Martini (11. Nov.) zu beginnen. Als Lehrer fungierten häufig Handwerker, die während des Sommers ihr Handwerk betrieben und während des Winters Unterricht erteilten. Es waren vor allem die beiden Trierer Kurfürsten Hugo von Orsbeck (1676 bis 1711) und Clemens Wenzeslaus (1768 bis 1802), die das Schulwesen förderten und ihm einen festen Rahmen gaben. So lautete u.a. eine Bestimmung, dass Kinder vom 7. bis 11. Lebensjahr in die Schule geschickt werden sollten.
Doch was nützte die strengste Anordnung zum Schulbesuch, wenn die „Lehrer“ nicht die minimalsten Anforderungen eines geordneten Unterrichts erfüllten? Kurfürst Clemens Wenzeslaus eröffnete am 11. November 1784 in Koblenz die „Normalschule“, ein Lehrerseminar. Die Lehreranstellung wurde verstaatlicht, da der Kurstaat die Lehrerausbildung bezahlte. Die Französische Revolution machte alles wieder zunichte. Das Lehrerseminar ging 1793 ein. Ein Jahr danach verließ der Kurfürst vor dem Einmarsch der frz. Revolutionstruppen sein Land, um nicht mehr wiederzukommen.
Seine schlichten Ideen fanden in Viktor Josef Devora, Pfarrer in Trier St. Matthias, ihre Weiterentwicklung. Nach der „Franzosenzeit“ richtete er in seinem Pfarrhaus eine Lehrerbildungsstätte ein und sorgte für eine gediegene Ausbildung. Gleichzeitig setzte er sich für ein standesgemäßes Gehalt der Lehrer ein, um ihr Ansehen in der Öffentlichkeit zu heben.
Wie wurden die Lehrer zuvor bezahlt? Dem Charakter einer Pfarrschule entsprach es, dass die Lehrer den Küsterdienst in der Kirche versehen mussten und auch als Pfarrschreiber zur Verfügung standen. Die Entlohnung für den Küsterdienst war das einzige feste Einkommen des Lehrers. Für seine Lehrtätigkeit erhielt er von den Eltern ein jährliches Schulgeld, das bei wirtschaftlich schlecht gestellten Eitern von der Pfarrkirche übernommen wurde. Trotz aller Bemühungen seitens der kirchlichen und weltlichen Behörden blieb der Schulbesuch für lange Zeit ein Streitobjekt zwischen den Eltern, sprich Gemeinden, und der Obrigkeit. Neben der Tatsache, dass die Kinder bei der Arbeit gebraucht wurden, spielte das Schulgeld die ausschlaggebende Rolle bei den immer wieder auftauchenden Disputen.

Lehrpersonen
Für die Nunkircher Schulgeschichte ist vorab festzustellen, dass schriftliche Hinweise auf die Errichtung einer Pfarrschule nicht vorliegen. Es darf jedoch angenommen werden, dass der Pfarrort Nunkirchen mit den Filialen Büschfeld, Michelbach und Biel schon frühzeitig über eine solche Schule verfügte. Einer Eintragung in der Schulchronik zufolge soll die Schulgründung zwischen 1680 und 1700 erfolgt sein. Ein schriftliches Zeugnis darüber liegt, wie gesagt, nicht vor. Indirekt wird die Jahresangabe 1680 bis 1700 zu einer gewissen Sicherheit, wenn Eintragungen in den Pfarrbüchern nachweisen, dass bereits um 1700 die Lehrer als Pfarrschreiber bzw. als Kirchenrechner fungierten. Sie unterzeichneten neben dem Pfarrer und den acht Kirchenschöffen. Von 1713 ab werden in den Pfarrbüchern während des 18. Jahrhunderts fünf Lehrer genannt, die als Schreiber bei Verhandlungen des Kirchenvorstandes zugezogen wurden. Im Jahr 1704 wurde – für den verstorbenen Pastor Johann Oppen eine Messstiftung eingetragen mit dem Zusatz:“… soll der Schulmeister als Küster für seine Mühewaltung 3 Albus (3 Weiß- oder Silberpfennige) erhalten.“
Für das Jahr 1713 wurde Johann Färber als Lehrer und Küster angegeben. Für die Jahre 1723,1726, 1729,1730 und 1736 sind Eintragungen im Lagerbuch durch den Lehrer und Küster Michael Waltrich erfolgt. Eine Eintragung am 9. März 1730 fertigte der Lehrer Carolus Guntram an. Er war wahrscheinlich als Aushilfe tätig. Von 1750 ab bis 1802 wirkte als Lehrer und Küster Matthias Weyand, dem nach einer Eintragung aus dem Jahr 1797 sein Sohn Friedrich als adjungierter Lehrer zur Seite stand und ihm als selbständiger Lehrer im Jahr 1802 folgte. Es war die so genannte „Franzosenzeit“, als das linke Rheinufer von den Franzosen besetzt war und verwaltet wurde. Aus dieser Zeit ist ein Schriftverkehr zwischen dem Bürgermeister der mairie Weyerweiler, Josef Schneider aus Nunkirchen, und dem Unterpäfekten in Birkenfeld bekannt, in dem die Pfarrer Kund Lehrer der mairie Weyerweiler genannt werden.
Es gab damals drei Pfarrschulen in der mairie Weyerweiler: in Konfeld, Nunkirchen und Weiskirchen. In Nunkirchen amtierte Franz Friedrich Weyand, der in der vom Kurfürsten Clemens Wenzeslaus gegründeten „Normalschule“ in Koblenz ausgebildet worden war. Bürgermeister Schneider schrieb über ihn: „Sein moralisches Betragen ist ganz ohne Tadel und lobenswürdig, auch besitzt er die vollkommene Zufriedenheit seiner Gemeinde und verdient das Zeugnis einer guten, stillen und tugendhaften Aufführung. Sein Gehalt ist schwach, denn er erhält nur von jedem Lehrling, deren ohngefähr bis 70 sind, einen Franc und 7 cent zu Lohn nebst dem ihm bey Winterszeit zur Einheitzung des Schulgebäudes notwendige Brandtholz.“ (2)
Ihm folgte Nikolaus Fett, Lehrer von 1832 bis 1866. Über ihn wird noch einiges zu berichten sein. Sein Nachfolger wurde Jakob Gnad aus dem Eifeldorf Platten, zuerst Lehrer in Michelbach, dann von 1866 bis 1891 in Nunkirchen. Mit ihm trat eine wichtige Änderung in Bezug auf den Küsterdienst ein, der bis dahin immer mit dem Lehreramt verbunden war. Am 16. Januar 1868 teilte Bürgermeister Marx aus Weiskirchen dem Königl. Landratsamt in Merzig mit, dass „an Stelle des in Nunkirchen verstorbenen Küsters Weiand der dortige Lehrer J. Gnad gewählt wurde. Die darüber aufgenommene Verhandlung ist dem Bischöfl. Generalvikariat vorgelegt worden. Der Gemeinde Rath von Nunkirchen hat indessen in seiner Majorität beschlossen, dass beide Stellen in Nunkirchen nicht vereinigt werden sollen, weil dieses Verhältnis für die Schule sehr störend sei, zumal in Nunkirchen der tägliche Gottesdienst bald früh bald spät gehalten würde…“ (2).
In Bezug auf den Lehrer Nik. Fett soll folgendes festgehalten werden: Als Kirchenrechner stand er mit Pastor Josef Hardt (1844 bis 1851) in keinem guten Einvernehmen. Der Pfarrer warf ihm Unterschlagung von Kirchengeldern vor, ein Vorwurf, der später von Pastor Peter Fuchs (1872 bis 1915) zurückgewiesen wurde. Der Vorwurf bestand jedoch zurecht; denn laut Mitteilung des Königl. Preußischen Ober-Procurators in Trier vom 26. Oktober 1850 wurde Fett zu drei Monaten Gefängnis wegen Unterschlagung von Kirchengeldern verurteilt. Die Mitteilung schloss mit dem Zusatz: „Er hat die Berufung wider das Urteil des hiesigen Zuchtpolizeigerichtes vom 15. Juli zurückgezogen und dasselbe somit rechtskräftig geworden ist.“
Nikolaus Fett, „Rendant bei der Kirchenfabrik Nunkirchen“, war bereits im Mai 1845 wegen säumiger Vorlage der Kirchenrechnungen angemahnt worden (2). Damit hatte Lehrer Fett weder bei der geistlichen noch bei der weltlichen Behörde keine gute Karten. Sein ständiger Kampf um Gehaltserhöhung – bei neun Kindern durchaus verständlich – hatte ihn aggressiv gegen die Obrigkeit gestimmt. Ein Vorfall aus dem Revolutionsjahr 1848 beweist diese Einstellung.
Die Obrigkeit ging nicht nur höchst sparsam mit dem Lehrergehalt um, auch über sämtliche Leistungen sächlicher Art an die Schule wurde von den Lehrpersonen genaue Buchführung gefordert. Die Bürgermeister führten scharfe Kontrollen durch. Lehrer Fett hatte sich beim Schulvorstand darüber beschwert, dass Bürgermeister Keller von Weiskirchen sich persönlich in der Nunkircher Volksschule über die Verteilung von Schulutensilien an die Schulkinder überzeugt hatte. Die Angelegenheit landete über dem Behördenweg bei der Königl. Regierung in Trier, die vom Landrat eine Stellungnahme anforderte. Diese Stellungnahme gibt ein Schreiben des Merziger Landrats vom 24. März 1848 an den Lehrer N. Fett wieder: „Die Königl. Hochwohllöbliche Regierung hat mir Ihre Eingabe vom 4. Dez. v. J. an den dortigen Schulvorstand, worin Sie über Störung des Unterrichts durch den Herrn Bürgermeister Keller von Weiskirchen Beschwerde führen, zur weiteren Verfügung zugefertigt.
Demgemäß erhalten Sie hiermit zum Bescheide, dass der Herr Bürgermeister Keller, indem er bei seinem vom 3. Dez. v. J. stattgehabten Besuche Ihrer Schule sich nach der Verwendung der auf Kosten der Gemeinde angeschafften Schulutensilien für arme Kinder erkundigte und, als er dieselben nicht ihrer Bestimmung gemäß verwendet, sondern sogar Kinder reicher Einsassen und Ihren eigenen Sohn damit versehen fand, Ihnen seine Unzufriedenheit darüber äußerte und Ihnen dieses Verfahren für die Zukunft untersagte, nicht nur in seinem vollen Rechte war, sondern seiner Pflicht gemäß und in meinem ausdrücklichen Auftrage gehandelt hat. Die mehrfachen Klagen der Gemeinderäthe über die übertriebene Höhe der Ausgaben für Schulbedürfnisse armer Kinder, die sich im Vergleich mit anderen Schulen nicht unbegründet fand, und die mit Recht auf die Vermuthung führen, dass damit nicht mit einer vernünftigen Sparsamkeit zu Werke gegangen werde, haben mich nämlich bestimmt, dem Herrn Bürgermeister Keller schon unterm 7. Juni v. J. aufzugeben, sich von Zeit zu Zeit in den Schulen persönlich davon zu überzeugen, dass die gelieferten Bücher nach Möglichkeit geschont und die Materialien angemessen und nur von denjenigen Kindern, für die sie beschafft seien, verwendet würden.
Hierin, mein‘ ich, sei keineswegs eine Beeinträchtigung Ihrer Schullehrer-Autorität zu finden, viel weniger aber konnte Ihnen die Maßregelung Veranlassung geben, in wahrhaft pöbelhafter Weise sich darüber, wie Sie es in der Eingabe vom 04.t d. Mts. gethan haben auszulassen. Es wird doch wohl dem Bürgermeister noch erlaubt sein, die Schule seines Amtsbezirks zu besuchen und darin Handlungen, zu denen ihn sein Amt verpflichtet, vorzunehmen, ohne dass er dieselbe Ihrer ungezogenen Kritik zu unterwerfen nöthig hat. Thun Sie… in allen Stücken Ihrer Amtsobligenheiten Ihre Pflicht, wie der Bürgermeister in dem gegenwärtigen Falle die seinige gethan hat, dadurch schützen Sie Ihre Lehrer-Autorität besser, als durch solche grobe Äußerungen über Ihren Vorgesetzten, die einem Jugendlehrer besonders schlecht anstehen. Insbesondere warne ich Sie auch vor künftigen nochmaliger missbräuchlicher Verwendung der für arme Schulkinder angeschafften Schulbedürfnisse, weil dieselbe leicht unangenehme Folgen für Sie haben könnte.“
Dann folgte noch ein Zusatz des Landrats an den Bürgermeister Keller: „Abschriftlich auf den Bericht vom 25t d. Mts. zur Nachsicht aber auch mit dem Ersuchen, das Ansehen der Lehrer umsichtig zu schonen, selbst dann, wo diese bitteres Unrecht haben.“ (2)
Nach dem Tode des Lehrers Fett bewilligte der Rat am 28. September 1866 seinem Nachfolger 200 Thaler jährlich unter Wegfall der Komlieferung. Es wurde allerdings die Bedingung gestellt, dass der neue Lehrer bis zur Besetzung der Küsterstelle die „Leitung und Organisation des Kirchengesanges übernimmt und hierzu zu diesem Zwecke in der Schule die nöthigen Vorbereitungen trifft und auch unter den zur Entlassung gekommenen Kindern fortsetzt.“ Die Schulchronik vermerkt dazu, dass im November 1895 die Küster- und Organistendienste, die bisher organisch mit der Lehrerstelle verbunden waren, von dieser getrennt und dem Lehrer ein jährliches Grundgehalt von 1200 M. festgesetzt wäre.
Zum Lehrergehalt ist allgemein festzustellen: Nach der „Franzosenzeit“ setzte der preußische Staat jährliche Mindestsätze fest. Das Gehalt, von den Gemeinden zu zahlen, setzte sich aus dem Schulgeld der Eltern, dem Küstergeld, der Nutzung des Gartens, einem Los Holz und den Stolgebühren (feste Beträge für Dienste im Pfarrbereich) zusammen. Seit 1852 wurde der Wert der Dienstwohnung auf die Bezüge angerechnet. Ab 1888 durfte kein Schulgeld mehr erhoben werden. Der Staat leistete einen jährlichen Beitrag von 400 M. – ein Jahr später 500 M. – für die Stelle des ersten Lehrers, 150 M. für die Lehrerinnenstelle. Für die sächlichen Ausgaben blieben die Gemeinden bis heute zuständig.
Eine Begebenheit sollte im Zusammenhang mit den Bezügen des Lehrpersonals nicht unerwähnt bleiben: Lehrer Matthias Cornelius wandte sich im September 1898 an den Bürgermeister Wedewer in Weiskirchen mit der Bitte um Zuwendung von 20 Mark für das Feuer-Anzünden in der Schule. Er würde dann das Feuer-Anzünden unter seiner Aufsicht durch die Nachbars-Schüler besorgen lassen und an die Betreffenden das Geld auszahlen für die Bemühungen.
Daraufhin schrieb der Bürgermeister an den Ortsvorsteher Schmitt „mit dem Ersuchen, gefälligst der Witwe Peter Spang“ – das war sicherlich die Putzfrau – „sprechen zu wollen, ob dieselbe bereit ist, gegen eine Vergütung von 20 Mark das Feueranzünden in der Schule des Lehrers Cornelius zu übernehmen, da derselbe mir geschrieben, dass er im vergangenen Winter das Feuer meist selbst angelegt habe und dies fernerhin ohne Entschädigung von 20 Mark nicht mehr zu thun beabsichtige.“
Antwort des Vorstehers am 14. September: „Dem Antrage des Herrn Cornelius betr. Feuer Anzündung, ist dasselbe in altherkömmlicher Weise durch die Schulkinder besorgt worden ohne Ausgaben zu verursachen, ich möchte annehmen, es handele sich auch hier um Anzünde-Material, denn es wurde schon häufig bei mir geklagt, das einiges Lehrer-Personal von den Kindern von zu Hause mit bringen lässt, was bei dem früheren Lehrer-Personal nicht Mode war, soviel mir bekannt ist, hat jede Schule, für Heizung und Besen geg. 72 Mark ich glaube für diesen Betrag könnte das Heizen und Anzünde Material besorgt werden. Auch hat jede Schule 30 Zentner Kohlen für die Bergmannskinder soviel mir gesagt wird…“
Der Hinweis auf die Putzfrau brachte die Lösung; denn der Ortsvorsteher teilte am 21. September 1898 mit: „Das Feuer Anzünden in der Schule des Lehrers Cornelius habe ich der Witwe P. Spang-Demmer für 20 Mark übertragen…“(2).
Die Frage sei hier ertaubt: Warum nicht gleich so? Noch ein Hinweis: Mit dem Ausdruck „Schule“ ist sicherlich das Schulgebäude im „Schulecken“ gemeint, in dem zwei Klassen, nämlich die gemischte Klasse (1.-4. Schuljahr) und die Knaben-Oberstufe (5.-8. Schuljahr) unterrichtet wurden.
Bevor die anderen Lehrerinnen und Lehrer aufgezählt werden, die an der Volksschule Nunkirchen wirkten, soll das Schulsystem seit der Einführung der Pfarrschule gegen Ende des 17. Jahrhunderts bis Ende des Schuljahres 1970/71 vorgestellt werden. Im 18. und besonders im 19. Jahrhundert entwickelte sich aus den vormaligen katholischen und protestantischen Schulen die moderne Volksschule. Nach den Freiheitskriegen 1813/14, als unser Gebiet zum Königreich Preußen kam, wurden die Pfarrschulen aufgelöst und die Schulen unter staatliche Aufsicht gestellt. Das Volksschulsystem mit der Schulpflicht wurde eingeführt.
Nunkirchen wurde Schulort für Nunkirchen, Münchweiler, Michelbach und seit 1889 auch für die Kinder des Limbacher Ortsteils Auschet, nachdem sie zuvor in Limbach und Michelbach eingeschult waren. Die Gemeinde Nunkirchen hatte sich jahrelang aus finanziellen Gründen heraus gewehrt, die Auscheter Schulkinder aufzunehmen.
Der Besetzung der einzelnen Lehrerstellen gingen jedesmal langwierige Verhandlungen zwischen der Gemeinde und der Schulbehörde voraus. Im Jahr 1815 wurde Nunkirchen zweiklassig. Erst sechzig Jahre später erfolgte die Schaffung einer dritten und 1901 die einer vierten Stelle. Im Jahr 1907/08 war die Schülerzahl auf 348 angewachsen: 331 aus Nunkirchen, 3 aus Münchweiler und 14 aus Auschet. Die fünfte Stelle musste eingerichtet werden, 1914 die sechste und 1920 die siebte Stelle. Über sieben Stellen hinaus ist die Nunkircher Volksschule nie hinaus gekommen. Im Gegenteil: Im Jahr 1930 fünfstellig geworden, blieb sie bis zur Auflösung, d.h. zur Verschmelzung mit der Hauptschule WadernJahrgang1922_klein, zumeist fünfklassig. Mit 414 Schülern im Jahr 1917 erreichte die Volksschule Nunkirchen den Höchststand, der nicht mehr überschritten wurde (Unser Foto rechts zeigt den Jahrgang 1922 mit Lehrerin Petronella Lück. Das Foto, aufgenommen 1928, wurde dankenswerterweise von Helmut Lang überlassen, ebenso wie die Personalkarte von Petronella Lück weiter unten, die Helmut Lang im Bundesarchiv Koblenz fand. Petronella Lück wurde am 1. November 1923 als Lehrerin auf Probe in Nunkirchen beschäftigt. Mit ihrer endgültigen Anstellung (1928) erhielt sie 128,40 Reichsmark monatlich und hatte eine Dienstwohnung im Schulgebäude zur freien Verfügung).
Nachzutragen ist noch, dass die Schule ab 1. April 1920 eine Rektorstelle erhielt. Nikolaus L’hoste war in beiden Fällen der erste Amtsinhaber. Nach ihm leiteten die Schule als Hauptlehrer, Rektor, Direktor der Volksschule und wieder als Rektor Alfons Derichs (1922 bis 1926); Josef Speicher (1926 bis 1930); Matthias Müller (1931 bis Kriegsende); dann wieder nach dem Tode von Heinrich Thome (1952/53); Heinrich Thome (1948 bis 1952); Fritz Glutting (1953 bis Ende des Schuljahres 1969/70). Vor Nikolaus L’hoste war die erste Lehrerstelle besetzt durch Jakob Gnad (1866 bis 1891); Johann August Clüsserath (1891 bis 1895); M.Bemhard Adams (1895 bis 1913).
Seit 4. September 1944, als PersonalaktePatronellaLueck_kleinAufruf zum Schanzen erging, fand kein Schulunterricht mehr statt. Zudem machten ihn die täglichen Feindeinflüge unmöglich. Der 1. Oktober 1945 stand für einen Neubeginn. Die Entnazifizierung ließ nur eine einzige Lehrperson zu und zwar Lehrer Albert Ames. Bei 275 Schulkindern sicherlich keine leichte Aufgabe. Die Pfarrgeistlichkeit half an vier Wochentagen mit je vier Stunden Religions-Unterricht aus. Frau Maria Müller, die Gattin des Sattlermeisters Matthias Müller, übernahm am 10. Oktober 1945 bis zum Jahresende den Unterricht im 4. u. 5. Schuljahr; Lehrer Ames in den restlichen Jahrgängen. Lehrerin Petronella Lück (ihre Personalkarte sehen Sie links) und Lehrer Mattais Müller konnten wieder am 15. November 1945 bzw. 1. Januar 1946 den Unterricht aufnehmen. Auch Lehrer Hans Thieser wurde wieder in den Dienst übernommen.
Lehrermangel und politische Entscheidungen führten immer wieder zu einer gewissen Unruhe im Schulbetrieb. Da wurde z.B. in den 60er und zu Beginn der 70er Jahre das Projekt „Mittelpunktschule“ in die Diskussion gebracht und rief vor allem in Nunkirchen ein zwiespältiges Echo hervor. Alle Vorkehrungen, Nunkirchen zum Sitz einer Mittelpunktschule zu machen, scheiterten am Widerstand von Büschfeld und Michelbach. Wadern wurde die Zentrale der Mittelpunktschule. Der Entlassjahrgang aus Nunkirchen besuchte die entsprechenden Klassen in Wadern.
Mit Beginn des Schuljahres 1970/71 wurde die Volksschule Nunkirchen endgültig in die Hauptschule Wadern, wie sie nun hieß, eingegliedert. Einzelne Klassen, deren Schülerinnen und Schüler aus den Stadtgemeinden kamen, blieben noch bis Ende des Schuljahres 1978/79 in Nunkirchen im Gebäude der ehemaligen Kaufm. Berufsschule.
Folgende Lehrerinnen und Lehrer haben außer den zuvor genannten an der Volksschule Nunkirchen gewirkt (Vertretungen sind nicht angeführt!): Agnes Burr, die erste Lehrerin der Mädchenschule (1815 bis 1828); Angela Winkler (1818 bis 1855); AnnaTholl (1855 bis 1878); Juliana Gnad (1878 bis 1888); Maria Kleinpeter (1888 bis 1893); Kath. Schäfer (1875 bis 1906); Johanna Können (1893 bis 1897); Luise Zender (1901 bis 03); Hedwig Schultheiß (1903 bis 06); Kath. Mary (1906 bis 11); Anna Jager (1906 bis 20); Kath. Lauer (1907 bis 12); Susanna Kaspar (1911 bis 31); Helene Arend (1914); Gertrud Hein (1915 bis 18); Anna Praesser (1918); Bassompierre (1920 bis 21); Cäcilia Kammer (1912 bis 23); Anna Nicoiay (1921 bis 28); Dreidemie (1923 bis 26); A. Britz (1926); Marg. Behles (1927 bis 28); Maria Winkel (1928 bis 30); Petronella Lück (1928 bis 1955); Hildegard Bellenberg (1931 bis  32); K. Grundhöfer (1932 bis 1933); Susanne Meschke (1933 bis 44); Annemie Pauwels (1949 bis 1968); Therese Artz-Faas (1950 bis 52); Maria Hein (1961 bis 65); Lucie Engstler (1965 bis 70); Angela Bastuck (1969 bis 70). Matth. Cornelius (1897 bis 1904); Peter Oos (1904 bis 09); Heinrich Gitzen (1910 bis 13); Josef Bernardy (1913 bis 15); Karl Schnur (1915 bis 25); Heinrich Wehien (1920 bis 24); Matth. Florange (1914); Hans Thieser (1918 bis 48); Albert Armes (1921 bis 49); Philipp Sauerwein (1952 bis  68); Raimund Morguet (1953 bis 56 und wieder von 1958 bis 62); Jakob-Josef Kuttler (1962 bis 71); Wilhelm Plengorth (1956 bis 58); Edgar Meier (1961); Josef Görgen (1961 bis 62); Manfred Wack (1964 bis 65); Alfons Latz (1965 bis 68); Gerhard Penth (1968 bis 69); Armin Rupp (1968 bis 70); Ludwig Dahl (1968 bis 70); Franz-R. Schweizer (1969 bis 70); Josef Bold (1970).

Gebäude
Über die Räumlichkeiten der Pfarrschule ist nur soviel zu erfahren, dass lt. Schulchronik „ein geeignetes Haus erworben und zur Schule eingerichtet wurde. Dieses frühere Schulhaus stand bei der Kirche an der Stelle des jetzigen Wohnhauses der Witwe Marx“. Damit war sicherlich eines der so genannten „Faas-Häuser“ gemeint.
SchuleSchulecken_smallDen Angaben der Schulchronik zufolge wurde im Jahr 1820 ein Schulhaus erbaut. Es war das später in Privatbesitz (Dewes) übergegangene Haus im „Schulecken“ (Foto links), das 1977 abgerissen wurde. An seine Stelle ist ein Wohnhaus getreten. Dieses Schulhaus verfügte über zwei Säle und zwei Dienstwohnungen für den Lehrer und die Lehrerin. Kinder aus Nunkirchen, Münchweiler und Michelbach gingen hier zur Schule. Im Jahr 1846 erbaute Michelbach eine eigene Schule. 43 Jahre später, 1889, kamen die Schulkinder von Auschet hinzu und blieben im Schulverband Nunkirchen bis zur Gebiets-und Verwaltungsreform 1974.
Die ansteigenden Schülerzahlen (Knabenklasse 117, Mädchenklasse 134 im Jahr 1874) zwangen zum Bau eines neuen Schulhauses im Oberdorf (Malergeschäft Werding, später „Kemmerling“, heute Privatbesitz). 1875 war der Bau vollendet (Schulsaal und Dienstwohnung). Am 1. Dezember desselben Jahres begann der Unterricht der Mädchen der Oberstufe (5.-8. Schuljahr). Diese Schule erhielt den Namen „Mädchenschule“. Im alten Schulhaus verblieben die Knabenklassen und eine gemischte Klasse (1.-4. Schuljahr).
Somit war das Schulsystem Nunkirchen dreiklassig geworden. Die Kinderzahlen stiegen weiter an. Dazu kamen noch die Schulkinder von Auschet. Der Nunkircher Gemeinderat hatte sich energisch gegen die Aufnahme gewehrt, da die Auscheter Eltern in Bezug auf das Schulgeld säumig waren. Auf Beschluss der Trierer Regierungsbehörde musste die Gemeinde nachgeben, gab sich aber weiterhin recht zugeknöpft in Bezug auf die immer dringender werdende vierte Schulklasse. Wer sollte für die Kosten aufkommen? „Wir berufen uns voll und ganz auf den Beschluss vom 6. Juli 1897 und bitten die Mittel zum Bau einer vierten Schule (gemeint ist eine vierte Klasse) sowie zur Besoldung der Lehrperson aus Staatsmitteln zu bewilligen. Wir sind dann bereit, die Auscheider Kinder so lange aufzunehmen, bis sie eine eigene Schule haben. Sollte die Königl. Regierung hierzu nicht bereit sein, dann müssen wir den Bau solange verschieben, bis die Auscheider Kinder, die mit zur Überfüllung unserer Schulen beitragen, anderweitig eingeschult sind…“, lautete ein Beschluss des Nunkircher Gemeinderates vom 10. Juni 1899.
Der Limbacher Gemeinderat zeigte sich am 29. November 1899 verhandlungsbereit. In der Sitzung an diesem Tag lehnten die Räte allerdings den Bau einer Schule für den Ortsteil Auschet in der Nähe des Bahnhofs ab und erklärten u.a.:“… da dies für die Kinder von Auscheid zu weit ist. Der Gemeinderat zeigt sich bereit, für jedes Schulkind in Auscheid 6 M. pro Jahr an die Gemeinde Nunkirchen bzw. den Schulverband Nunkirchen zu zahlen in der Voraussetzung, dass auch die Eltern der Auscheider Kinder die fehlenden 6 Mark pro Kind zahlen…“ (2).
Die Eltern erklärten sich bereit. Nun war die Einrichtung einer vierten Klasse greifbar nahe. Der Regierungspräsident schrieb an Bürgermeister Wedewer in Weiskirchen am 29. Dez. 1890; „Nachdem die Gemeinde Limbach und die Auscheider Eltern zu zahlen bereit sind, außerdem die Gemeinde Nunkirchen eine Monatsbeihilfe von 170 Mark jährlich als Entschädigung als Entschädigung für die Aufnahme der Auscheider Kinder in ihrer Schule und dortigem Verbleiben erhält… so wird erwartet werden können, dass sie sich zu der nothwendigen Erweiterung ihrer Schule um eine Klasse und Schulstelle entschließen wird…“(2).
Wo aber sollte man die vierte Klasse einrichten? Durch einen Anbau an das Schulgebäude im „Schulecken“? Das wurde abgelehnt. So kam nur der Neubau eines vierklassigen Gebäudes in Frage. „Im Dezember 1903 wurde seitens der Gemeinde ein der Frau Basenach gehöriger Landkomplex an der Provinzialstraße (heute Saarbrücker Straße) zum Bau eines neuen vierklassigen Schulhauses gekauft (Preis pro Quadratrute 14 Mark) (1). Im Sommer 1906 wurde mit dem Bau begonnen. Mit Beginn des Schuljahres 1907/08 wurde das neue Schulhaus bezogen. Die Mädchenschule blieb bestehen, während die Knabenschule im „Schulecken“ im August 1908 vom Schmiedmeister Johann Dewes ersteigert wurde, der es für seine Zwecke umbaute.
Das neue Schulgebäude in der damaligen Provinzialstraße – heute die Grundschule – wurde zu Beginn des Zweiten Weltkrieges von Wehrmachtsdienststellen belegt, so dass der Unterricht nur schichtweise im Saal der Mädchenschule, im Pfarrjugendheim und im kleinen Saal des Hotels Biewer gehalten werden konnte. Nach dem Ende des Frankreich-Feldzuges stand das Schulgebäude wieder zur Verfügung. Die Mädchenschule hingegen war während des Krieges anderweitig verwandt worden, um nach dem Krieg als Ausweichquartier für ausgebombte Familien zu dienen. Im Jahr 1954 wurde das Haus öffentlich versteigert. Den Zuschlag erhielt für 850000, Franken Malermeister Max Werding.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die Schulraumnot wieder zu einem Problem geworden: Für fünf Klassen standen nur vier Klassenräume zur Verfügung. Nachmittagsunterricht im Wechsel war angesagt. Um diesen Übelstand zu beheben, wurde ein Anbau an das vorhandene Schulgebäude geplant und ausgeführt. Dazu ist der Kurzbericht der „Merziger Volkszeitung“ vom 18. Juli 1934 anzuführen. Er meldete, dass der Gesamtschulverband Nunkirchen beschlossen hatte, an das neue Schulhaus zwei Säle, eine Waschküche, Abortanlagen und einen Raum für die Einrichtung einer Zentralheizung anzubauen. Ein Beschluss, der erst 1955, wenn auch in veränderter Form, verwirklicht wurde.
NeueSchuleimBau_smallUm die unhaltbaren sanitären Anlagen am östlichen Ende des Schulhofes zu beseitigen, wurden im Altbau Toiletten für die Schulkinder eingerichtet. Gleichzeitig kam im Zuge der Anbaumaßnahme in den Keller ein öffentliches Volksbad mit Wannen- und Brausebädern. Bevor der Anbau mit seinen Einrichtungen bezogen werden konnte – nach anfänglichem schnellen Fortschritt der im Herbst 1953 begonnenen Bauarbeiten – stockte 1954 der Weiterbau, so dass Schulleiter Glutting in vielen Schreiben an das Kreisschulamt, an den Bürgermeister und das Kreisbauamt die Weiterführung der Arbeiten anmahnen musste. Erst nach einem dreitägigen Schulstreik im Januar 1955 wurden die Bauarbeiten – in diesem besonderen Fall das Einsetzen der Fenster im Anbau – wieder aufgenommen und zügig weitergeführt.
Als am 11. November 1955 Pastor A. Kreutzer den Erweiterungsbau einsegnete, erfolgte diese Handlung ohne Teilnahme der Behörden. Die Elternschaft von Nunkirchen war durch sechs Frauen vertreten.
Im Anbau waren vier Schulsäle und ein Lehrerzimmer untergebracht. Ein Schulsaal im Altgebäude wurde als Werkraum eingerichtet. Später wurden an weiteren Baumaßnahmen noch ausgeführt: Toiletten-Anlagen im ehemaligen Treppenhaus, Erbauung der Turnhalle mit Schwimmbad und Pausenhalle (1966), teilweise Asphaltierung des Schulhofes. Andere Maßnahmen erfolgten nach 1970, als die Grundschule Nunkirchen eingerichtet wurde.
Im Zusammenhang mit der schulischen Verwaltung (Sachausgaben, Gebäude) muss an dieser Stelle der Gesamtschulverband kurz vorgestellt werden. Zu diesem Verband gehörten von Anfang an die Gemeinden Nunkirchen, Münchweiler und Michelbach. 1846 richtete Michelbach ein eigenes Schulhaus ein und trat aus dem Schulverband aus. Die Gemeinde erhielt bei der Trennung 400 Thaler.
Nach der Aufnahme der Schulkinder von Auschet 1889 wurde ein neuer Gesamtschulverband gegründet, dem neben Nunkirchen und Münchweiler noch Limbach (für Auschet) angehörte. Es ist interessant zu erfahren, dass auch nach dem 10. Januar 1920, als die Abtrennung des Saargebietes vom übrigen Reich erfolgt war, die Gemeinde Limbach für ihren Ortsteil Auschet im Gesamtschulverband Nunkirchen verblieben war. Limbach gehörte zum Saargebiet und Nunkirchen mit Münchweiler zum Deutschen Reich. Eine Zeitungsnotiz der „Merziger Volkszeitung“ vom 3. April 1934 sagte aus: „An dem Gesamtschulverband Nunkirchen ist außer den Gemeinden Nunkirchen und Münchweiler auch die Gemeinde Limbach (Saargebiet) beteiligt.“
In seiner ersten Sitzung am 5. März 1908 – der jeweilige Bürgermeister von Weiskirchen war stets der Vorsitzende des Verbandes – wurde die Übernahme des gesamten Mobil- und Immobil-Vermögens des alten Schulverbandes beschlossen. Danach belief sich nach vorläufiger Berechnung der Wert des neuen Schulgebäudes zirka 56000 bis 57000 Mark; der Wert des Mädchenschulhauses nach 30 prozentiger Abnutzung 12800 Mark. Dieser Betrag wurde auf Nunkirchen und Münchweiler im Verhältnis 7:1 aufgeteilt, während der Flächenwert in Höhe von einer Mark pro Quadratmeter ausschließlich Nunkirchen zufiel. In der Schulchronik ist weiter ausgeführt: „Das alte Knabenschulhaus im ‚Schulecken‘ soll versteigert werden. Der Erlös betrug am 14. März 6975 Mark. Der Zuschlag wurde aber nicht genehmigt.“
Der Grund für den Nicht-Zuschlag wurde nicht angegeben, ebenso wenig die Höhe des späteren Verkaufserlöses durch Schmiedemeister J. Dewes. Die Bau- und Renovierungsmaßnahmen machten immer wieder eine Sitzung des Schulverbandes notwendig. Bürgermeister Nikolaus Biewer forderte daraufhin, gemeinsam mit dem Schulleiter die Belange der Schule vertreten zu können, ohne immer erst den Schulverband zu hören. Die Schulkinder von Münchweiler und Auschet sollten den Status von Gastschülern mit den gleichen Rechten wie bisher erhalten. In der Sitzung am 24. Februar 1954 wurde dieser Vorschlag eingebracht, von den Bürgermeistern der Gemeinden Schmelz (für Limbach/Auschet) und Münchweiler aber zurückgewiesen. Das seit altersher verbriefte Recht dieser Gemeinden wollte man nicht aufgeben. Zudem müssten die beiden Gemeinderäte gehört werden. Die Angelegenheit wurde vertagt und nicht mehr aufgegriffen.
Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Punkt der Tagesordnung des Nunkircher Gemeinderates vom 28. Juni 1960, der sich mit dem Antrag der Bürger von Auschet und Schattertriesch beschäftigte, nach dem diese Bürger aus Limbach aus- und nach Nunkirchen eingemeindet werden wollten.
Der Gemeinderat verwies darauf, dass zuerst noch die Stellungnahme des saarl. Innenministeriums abgewartet werden müsste. Auch diese Angelegenheit kam nicht zur Ausführung. Die Gebiets- und Verwaltungsreform 1974 schuf neue kommunale Verhältnisse, die bis heute bestehen. Auch der Gesamtschulverband Nunkirchen-Münchweiler-Schmelz fand 1974 sein Ende.

Quellen:
1.) Schulchronik
2.) Landesarchiv Saarbrücken, Bestand Merzig, Bürgermeisterei Weiskirchen Tit IV, Sect,6 AbtB Nr.3;
3.) Schulrat H. Ehli „Von der Pfarrschule zur preußischen Volksschule“ (7. Jahrbuch 1963 des Vereins f. Heimatkunde im Kreis Merzig).


II. Grundschule Nunkirchen
Von Hans-Erich Thewes

Die Geschichte der Grundschule
Im Februar 1966 beschlossen der Gemeinderat und der Elternbeirat von Michelbach eine Eingabe an das Kultusministerium, der zufolge die Kombinationsklassen des 7.-9. Schuljahres der Schule in Michelbach nach Schmelz gehen sollten, weil zu diesem Zeitpunkt in Nunkirchen keine selbständige Hauptschule bestand. Im März des gleichen Jahres teilte das Ministerium mit, dass eine Einschulung nach Schmelz nicht möglich sei, und wegen der fehlenden Voraussetzungen in Nunkirchen alle Schüler in Michelbach verbleiben müssen.
Im Juli 1970 wurden sich die Vertreter der Gemeinderäte von Michelbach und Nunkirchen sowie der Elternbeirat der Schule in Michelbach einig, eine gemeinsame Grundschule und eine gemeinsame Hauptschule zu beantragen, um für den späteren Übergang in die berufsbildenden Schulen bessere Bildungschancen zu schaffen. Es entstünden reine Jahrgänge, der Ortsname Michelbach solle im Schulnamen erhalten bleiben. Ein Schulverband wurde vorgesehen. Die gefassten Beschlüsse zur Umorganisation waren einstimmig. Am 8. Juli fand ein Gespräch mit Vertretern beider Gemeinden im Kultusministerium statt. Die Schulfrage wurde im Sinne der von den Gemeinden gefassten Beschlüsse geregelt, verbunden mit einem verbesserten Angebot der Berufsschule in Nunkirchen. Für die Grundschule standen das Nunkircher Schulgebäude und die Säle in Michelbach zur Verfügung, die Hauptschule zog in den durch den Ausbau freigewordenen Trakt der Berufsschule ein. Am 1. September 1970 wurde der Schulbetrieb in den neu errichteten Systemen aufgenommen.
Der Name der neuen Schule lautete: „Grundschule Michelbach-Nunkirchen“. Zum Einzugsgebiet gehörten Nunkirchen, Michelbach, Münchweiler und Auschet. Schulleiter wurde der bisherige Rektor von Michelbach, Wilhelm Michels. Ebenfalls von der Schule in Michelbach kamen die Lehrpersonen Johannes Klos und Maria Weisgerber. Neu hinzu kamen der Lehrer Walter Endres und die PH-Absolventen Paul Friedrichs und Renate Ollinger. Die sich abzeichnende Gebietsreform im Saarland warf ihre Schatten auch auf die Grundschule Michelbach-Nunkirchen. Es tauchte die Frage auf, ob die bisherige Organisationsform der Schule weiter bestehen bleiben soll, oder ob die Schüler aus Michelbach, das Schmelz zugeordnet wird, die dortigen Schulen besuchen müssen. Im Oktober 1973 kommt es zu einem gemeinsamen Beschluss der Gemeinderäte von Nunkirchen und Michelbach, der Elternbeiräte der Schulen und des Kirchenvorstandes der katholischen Pfarrgemeinde Nunkirchen, zu der auch Michelbach gehört: Alle Gremien wünschen und beantragen, dass die Grundschule Michelbach-Nunkirchen und die Hauptschule Nunkirchen in ihrer bisherigen Form erhalten bleiben. Unabhängig von der Gebiets- und Verwaltungsreform soll Michelbach schulisch bei Nunkirchen bleiben. Die Entscheidung im Kultusministerium fällt negativ aus. Die Grundschule Michelbach-Nunkirchen wird aufgeteilt, es entsteht eine eigene Grundschule in Michelbach für die Kinder aus Michelbach und Auschet. Die Grundschule in Nunkirchen wird nur noch von den Kindern aus Nunkirchen und Münchweiler besucht. Der neue Name der Schule lautet: „Grundschule der Gemeinde Wadern in Nunkirchen“.
Mit der Stadtwerdung von Wadern am 1 Juli 1978 änderte sich der Name erneut: „Grundschule der Stadt Wadern in Nunkirchen“. Mit Beginn des Schuljahres 2005 tritt im Saarland eine Verpflichtung der Schulen zur Zweizügigkeit in Kraft. Die Grundschule Bardenbach wird in Folge ebenso aufgelöst wie die Grundschule in Michelbach. Um in Nunkirchen ein Zweizügigkeit zu erreichen, beschließt das saarländische Kultusministerium, die Schülerinnen und Schüler von Michelbach – ungeachtet der bestehenden Kreisgrenze – in Nunkirchen beschulen zu lassen. Es folgt damit den Voten der Schulkonferenz der Grundschule Michelbach und der Pfarrgemeinde Nunkirchen-Michelbach. Die bisherige Grundschule der Stadt Wadern in Nunkirchen wird neu gegründet. Sie firmiert seither unter der Bezeichnung „Grundschule Nunkirchen der Stadt Wadern“.
Während die Schule in Michelbach sofort aufgelöst wird, läuft die Grundschule in Bardenbach als Dependance über einen Zeitraum von drei Jahren aus. Um die beengten räumlichen Verhältnisse in Nunkirchen abzumildern erreichen Schulleitung und Schulträger in Verhandlungen mit dem Kultusministerium, dass, solange Bedarf besteht, Klassen in das Schulgebäude in Bardenbach ausgelagert werden können. Die zwischenzeitlich ins Auge gefasste Möglichkeit eines Ausbaus des Gebäudes in Nunkirchen wurde vom Stadtrat aus Kostengründen verworfen.

Lehrer an der Grundschule Nunkirchen

  • Michels, Wilhelm: 1970 bis 1982 (1. Schulleiter der Grundschule Nunkirchen)
  • Klos, Johannes: 1970 bis 1974
  • Fries-Weisgerber, Maria: 1970 bis 2005
  • Friedrichs, Paul: 1970-1973
  • Kiefer, Renate (geb. Ollinger): 1970 bis 1974
  • Endres, Walter: 1970 bis 1971
  • Dahl, Ludwig: 1971 bis 1972
  • Thewes, Hans-Erich: 1972 bis 2013 (Schulleiter bis 2013)
  • Horras Maria: 1972 bis 1975
  • Ackermann Sylvia: 1973 bis 1977
  • Schmitt, Irmgard: 1974 bis 1978
  • Bierbrauer Paul: 1977 bis 1991
  • Adam, Waltraud: 1982 (Februar bis Juli)
  • Schäfer, Maria: 1982 bis 2007
  • Maldener Willi: ab 1985
  • Graf Helga: ab 1987
  • Holzer, Manfred: 1987 bis 1988
  • Loos, Armin: 1988 bis 1990
  • Müller Michael: 1997 bis 1998
  • Dräbing Elke: 1998 bis 1999
  • Biesel Sandra: 2000 bis 2001
  • Naujoks Niels: 2001 bis 2012
  • Klein Stefanie: 2002 bis 2003
  • Mees Helga: 2003 bis 2004
  • Groh Judith: 2003 bis 2008
  • Wosel Isabelle: 2003 bis 2004
  • Baer Horst: ab 2005 bis 2010
  • Johannes-Marmitt Pia: ab 2005 bis 2013
  • Contier Hans: 2005 bis 2008
  • Scherrmann Nicole: ab 2005
  • Jung Lisette:  2005 bis 2006
  • Schug Günter: 2005 bis 2008
  • Sandra Austgen: 2006 bis 2007
  • Synke Lauer 2006 – 2008
  • Nicole Klesen:       ab 2007
  • Lisa Faas: ab 2008
  • Heiner Kuhn: ab 2009 – 2015
  • Björn Buchheit: ab 2010
  • Iris Schnur: ab 2013
  • Yvonne Kwiedor: ab 2013
  • Schmidt Birgit ab 2013 (Schulleiterin)

1982 fand das 1. Schulfest der Grundschule Nunkirchen statt. Trotz des schlechten Wetters war die Resonanz sehr gut. An die Schule wird der Wunsch herangetragen, das Schulfest zu einerdauerhaften Einrichtung werden zu lassen. Als Folge schließen sich interessierte Eitern zu einem Förderkreis zusammen. Sie machen es sich zur Aufgabe, das Zusammenwirken von Schule und Elternschaft zu fördern und die Schule in ihrer Arbeit zu unterstützen. Diese Unterstützung reicht von der Mithilfe bei schulischen Vorhaben bis zur finanziellen Unterstützung. Seit dem 26. September 1984 ist der Förderkreis ins Vereinsregister eingetragen und vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt. Am 19. April 2008 konnte  er sein 25-jähriges Bestehen feiern. Sichtbares Zeichen seines Wirkens ist der neu gestaltete Schulhof mit Freilichtklasse und Spielgeräten. Die Vorsitzenden des Förderkreises: Fritz  Clemens (1983-1991), Brigitte Thiel (1991-1993), Barbara Reis (1993-1997), René Bergling (1997-2007), Hans-Walter Kohlrepp (2007-2009) und Peter Schneider (seit 2010).

III. Berufsbildungszentrum/BBZ Hochwald
Von Fritz Glutting

Anfänge des Berufsschulwesens
Eine lückenlose Darstellung der Geschichte der Berufsschule Nunkirchen ist wegen des Umstandes, dass sämtliche Schulakten über die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg kurz nach Kriegsende durch Plünderung des Schulgebäudes verloren gingen, nicht möglich. Was darüber zu berichten ist, beruht größtenteils auf Aussagen von Behördendienststellen, wie Stud. Dir. a.D. Heinz Horras, der Verfasser der Schulchronik, dessen Ausführungen dieser Bericht zugrunde liegt, angibt.
Die frühere Bedeutung der Landwirtschaft als einer der Haupterwerbsquellen der Bevölkerung fand in der beruflichen Ausbildung der Volksschul-Entlassenen ihre Bestätigung. Landwirtschaftsschulen (landwirtschaftl. Berufsschule und Landwirtschaftsschule als Fachschule) wurden eingerichtet. Eine Art Vorgängerin der Landwirtschaftsschule war die ländliche Fortbildungsschule vor dem Ersten Weltkrieg. In jedem Ort mit einer Volksschule sollte eine solche Schule ihren Standort haben. Die sächlichen Kosten wie Heizung, Reinigung usw. mussten die Gemeinden tragen. Der Gemeinderat von Nunkirchen lehnte aus finanziellen Gründen heraus in seiner Sitzung vom 20. Dezember 1913 die Einrichtung einer solchen Schule mit der Begründung ab: „In der Gemeinde sind nur etwa 15 unter 18 Jahre alte männliche Personen, die zum Schulbesuche angehalten werden können.“
Das Ergebnis der Sitzung vom 28. November 1927 sah ganz anders aus: „Nachdem eine finanzielle Beteiligung seitens der Gemeinden zu den Baukosten einer landwirtschaftlichen Winterschule weggefallen ist, die Gemeinde Nunkirchen aber nach wie vor auf den Sitz der Schule reflektiert, bittet die Gemeindevertretung von Nunkirchen die Landwirtschaftskammer in Bonn (Anm.: Die Landwirtschaftsschulen unterstanden nicht dem Kultusministerium sondern der Landwirtschaftskammer), die Platzfrage dahin entscheiden zu wollen, dass der Ort Nunkirchen die landwirtschaftliche Winterschule für den Restkreis Wadern erhält.“
Die „Winterschule“ war eine Fachschule, die auch mit „Landwirtschaftsschule“ oder „Ackerbauschule“ bezeichnet wurde. Ihr Besuch“ war freiwillig. In zwei Winterhalbjahren wurden Elementar- und Fachunterricht in Unter- und Oberklasse erteilt: Ackerbau, Pflanzenkunde, Tierzucht, Betriebslehre, Obst- und Gartenbau, Weinbau, Bienenhaltung, Tierheilkunde, Naturlehre, Deutsch und Rechnen sowie Bürgerkunde standen auf dem reichhaltigen Programm. Aufnahmebedingungen waren: vollendetes 16.Lebensjahr, zweijährige Praxis im elterlichen oder fremden Betrieb.
In zwölf Punkten begründeten die Gemeindeväter von Nunkirchen ihre Forderung nach der Einrichtung einer Winterschule. Gründe wie „Nunkirchen hat rund 1700 Einwohner, Wasserleitung, elektrisches Licht, Kleinbahnhof etc…Der saubere Ort ist in guter Entwicklung begriffen und zeigt eine rege Bautätigkeit… Auch besitzt Nunkirchen die schönsten und größten Säle unter allen Gemeinden des Restkreises, so dass bei eventl. Tagungen und Versammlungen auf diese Säle zurückgegriffen werden kann… Was Landwirtschaft und Viehzucht angeht, so ist auch hierin die Gemeinde Nunkirchen nicht rückständig… Der Sinn der Bevölkerung ist fortschrittlich… Unter den jungen Leuten in Nunkirchen besteht ein sehr großes Interesse zum Besuch der Winterschule… Der Bauplatz für die Winterschule kommt in unmittelbare Nähe des neuen Sportplatzes… Auch ist in Nunkirchen geeignetes Lehrpersonal vorhanden, z.B. 6-klassige Schule, Definitor mit Kaplan. Dazu der stellvertretende Gemeindeoberförster auf Forsthaus Wahlen – ebenfalls leicht zu erreichen, falls er als Lehrkraft an der Winterschule in Frage kommt…“ nützen nichts.
Punkt 11 der Tagesordnung in der Gemeinderatssitzung vom 21. März 1928 gibt darüber Aufschluss „Der Vorsitzende (Anm.: Bürgermeister Wilhelmy von Weiskirchen) macht der Vertretung Mitteilung von der Verfügung des Herrn Kreisverwalters zu Wadern vom 05. Märzt 1928 No. 962. Die Vertretung bedauert es lebhaft, dass Nunkirchen nicht als Sitz der Winterschule berücksichtigt wurde. Die Kreisverwaltung und die Landwirtschaftskammer sollen gebeten werden, erneut in eine Prüfung der Frage des Sitzes der Schule einzutreten. Der Wille der Kreistagsabgeordneten geht in der Mehrheit bei erneuter Abstimmung zu Gunsten des Ortes Nunkirchen. Die Erbitterung der Bevölkerung ist groß, dass Nunkirchen trotz seines besonderen Zustandes für die Schule und seiner zentralen Lage im Restkreis als Sitz der Schule abgelehnt wurde. Es geht nicht an, daß im Restkreise einige Orte Vorteile genießen, während andere Orte mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung nichts haben können. Als zweitgrößter Ort im Restkreis hat Nunkirchen nicht einmal ein Kreisgebäude. Die Einrichtung des Kreises oder die mit Unterstützung des Kreises geförderten Unternehmungen müssten einigermaßen verteilt werden und nicht allein Wadern, Losheim pp. zum Segen und Geschäfts-pp. Vorteil gereichen. Außer einer Provinzialstraße nach Losheim hat Nunkirchen nichts aufzuweisen, was es für sich als Vorteil oder Gunst des Kreises buchen könnte. Unsere Landwirte verhalten sich der Schule gegenüber ablehnend, falls die Winterschule nicht nach Nunkirchen kommt.“
Warum hatte Nunkirchen den Zuschlag nicht erhalten? Wenn man die Rivalität zwischen Nunkirchen, Losheim und Wadern, die im vorhergehenden Sitzungsbericht anklingt, heranzieht, ist der Ärger der Nunkircher Gemeindevertreter, die sich stets hinter Losheim und Wadern zurückgesetzt fühlten, verständlich; denn auch im Fall der Winterschule wurde Nunkirchen nicht berücksichtigt. Losheim erhielt den Zuschlag. Wadem hatte sich ebenfalls beworben. Der Besuch der „Winterschule“ war freiwillig gewesen. Eine Pflichtschule in Form der landwirtschaftlichen Berufsschule bestand ebenfalls. Sie setzte für die Volksschulentlassenen die Arbeit der Volksschule fort und erweiterte ihre Kenntnisvermittlung auf land- und hauswirtschaftliche Berufskunde. Ihr Besuch war Pflicht für den Nachwuchs im Alter von 14 bis 17 Jahren.
Soviel über Versuche, in Nunkirchen Fortbildungsschulen zu installieren. Ein neuer Versuch wurde in der Gemeinderatssitzung vom 7. Dezember 1926 gestartet, als beschlossen wurde, eine gewerbliche Fortbildungsschule einzurichten. Zunächst sollten jedoch die Meinungen der Berufsvertretungen und deren Gutachten eingeholt werden. Was daraus geworden ist, kann nicht mehr festgestellt werden.
Verwirklicht wurde schließlich im Jahr 1932 die Einrichtung einer gewerblichen Berufsschule neben den anderen Standorten Losheim, Wadern und Weiskirchen. Zum Besuch dieser Schule – einmal wöchentlich vom 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr – waren die Jugendlichen verpflichtet, die das 18. Lebensjahr nicht vollendet hatten und sich in einem Lehrverhältnis befanden. Erteilt wurden Zeichen- und Fachunterricht sowie allgemeines und fachgebundenes Rechnen, ferner Deutsch und Geschäftskunde. Der Unterricht in Nunkirchen fand im Saal der Gastwirtschaft Meyers statt.
Daneben gab es die ländliche Berufsschule als zweijährige Pflichtschule für Jungen und Mädchen, die nicht in einem Lehrverhältnis standen. Diese Schule wurde zuvor bereits erwähnt. Der Unterricht war auf die Wintermonate beschränkt. Über diese ländlichen Berufsschulen im Restkreis Wadern ist eine Statistik aus dem Jahr 1937 erhalten geblieben. Nunkirchen als Sitz für die Orte Nunkirchen, Münchweiler und Michelbach wies in dem genannten Jahr 54 Jungen und 52 Mädchen nach.

Umstrukturierungen zwischen 1970 und 2001
Die gewerblichen Berufsschulen waren gewissermaßen die Vorläufer des gewerblich-technischen Berufsschulwesens. Um ihre Arbeit wirksam zu gestalten, wurden die gewerblichen Berufsschulen des Restkreises in den Orten Nunkirchen, Wadern und Losheim unter die einheitliche Leitung des Berufsschul-Zweckverbandes der drei Bürgermeistereien Losheim, Wadern und Weiskirchen gestellt (ab 29. Oktober 1936). Im Jahr 1938 übernahm der Restkreis Wadern die Trägerschaft de facto, am 31. März 1941 auch de jure. Damit wurde der Restkreis sächlicher Kostenträger. Die Schule erhielt den Namen „Kreisberufsschule“.
An dieser Stelle äst auf die politische Entwicklung des Hochwaldraums, nach dem Ersten Weltkrieg hinzuweisen mit der Teilung des Gesamtkreises Merzig, in den Kreis Merzig, der zum Saargebiet kam (ab 10. Januar 1920), und in den Restkreis Wadern, der beim Deutschen Reich verblieb.
Im Sommer 1940 wurden die gewerbl. Berufsschulen in Losheim (Volksschulgebäude), Nunkirchen (Saal Meyers), Wadern (Volksschulgebäude) und Weiskirchen (Volksschulgebäude) aufgelöst und im neu erstellten Zentralgebäude in Nunkirchen eingeschult. Hier erfolgte die Trennung des Unterrichts in eine gewerbliche, hauswirtschaftliche und kaufmännische Abteilung.
Das Kriegsende brachte auch für die Bezirksberuf schule das Ende: Das gesamte Aktenmaterial verschwand spurlos. Von dem Schulgebäude blieben nur noch die nackten vier Wände stehen. Am 14. Oktober 1946 begann mit einer hauswirtschaftliche Klasse der Neuanfang. Ab 1953 wurden Klassen für das Metall-, Bau- und Holzgewerbe eingerichtet.
Mit der Einschulung von männlichen Jugendlichen ohne Lehrverhältnis, die so genannten Jungarbeiter, wurde ab 1956 ein neuer Weg beschriften. Sollte doch auch den ungelernten Arbeitern an einem bezahlten Unterrichtstag in der Woche die Möglichkeit geboten werden, sich über die Volksschule hinaus weiterzubilden. Mit der Inbetriebnahme des ersten Zentralgebäudes der Schule in Nunkirchen konnte die gewerbliche Abteilung konzentriert eingeschult werden. Die Klassen der hauswirtschaftlichen Abteilung blieben über das gesamte Einzugsgebiet in so genannten Außenstellen (Losheim, Nonnweiler, Wadern, Weiskirchen, Rappweiler u.a.) verstreut.
Die hausw. Abteilung wurde nach Auflösung der letzten Außensteile Losheim, Nonnweiler und Wadern im Jahr 1954 in Nunkirchen zentralisiert mit einer Haushaltungsschule (ab 1951) und einer zweijährigen Sozialpflegeschule (ab 1968).
BBZDie Entwicklung der kaufm. Abteilung vor dem Krieg und dem Neubeginn unmittelbar danach kann infolge fehlender Unterlagen nicht dargestellt werden. Erst ab 1948 liegt entsprechendes Material vor: 1948-1950 – eine bzw. zwei kombinierte Klassen; 1951 – Unter-, Mittel- und Oberstufe. 1955 – Trennung der sechs Klassen in Groß- und Einzelhandels-Unterricht; im gleichen Jahr Eröffnung der zweijährigen Handelsschule, die eine empfindliche Lücke im Bildungsangebot auf dem kaufm. Sektor für den Einzugsbereich der Schule schloss. An dieser Stelle sei auf eine Entwicklung hingewiesen, die mit Beginn des Schuljahres 1970/71 einen für den Standort Nunkirchen schmerzlichen Höhepunkt darstellte. Schon mit Beginn der Einrichtung der Handelsschule waren Bestrebungen im Gange, eine räumliche Trennung der kaufm. Abteilung von der gewerbl. und der hauswirtschaftl. Abteilung vorzunehmen. Die Nunkirche Schulleitung wurde nicht müde, diesen Bestrebungen an verantwortlicher Stelle entgegenzuwirken. Anfangs mit Erfolg. Doch zum Schluss siegte die Auffassung des damaligen Kultusministeriums, „dass es aus schulorganisatorischen Gründen zweckmäßig sein dürfte, möglichst eine Trennung der kaufm. Abteilung von der gewerbl. und hauswirtschaftl. Abteilung vorzusehen“. Mit Beginn des Schuljahres 1970/71 mussten die „Kaufmänner“ nach Wadern umziehen. Doch der Abschied war nicht endgültig. Im Zuge der Straffung der Bildungsprozesse legte Kultusminister Jürgen Schreier die beiden Zentren Wadern und Nunkirchen 2001 als „BBZ Hochwald“ (Logo links oben) mit Sitz in Nunkirchen wieder zusammen.

Gebäude
BBZ-Nunkirchen_n_smallDie Chronologie der Erstellung der Schulgebäude ist ein Spiegelbild der schulischen Entwicklung. Sie soll daher an dieser Stelle erfolgen, um an ihr die weitere Entwicklung vorzustellen. Wie im ersten Abschnitt ausgeführt wurde, erhielt Nunkirchen nicht den Zuschlag zum Bau einer „Winterschule“. Anscheinend hatten aber die vom damaligen Gemeinderat angeführten zwölf Punkte derart Eindruck gemacht, dass die Behörden zwischen den Jahren 1937 bis 1939 in Nunkirchen ein Berufsschulgebäude errichten ließ. Wadern hatte zuvor wegen fehlenden Baulandes und regelmäßiger Beteiligung an den Kosten den Bau abgelehnt. Zwei Lehrsäle, eine Lehrküche, ein Lehrmittelraum, eine Schreinerwerkstätte und ein Raum für Segelflugzeugbau standen zur Verfügung. Am Tag des Kriegsausbruchs (1.9.1939) fand die Einweihung statt. Sie gab jedoch nicht das Startsignal für die Aufnahme des Schulbetriebs, sondern für die Übernahme der Räumlichkeiten durch die Wehrmacht, die hier ein Lazarett einrichtete.
Nach dem Frankreichfeldzug wurde im August 1940 das Gebäude wieder an den Kreis übergeben. Der Schulbetrieb konnte aufgenommen werden. Vier Jahre später diente das Gebäude wieder als Lazarett und 1945 als Unterkunft für Truppen der Alliierten, die meist mit farbigen Soldaten besetzt waren. Vom Krieg verschont, wurde das Gebäude nun zerstört und verwüstet. Erst nach und nach konnte mit viel Geschicklichkeit und Improvisation ein eingeschränkter Unterricht wieder aufgenommen werden. Das Gebäude aus den 30er Jahren war jedoch zu klein geworden. In den Jahren 1952 bis 1954 wurde ein nach Norden rechtwinklig angebauter Trakt errichtet.
Doch einige Jahre später stellte sich wieder die Frage des Raumproblems. Die Errichtung eines Neubaus war unabdingbar geworden. Zwei Pavillons wurden am 18. Juni 1962 ihrer Bestimmung übergeben. Der Altbau erfuhr für die alleinige Belegung durch die kaufm. Abteilung einige Veränderungen. Nach Weggang dieser Abteilung nach Wadern wurde die Hauptschule Nunkirchen, die später der Hauptschule Wadern angeschlossen wurde, dort untergebracht und blieb dort bis 1979. Danach kam das Gebäude wieder in Benutzung durch das Berufsbildungszentrum.
Die beiden Pavillons bedeuteten noch nicht die letzte Erweiterung. Änderungen in der Konzeption des berufsbildenden Schulwesens, vorwiegend im gewerblichtechnischen Bereich, machten eine erneute bauliche Vergrößerung notwendig. Anfang Mai 1973 begannen auf dem Baugelände im Norden des Geländes die Bauarbeiten. Am 8. Oktober des gleichen Jahres wurden das Richtfest und am 2. Mai 1974 die Einweihung gefeiert. Eine 1200 qm große Werkstattfläche für Metall- und Holzberufe, die auch für Umschulungszwecke geeignet ist, sowie Lehrsäle im Obergeschoß boten nun genügend Raum für einen ersprießlichen Unterricht.
Im Jahr 1974 wurde die Berufsschule Nunkirchen mit ihren beiden Abteilungen ausgebaut mit der Schaffung von Arbeitsplätzen für die Berufsgrundschule und Gewerbeschule, überbetriebliche Fachstufen und Jungarbeiter. Damit war die Synthese geschaffen von fachtheoretischer und fachpraktischer Ausbildung.
Seit den 1990er Jahren wurde das Berufsbildungszentrum mehrfach renoviert und modernisiert. Heute gehört es zu den modernsten Schulzentren im Saarland.

Mehr über das Angebot des „BBZ Hochwalds“ erfahren Sie entweder auf der Seite der Schule oder im nachfolgenden Link auf einen Zeitungsartikel, der sich den verschieden Angeboten der Bildungseinrichtung beschäftigt. Eine tabellarische Übersicht über die Geschichte des Berufsbildungszentrums finden Sie hier.


Auswanderer
Von Fritz Glutting

Wie in ganz Europa verließen auch viele Nunkircher im 19. Jahrhundert ihre Heimat, um anderswo in der Welt ihr Glück zu finden. Unsere Auswandererliste, mit den Namen der Personen, die unserem Ort zumeist aus wirtschaftlicher Not den Rücken kehrten, erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Oftmals differieren Geburts- und Auswanderungsdaten von einer Quelle zur anderen.

Quellen:
Kirchenbücher der Pfarrei Nunkirchen
Bistumsarchiv Trier
Landeshauptarchiv Koblenz
Landesarchiv Saarbrücken
J. Kell „Die Auswanderer im Kreis Merzig im 19. Jahrhundert in „Geschichte des Kreises Merzig“
J. Merges „Die Auswanderungen… im 19. Jahrhundert II.

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Die Entwicklung Münchweilers

Die Familie der Freiherrn von Zandt Merl
Von Fritz Glutting

Der Moselort Merl ist der Stammsitz des Geschlechts derer von Zandt. Noch heute steht das Stammhaus in der Zandtstraße des Weinortes, wo das Geschlecht seit dem 12. Jahrhundert ansässig war Als Erbvögte im Dienst der Sponheimer Grafen und später der Trierer Kurfürsten hatten sie großen Einfluss auf das Geschehen an der Mittelmosel.
In der Genealogie „Blühende Linie von Münchweiler“ (1) beginnen wir mit Ferdinand Ludwig Freiherr Zandt von Merl zu Lissingen, geb. 1648, gest. 9 2 1711, Besitzer der unteren Burg sowie von Liegenschaften zu Scheuren, Neroth, Wallenborn und Oos, Erbvogt im Hamm (Anm. „Hamm“ bedeutet so viel wie Krümmung – hier die große Moselschleife mit dem Hauptort Zell), Amtmann zu Hillesheim 1692. Aus seiner Ehe mit Maria Claudine Dietrich von Ahr zu Antweiler stammen die beiden Söhne Carl Anton und Carl Emmerich Josef.
Der Letztere ist der Stammherr der Münchweiler Linie. Ihn berief Kurfürst Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg als Nachfolger von Karl Kaspar von Britzke zum Oberamtmann auf die Grimburg. Er heiratete 1719 Anna Maria Elisabeth, die Tochter seines Vorgängers. Sie war die Erbin des Gutes Weiskirchen, wo Carl Emmerich am 17.4.1754 verstarb. Das Ehepaar hatte sechs Kinder, vier Mädchen und zwei Söhne. Einer der Söhne und zwei Mädchen starben im frühesten Alter. Der älteste Sohn, Franz Georg, geb. 1723, verstorben 1785, war der Nachfolger. In der Genealogie wird über ihn angegeben: „Besitzer der Güter Weiskirchen, Münchweiler, sowie Liegenschaften zu Wahlen, Neunkirchen (Anm.: soll Nunkirchen heißen!), Nieder Losheim, Bettingen, Geisweiler, Reimsbach, Scheuren, Bausdorf, Floßbach Kurtrierischer Geheimer Rat, Amtmann zu Grimmberg 1780.“
In erster Ehe (8.9.1748) verheiratet mit Philippine Regina Freiin zu Eltz-Rübenach, Sie starb 1752 bei der Geburt des zweiten Kindes, das ebenfalls kurz nach der Geburt starb wie das erstgeborene Kind zwei Jahre zuvor. Die zweite Ehe ging Franz Georg am 28.1.1754 mit Agnes Apollonia von Hagen zur Motten aus der benachbarten Burg Büschfeld ein.
Ein kurzer Blick auf das Geschlecht der Hagen zur Motten in seiner Beziehung auf Münchweiler muss hier eingeschoben werden: In der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Burg Weiskirchen von den Brüdern Franz Peter und Johann Ludwig von Hagen an den kurtrierischen Oberst-Leutnant und Kommandanten von Trier, Carl Friedr. von Britzke, der gleichzeitig auch Amtmann auf der Grimburg war, verkauft. Er erhielt die Belehnung 1666. Seine Enkelin und einzige Erbin Maria Elisabeth heiratete 1719 den Amtmann Carl Emmerich v. Zandt und erwarb fünf Jahre später von ihren Brüdern den Geisweiler Hof, seit 1482 als Lehen von Lothringen an die Hagen zur Motten nachzuweisen. Freiherr Franz Georg musste im Jahre 1772 König Ludwig XV. von Frankreich für seine Besitzungen in Reimsbach und Geisweiler den Huldigungseid leisten. Von den Franzosen 1794 vereinnahmt, kaufte die Familie v. Zandt den Hof für 45.000 Taler wieder zurück, um ihn 1817 oder 1818 an den Privatmann Pirnot aus Metz zu verkaufen. 1851 gab der Gemeinderat von Nunkirchen seine Zustimmung, dass aus dem Geisweiler Hof eine eigene Gemeinde konstituiert werden sollte, was jedoch nicht zustande kam, denn im Jahr 1922 bat Kreis Verwalter Graf v. Spee den Regierungspräsidenten in Trier um dessen Stellungnahme, ob der Gemeinde Nunkirchen eine Ersatzforderung an das Reich zustehe wegen Abtretung des Geisweiler Hofes an das Saargebiet.
Antwort aus Trier: „Die vorbezeichnete Angelegenheit hat durch meine Verfügung vom 15.9.1921 ihre Erledigung gefunden. Es war der Gemeinde anheimgestellt worden, auf Grund eines ministeriellen Erlasses des Ministers des Innern einen Antrag auf Gewährung eines Zuschusses an den gemeindlichen Ausgabenstock zu stellen“ (1).
Ob dieser Antrag gestellt wurde, geht aus den Gemeinderatsbeschlüssen nicht hervor. Heute wird der Geisweiler Hof von einem Pächter bewirtschaftet. Nach der Saarabstimmung 1935 kam der Hof zur Gemeinde Reimsbach. Seit der Gemeindereform 1974 ist er der Gemeinde Schmelz zugeordnet.
Über seinen Sohn aus der Ehe Zandt/Hagen, Hugo Carl Caspar Josef, geb. 20. Dezember 1764 in Trier und am 23. Dezember 1845 in Münchweiler verstorben, vermerkt die Genealogie in einem Hinweis „der ungerathene Sohn“. Warum „ungerathen“? Passt dazu die andere Anmerkung „lebten geschieden“? Im Familienbuch der Pfarrei Nunkirchen steht: „Gräfin A. Maria Amalia Felicitas von Hochstetten, die Ehefrau des Freiherrn Hugo von Zandt, starb am 12.4.1863 in ihrer Heimat nach langjähriger Trennung von ihrem Mann.“
Erstaunen ruft das Fragezeichen in der Genealogie hinter dem Titel „Kaiserl. Königlicher Kämmerer“ hervor. Hat der Verfasser der Genealogie an dem Titel gezweifelt? Sein Zweifel war unberechtigt, denn Hugo von Zandt ist tatsächlich Kammerherr am Hof des Kaisers Franz II. in Wien gewesen. Ein Schriftwechsel zwischen dem Fürsten von Rosenberg, Obrist-Kämmerer zu Wien, und der Freifrau Agnes Appolonia v. Zandt aus dem Jahr 1792 beweist die Ernennung ihres Sohnes zum Kaiserlichen Kammerherrn anlässlich der Krönung Kaiser Franz II. In Frankfurt am Main.
Zur Eidesleistung wurde Hugo Carl v. Zandt aufgefordert: „Ihr werdet einen Eyd zu Gott dem allmächtigen schwören, und bey Eurer Ehre und Treue geloben, dem allerdurchlauchtigstengroßmächtigsten und unüberwindlichen Fürsten und Herrn, Herrn Franz dem Zweiten erwählten römischen Kaiser in Germanien, zu Hungarn, Boheim, Croazien, Slavonien, Gallizien, Lodomirien und Jerusalem, König, Erzherzog zu Österreich, Herzog zu Burgund und zu Lothringen, Herzog zu Mailand, Mantua, Parma; Churfürsten, Grafen zu Habsburg, zu Flandern, zu Tyrol – unseren allergnädigsten Landesfürsten und Herrn, wie auch Sr.K.K. Majestät Erben, und Nachkommen getreu, gehorsam, und beflissen zu sein, allerhöchstderoselben Ehre, und Nutzen zu betrachten, vor Schaden aber zu wahrnen, und denselben nach all eurem Vermögen zu verhüten…“
Es folgte noch weitere Hinweise und Anordnungen, bis zu seinem Schwur: „Hierauf geloben und schwöre ich, Freiherr Hugo Carl von Zandt, bei Gott dem allmächtigen allem dem, so mir ist von Wort zu Wort ist vorgehalten habe, getreu und fleißig nachzukommen, alswahr mir Gott helfe.“ (1)
Nach der Übernahme der Rheinlande durch Preußen 1816 kam es wieder zu geordneten Verhältnissen. Hugo v. Zandt wurde wieder Bürgermeister der Bürgermeisterei Weierweiler. Die Matrikel der zum Stand der Ritterschaft qualifizierten Güter – der „aus dem wilden gerodten Hof Münchweiler“ war 1731 in das Verzeichnis der reichsritterschaftlichen Besitzungen aufgenommen worden – aus dem Jahr 1825 wies für das Hauptgut in Münchweiler 1.468 Morgen nach, darunter 410 Morgen Wiesen und 200 Morgen Waldungen. Infolge verschiedener Umstände verschuldete das Gut immer mehr und gehörte 1840 zur Hälfte dem Weinhändler Johann Baptist Schaack aus Trier. Hugos Sohn René heiratete die Tochter Catharina des J.B. Schaack. Der Hof wurde wieder schuldenfrei.
1845 starb Hugo Carl und wurde auf dem alten Friedhof an der Pfarrkirche Nunkirchen beerdigt. Nach der Anlegung des neuen Friedhofes 1879 wurden seine Gebeine dorthin umgebettet. Sein Grab ist weggeräumt und mit ihm der Grabstein.
René und seine Gattin hatten neun Kinder: die vier Söhne Ferdinand, Otto, Egon, Gottfried sowie fünf Töchter Amalia Anna Maria, Margarethe Emma, Catharina Appolonia Elisabeth, Anna Maria, Maria Thekla Odilia Johanna. Zwei Töchter (Anna Maria und Maria Thekla) starben früh. Von den Söhnen heiratet Ferdinand die Franziska v. Poremsky; Egon die Antonette Maria Isabellea Ludovica, Tochter der Reichsgrafen Friedr. v. Ingelheim, gen. Echter von und zu Mespelbrunn. Die älteste Tochter Amalia heiratete den Johann Baptist Laurenz de Musiel auf Schloss Thorn bei Nennig; Cathanna den Königl. Intendanturrat Johannes Nepomuk v. Kistowsky. Die übrigen Geschwister blieben ledig.
Nach dem Tode der Eltern teilten die in Münchweiler gebliebenen Geschwister Schloss und Landbesitz unter sich auf: Gottfried und Emma bewohnten das Mittelschloss, Ferdinand den linken und Egon den rechten Flügel. Otto erhielt das Vorwerk, das heutige Anwesen Lauk. Es war durch den Verzug des damaligen Eigentümers nach Amerika käuflich erworben und durch einen linken Anbau vergrößert worden. Dieses Vorwerk gehörte ehemals zum Schloss und wurde von Hufenbauern bewirtschaftet. Die französische Besatzung nach 1794 hatte sie zu Eigentümern gemacht. Baron Ferdinand als Ältester war Repräsentant der Familie mit Sitz im Kreis- und Landtag. Sein Sohn Rudolf starb 1934 an den Folgen einer schweren Verwundung aus dem Ersten Weltkrieg Er war verheiratet mit Olga de Grevais (kinderlos). Egon hatte zwei Söhne, Gottfried und Alexander sowie die Tochter Luise. Alexander fiel im Ersten Weltkrieg. Gottfried heiratete 1920 die Helene Heidborn, Tochter eines Königl. Preußischen Generalmajors und dessen Gattin Helene Röchling. Luise verehelichte sich mit dem Gutsherrn Bernhard Beckmann in Emmelshausen. Von den drei Kindern aus der Ehe Gottfrieds mit Helene Heidborn fiel der Sohn Horst im Zweiten Weltkrieg, es blieben die Tochter Brigitte und Leopoldine (Lelo). Mit dem Tode Gottfrieds 1948 sind der Mannesstamm und somit auch der Adelstitel derer von Zandt ausgestorben. Brigitte heiratete 1952 den thüringischen Gutsbesitzer Gangloff von Hagke (+1990). Die Schwester Lelo heiratete Heinz Mahr und hatte vier Kinder.

Quellen:
1) Landesarchiv Saarbrücken, Bestand Archiv Schloss Münchweiler

Schloss Münchweiler
Von Fritz Glutting

SchlussMuenchweilerDie Gelehrten- und Schriftsprache des Mittelalters, das Latein, gibt wie vielerorts auch für das Schloss Münchweiler einen ersten Hinweis auf seine Entstehung: „Habemus in Wilre… salicam siluam, de qua habemus quartam gerbam.“ So steht es im Güterverzeichnis der Trierer Abteil St. Maximin im Beginn des 13 Jahrhunderts. Das Verzeichnis ist im Mittelrheinischen Urkundenbuch von Beyer aufgeführt Die angeführte Stelle heißt übersetzt: „Wir haben in WiIre einen Herrenwald, von dem wir die vierte Garbe haben.“ (Anm.: „siluam“ müsste im klassischen Latein „sivam“ heißen, wurde jedoch damals als „u“ geschrieben und als „v“ gelesen) Mit „Wilre“ ist „Weiler“ gemeint, ein Weiler im Besitz der Mönche, also ein „Mönchweiler“ aus dem dann über „Wynchweiler“ (15. Jahrh.) die heutige Bezeichnung „Münchweiler“ wurde.
Auch der Ausdruck „Moinchweiler“ tauchte auf, und zwar im „Balduineum“, der großen Urkundensammlung des Erzbischofs und Kurfürsten Balduin von Trier (1308-1354), die dieser eigentliche Begründer des Kurstaates anlegen ließ, um alle Rechte, Privilegien und Besitzungen der trierischen Kirche aktenkundig von den ältesten Zeiten her festzuhalten.
Von den Maximiner Mönchen gelangte das Hofgut in den Besitz derer von Hagen zur Motten und durch Heirat gemeinsam mit der Burg Weiskirchen an die Zandt von Merl Für Freiherr Franz Georg (1723-1785) war die Burg in Weiskirchen nicht mehr zeitgemäß. Zudem wollte er seiner Frau, der Philippine Reginam, Freiin von Eltz-Rübenach, das Heimweh nach ihrer stolzen Heimatburg stillen und ihr einen passenden Ersatz in Gestalt eines Schlosses errichten lassen. Was lag näher als den heruntergekommenen Gutshof in Münchweiler, der sowieso nach den Verwüstungen des 30-jährigen Krieges und der nachfolgenden kriegerischen Ereignisse hätte von Grund auf erneuert werden müssen, in ein bauliches Juwel umzuwandeln? Ursprünglich als Jagdschloss geplant, nahm es bald Form und Maße eines Herrenschlosses an. Modell für alle Schlösser der damaligen Zeit war das Schloss in Versailles. Ihm wurde nachgebaut, meistens in kleinerem Maßstab. Der bedeutendste Architekt des Merziger Landes im 18 Jahrh., Christian Kretschmar, wurde mit dem Bau des Schlosses (Zeichnung oben: Guy Thurmes) beauftragt.
Das über dem Portal angegebene Datum 1752 dürfte wohl das Jahr der Vollendung angeben; denn der Bau wurde früher begonnen und ist er beträchtlich später – nach Erweiterungen abgeschlossen worden (1). Dem Betrachter, der durch das Tor der Umfassungsmauer – sie hat mit den beiden Torbögen durch Frostschaden sehr gelitten, ist aber heute zum Teil wieder hergestellt, den Schlosshof betritt, fällt sofort die Zweitteilung der Schlossanlage auf. Der architektonisch belebtere Mittelbau – Corps-de-logis – und die beiden nüchtern gehaltenen Flügelbauten – weisen auf spätere Entstehung hin. Unschwer lässt sich erkennen, dass der Mittelbau mit dem beherrschenden Mansardendach und dem formenfreudigen Portal das eigentliche Herrenhaus gewesen ist.
Es lagen mehrere Baupläne vor. „Der erste Plan, an dem Franz Georg regen Anteil genommen hatte, zeigt das Corps-de-logis als zweigeschossigen, neunachsigen Baukörper mit niedrigem Kellersockel und hohem Mansardendach Der Bau wirkt allein durch Proportion und Rhythmik der Fassade… Im Bautyp wirkt das Corps-de logis wie die barocke Umwandlung eines bescheidenen Renaissance-Landschlosses…“ (1).
Aufwändig ist das Portal. „Die beiden rahmenden Pfeiler bestehen aus einem Bündel von je drei flachen toskanischen Pilastern… Auf dem Gebälk erhebt sich ein Aufsatz mit zwei aus der Grundfläche nach vorn gedrehten fallenden Voluten als Seitenbegrenzung und einem rocaille-gefassten Arrangement von Allianzwappen, Löwen und Freiherrnkrone als Füllung…“ (1). Es sind die Wappen derer von Zandt mit dem roten Schild und drei silbernen gekrönten Löwen (links vom Betrachter) und rechts das Eltz-Rübenachsche Wappen mit silbernen Löwen über silbernem Schild. Ein zweites Wappenpaar befindet sich über dem Gartenportal. Es zeigt das Zandtsche Wappen und das des Hauses der Hagen zur Motten mit neun/sechs Steinen.
Die Kretschmarsche Handschrift im Corps-de-logis ist in den beiden Flügelbauten nur mehr andeutungsweise zu erkennen. Ist die von dem ausführenden Meister Johannes Guetweniger überdeckt worden? W. Götz (1) stellt diese Ansicht als Hypothese dar.
Ursprünglich waren beide Seitenflügel gleich. Im rechten Flügel befand sich die Kapelle. Im Jahr 1886 fügten die Nachkommen von Franz Georg diesem Teil zwei weitere Flügel hinzu. In dem zum Garten gelegenen Flügel wurde die Kapelle mit besonderem Eingang verlegt. Das Portal ist das von der Nepomuk-Kapelle des ehemaligen Eisenwerkes Münchweiler. Von dem gesamten Schlossbereich stehen der Mittelbau (corps-de-logis) und der linke ursprüngliche Seitenflügel unter Denkmalschutz.
Zum Hofbereich ist festzustellen, dass er ehemals von Wirtschafts- und Nebengebäuden umgeben war, die zum Teil verschwunden, zum Teil ruinenhaft erhalten geblieben sind. W Götz schließt seine Betrachtung: „Die Einsicht in die Funktion der Wirtschaftstrakte von Schloss Münchweiler im Rahmen der Schlossanlage hat Konsequenzen: Es genügt eben nicht, nur jeweils das Corps-de-logis eines Schlosses zu erhalten, sondern das gesamte Ensemble ist erhaltenswert, einschließlich Wirtschaftsbauten und Garten (der in Münchweiler ja auch als überwachsenes Areal noch vorhanden und mittlerweile teilweise wieder hergestellt wurde). Münchweiler ist im Saarland das einzige – trotz allen Verfalls und allen inzwischen erfolgten Abbruchs – erkennbar erhaltene Beispiel einer vornehmen, aufwändigen und großzügigen Landschloss-Planung des Barock. Das Corps-de-logis ist nach der soeben abgeschlossenen Restaurierung (1983) wenigstens äußerlich in alter Pracht wiedererstanden. Mit dem Wiederaufbau und der Teilrekonstruktion der Wirtschaftsbauten und auch des Gartens sollte man alsbald beginnen und Mittel und Wege suchen zur sinnvollen Verwendung der für landwirtschaftliche Nutzung künftig nicht mehr benötigten Gebäude.“ (1)
Wie oben beschrieben nagte in der Nachkriegszeit der Zahn der Zeit arg am alten Gemäuer und die Ebbe in den Kassen sorgte dafür, dass der schlimmsten baulichen Not weder in der Nachkriegszeit noch in den 1970er und 1980er Jahren Einhalt geboten werden konnte. Brigitte von Zandt und Gangloff von Hagke erwarben 1959 von der Erbin ihrer Tante Olga, Ehefrau von Rudolf, deren noch verbliebenen Anteil am Schloss zurück. Damit hat das Schloss nach 100 Jahren erstmals wieder nur einen Besitzer. Brigitte betreibt bis zu ihrem Tode im Jahr 1997 eine kleine Gaststätte im Schloss, der früher auch noch ein paar Fremdenzimmer angegliedert waren.
Der prächtige Bau indes erlebt einen rasanten Niedergang. Ende der 1990er Jahre des letzten Jahrhunderts erinnert nur noch wenig an die einstige Pracht, die Schloss Münchweiler berühmt und seine Bewohner zu einer der angesehensten Adelsfamilien weit und breit gemacht hatte.
Mit dem Mut zur Tat und einer in diesem Fall günstigen Unkenntnis über den tatsächlichen baulichen Zustand des alten Gemäuers übernehmen Dietrich-Bernhard von Hagke, Sohn Gangloffs, und seine Frau Annmarie 1997 die Geschicke auf Schloss Münchweiler. Heute erstrahlt das Schloss, das sowohl ein Hotel als auch ein Café beherbergt, in weiten Teilen wieder in altem Glanz. Und ist der Öffentlichkeit auch zum Teil wieder zugänglich. 2008 hat die Stadt Wadern im alte Gemäuer ein Trauzimmer eingerichtet.

Quellen:
1) W. Götz, „Schloss Münchweiler“, Saarl. Baudenkmäler III

Ortsgeschichte Münchweiler von 1932 bis heute
Von Josef Moos

Im Jahre 1932 wurden etwa 720 Morgen von dem Hofgut Münchweiler losgelöst und der Rheinischen Siedlungsgesellschaft Bonn zur Einrichtung von zwölf Erbhöfen übertragen Drei dieser Hofe entstanden auf der Gemarkung Nunkirchen und neun auf der von Münchweiler. Für acht Erbhöfe wurden schmucke Siedlerhäuser der Art des holländischen T-Hauses auf dem dazugehörigen Grundbesitz erbaut, während für vier Erbhöfe Wohnung und Stallung in bereits vorhandenen älteren und zum Hof Münchweiler gehörigen Gebäuden nach gründlicher Renovierung geschaffen wurden.
Aufgrund einer öffentlichen Ausschreibung meldeten sich nun die Siedler und bezogen nach Unterzeichnung des Kaufvertrages ihr Besitztum.
Es waren

  1. Görgen Johann, von Riveris, Landkreis Trier
  2. Schäfer Reinhold, von Riegelsberg
  3. Lütz Johann, von Vinyel, Kreis Siegburg
  4. Lauk Hans, bereits Pächter auf Vorwerk Münchweiler
  5. Fischer Wilhelm, von Weierweiler
  6. Moos Josef, von Neuhaus bei Trier
  7. Ollinger August, von Büdingen, Kreis Merzig
  8. Wahlen Ferdinand, von Pölert, Kreis Trier-Land
  9. Bienko Fritz, von Riegelsberg
  10. Schmotz Nikolaus, von Fastrau, Kreis Trier-Land
  11. Lauk senior, ebenfalls Pächter auf Vorwerk Münchweiler
  12. Schulz Werner, von Nunkirchen

Welche Auswirkungen die Anlegung der Siedlung in Münchweiler auf Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in der damaligen großen Arbeitslosigkeit gehabt hat, beweist ein Artikel in der „Merziger Zeitung“ vom 2. Dezember 1932 unter der Überschrift: „Freiwilliger Arbeitsdienst für Siedlungen. Seit gestern ist durch Vermittlung des „Rheinischen Heim“ wieder für eine Anzahl Monate für etwa 168 Jugendliche Arbeit geschaffen worden. Wohl ein halbes Jahr haben 60 Jugendliche Erwerbslose von Wahlen Arbeit Verdienst. Es werden etwa 120 Morgen Wald, zur Gutsverwaltung Münchweiler gehörend, gerodet, ferner verschiedene Zufahrtsstraßen zu den einzelnen Siedlungsbauten instandgesetzt und z.T. mit einer neue Decke versehen. Das benötigte Material wird restlos aus den dazugehörenden Steinbrüchen und Kiesstellen entnommen. Die im freiwilligen Arbeitsdienst beschäftigten jugendlichen Erwerbslosen erhalten pro Tag 1.60 Mark, ferner ein Reichsschuldbuch, in das ihnen pro Tag 1,50 Mark gutgeschrieben werden. Über diese Beträge können die Erwerbslosen später verfügen, z.B. beim Bau eines Eigenheims und dergleichen. Vorausgesetzt ist allerdings eine mindestens zwölfwöchentliche Arbeitszeit im freiwilligen Arbeitsdienst für die rheinische Siedlungsgesellschaft
Die Leitung dieser gesamten Arbeiten liegt in den bewährten Händen von Herrn Dr. Scheidtweiler, den das „Rheinische Heim“ zur Ausführung der Arbeiten auf Schloss Münchweiler gewonnen hat. Das gewonnene Ackerland wird den jetzigen Siedlungen zugewiesen. Umso freudiger werden die begonnenen Arbeiten begrüßt, da die Projekte einzelner Gemeinden bereist erschöpft waren oder keine neuen mehr genehmigt wurden.
Herr Ollinger übertrug nach fünf Jahren seinen Hof mit Genehmigung der Rheinischen Siedlungsgesellschaft an Herrn Hürter Nikolaus von Küttig, Kreis Mayen, und nach dem tragischen Tod von Herrn Fischer übernahm Herr Wahlen dessen Hof und übergab den seinigen an Herrn Meyers Gerhard von Hütterscheid, Kreis Bitburg, im Jahre 1940.
Der Restbesitz von etwa 800 Morgen verblieb bei der herrschaftlichen Familie Zandt von Merl, die denselben in zwei Erbhöfe unter den beiden lebenden Stämmen der der Familie aufteilte.
Münchweiler hatte seit je eine eigene kommunale Verwaltung unter dem Vorsitz des ältesten männlichen Familienmitgliedes derer von Zandt. Der letzte dieser Herren waren Freiherr Gottfried Zandt von Merl. Durch die Aufteilung in Erbhöfe wurde Münchweiler nun ein Dorf, bestehend aus elf Erbhöfen.
Die drei Erbhöfe auf der Gemarkung Nunkirchen zählten nicht zu dem Dorf Münchweiler, sondern zu Nunkirchen.
Aufgrund der preußischen Gemeindeordnung wurde 1932 eine Gemeinderat gewählt, nachdem der Gemeinderat von Nunkirchen in seiner Sitzung vom 18. Januar 1932 eine Eingemeindung von Münchweiler nach Nunkirchen einstimmig abgelehnt hatte. Der erste Bürgermeister der jungen Dorfgemeinde war Freiherr Gottfried Zandt von Merl bis 1945. Von 1945 bis 1947 hatte dieses Amt Reinhold Schäfer inne. Er wurde dann von Nikolaus Hürter abgelöst. Im Jahre 1948 wurde Johann Wahlen zum Bürgermeister gewählt. Dieses Amt übte er über 25 Jahre aus. Bis zum Jahr 1973.
Als Besonderheit dieses Gemeinderates ist zu erwähnen dass die Ratsmitglieder nicht nach einer Parteizugehörigkeit gewählt wurden, sondern aufgrund einer Personenwahl. Die Wahlliste setzte sich aus je einem Mitglied pro Haushalt zusammen.
Einer der ersten Aufgaben des Gemeinderates war der Ausbau eines Wegenetzes in Münchweiler. Aufgrund der hohen Kosten war es nur möglich, dieses Vorhaben in mehreren Bauabschnitten zu verwirklichen. Der erste Bauabschnitt führte von der B268 bis zum Schloss Münchweiler. 1956 konnte der zweite Bauabschnitt realisiert werden – bis zur Siedlung Gerhard Mayers. Mit dem dritten Bauabschnitt 1955 bis zur Siedlung Schmotz und dem IV Bauabschnitt 1961 wurde die Hauptstraße von der B268 zur L172 fertiggestellt. Im Jahre 1970 wurde die Gemeindestraße bis zur Siedlung Hürter ausgebaut.
Vor der Gebiets- und Verwaltungsreform 1974 gehörte Münchweiler zum Amtsbezirk Weiskirchen. Im Zuge dieser Reform wurde die Gemeinde Münchweiler als selbständige Gemeinde aufgelöst und gehört seit diesem Zeitpunkt als Ortsteil von Nunkirchen zur Gemeinde Wadern und ab 1.7.1978 zur Stadt Wadern.
Im Gegensatz zu anderen Gemeinden, die die Ansiedlung industrieller Unternehmen zur Steigerung ihrer Steuereingänge forderten, hatte sich die Gemeinde Münchweiler zum Grundsatz gemacht, ein reines Bauerndorf zu bleiben Dieser Haltung lag die wohlüberlegte Idee zugrunde, den Grundbesitz jedes ihrer Erbhofbauern ungeschmälert zu erhalten und so ihre Existenzfähigkeit nicht zu gefährden.
Diese Einstellung hat den großen Vorteil, dass diesem Gebiet die ländliche Idylle erhalten bleibt. Diese ländliche Beschaulichkeit lockt Ruhe- und Erholungssuchende sowie Urlauber nach Münchweiler.
Schloss Münchweiler bietet sich an als Sehenswürdig und beherbergt heute ein Café und ein Hotel. Zum Schloss gehört seit 1960 das Freizeit- und Campinggelände des Lichtbundes Saar.
Als Anziehungspunkt für Spaziergänger und Angler befindet sich auf dem Schlossgelände eine Weiheranlage (zwei Weiher). Diese Weiher entstanden aus einer ehemaligen Kiesgrube und werden von der Angelgemeinschaft Nunkirchen genutzt.
Von den ehemaligen elf landwirtschaftlichen Betrieben werden heute noch zwei Höfe von den Nachkommen der damaligen Siedler bewirtschaftet. Zwei der damaligen Bauernhöfe wurden lange Zeit als Therapiebauernhof der Arbeiterwohlfahrt genutzt, heute dient nur noch ein Hof diesem Zweck, der andere befindet sich in Privatbesitz.
Bis zum Jahre 1954 wurde Münchweiler durch den Nunkircher Postboten versorgt. Von 1954 bis 1985 hatte Münchweiler eine eigene Poststelle, die sich im Hause Johann Wahlen befand. Dieser war auch gleichzeitig der Postbote (s. Artikel
„Postgeschichte von Nunkirchen“).
Die ehemalige Gemeinde Münchweiler gehörte der Pfarrgemeinde Nunkirchen an. Schulisch war sie ebenfalls der Gemeinde Nunkirchen angeschlossen.
Die Chronik der Nunkircher Volksschule berichtet nach den Herbstferien 1932 darüber: „Die Siedlungen in Münchweiler sind fertiggestellt und von den Siedlern bezogen. Die schulpflichtigen Kinder der Siedler besuchen unsere Volksschule. Es sind insgesamt 13 Kinder. Laut Verfügung der Regierung sind sämtliche Kinder von Münchweiler vom Nachmittagsunterricht befreit.“
Je ein Mitglied des Gemeinderates war Mitglied des Schulverbandes und des Friedhofverbandes. Für die Nutzung von Schule und Friedhof musste ein festgesetzter Betrag an die Gemeinde Nunkirchen bezahlt werden.
Die Zahl der Wohnhäuser hat sich seit 1933 von zehn bis zum Jahre 1991 auf 15 Häuser erhöht.
Bis zum Jahr 1983 unterhielt Münchweiler eine eigene Wasserversorgung der Stadt Wadern.


Die Gemarkungen Nunkirchen und Münchweiler
Von Werner Kraus

Die Informationen, die Werner Kraus zusammengetragen hat, haben wir in die Rubrik Flurnamen mit den Informationen aus dem Heimatbuch von Matthias Müller aus dem Jahre 1957 einfließen lassen.

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Vereine
Von Fritz Glutting

Eine Dorfchronik muss, sollte sie den Anspruch einer ganzheitlichen Darstellung des Ortsgeschehens erfüllen, das Vereinsleben vorstellen. Bei der zeitraubenden Dokumentierung haben mir viele Vereine dankenswerterweise ihre Daten zur Verfügung gestellt, so dass in gebotener Kürze die wichtigsten Vorgänge aufgezeichnet werden konnten.

Zuerst seien die Vereine genannt, deren Tätigkeit in den letzten Jahren noch bekannt ist, die aber nicht mehr existieren:

  • Kolpingverein. aus dem Gesellen- und dem kath. Handwerkerverein hervorgegangen; zu Beginn der 70er Jahre aufgelöst,
  • Karnevalsgesellschaft und Geselligkeitsverein „Frohsinn und Heiterkeit“; Ende der 50er Jahre aufgelöst,
  • Motorsportclub, nach 1983 nicht mehr aktiv.

Freiwillige Feuerwehr
Die amtliche Geburtsstunde der Freiw. Feuerwehr Nunkirchen schlug am 4. Juli 1881. Unter diesem Datum wurden die „Statuten der freiwilligen Feuerwehr zu Nunkirchen“ aufgestellt und zweieinhalb Jahre später von der Königlichen Regierung in Trier am 24. Januar 1884 genehmigt. Noch ein anderer Hinweis für das Datum des 4. Juli 1881: in einer Übersicht zwecks Einführung einer Unfall-Versicherungs-Kasse, am 29. Juli 1884 für das Oberpräsidium der Rheinprovinz in Koblenz aufgestellt, wird vom damaligen Weiskircher Bürgermeister Jakob Marx in der Rubrik „Datum der Einrichtung derselben“ der 4. Juli 1881 angegeben.
In 19 Artikeln wurden die Zusammensetzung sowie Rechte und Pflichten jedes einzelnen Mitgliedes bestimmt. U.a. wurde angeordnet: „1. Um bei Brandunglücken möglichst rasche Hülfe zu haben, und um die Rettungsarbeiten geregelter vornehmen zu können, hat sich ein Verein gebildet, welcher den Namen führt: „Freiwillige Feuerwehr zu Nunkirchen“. 2. Mitglied kann jeder ordentliche Mann aus Nunkirchen, welcher das 20. Lebensjahr zurückgelegt hat, werden… 5. Die Mannschaft wird in sechs Abteilungen eingeteilt, welche folgende Namen führen: a) Rettungsmannschaft, b) Aufsichts- oder Sicherheitsmannschaft, c) die Schläuchenführer, d) die Pumpenmannschaft, e) die Feuerleitermannschaft, f) die Feuerhackenmannschaft. 6. Jede dieser Abteilungen wählt sich einen Führer (Unteroffizier) mit einem Stellvertreter, welche jedoch bei der Arbeit gleich den anderen thätig sind… 8. Die Ordnung ist eine militärische. Ausschreitungen werden mit Geldstrafe nicht unter 24 Pfennigen und nicht über eine Mark fünfzig Pfennige bestraft, auch kann Ausweisung erfolgen…
Der erste Wehrführer hieß Josef Hammes, wie aus einem Schreiben des Königl. Landratsamtes Merzig vom 19. Mai 1883 hervorgeht, in dem der Name des Wehrmannes angeführt wurde, der bis zum Eintreffen des Bürgermeisters bei einem Brand die Maßnahmen zur Brandbekämpfung leiten sollte. Handschriftlich fügte der Bürgermeister dem Schreiben den Zusatz bei: „Dem Landrath vorgeschlagen a} für Nunkirchen: Spritzenmeister Josef Hammes aus Nunkirchen, b)…“ Dazu später noch ein Zusatz: „Die freiwilligen Feuerwehren hier (Anm.: Weiskirchen ist damit gemeint!) und Nunkirchen bestehen schon über ein oder zwei Jahre…“
Nach J. Hammes ist mit Sicherheit Johann Meyers, Mühlen- und Sägewerksbesitzer, zu nennen, wie aus einer Meldung vom 18. Februar 1902 an den Bürgermeister in Weiskirchen hervorgeht, die besagt: „Die freiw. Feuerwehr von Nunkirchen besteht aus 35 bis 40 Mann. Vorstand: J. Meyers, Hauptmann; Peter Anz, Spritzenmeister; Nik Öhm, Leutnant; Jakob Zimmer, Cassirer“.
Nach diesem Zeitpunkt sind wertere Namen von Wehrführern nicht mehr festzustellen. Erst die Gemeinderatssitzung vom 3. Dezember 1926 nennt einen Brandmeister in der Person des Jakob Werding und als seinen Stellvertreter Anton Faas.
Nach mündlichen Aussagen sollen in den 20er und 30er Jahren Johann Schneider und Peter Engstler als Wehrführer fungiert haben. Während des Zweiten Weltkrieges sind Matthias Müller („Sattler-Matz“) und Josef Kleinbauer als Wehrführer bekannt.
Nach dem Krieg führten die Nunkircher Wehr Peter Engel, Willi Kreuder (zweimal), Helmut Mentges, Rudi Valentin. Nach der Gebiets- und Verwaltungsreform 1974 werden die örtlichen Wehrführer Löschbezirksführer genannt. Nach dem Abschied von Rudi Valentin aus dem Amt im Jahr 1994 bekleideten Gerd Ternes, Hans-Peter Pitzer und seit 2000 Uwe Valentin diese Position.
Das Hauptproblem bei der Brandbekämpfung ist die Wasserzufuhr. Als es noch keine Hochdruck-Wasserleitungen gab, waren die Hausbewohner für die Bereitstellung der notwendigen Wassermenge verantwortlich. Das warfür die jeweiligen Gemeinderäte eine bequeme Art, sich vordem Bau einerteuren Wasserleitung zu drücken. Ein Beschluss des Nunkircher Gemeinderates vom 3. Juli 1902 beweist diese Haltung: „Nunkirchen ist sehr weitläufig gebaut und wenig zusammenhängend, so dass es sich zur Anlegung einer Wasserleitung wenig eignet. Ein Theil der Straße nach Michelbach/Bettingen liegt ziemlich hoch und hat nur einige Brunnen. Für diesen Theil des Dorfes wäre eine Wasserversorgung am notwendigsten und gerade diesem kann durch eine Wasserleitung kein Wasser zugeführt werden, während die übrigen Theile des Dorfes mit ihren 97 Grundbrunnen hinreichend mit Wasser versorgt sind und sich einer Wasserleitung nicht anschließen würden.“ Lt. Gutachten des Kreisbauamtes würde eine Wasserleitung mit einer Länge von wenigstens 5 km einen Kostenbeitrag der Gemeinde in Höhe von 30.000 Mark erfordern, was der Gemeinderat ablehnte.
Es war jedoch unausweichlich, dass eine Wasserleitung gebaut werden musste. Im Jahr 1912 wurde ein Plan entworfen, der es ermöglichen sollte, nach zehn Jahren Planung eine Wasserversorgungs-Anlage zu bauen, die den ganzen Ort mit Wasser beliefern konnte. Eine auf der Gemarkung Wahlen liegende Quelle, deren Wasser hygienisch einwandfrei war, sollte gefasst und mittels einer Fernleitung nach Nunkirchen geführt werden. Nach erfolgreichen Verhandlungen mit der Gemeinde Wahlen und dem Besitzer der Quelle konnte das lang ersehnte Projekt begonnen werden. Die Gemeinde scheute dieses Mal keine Kosten. Bei der Landesversicherungs-Anstalt der Rheinprovinz wurde ein Darlehen in Höhe von 30.000 Mark aufgenommen. An eine Beihilfe des Staates war damals nicht zu denken.
Auf dem Galgenberg hinter der vormaligen Streuguthalle wurde der erste Hochbehälter gebaut, dem dann später einer an der Michelbacher Linde, der gleichzeitig auch Michelbach belieferte und der jetzige in der „Zandtersch Heck“ folgten.
In Bezug auf die Hydranten ist Nunkirchen einschließlich Münchweiler mit zirka 150 Stück erfolgssicher abgedeckt.
Die heutige Ausstattung umfasst neben dem ausreichenden Schlauchmaterial und der Ausrüstung mit Fahrzeugen ein Notstrom-Aggregat, ein Rettungsgerät mit Schere und Spreitze, einen Satz Vetter-Lufthebekissen und einen Schlauch-Haspel für Wasserversorgung auf langem Weg.
Wo das erste Spritzenhaus stand, konnte nicht festgestellt werden. In der Geräteübersicht vom 2. Januar 1845 war die Rede von „einem neuen Spritzenhaus, auf Kosten der Bürgermeisterei Weierweiler erbaut, in welchem die Spritze und die Eimer aufbewahrt sind.“
Das erste nachweisbare Spritzenhaus befand sich im Anbau des 1875 eingeweihten Mädchenschulhauses im Oberdorf (vormals Landesprodukte Kemmerling). Anfang der 50er Jahre wurde dieses Spritzenhaus aufgegeben, um das neue Haus an der Bachbrücke zu beziehen. Es behielt seine Funktion bis 1978, als der Umzug in das moderne Gerätehaus im zentral gelegenen Gelände des Dorfplatzes erfolgte, in dem auch das DRK untergebracht war.

DRK und JRK
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I. DRK
Im Spätsommer des Jahres 1937 nahmen Maria Christian-Demmer, Anna Demmer, Lucie Groß, Berta Kiel, Franziska Koch-Klein, Gretel Mayer-Thome, Rosa Nitschner, Anna Ott-Thiel, Helene Spang-Demmer, Klara Spang-Münster, Maria Schmitt, Anna Thome-Kraus, Christine Weiß, Erika Werding, Anton Faas, Gerhard Lang, Werner Schmitt, Reinhold Spang und Nikolaus Wagner an einem Lehrgang teil, der vom Landratsamt Wadern und dem Gesundheitsamt Wadern zwecks Ausbildung als Rote-Kreuz-Helfer eingerichtet war. Erster Kolonnenführer war Anton Faas, dem der Kolonnenarzt Dr. med. Kersch aus Losheim zur Seite stand. Beide blieben bis Kriegsende im Amt. Während des Krieges war außer den weiblichen DRK-Helferinnen noch Reinhold Spang in Diensten des Zivilschutzes verpflichtet worden.
Nach dem Krieg blieb das DRK von der französischen Besatzungsbehörde zunächst verboten. Es galt als militärische Organisation und war deshalb unerwünscht. Erst im Januar 1948 konstituierte sich das DRK als „Saarländisches Rotes Kreuz“, selbständiges Mitglied des Internationalen Roten Kreuzes. Nachdem am 1. Februar 1949 eine neue Satzung rechtskräftig geworden war, kam es zur Gründung von Ortsvereinen, darunter auch der DRK-Ortsverein Nunkirchen, dessen Gründungsversammlung am 16. Juli 1950 im Hotel Meyers (Inh. Nik. Biewer) stattfand. Er umfasste die südlichen Gemeinden des Verwaltungsbezirks Weiskirchen.
Zum 1. Vorsitzenden wurde Nik. Biewer, der damalige Ortsbürgermeister, gewählt. Dem ersten Vorstand gehörten weiter an: Erich Johänntgen (Stellvertreter und Schriftführer); Maria Spanier (2. Stellv. und zuständig für die Frauenarbeit); Johann Engstier (Kassenwart); Gerhard Lang (Zeugwart). Der DRK-Ortsverein Michelbach erhielt Sitz und Stimme im Vorstand durch die beiden Beisitzer Franz Weiß und Franz Michely. Kolonnenarzt wurde Dr. med. Reimann aus Nunkirchen. Johann Engstler leitete ab 1954 die Geschicke des Ortsvereins. Zwölf Jahre später trat er aus Altersgründen zurück. Der Verein würdigte seine Verdienste mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden.
Reinhold Spang, Mann der ersten Stunde, übernahm die Geschäfte des 1. Vorsitzenden, um sie 1967 Franz Altmeyer zu übergeben. Nach fünf Jahren übernahm im Dezember 1972 – nach einer kurzen Interimszeit von Josef Kläser – Raimund Lauer die Führung des DRK-Ortsvereins, um sie bis 1991 zu behalten. Er ist Träger der Leistungsspange des DRK in Silber.
In vielen Lehrgängen erwarben sich die Helfer und Helferinnen das notwendige Rüstzeug für den Einsatz in Not- und Katastrophenfällen. Vor allem in Erster Hilfe sind im Lauf der Jahre viele hundert Personen ausgebildet worden.

II Jugendrotkreuz
Die Jugendarbeit wurde beim DRK Nunkirchen großgeschrieben. Immer wieder werden Lehrgänge durchgeführt, um die späteren Aktiven mit den Grundbegriffen der DRK-Arbeit vertraut zu machen. Im Juni 1962 Gründung des JRK Nunkirchen durch Raimund Lauer; erste Gruppenleiter: R. Lauerund Bialischik (1962 bis 1965); Gilbert Krämer (1965 bis 1973); Willibald Dewes (1972 bis 1974); Friedhelm Schuler (1974 bis 1980). Von 1980 an wurde die Gruppe unter selbstgewählten Gruppenleitern geführt. Seit 1978 nahm das JRK Nunkirchen an JRK-Kreiswettbewerben teil. Dabei konnten sich die Jungen und Mädchen insgesamt sechsmal als Kreissieger und einmal als Landessieger auszeichnen. Bisheriger Höhepunkt war der zweite Platz beim Bundeswettbewerb in Kassel 1985. Das JRK Nunkirchen übernahm mit der Ausrichtung des Kreiswettbewerbes 1977, des Kreiskinderfestes 1982 und des Landeskinderfestes 1984 überregionale Aufgaben.
Darüber hinaus stellte sich das JRK Nunkirchen in den Dienst caritativer Verpflichtungen wie die Zurverfügungstellung der Mittel aus Altpapiersammlungen und aus dem Erlös des Christkindelmarktes. Die Reinerlöse gingen zumeist an die Medico-Sozialstation in Benin (Westafrika).

Malteser Hilfsdienst e.V./Ortsgruppe Nunkirchen
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Anlässlich eines Erste-Hilfe-Lehrgangs im Winter 1960/61 wurde durch den inzwischen verstorbenen Hans-Werner Hewer die Malteser Ortsgruppe Nunkirchen gegründet. Über 12 Mitglieder verfügte diese erste Gruppe. Unter der Gruppenleitung von Albert Kraus (1963 bis 65) und Gerd Müller (1965 bis 68) erfuhr die Ortsgruppe eine stetige Aufwärtsentwicklung. 1970 wurde Helmut Ternig Ortsbeauftragter und blieb es bis 1982. Gemeinsam mit den Gruppenführern Elmar Zimmer und Wolfgang Schnur wurde die Ausbildung intensiviert. Das zeigte sich bei den Teilnahmen an Landes- und Diözesanleistungswettbewerben, wo die Nunkircher Ortsgruppe stets auf den vorderen Plätzen zu finden war.
Landesleistungs-Wettbewerbe: 1971 in Merzig: Platz 5; 1972 in Spiesen: Platz 2; 1974 in Homburg: Platz 3; 1975 in Saarbrücken: Platz 3; 1976 in Neunkirchen/Nahe: Platz 2; 1977 in Saarfels: Platz 1; 1978 in Wahlverfahren: Platz 1; 1980 in ?: Platz 2; Diözesan-Leistungswettbewerbe: 1982 in Merzig: Platz 1, 1983 in Homburg: Platz 1; 1987 in Speyer: Platz 1 in der Gästewertung; 1989 in Pirmasens ebenfalls Platz 1 in der Gästewertung. Bundesleistungs-Wettbewerbe: 1977 in Homburg: Platz 1 (jedoch außer Konkurrenz); 1989 in Passau auf Platz 3.
1976 erfolgte die Gründung einer ersten Jugendgruppe, die 1982 durch eine weitere Gruppe unter Leitung von Hans-Peter Tamble erweitert wurde.
Nach und nach erfuhr die Ausrüstung mit Sanitätszelten, fahrbaren Gas- und Zeltheizungen, einem Projektor zur optimalen Ausbildung in Kursen, Blutdruck-Messgeräten und einem Ford-Transit-Bus (9 Sitze) eine begrüßenswerte Aufstockung. Neben dem Feuerwehrgerätehaus wurde 1991/92 eine Garage zur Unterstellung der Fahrzeuge und der Geräte erbaut.
Für die Öffentlichkeit wurde 1969 erstmals ein Lehrgang für Führerscheinbewerber „Sofortmaßnahmen am Unfallort“ eingeführt, der bis heute jeden letzten Samstag im Monat angeboten wird. Die monatliche Blutdruck-Messaktion an jedem letzten Sonntag im Monat (Saalbau) wurde Ende 1991 wegen mangelnden Zuspruchs eingestellt.
Am 28. August 1971 war Pfarrer a.D. Alois Kreutzer zum Ehrenmitglied ernannt worden.
Die Aufgaben der MHD Ortsgruppe Nunkirchen haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Im Bereich der Breitenausbildung führt der MHD Erste-Hilfe-Kurse für Firmen und Führerscheinbewerber durch. Neben der Hauptaufgabe, dem Katastrophenschutz im Landkreis Merzig-Wadern, führt die Ortsgruppe auch zahlreiche Sanitäts- und Betreuungsdienste durch. Für die Aufgabenerfüllung steht dem MHD ein Fuhrpark von drei Fahrzeugen und zwei Anhängern zur Verfügung. Die Fahrzeuge sind in der Fahrzeughalle im Wiesental, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Feuerwehrgerätehaus untergebraucht.
Neben einer 30-köpfigen aktiven Gruppe hat der MHD auch eine Jugendgruppe, die derzeit aus ca. 15 Kindern und Jugendlichen besteht.

Männergesangverein
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Aus Anlass des 20-jährigen Bestehens gab der Männergesangverein „Eintracht“ Nunkirchen im Jahr 1914 ein „Fest-Buch“ heraus. Es ist der eindeutige Beweis auf 1894 als Gründungsjahr des Vereins. Das Jahr 1894 ist weiterhin belegt durch das 30-jährige Stiftungsfest, das der MGV gleichzeitig mit dem Bundesfest des „Sängerbundes Oberprims“ am 3. August 1924 feierte. Zum ersten Vorstand gehörten diese Mitglieder: Jakob Finkler, Präsident; Michel Wilkin, Vizepräsident; Nik. Werno, Schriftführer; Nik. Porz, Rendant; Matthias Müller, Tafelordner (Anrn.: sicherlich der Notenwart); Josef Thome, Beisitzer. Der erste Dirigent war der pensionierte Lehrer M. Becker. 41 Mitglieder gehörten dem Verein an.
Die Freude am Vereinsgesang erlosch jedoch schnell wieder. Zehn Jahre nach der Gründung wurde der inzwischen „eingeschlafene“ Verein wieder aufgeweckt. Mit dem Präsidenten Matthias Werding und dem Dirigenten M. Leuck aus Losheim startete man zu einem neuen Versuch, den man als geglückt bezeichnen konnte; denn öffentliche Auftritte bis zum Jahr 1914 fanden ungeteilten Beifall (Dirigent Franz Ostien, Ensdorf).
Der Erste Weltkrieg brachte einen tiefen Einschnitt. Fünf Sänger starben den Soldatentod. Die Nachkriegsjahre sahen einen neuen Aufschwung. Matthias Werding blieb Vorsitzender bis 1924, um dann von seinem Bruder Johann abgelöst zu werden, der bis in die 30er Jahre dieses Amt ausübte. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte er sich wieder zur Verfügung. Die Dirigenten in diesen Jahren wechselten in rascher Folge.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es unter den Vorsitzenden J. Werding und G. Brauchle wieder aufwärts. Tüchtige Dirigenten formten den MGV Nunkirchen zu einem Chor, der bei seinen Auftritten nicht nur im heimischen Bereich, sondern auch bei Wertungskonzerten hohe Noten erhielt. Herausragend aus dem Wirkungskreis des Chors sind die gemeinsamen Konzerte mit dem Musikverein Nunkirchen, die seit dem 19. Oktober 1975 stattfinden und seitdem zu einem festen Bestandteil im kulturellen Leben der Gemeinde geworden sin. Eine Vorausschau der „Merziger Zeitung“ vom 30. Sept. 1930 verweist jedoch darauf, dass bereits am 26. Oktober 1930 eine gemeinsame Veranstaltung beider Vereine stattgefunden hat. Wenn man so will, ist das Konzert vom 19. Oktober 1975 die Neubelebung einer alten Tradition.
Die Vorsitzenden nach den zuvor genannten sind: Hermann Maring (1955 bis 1960 und wieder von 1966 bis 1967); Alfons Werno (1960 bis 1972); Willibald Dewes (1972 bis 1974); Werner Glutting (1974 bis 1985); Leo Thome (1985 bis 1989); und ab 1989 bis heute wieder Werner Glutting.
Zum Kreis der Dirigenten nach dem Zweiten Weltkrieg zählen Franz Ostien, Peter Schmitt, Hugo Handle, Hermann Monz, Hans Schmitz, Alfred Müller; Guntram Feit und bis jetzt Peter Spang. Ehrenmitglieder des Vereins waren Hermann Maring und Alfons Werno. Ehrendirigent ist Hans Schmitz.
Z.Zt. sind die aktiven Sänger: Tenor l: Dewald Fredi; Ewerling Otto; Glutting Werner; Spang Georg; Wagner Martin. Tenor II: Badern Peter; Karrenbauer Dietmar; Lang Klaus; Lang Rudi; Offholz Ewald; Schneider Ludwig; Schoil Dieter; Thome Leo; Wagner Heini. Baß I: Backes Werner; Dewes Willibald; Engstler, Alfons; Lauer Franz-Josef; Lauer Heinz; Lauer Werner; Lang Rudi; Schneider, Dieter; Spang Hans; Stein Leo. Baß II: Hero Helmut; Kraus Albert; Lang Manfred; Lauer Raimund; Leick Hans-Josef; Löw Dieter; Petry Erwin; Spang Reinhold; Stein Werner.
Vorstand: 1. Vors.: Werner Glutting; 2. Vors.: Helmut Hero; Kassenwart: Dieter Schneider; Schriftführer: Martin Wagner; Beisitzer: Werner Stein, Hans-Josef Leick (beide zugleich Notenwarte), Manfred Lang und Alfons Engstler.

Musikverein – Dorfmusikanten
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Anfangs der 70er Jahre im vergangenen Jahrhundert rief Johann Weyand, „Ziegelhannes“ genannt, Familienangehörige zusammen, um eine Musikkapelle aufzustellen. Er brauchte nicht lang zu bitten; denn die Weyands hatten „Musik im Blut“. Der Vater des „Ziegelhannes“, Friedrich Weyand und dessen Vater Matthias waren Lehrer und Organisten in Nunkirchen von 1750 bis 1832 gewesen. Vom „Ziegelhannes“ behauptet man, er habe sechs Instrumente gespielt und viele Tänze und Märsche komponiert. Leider ist keine dieser Kompositionen der Nachwelt erhalten geblieben. Es war nicht verwunderlich, dass sich der erfolgreichen Weyand-Kapeile immer mehr „Fremde“ anschließen wollten. Die Gründung eines Musikvereins war die unabwendbare Folge. 1882 wurde der Musikverein „Orchester“ aus der Taufe gehoben. „Ziegelhannes“ führte den Dirigentenstab. Die Familientradition wurde mit den Dirigenten Michael, Johann („Gnadse Johann“) und deren Brüdern und Vettern bis nach dem Zweiten Weltkrieg fortgesetzt.
Eine zweite Nunkircher Musiker-Familie soll ebenfalls Erwähnung finden. Nikolaus Thome gründete nach dem Ersten Weitkrieg eine eigene Kapelle, die fortan neben der Weyand-Kapeile für den guten Ruf der Nunkircher Musiker sorgte. Beide Kapellen waren freundschaftlich miteinander verbunden und halfen sich gegenseitig aus. Auch in der Kapelle Thome blieb der Dirigentenstab Familientradition: Die Söhne des Gründers, Johann und Jakob sowie die Neffen Matthias und Nikolaus gaben den Ton an.
Wie beim Männergesangverein rissen die beiden Weltkriege schmerzliche Lücken in die Schar der Musiker. Die Zurückgekehrten weckten den Verein wieder zu neuem Leben. Unter dem Dirigenten Johann Weyand („Gnadse Johann“) – übrigens auch Organist an der Pfarrkirche – ging es aufwärts, was große Konzertaufführungen bewiesen. So schrieb der „Merziger Zeitung“ am 29. Mai 1925 anlässlich eines Jubiläums des MGV „Liedertafel“ Wadern: „Der bestbekannte Musikverein Nunkirchen ist für den musikalischen Teil gewonnen…“
Ein besonders Ereignis in diesen Jahren soll an dieser Stelle erwähnt werden: Die „Merziger Zeitung“ kündigte am 30. Sept. 1930 für den 26. Oktober 1930 eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Männergesangverein Nunkirchen an: „Beide Vereine werden das musikalische Drama ‚Rosen blühen auf dem Heidegrab‘ aufführen. Es ist kein gewöhnliches Theaterspiei, kein Schauspiel, keine Operette, kein Drama und kein Singspiel und doch alles gleichzeitig eine Verbildlichung von Volksliedern“.
Die bei der Vorstellung des MGV Nunkirchen erwähnte jährliche gemeinsame Veranstaltung hat also bereits 1930 einen Vorläufer gehabt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann ein Neuaufbau mit Peter Weyand als 1. Vorsitzenden und seinem Nachfolger Karl-Heinz Spang sowie den Dirigenten Johann Weyand und ab 1952 mit dem Organisten Hans Schmitz. Eine Zeit der Erfolge setzte ein. Die Ausrichtung des Kreismusikfestes 1972 durch den Musikverein Nunkirchen war ein Beweis für die Erfolge bei Wettbewerben und Konzerten.
Danach begann eine unruhige Zeit für den Verein. Etliche Unstimmigkeiten führten zur Gründung der „Dorfmusikanten“ (1972), die sich aber weiterhin als Angehörige des Musikvereins fühlten. Dank dem damaligen Vorsitzenden Erwin Schneider und dem Musiker Heinz Merziger überstand der Verein die Krise durch die Gründung einer Jugendkapelle. Schließlich kam es 1979 zur „Wiedervereinigung“.
Die Vorsitzenden nach dem Zweiten Weltkrieg: Peter Weyand (1947 bis ??); Karlheinz Spang (?? bis 1957); F.J.Lauer (1957 bis 1959); K.H. Spang (1959 bis 1960) F.J. Lauer (1960 bis 1962); Raimund Lauer (1962 bis 1963); F.J. Lauer (1963 bis 1972); Erwin Schneider (1972 bis 1979); Peter Hacket (1979 bis 1980); Theo Schmitz (1980 bis 1982); Peter Hacket (1982 bis heute).
Der aktuelle Vorstand bei der Erstellung des Berichtes im Sommer 1991:1. Vors.: Peter Hacket; 2. Vors.: Andreas Lang; Kassierer: Engelbert Schuler; Schriftführer: Andre Werno; Beisitzer: Georg Meyer und Manfred Fehr.
Dirigenten: Johann Weyand (1947 bis 1952); Hans Schmitz (1952 bis 1972); Alfred Müller (1972 bis 1974); Heinz Merziger (1974 bis 1979); Leo Thome (1979 bis 1981); ab 1981 bis heute: Bernd Haag.
Ehrendirigent: Hans Schmitz.
Besetzung im Sommer 1991: 1. Trompete: Helmut Werno; 2. Trompete: Andre Werno; 1. Flügelhorn: Heinz Merziger; 2. Flügelhorn: Günther Hacket; 3. Flügelhorn: Jochen Schuler, Michael Waschbüsch; 1.Flöte: Frank Ewen, Sabine Hacket; 1. Klarinette: Peter Hacket, Angelika Hoffmann; 2. Klarinette: Erwin Schneider, Nadine Schmitz; 3. Klarinette: Erwin Wilkin, Andreas Werno; 1 .Tenorhorn: Guido Hecktor, Andreas Lang; 2. Tenorhorn: Manfred Fehr, Mike Schneider; 3.: Detlef Schmitzer; Bariton: Paul Heinz Lang; 1. Posaune: Theo Schmitz,  2.: Engelbert Schuler; Schlagzeug: Georg Meyer.
Fritz Glutting beschäftige sich in zehn Jahren gleich zwei Mal mit der Geschichte des Nunkircher Musikvereins. Einmal (ausführlich) zum100. Geburtstag und etwas komprimiertert zum 110-jährigen Wiegenfest der Dorfmusikanten. 1957 erschien zum 75. Jubiläum des Musikverein Orchester Nunkirchen eine Festschrift, die wir Ihnen ebenfalls nicht vorenthalten wollen. Sie wurde uns von Petra Kochems zur Verfügung gestellt.

Kirchenchor Nunkirchen/Michelbach
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Wann genau ein Kirchenchor in Nunkirchen zum ersten Mal das Lob Gottes sang, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Einem Visitationsprotokoll des Jahres 1849 zufolge ist die Existenz von Vor- bzw. Einsängern belegt (Bistumsarchiv Trier, Abt. 44 Nr. 142). Dieser Nachweis genügt für das Beantragen von Zelter-Plakette bzw. Palestrina-Medaille. Im Protokoll von 1830 ist ein Kirchenchor nicht ausführlich genannt. Somit könnte der Kirchenchor Nunkirchen das Jahr 1849 als sein Geburtsjahr bezeichnen.
Aus dem Lagerbuch der Pfarrei ist zu erfahren, dass beider Anstellung von Friedrich Weyand als Küster und Organist im Juli 1851 die Rede davon war, dass zwei seiner Söhne einen Männerchor und den Kirchengesang leiteten, eine Anmerkung, die den Protokollbericht von 1849 bestätigt. Es ist anzunehmen, dass der Lehrer Jakob Gnad, 1867 zum Küster gewählt, einen Kirchenchor geleitet hat, der ursprünglich ein reiner Männerchor gewesen ist.
Unterlagen über die Tätigkeit des Chors in den folgenden Jahrzehnten liegen nicht vor. Es würde vor allem interessieren, ob außer Nunkircher Pfarrangehörigen auch welche aus den Filialen Büschfeld und Michelbach damals dem Chor angehörten.
Erst in der Nachkriegszeit lassen sich Daten anführen. 1949 war Organist Hans Schmitz Chorleiter und blieb es bis 1970, als Gerd Müller die Leitung übernahm. Anfang der 70er Jahre hatten sich die Chormitglieder von Michelbach mit denen von Nunkirchen zum Kirchenchor Nunkirchen/Michelbach zusammengeschlossen. In Michelbach bestand seit 1933 ein eigener Chor, der aus Anlass der Einweihung der neuen Kirche unter Leitung des Lehrers Heinrich Seibel gegründet worden war.
Gerd Müller leitete den Chor bis 1988. Ein Jahr später stellte er den Oratorienchor auf, dem viele Sängerinnen und Sänger des Kirchenchors angehören. Ab 1988 nahm bis auf weiteres Hans Schmitz wieder den Dirigentenstab in die Hand. Vorsitzende nach dem Krieg waren Johann Angel, Raimund Kraus, Karl-Josef Petry und ab 1984 Margret Schmitt.
Seit Weihnachten 1969 wurden regelmäßig Kirchenkonzerte in Nunkirchen aufgeführt. Beim ersten Mal waren dabei: Hans Schmitz als Dirigent, Gerd Müller an der Orgel, Tenor Siegfried Engel und Studierende der Musikhochschule des Saarlandes. Unter Teilnahme vieler bekannter Künstler und Musiker errang der Chor unter Leitung von Gerd Müller hohe Anerkennung. An Konzerten seien erwähnt: Krönungsmesse Mozart am 28. Dezember 1980; Requiem von Mozart am 1. April 1984; Magnificat von Bach am 28. Dezember 1986; Große Messe Es-Dur von Schubert am 20. November 1988.
Teilnahme an dörflichen Veranstaltungen gehörten ebenfalls zum Programm des Kirchenchors wie die Kappensitzungen.
Erinnert sei noch an die Einweihung der neuen Orgel am 18. Mai 1980 mit insgesamt 2032 Pfeifen, darunter 240 Holzpfeifen, unter denen die größte 2,40 m und die kleinste 7 mm messen.
Z.Zt. hat der Chor 26 Mitglieder. Ehrenmitglied ist Johann Angel; Ehrendirigent Hans Schmitz, der aus Anlass seines 40-jährigen Jubiläums im Dienst der musica sacra 1989 viele verdiente Ehrungen erfuhr.

Verein für Gewerbe, freie Berufe & Touristik/Vereinsgemeinschaft
Auf Initiative des Schulleiters a.D. Matthias Müller wurde am 21. April 1954 im Lokal Hoff-Spang ein Verkehrsverein für die Gemeinden Nunkirchen, Michelbach und Münchweiler gegründet. Der erste Vorstand hatte folgende Mitglieder: M. Müller, 1. Vors.: Peter Engel, Stellvertreter; Fritz Glutting, Schriftf.; Eduard Kuhn, Kassierer; Alfons Werno, Presse und Propaganda; Ph. Sauerwein, Ortsverschönerungsrat.
Voller Engagement ging man gleich auf eine Aufgabe zu, deren Ausführung in den folgenden Jahren die Gemeinde Nunkirchen weithin rühmlich bekanntmachen sollte: die Ausrichtung des Blumenfestes.
Für die Gestaltung der Fastnacht fühlte sich der neue Verein ebenfalls zuständig. Die Gemeinde unterstützte dieses Vorhaben mit Zuschüssen, wie entsprechende Ratsbeschlüsse der Jahre 1955 und 1956 beweisen. Die Mittel waren für die Durchführung der Rosenmontagszüge bestimmt.
Das Jahr 1967 brachte das Ende des Blumenfestes. Die Aktivitäten des Verkehrsvereins hörten ebenfalls auf. Schuldirektor a.D. Müller war nach Saarbrücken verzogen, wo er 1975 verstarb. Er wurde auf dem Friedhof in Nunkirchen bestattet.
Ortsbürgermeister Paul Schmitz wollte den Verein wieder aktivieren. In einer dazu einberufenen Versammlung am 4. November 1971 erklärten sich Richard Scheid (1. Vors.), Frau Ewen, Raimund Kraus, E. Kuhn, Hans Rabe zur Vereinsführung bereit. Bedenken hinsichtlich neuer Aktivitäten hemmten jedoch das Engagement. Nach Rücktritt von R. Scheid übernahm Hubert Breuer zuerst kommissarisch und dann ab 1973 vollverantwortlich den Vorsitz.
Initiativen hinsichtlich von Wanderwegen und kulturellen Veranstaltungen führten auch dieses Mal zu keinem Erfolg, da der angekündigte Zuschuss von einer gewerblichen Seite nicht geleistet wurde. Damit war eine ersprießliche Arbeit illusorisch geworden. Der Verein schlief wiederum ein.
1983 ein erneuter Versuch zur Wiederbelebung: Ein „Kurparkfest“ im September dieses Jahres sollte unter der Schirmherrschaft von Messedirektor Heinz Grand-montagne das Startsignal zu einem Neubeginn geben. Es war ein Fehlversuch.
Einen neuen Anlauf gab es Anfang 1985 mit der Gründung eines Fremdenverkehrsvereins mit Jürgen Trenz als erstem Vorsitzenden, Helmut Sachse als Stellvertreter, Alfred Weyand als Kassierer und Manfred Lillig als Schriftführer. Ortsvorsteher F. J. Lauer hatte zur Gründungsversammlung einberufen. Die Absicht, den Stadtteil Nunkirchen dem Fremdenverkehr zu erschließen, sollte der Verein in Gemeinschaft mit dem einheimischen Gewerbe verwirklichen. Im neuen Vereinsnamen „Gewerbe- und Verkehrsverein Nunkirchen“ sollte diese Absicht dokumentiert werden, nachdem der Verein zuvor als „Verein für Handel, Gewerbe, freie Berufe und Fremdenverkehr“ deklariert worden war.
Die Einführung des Weihnachtsmarktes im Jahr 1985, der an jedem dritten Adventssonntag stattfindet, war eine erste herausragende Maßnahme der Vereinsführung.
1987 trat Jürgen Trenz zurück. Werner Wilkin übernahm die Leitung des Vereins und führte ihn drei Jahre lang bis März 1990. Viele Aktivitäten (Dorfverschönerung, Ortstafel u.a.) kennzeichnen diese Periode. Zum Nachfolger Wilkins wurde Hans Günther Fries gewählt (1990). Heute hat Margret Thomé diese Funktion beim nunmehr unter „Verein für Gewerbe, freie Berufe & Touristik“ firmierenden Zusammenschluss inne.
Im Zusammenhang mit dem Gewerbe- und Verkehrsverein ist die Vereinsgemeinschaft zu erwähnen, die 1984 mit Hans Schmitz als 1. Vors. gegründet wurde. Ziel war es, das Nunkircher Vereinsleben – bei aller Eigenständigkeit der Vereine – in einen festen Veranstaltungsrahmen zu fassen und die Zusammenarbeit der Vereine vor allem bei Veranstaltungen größeren Zuschnitts herbeizuführen. Fast alle Ortsvereine traten der Gemeinschaft bei, die in den ersten Jahren ihres Bestehens bei dörflichen Veranstaltungen sich stark engagierte, dann jedoch etwas erlahmte. 1985 löste Helmut Engel den ersten Vorsitzenden Hans Schmitz ab. Unter ihm wurden vor allem die Fastnachtsveranstaltungen organisiert. Dietmar Veauthier wurde 1988 sein Nachfolger, heute hat Arno Dühr das Amt inne.

Berg- und Hüttenarbeiterverein
Wie der Name aussagt, ist der Verein aus ehemals zwei selbständigen Vereinen entstanden. Es ist daher notwendig, die „Einzetteile“ in ihrer Entwicklung zu betrachten, ehe das „Ganze“ dargestellt werden kann.

I. Bergmannsverein Nunkirchen
Er ist aus einer St. Barbara-Bruderschaft hervorgegangen. Das genaue Gründungsdatum ist nicht bekannt, dürfte aber in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts liegen. Ein eigentliches Vereinsleben kam nur zögernd zustande. Erst am 27. September 1903 wurde der Verein auf feste Füße gestellt. Kaplan Paulus war der Initiator gewesen, der nach mehrwöchigen Vorbesprechungen zur definitiven Gründung des Bergmannsvereins Nunkirchen ins Lokal Thieser eingeladen hatte. 35 verheiratete und 17 ledige Bergleute meldeten sich zum Eintritt in den Verein. Der erste Vorstand bestand aus folgenden Mitgliedern: Knappschaftsältester Groß, Reinert, Görgen, Nik. Biewer, Franz Lauer, Angel. Von den jungen Bergknappen wurden in den Vorstand gewählt: Wolter, Lay, Angel, Werno.
Finanzielle Angelegenheiten wie Absicherung bei Krankheits- und Sterbefällen sowie das gesellige Leben waren für die Gründung ausschlaggebend. Eine Sterbekasse sorgte im Todesfall durch das Umlageverfahren für eine gewisse Unterstützung. Theateraufführungen waren vorherrschend im geselligen Vereinsprogramm. Oft spielte man zu Anfang gemeinsam mit dem damals bestehenden Handwerksverein.
Schriftliche Unterlagen über die weitere Entwicklung des Vereins liegen nicht vor. Lediglich ein Artikel in der „Mierziger Zeitung“ vom 11. August 1932 ist nachzuweisen, in dem darauf verwiesen wurde, dass der Bergmannsverein Nunkirchen mit seinen 230 Mitgliedern zwar noch stärkster Verein in der Umgebung sei, jedoch mit einem Rückgang gerechnet werden müsste. „In den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren dürfte er nur noch fünfzig Prozent der jetzigen Mitgliederzahl aufweisen“, schrieb die Zeitung, „da das Durchschnittsalter zwischen 50 und 55 Jahren liege. Auch der größte Optimist wird nicht glauben, dass der Bergmannsstand nochmals zu der Blüte kommt wie in den Vorkriegsjahren, wenigstens nicht hier im Grenzgebiet. Junge Bergleute gibt es nicht mehr, die Mitgliederstehen vorder Tatsache, dass mit der Zeit der Verein ausstirbt und der letzte sich sein Sterbegeld selber zahlen kann…“
Das war 1932, als die Saargebietsgrenze noch bestand. Gewiss, nach dem Zweiten Weltkrieg gab es für den Bergmann an der Saar eine neue Blüte, die jedoch aus vielerlei Gründen nach etwa zwanzig Jahren abzusterben begann. Diese Entwicklung führte dazu, dass sich die wenigen Bergleute mit ihren „Verwandten“, den Hüttenarbeitern, zu einem lebensfähigen Verband zusammenschlössen.
Zur Geschichte des Vereins sei noch erwähnt, dass nach den Statuten der jeweilige Ortspfarrer Präses des Vereins war. Erster Präses war Pastor M. Portery bis 1872. Auf ihn folgten Pastor P. Fuchs bis 1915; Pastor E. Leinen bis 1928; Pastor Himbert bis 1941; Pastor A. Kreutzer bis 1968; Pastor H. J. Hoferer bis 1977 und danach bis heute Pastor F. Pelzer.
Die vorhandenen Unterlagen lassen erst 1888 eine chronologische Aufstellung der Vorsitzenden zu: 1. Jakob Theobald aus Michelbach; 2. Josef Michely, wie alle folgenden aus Nunkirchen; 3. Josef Weyand; 4. Josef Lay 1888-1893; 5. Nik. Groß 1893-1910; 6. Johann Wilkin 1910-1913; 7. Peter Lay 1913-1925; 8. Jakob Lay 1925-1930; 9. Nik. Oehm 1930-1948; 10. Johann Lang 1948-1956; Nik. Barth 1956-1958; Georg Gemmel 1958 bis zur Fusion mit dem Hüttenarbeiterverein am 2. Dezember 1984.

II. Hüttenarbeiterverein St. Josef Nunkirchen

Der Verein wurde als „Hüttenverein Nunkirchen“ am 10. Juni 1956 gegründet. Der erste Vorstand hatte folgende Mitglieder: Adolf Meyer als erster Vorsitzender; Ewald Lilllig als Stellvertreter; Ignaz Schwindling als Schriftführer; Hans Schneider als Kassierer; Beisitzer waren Alfons Hewer, Alfred Schäfer, Hans Barzen und Nikolaus Nau.
Ähnlich wie beim Bergmannsverein standen auch hier finanzielle Probleme im Vordergrund. In der Satzung vom 1. Mai 1965 wurde u.a. beschlossen, die Zahlung eines Sterbegeldes beim Tod eines Mitgliedes auch auf dessen Ehefrau oder Witwe auszudehnen. Dieser Zusatz wurde am 3. März 1974 dahin erweitert, dass im Falle des Todes eines Mitglieds im Zeitraum der Renten-Antragstellung bis zur Renten-Gewährung an die Bezugsberechtigten das Sterbegeld in der Höhe ausgezahlt werden soll, wie es bei der Aussteuerung gezahlt worden wäre.
Schwindende Mitgliederzahlen ließen 1983 den Gedanken einer Fusion mit dem Bergmannsverein aufkommen. Wie immer bei einem Zusammenschluss ergaben sich auch hier mancherlei Probleme, die erst im Jahr 1984 der neu gewählte Vorstand mit Winfried Ewen als 1. Vorsitzenden, Werner Wagner als Stellvertreter, Eduard Linnig als Kassierer sowie Peter Schonarth, Alfons Schommer, Willi Hoff und Dieter Schneider als Beisitzer ausräumen konnte, so dass der Zusammenschluß mit den Bergleuten am 2. Dezember 1984 erfolgen konnte.
Die Vorsitzenden waren: 1. Alfons Meyer 1956 bis 1968; 2. Franz Lauer 1968 bis Anfang 1984; Winfried Ewen bis zum 2. Dezember 1984.
Der Zusammenschluss: Unter dem Vorsitz von Georg Gemmel wurde am 2. Dez. 1984 der Zusammenschluss der beiden Vereine vollzogen. Bei der Wahl zum ersten Vorsitzenden gab es die erwarteten Probleme. Schließlich erklärte sich Raimund Gabriel zur Übernahme des Amtes bereit, nachdem die ursprüngliche Vorstandsdauer von drei auf zwei Jahre reduziert worden war. Mit ihm übernahmen weitere Ämter Georg Gemmel als Stellvertreter; Winfried Ewen als Schriftführer; Dieter Schneider als Hauptkassierer und Eugen Kipper als Laufkassierer; Beisitzer: Theo Schleithoff, Peter Zimmer, Helmut Mentges und Jürgen Schommer. Kassenprüfer wurden Werner Wagner und Alois Porta.

III. Berg- und Hüttenarbeiterverein
Am 14. April 2002 löste Claus Lang Raimund Gabriel ab, der den Verein 15 Jahre lang geführt hatte.  Der Verein hat zur Zeit noch 65 Mitglieder. Da aber kein aktiver Bergmann und nur noch wenige Hüttenarbeiter aktiv sind, sieht der Berg- und Hüttenarbeiterverein heute seine Hauptaufgabe im Erhalt der alten Traditionen. Ein Beispiel dafür ist die Wiederherrichtung und Aufstellung einer ausrangierten Kohle-Lore. Diese wurde am 5. September 2009 an der Ecke Losheimer Straße/Im Wiesental durch Dechat Willmes eingesegnet. Sie soll an die Tradition des Bergmannberufs in Nunkirchen erinnern.

Marinekameradschaft Segelschulschiff Passat Nunkirchen
Die Gründungsversammlung der Marinekameradschaft „Hochwald MS Nunkirchen“, wie sie damals hieß, fand am 4. November 1981 im Hotel Waldeck statt. Die neu gegründete Kameradschaft – die erste ihrer Art im nördlichen Saarland – erhielt den Namen „Hochwald“, um allen Fahrensleuten und Liebhabern der See aus Stadtgebiet  Wadern sowie den Gemeinden Losheim, Weiskirchen und Schmelz eine kameradschaftliche Heimat zu bieten.
Die Marinekameradschaft „Hochwald“ zählte als 24. Gründung innerhalb des Landesverbandes Saar-Obermosel zum Deutschen Marinebund in Wilhelmshaven. Dem ersten Vorstand gehörten an: Hans Rabe als 1. Vorsitzender; Siegfried Selke, Lockweiler, als Stellvertreter; Uwe Gries, Nunkirchen, als Schriftführer; Jürgen Trenz, Nunkirchen, als Kassierer; Ulrich Kruse, Lockweiler, als Pressewart; Gerhard Aßmann, Lockweiler und Thomas Hoffmann, Schmelz, als Beisitzer.
Ab Januar 1988 wurde die MK „Hochwald“ unter dem Namen „Passat“ geführt. Die Viermastbark „Passat“, 1911 als Getreide- und Salpetertransportschiff in Dienst gestellt, wurde 1957 nach Beschädigung durch einen Orkan in die Travemündung bei Lübeck gebracht. Sie steht dort als letztes deutsches Großsegelschiff unter Denkmalschutz. Mit Spenden unterstützt die MK „Passat“ Hochwald die Unterhaltung ihres Patenschiffes.
Im Kellergeschoß der heutigen Grundschule wandelten die Mitglieder in den Jahren 1983/84 in vielen Arbeitsstunden das ehemalige Gemeindebad in eine Seemannsstube um, „Kajüte“ genannt. Eine besondere Seite in der Chronik der MK „Passat“ war die Partnerschaft mit der „Amicale des Anciens Marins de Sedan“ gewidmet. Die Gründungsurkunden weisen die Daten vom 25. Juni 1983 in Nunkirchen und vom 12. Mai 1984 in Sedan aus. Die beiden Kameradschaften besuchten sich seitdem abwechselnd jedes Jahr. Die Partnerschaft mit den gegenseitigen Besuchen wurde 1998 allerdings eingestellt, da beide Kameradschaften kaum Mitglieder besaßen, die miteinander kommunizieren konnten.
Marinekameradschaft_smallIm April 1989 wurden von den Mitgliedern der Marinekameradschaft „Passat“, Region Hochwald und Neumitgliedern, die Interesse  am Gesang von Shantys hatten, ein Shanty-Chor gegründet. Bei dem ersten öffentlichen Auftritt  anlässlich dem  „Saarländischen Shantychor – Tag“ in der Stadthalle Wadern im Jahre 1990 bestand der Chor aus neun Sängern, einem Akkordeonspieler und dem 1. Chorleiter Mathias Kniesbeck Zur Zeit Mitglieder zählt der Shantychor  24 Mitglieder. Die Chormitglieder kommen aus den Gemeinden Marpingen, Tholey, Losheim am See und Nonnweiler. Neben den Sängern verfügt die MK „Passat“ über ein 5-köpfiges Bordorchester. Ein weiterer Kamerad ist für die Technik zuständig. Neben den üblichen Auftritten kann der Shanty-Chor in den vergangenen Jahren  auch auf besondere Ereignisse zurückblicken wie u.a. die Teilnahme am „ZDF-Fernsehgarten“, etliche Konzerte in Norddeutschland und Auftritte beim Saarländischen Rundfunk (SR 3). Der Chor, der kaum mehr Wurzeln in Nunkirchen hat, fühlt sich dem Ort dennoch verbunden. So gehört ein Auftritt im Alten- und Pflegeheim Nunkirchen und die traditionelle Kranzniederlegung am Volkstrauertag zum festen Programm der Kameraden.
Die Vorsitzenden der MK „Passat“, Region Hochwald, die in der Generalversammlung vom 30. Januar 1999 in „Marinekameradschaft Segelschulschiff Passat Nunkirchen e.V“ in Kurzform : MK „SSS Passat Nunkirchen e.V umbenannt wurde bis heute: Hans Rabe, Uwe Gries, Klaus Staudt, Georg Gemmel Gerd Matener und Reimund Barth (ab 30. Januar 1999).

Obst- und Gartenbauverein
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Lt. einer Eintragung im Beschlussbuch des Vereins vorn 7. Febr. 1971 wurde der Obst- und Gartenbauverein Nunkirchen Anfang der 20er Jahre gegründet. Initiatoren der Gründung waren der Lehrer Hans Thieser und Franz Finkler gewesen. Als Mitglieder, die 1971 vierzig Jahre dem Verein angehörten, wurden genannt: Peter Dörr, Johann Meyer, Johann Schiilo, Peter Spang, Heinrich Wagner und Matthias Weyand. Anlässlich des Erntedankfestes 1985 wurde der Vereinsgründung vor 40 Jahren gedacht und das damals noch lebende Gründungsmitglied Franz Finkier besonders geehrt.
Herausragendes Ereignis in den Anfangsjahren war die Tandwirtschaftliche und gewerbliche Ausstellung der Lokalabteilung des Restkreises Wadern zu Nunkirchen im September 1924. In 11 Sektoren war die Ausstellung autgeteift. Zur Sektion 1 (Pferdezucht) gehörte Freiherr Rudolf v. Zandt; zur Sektion 4 (Ziegenzucht) Oberpostschaffner Jakob Spang; zur Sektion 7 (Bienenzucht) Lehrer Hans Thieser; zur Sektion 9 (Handwerk) Schmiedemeister Billen; zur Sektion 11 (Jagd) Lehrer i.R. Pfrang.
Über die Entwicklung in den 30er Jahren liegen keine Berichte vor. Doch dürfte der Verein in der landwirtschaftlich geprägten Gegend eine rege Tätigkeit entfaltet haben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Verein unter den allgemein üblichen Schwierigkeiten zu kämpfen, ehe am 23. März 1947 mit der Wiedergründungsversammlung die Arbeit erneut aufgenommen werden konnte. Erst ab 7. Februar 1954 liegt eine chronologische Berichterstattung durch den damaligen Schriftführer Philipp Sauerwein über den Ablauf der Versammlungen und sonstiger Tätigkeiten vor.
Die Mitgliederzahl verzeichnete in den 70er und anfangs der 80er Jahre einen steten Aufwärtstrend. Bis zu 220 stieg sie an, um derzeit auf 190 zurückzugehen. Nach dem Tode des 1. Vorsitzenden Josef Gierend im November 1971 wählte die Jahreshauptversammlung am 19. März 1972 mit Franz Albert Werno einen jungen Vorsitzenden, der fast zwei Jahrzehnte lang den Verein führen sollte. Ein Jahr später kamen Heinrich Wagner als 2. Vorsitzender und Raimund Kraus als Kassierer und Schriftführer in den Vorstand, der in dieser Besetzung viele Jahre lang den Verein geprägt hat,
Die beiden Ausstellungen „Pflanzen und Blumen“ im September 1975 (Saal Koch-Thieser) und die Dahlienschau im August 1980 (Saalbau) waren hervorragende Zeugnisse gemeinsamer Vereinbarkeit. Beide Ausstellungen fanden weit über die Ortsgrenzen hinaus lobende Anerkennung.
Neben dem eigentlichen Zweck des Vereins, Impulse für die Gartenarbeit zu geben, was in Fachvorträgen und in Baumschnittkursen geschah, legte der Verein großen Wert auf gesellige Veranstaltungen wie die jährlichen Erntedankfeiern, Ebenso beliebt waren die Adventsfeiern. Sehr großen Zuspruch fanden vor allem die Mehrtagesfahrten, die mit der Bodenseefahrt 1962 begannen und in alle deutschen Regionen und in die Nachbarländer führten. Noch heute spricht man von den Tirol-Fahrten und von der Fahrt in die Pußta. Eintagesfahrten fanden ebenfalls bis auf den heutigen Tag ihre Interessenten, Theaterfahrten nach Saarbrücken und Trier standen früher auf dem weiteren Geselligkeitsprogramm.
Für die Gemeinde ist der Obst- und Gartenbauverein stets engagiert dabei, wenn es um gärtnerische Ausgestaltung von kirchlichen oder weltlichen Veranstaltungen
Vorsitzende: Hans Thieser vor dem Krieg; ab 23. März 1947: Nikolaus Demmer; Jakob Thome (1954-1957); Peter Dörr (1957-1959); Johann Meyer (1959-1968); Josef Gierend (1968-1971); Franz-Albert Werno (1971-1991), Seit 24. Juli 1991 Reinhard Schmitz.
Ehrenmitglieder waren Philipp Sauerwein und Heinrich Wagner.

Kneipp-Verein Nunkirchen
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„Jedem Menschen soll die Kenntnis und die Möglichkeit vermittelt werden, natürlich und gesund zu leben, um vorbeugend gegen jede Krankheit wirken zu.“ Dieses Ziel zu erreichen, hat sich die Kneipp-Bewegung zu eigen gemacht. In Seminaren, Kursen und Vorträgen bietet sie für alle Altersstufen entsprechende Maßnahmen für eine gesunde Lebensführung an.
In Nunkirchen wurde ein Kneipp-Verein am 13. Januar 1963 durch Hauptlehrer a.D. Matthias Müller gegründet. Unter seiner Leitung blieb der Verein bis 1970, als Oberlehrer a.D. Philipp Sauerwein den Vorsitz übernahm und bis 1980 innehatte. Paul Mann wurde dann erster Vorsitzender. Bis 2008 hatte Inge Thiel dieses Amt inne. Seither führt Anke Rehlinger den Verein.Fachvorträge über verschiedene medizinische Erscheinungsformen gaben allen Interessierten, auch Nichtmitgliedern, über die bloßen Übungen hinaus wichtige Hinweise. Herausragende Ereignisse im Vereinsleben waren die Organisation der Abschlussaktion „90 Jahre Gesundheitsbildung Kneipp“ im Mai 1980, als eine Wanderroute der Sternwanderung der Kneipp-Wander-Stafette nach Nunkirchen führte, sowie die 20-Jahrfeier des Bestehens des Nunkircher Kneipp-Vereins im Dezember 1984.
In der letzten Zeit liegen die Aktivitäten des Vereins in der Organisation von Übungsgruppen und Thermalfahrten. Im Monatsdurchschnitt nehmen zwischen 350 bis 500 Personen – überwiegend aus den Altersstufen um 50 bis 80 – am Gesundheitstraining teil.  Die Mitgliederbewegung seit 1963: 50; 1974: 100; 1984: 127; 1991: 90.

Verband der Kriegsopfer
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Der Ortsverband Nunkirchen trat am 1, Januar 1947 dem Verband der Kriegsopfer, kurz nach dem letzten Weitkrieg als „Verband der Kriegsopfer des Saarlandes“ (VKS) gegründet bei. Als erster Vorsitzender wurde Andreas Weyand gewählt, der später Ehrenvorsitzender wurde. Ihm folgte Peter Jackel bis 1973. Seit diesem Jahrstand Eduard Harig an der Spitze des Ortsverbandes bis zu seinem Todesjahr 1980. Martha Thome übernahm anschließend kommissarisch die Leitung und verstand es, den Ortsverband über alle Schwierigkeiten hinweg bis zum März 1985 zu leiten, als Hermann Nikolay ins Amt des 1. Vorsitzenden gewählt wurde. Bereits ein Jahr später verstarb er. Auch seinem Nachfolger ab 1988 Alfons Werno war es nicht vergönnt, länger als ein Jahr zu amtieren. Er starb 1987. Ohne offiziell zum 1. Vorsitzenden gewählt zu sein, führte Heinrich Lang als „Mädchen für alles“ den Ortsverband weiter bis zum 8. November 1987, als Ewald Hammes die Leitung übernahm. Seine Wiederwahl, allerdings nur für den Zeitraum von zwei Jahren, erfolgte am 1. Dezember 1991. An dieser Stelle soll die langjährige Hinterbliebenen-Betreuerin des Ortsverbandes Nunkirchen, Maria Steuer, erwähnt werden, die sich bis zu ihrem Tod stets für die Belange der Mitglieder einsetzte. Dem Ortsverband gehören z.Zt  60 Mitglieder an. Es können nicht nur Kriegsopfer, sondern auch Behinderte, Unfallgeschädigte und Sozialrentner beitreten.

Kranken- und Altenpflegeverein der Pfarrei Herz-Jesu Nunkirchen-Michelbach (Förderverein)
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Seit 1982 besteht dieser Verein, nachdem im Jahr zuvor in beiden Orten der Pfarrei die Zustimmung der Bevölkerung durch Hauswerbung gesichert war. Wegen der Zuordnung der politischen Gemeinden aus Gründen der Gewährung von Zuschüssen musste Michelbach (Gemeinde Schmelz) in die Sozialstation Lebach aufgenommen werden. Da aber die Pfarrei nur einen einzigen Förderverein haben kann, verfährt man so, dass zwei getrennte Kassenbücher geführt werden. Für Nunkirchen (Stadt Wadern) ist die Sozialstation des Kirchenverbandes Wadern-Weiskirchen zuständig. Diese Sozialstation – besetzt mit Caritasschwestern – im 1. Juli 1982 in Konfeld eine von den 425 anlässlich der Gründungsversammlung im November 1981 abgegebenen Beitrittserklärungen, welche als Grundlage für die Einrichtung der Sozialstation gelten, zahlten im Jahr 1982 nur 321 Mitglieder den jährlichen Beitrag von DM 38,00. Inzwischen – gegen Ende des Jahres 1991 – beträgt der Mitgliederstand 398, immer noch zu wenig, um die anfallenden Pflegekosten zu decken. Durch Spenden muss der Rest aufgebracht werden.
Die Pflege durch die Sozialstation ist für die Mitglieder – nach dreimonatiger Wartezeit – frei. Allerdings muss bei einer Pflege ab 1. Januar 1991 ein Eigenanteil gezahlt werden. Die Pflege durch die Sozialstation wird auch Nichtmitgliedern gewährt, die anfallenden Kosten sind in diesem Fall selbst zu zahlen (jede Pflege z.Zt DM 23,00),
Der erste Vorsitzende des Fördervereins Nunkirchen/Michelbach war Paul Schmitz. Er verwaltete das Amt bis Ende Januar 1991. Helmut Weiler wurde sein Nachfolger. Der 2. Vorsitzende Paul Weiß aus Michelbach legte Ende Januar 1991 ebenfalls sein Amt nieder. An seine Stelle trat Ernst Görgen, Michelbach. Das wichtige Amt der Kassenverwaltung übt seit Gründung des Vereins Elisabeth Wolter aus.
Es dürfte interessieren, dass in den 20er Jahren bereits in Nunkirchen eine Krankenpflege-Station bestand. Anlässlich einer Versammlung des Landesfrauenvereins am 22. März 1925 in Verbindung mit dem Mütterverein kam die Rede auf die Krankenpflege-Station im Ort. Die Oberlehrerin a.D. Latz erstattete den Bericht über diese Station.
„An dieser Berichterstattung erkannten die Frauen zur Genüge, welch segensreiche Einrichtung die bestehenden Krankenpflege-Stationen in den Gemeinden sind,“ vermerkt die Zeitungsmeldung über die Versammlung. Sie fuhr weiter fort; „Man erkannte aber auch, wie mühevoll der Pflegedienst ist. Es ist darum recht und billig, dass die Pflegerinnen, die bisher ein kärgliches Einkommen hatten, auskömmlich besoldet werden. In Anerkennung der opfervollen, pflichttreuen Dienste unserer Krankenpflegerin Frl. Thome, zahlt die Gemeinde zum Gehalt der Pflegerin derselben außerdem noch monatlich 15 Goldmark, zwei Drittel zur Miete und stellt freien Brand. Nunkirchen steht in Bezug auf Unterstützung dieses attraktiven Werkes an der Spitze sämtlicher Gemeinden des Restkreises Wadern.“
Ein Jahr zuvor hatte der Kreisausschuss am 24. Mai 1924 den Ankauf fraglicher Häuser für eine Krankenpflege-Station durch den Kreis abgelehnt. Die Gemeindeverwaltung hatte daraufhin am 10. Juni 1924 ebenfalls entschieden, „die Angelegenheit vorläufig als erledigt zu betrachten.“
Man hatte sich jedoch schnell eines anderen besonnen, wie die zuvor erwähnte Versammlung beweist.
Noch ein Beschluss der Gemeindeverwaltung soll ihre Bereitschaft für die Belange einer Krankenpflege-Station vor Augen führen: Während des Ersten Weltkrieges am 15. Dezember 1915 beschloss der Rat, der Krankenschwester alljährlich zur Heizung 1 rm Scheitholz und 2 rm Reiser-Holz zu überweisen, ferner für die Beschaffung von Verbandsmaterial usw. einen Betrag von 40 Mark zur Verfügung zu stellen.

Katholische Frauengemeinschaft
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Die Kath. Frauengemeinschaft wurde Anfang der 70er Jahre auf Initiative von Pastor Hans-Jörg Hoferer ins Leben gerufen. Vielfältige Zielsetzungen waren vorgegeben, z.B. die Senioren-Betreuung und Geseiischaftspflege (Theater- und Nachmittagsveranstaltungen). Darüber hinaus ruft die Gemeinschaft zu Gebetsstunden für allgemeine Anliegen auf, gestaltet Feierstunden und beteiligt sich an Veranstaltungen zugunsten, sozialer und kirchlicher Zwecke.
Über die Theater- und Tanzgruppe ist bereits gesprochen worden. Die Senioren-Betreuerinnen unter Leitung von Brigitte Engel organisierten jeden Monat – außer in den Sommerferien – den Senioren-Nachmittag, wo bei Kaffee und Kuchen sowie mit Beiträgen religiöser, beschaulicher und humorvoller Art die Senioren der Gemeinde unterhielten.
Maria Müller, die erste Leiterin der Gemeinschaft, wurde 1980 von Sonja Lang abgelöst, die neun Jahre lang Vorsitzende war, bis sie Anfang des Jahres 1989 in Liesel Lauer eine Nachfolgerin fand.
Z.Zt. hat die Kath. Frauengemeinschaft Nunkirchen 116 Mitglieder.

Angelgemeinschaft Nunkirchen
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Im Jahr 1965 erfolgte die Anpachtung des zum Schloss Münchweiler gehörigen und von der Firma Peter Spang betriebenen Kiesweihers, wo im gleichen Jahr der erste Fischbesatz durch Ernst Dewald und Johann Kraus unternommen wurde. Hier ist im Lauf der Jahre eine Anlage geschaffen worden, die der Bewertung durch die Kommission für Weiheranlagen im Kreis Merzig-Wadern nach als hervorragend angesehen werden kann.
Die Interessenten – im Lauf der nächsten fünf Jahre waren es 12 geworden – gaben sich den Namen „Angelgemeinschaft Nunkirchen“, der später offiziell bestätigt wurde,
Bis 1970 wurden die Geschäfte durch Johann Kraus, Ernst Dewald und Raimund Lauer geführt. Am 15. Mai 1970 wurde erstmals ein geschäftsführender Vorstand gewählt, dem Jakob Lang, Alois Sauer, Ernst Dewald, Raimund Lauerund Reiner Moritz angehörten. Dieser Vorstand blieb bis zum 28. August 1976 im Amt. Erster Vorsitzender wurde dann Ernst Dewald, der in der ersten ordentlichen Generalversammlung am 9. Januar 1977 in seinem Amt bestätigt wurde. Am 27.4.1979 trat er zurück und Otmar Wilkin führte als 2. Vorsitzender die Geschäfte weiter bis zur Neuwahl am 3. Januar 1981, in der er als 1. Vorsitzender gewährt wurde. Nach zwei Monaten gab er sein Amt an den 2. Vorsitzenden und Schriftführer Raimund Lauer ab, der nun für die Leitung der Angelgemeinschaft zuständig war. In der außerordentlichen Generalversammlung am 17.5.1981 wurde Hubert Heck zum 1. Vorsitzenden gewählt. Ihm folgte 2007 Ralf Dillschneider. Jedes Jahr ermittelt die Angelgemeinschaft ihren Angelmeister. An der jährlich ausgetragenen Stadtmeisterschaft nimmt Nunkirchen teil und konnte bisher dreimal die Stadtmeisterschaft erringen. Zwei Mitglieder konnten sich mit der Stadtmeisterschaft im Einzelfischen auszeichnen.
Z.Zt. hat die Angelgemeinschaft 26 Mitglieder.

Wasserfreunde
Im Sommer 1974 schlössen sich 14 Wasser- und Naturfreunde zu einer Gemeinschaft mit dem Namen „Wasserfreunde – Treue Gemeinschaft“ zusammen. Sie hatten sich viel vorgenommen: Im Distrikt „Canaisfloß“, vormals Quellgebiet für die Trinkwasserversorgung Nunkirchens, wollten sie eine Weiheranlage anlegen, die ihnen selber, aber auch den Spaziergängern einen Ruheplatz bieten sollte.
Die Gemeinde Nunkirchen überließ den „Wasserfreunden“ auf zehn Jahre das Gelände zur Pacht. Sie ist inzwischen mehrmals verlängert worden. Die einschränkende Klausel, bei akuter Trinkwassernot das Gelände wieder zurückzunehmen, dürfte bei der heutigen Wasserversorgung aus einem ganz anderen Bereich wohl kaum Anlass zur Sorge geben, in Eigenarbeit und mit Hilfe von Maschinen des damaligen Bauunternehmers Kreuder wandelten die „Wasserfreunde“ das vier bis fünf Morgen große Gelände aus einer Wildnis in eine wohlansehnliche Anlage um. Zentrum ist der etwa viereinhalbtausend Quadratmeter große Weiher, in dem Forellen und Karpfen eingesetzt sind. Die größte Wassertiefe liegt bei 6,50 m. Mehrere Quellen in der Tiefe des Weihers und ein Oberlaufwasser, das an einem Privatweiher vorbei in den neuen Weiher zieht, sorgen für einen Zufluss, der so stark ist, dass pro Sekunde zehn bis zwölf Liter abfließen.
Nach vier Jahren intensiver Eigenarbeit war es dann soweit: Die Weiheranlage wurde im Juni 1978 mit einem zweitägigen Festprogramm eingeweiht. Sie ist heute noch ein Schmuckstück in der Natur. Der Verein mit derzeit 25 Mitgliedern wurde bis jetzt von folgenden Vorsitzenden geleitet: Kurt Thome (1974 bis 1978); Werner Lauer (1978 bis 1986); Horst Demmer (1986 bis 1995), Andreas Ludwig (1995 bis 2008) und Thomas Koch (ab 2008).

Kaninchenzuchtverein SB 118 Nunkirchen
Im Jahre 1953 fanden sich mehrere Kleintierfreunde unter Initiative von Horst Müller, Viktor Jager, Jakob Lang und Alex Jager zusammen, um gemeinsam einem bereits seit langem ausgeübten Hobby nachzugehen. Sie gründeten den Kaninchenzuchtverein SR 118 Nunkirchen. Aus diesen kleinen Anfängen heraus wuchs ein Verein, der auf beachtliche Zuchterfolge zurückblicken kann. Im Laufe der Jahre konnte zwölf mal der Vereinskreismeister errungen werden. Vereinsjugend-SaarlandmeisterschaftundEinzellandesmeisterschaftendurch Willi Hoff (1 Mal) und Ewald Lillig (4 Mal) sind Zeichen einer beachtenswerten Arbeit. Die Vorsitzenden des Vereins: Horst Müller (1953 bis 1958) Viktor Jager (1958 bis 1971) Helmut Kraus (1971 bis 1973) Ewald Lillig (1974 bis 2005). Der Verein ist heute inaktiv.

Reiterbund Nord-Saarland
Am 31. Oktober 1962 schlug die Geburtsstunde des Reiterbundes Nord-Saarland. Im Lokal „Münchweiler Hof“ beschlossen 30 Reiterinnen und Reiter, ihre bisherige lose Vereinigung auf eine Vereinsgrundlage zu stellen. Sie gründeten den „Reit-und Fahrverein Hochwald Saar e.V.“ mit dem Vorstand Peter Weber MdL, Nunkirchen, als 1. Vorsitzender (Präsident); Matthias Müller, Sattlermeister, Nunkirchen, als 2. Vors.; Peter Zimmermann, Landwirtschafts-Rat a.D., Losheim, als Geschäftsführer; Matthias Müller, Hauptlehrer, Nunkirchen als Kassierer.
Bis zum Jahr 1970 behielt der Verein seinen Namen, ehe er am 11. April 1970 nach der Fusion mit dem Reit- und Fahrverein Schmelz seine heutige Bezeichnung „Reiterbund Nord-Saarland“ annahm.
Die auf Peter Weber folgenden Präsidenten Horst Weber, Nunkirchen; Hans Meiers, Saarburg; Franz Luy, Weiskirchen; Manfred Grasmück, Weiskirchen (mit fast zehn Jahren von 1971 bis 1979 hatte er die längste Amtszeit); Karl-Heinz Staudt, Schmelz; Friedhelm Schuler sahen einen stetigen Aufwärtstrend des Vereins, der jedoch 1985 unterbrochen wurde. Das Einvernehmen zwischen dem Reiterbund und dem Besitzer des Reitgeländes „Birkenhof war nachhaltig gestört, so dass sogar wegen der fehlenden Reitanlage samt der Halle an eine Vereinsauflösung gedacht wurde. Doch engagierte Mitglieder unter Präsident Friedhelm Schuler steuerten auf einen Neubeginn hin der auch mit dem Schloss Münchweiler als neuem Domizil gefunden wurde.
im Sommer 1986 wurde das Turniergelände im Schlossbereich mit Spring- und Dressurplatz hergerichtet, so dass zum 25-jährigen Jubiläum im August 1987 das traditionelle Sommerturnier stattfinden konnte, das zu einem großen Erfolg wurde.
Viele herausragende sportliche Leistungen sind seit Bestehen des Reiterbundes Nord-Saarland zu verzeichnen. Sie alle anzuführen, würde über die Kurzdarstellung hinausgehen. Einzelne sollen aber doch genannt werden: Da steht an erster Stelle die fünfmalige Erringung der Landesstandarte im Vielseitigkeitsmannschafts-Wettbewerb (1972 bis 1976). Auch die Jugendreiter hatten einen hervorragenden Erfolg zu verzeichnen: 1978 errangen sie in der Besetzung Bernhard Schwarz, Rüdiger Louis und Dieter Quinten die Landesstandarte in der Vielseitigkeit der Junioren. Das Jahr 1977 hatte zudem dem Reiterbund Nord-Saarland eine rühmliche Bestätigung seiner sportlichen Verdienste gebracht: Die Nordsaarländer wurden in der Landes-Turnier-Bestenliste an zweiter Stelle aufgeführt.
Neben dem Sommerturnier sind noch die „Nikolaus-Turniere“ (Hallenturniere) zu erwähnen, wobei die Vereinsmeisterschaften ausgetragen wurden. Z.Zt. können sie wegen der fehlenden Halle nicht stattfinden. Die „Fuchsjagd“ im Herbst hat bei den Reiterinnen und Reitern aus Nah und Fern einen guten Ruf. Jahr für Jahr nehmen viele von ihnen an dieser Jagd teil, die neuerdings mit einer Hundemeute artgerecht durchgeführt wird. Im Jahr 1988 übergab Friedhelm Schuler nach vierjähriger Amtszeit sein Amt an Gabi Fey-Hoffmann. Damit wurde zum ersten Mal in der Geschichte des Reiterbundes Nord-Saarland eine Frau in den Sattel des Vorreiters gehoben. Im Oktober 1996 folgte ihr Ottmar Röder auf diesen Posten, der er bis heute inne hat.
1992, 1993, 1995, 1996 und 1998 veranstalte der Reiterbund Nord-Saarland auf seiner Anlage auf Schloss Münchweiler seine traditionellen Schleppjagden mit Hundemeute. Sie waren der Jahreshöhepunkt für jeden Jagdreiter. 1991, 1994 und 1997 führte der Verein die Landesverbandsjagd mit Hundemeute durch. Das letzte große Reitturnier, das längst auch über die Landesgrenzen hinaus einen guten Ruf genoss, fand im August 2000 statt. 2001 musste das Turnier wegen der grassierenden Maul- und Klauenseuche abgesagt werden. Im Oktober 2001 wurde dem Reiterbund Nord-Saarland der Pachtvertrag auf Schloss Münchweiler gekündigt. Seither hat der Verein keine eigene Anlage mehr. Eine Ausrichtung von Turnieren und Schleppjagden ist somit ein Ding der Unmöglichkeit geworden.

Kegelsportclub e.V.
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Der KSC Nunkirchen e.V. entstand aus einem Hobby- und Frühschoppenkegeln. Die dabei gezeigten sportlichen Leistungen spornten dazu an, in Wettkämpfe mit anderen Kegelclubs zu treten. Im August 1971 wurde der Kegelsportclub Nunkirchen gegründet, der am 1. Sept. 1971 dem Sportverband Saarländischer Kegler e.V. in Saarbrücken beitrat. Die Gründungsmitglieder waren: Lang Klaus, Lang Manfred, Sauer Walter, Tonner Siegfried, Löw Dieter, Angel Franz-Josef.
Die erste Heimbahn war die 2-Bahnanlage „Felsenhof“ in Bardenbach. Heute trägt der KSC Nunkirchen seine Heimspiele auf der Bahnanlage „Katzloch“ in Hüttersdorf aus. Damit ist das Problem angesprochen, das von Anfang an dem Kegelsportclub auf den Nägeln brennt: Es fehlt eine 2-Bahn-Anlage in Nunkirchen. Der Club ist daher gezwungen, seine Heimspiele auswärts auszutragen. Die Möglichkeit, einheimische Spieler zu gewinnen, ist somit nur spärlich gegeben.
Trotz dieses Handicaps nahm die Mitgliederzahl zu, nicht zuletzt durch die sportlichen Erfolge der Mannschaft bedingt. Bereits in der Spielzeit 1972/73 konnte eine zweite Mannschaft gemeldet werden, die in der folgenden Spielzeit 73/74 durch eine dritte Mannschaft ergänzt wurde.
Die Entwicklung der Mannschaften verlief bis heute: 1. Mannschaft: 1971/72 Meister Kreiskl. B; 1972/73 Meister Kreiskl. A; 1973/74 Meister Bezirksklasse; Aufstieg in die Liga West bis 1984/85; in den Jahren 1985-1988 Abstieg und Wiederaufstieg in zweimaliger Folge; ab 1988/89 in Bezirksklasse West.
2. Mannschaft: 1972/73 Kreiskl. B; 1973/74 Meister der Kreiskl. B; in den Jahren 1974/75 Abstieg und 1975/76 Wiederaufstieg in Kreisklasse A; seit der Saison 1976/77 kegelt die Mannschaft ununterbrochen in der Kreisklasse A.
3. Mannschaft: in der dritten Spielsaison 1975/76 Meister der Kreisklasse B. Den Statuten nach musste man den Aufstieg an die zweite einheimische Mannschaft, die ebenfalls in dieser Klasse spielte, abtreten. Im Jahr 1979/80 behielt man die Meisterwürde und stieg in die Kreisklasse A auf, die man jedoch ein Jahr später wieder verlassen musste. In der Saison 1982/83 wiederum Kreisklasse A, aus der man sich nach der Saison 1984/85 wieder verabschiedete. Seitdem kegelt die Mannschaft in der Kreisklasse B.
Sportliche Erfolge für den KSC Nunkirchen sind auch darin zu sehen, dass für die Auswahlmannschaften des Vereins „Untere Saar“ aus dem KSC Nunkirchen die Kegler Schneider Heinrich, Heidrich Rudolf, Meier Helmut, Justen Dieter und Becker Walter wiederholt berufen wurden.
Der KSC Nunkirchen hat derzeit insgesamt 29 Mitglieder. Der amtierende Vorstand wurde wie folgt gewählt: 1. Vorsitzender: Helmut Meier; 2. Vorsitzender: Andreas Jager; Schriftführer: Matthias Demmer; Sportwart: Manfred Lang; Kassenwart: Karlheinz Hewer.

Boule Club Petanque Nunkirchen 1987
Von Südfrankreich ausgehend (La Ciotat), von Gastarbeitern in das Industriebecken Lothringen gebracht, hat das Boulespiel, dieser faszinierende Freizeit- und Wettkampfsport, auch im Saarland viele Anhänger gefunden.
In Nunkirchen wurde der Boule Club „Petanque“ am 23. September 1987 gegründet. In der Gründungsversammlung wurde zum 1. Vorsitzenden Herbert Jacob gewählt. Dem weiteren Vorstand gehörten an: Manfred Liliig als zweiter Vorsitzender, Erich Schommer als Kassierer, Paul Riemann als Schriftführer und Hans Hürter als Sportwart. Im Gründungsjahr hatte der Verein 14 Mitglieder.
Zum 1. Januar 1988 wurde der Verein in den Saarländischen Bouleverband aufgenommen. In der Spielzeit 1988 nahm die I. Mannschaft des Clubs an den Ligaspielen der Bezirksliga West teil. Als Neuling konnte sie nur den zweitletzten Platz erreichen.
In der Spielzeit 1989 wurde die Mannschaft Meister in der Bezirksliga West. Die Spieler der Meistermannschaft waren; Herbert Jacob, Paul Riemann, Erich Schommer, Manfred Liliig, Girogio Graziano, Hans Hürter und Paul-Josef Krämer. Petanque Nunkirchen stieg in die Regionalliga West auf, in der sie auch heute noch spielt.
1990 war das wohl bedeutendste Jahr in der noch jungen Vereinsgeschichte. Nach monatelanger Arbeit, über 1500 Tonnen Erdmassen wurden bewegt, über 2000 Arbeitsstunden von den Mitgliedern geleistet, konnten Bürgermeister Berthold Müller, Ortsvorsteher Franz-Josef Lauer und der 1. Vorsitzende Herbert Jacob, in Anwesenheit zahlreicher Gäste und Freunde, die neue Boulesportanlage des Vereins am Sportplatz in Nunkirchen eröffnen.
Ab 1990 war der Verein Ausrichter des „Internationalen Integrale Saarlandpokals“. Zu diesem Turnier kamen Gäste aus dem Saarland, aus dem gesamten Bundesgebiet, aus Frankreich und aus Luxemburg. Im November 1990 wurde Michael Müller zum 1. Vorsitzenden gewählt.
1992 spaltete sich der Verein in den Bouleclub „Petanque-Freunde Nunkirchen 1987“ mit dem Spielgelände am Sportplatz und den Verein „Boulefreunde Nunkirchen“ mit dem Spielgelände in der Kleinbahnstraße. 1998 verlegten die „Petanque-Freunde Nunkirchen 1987“ ihren Vereinssitz nach Saarbrücken und führen fortan den Namen „Petanque-Freunde Messidor“. Der Bouleplatz am Sportplatz Nunkirchen verwilderte.
2003 gründeten ehemalige Spieler der „Petanque-Freunde“ und der „Boule-Freunde Nunkirchen“ den Verein „Petanque-Freunde Nunkirchen-Thailen“. 1. Vorsitzender wurde Roman Weber. Man spielte auf dem Gelände am Sportplatz Thailen. 2004 wurde Raimund Gabriel neuer Vorsitzender des Vereins. Der Verein erhielt seinen ursprünglichen Namen „Petanque-Freunde Nunkirchen“ zurück. Der Bouleplatz am Sportplatz wurde wieder hergerichtet und ein Container als Clubheim aufgestellt. Die Fläche wurde begrünt und sukzessive ausgebaut. Seit 11. Dezember 2005 führt Heinz Breuer die Geschicke des Vereins. 2006 spielte die „Petanque-Freunde“ mit einer Mannschaft in der Kreisliga Merzig und wurden prompt Meister. Der Aufstieg in die Bezirksliga war perfekt. Heute spielt die 1. Mannschaft in der Bezirksliga Nord, die 2., die 2008 den Aufstieg schaffte, wird künftig in der Bezirksliga West agieren. Der Verein hat heute 42 Mitglieder.

Sportverein 1925
Im Juli 1925 erlebte das Gasthaus Spang die Geburtsstunde des organisierten Nunkircher Fußballs: Alois Backes, Paul und Josef Groß, Viktor Jager, Nikolaus Koch, Jakob Lauer, Karl Löw, Josef Schmitt, Heinrich Schmitz, Josef Staudt, Josef Thome, Sebastian Wilkin, Alfons Wolter und Nikolaus Lauer wählten in der Gründungsversammlung den ersten Vereinsvorstand: Paul Groß – erster Vorsitzender, Karl Löw – Schriftführer und Josef Thome – Kassierer. Zur ersten Mannschaft der Vereinsgeschichte gehörten: Paul Groß, Josef Groß, Alois Becker, Viktor Jager, Nikolaus Koch, Nikolaus Lauer, Heinrich Schmitz, Heinrich Spang, Josef Staudt, Josef Thome und Alfons („Sturm“) Wolter.
Gespielt wurde vorerst in der „Harlfingersch Kaul“, auf Wiesen in Münchweiler, in der „Zandtersch Heck“. Der Antrag des SV Nunkirchen – er wird in den Sitzungsberichten des Gemeinderates mehrmals „Viktoria“ genannt – auf Überlassung eines Sportplatzgeländes wird in der Gemeinderatssitzung vom 7. Dezember 1926 so beschieden, dass der Sportverein sich mit dem Turnverein verständigen soll, dessen Platz an der Straße nach Thailen mitzubenutzen. Dieser Platz bei der Kiesgrube an der vorgenannten Straße war Anfang des Jahres 1926 für 50 Pfg. jährliche Anerkennungsgebühr dem Turnverein überlassen worden.
In seiner Sitzung am 19. Juni 1927 beschloss der Gemeinderat, „dem Sportverein Viktoria zu Nunkirchen im Distrikt 9a Gutwieswald und zwar am Südostrande eine zirka 0,85 ha große Fläche als Sportplatz zur Verfügung zu stellen…“
In Eigenarbeit wurde der Platz bis 1931 fertiggestellt. Ein Antrag des Vereins auf Überlassung der Verfügungsrechte über den Platz war vom Gemeinderat am 17. Dezember 1929 abgelehnt worden.
Unter der Führung des damaligen Vorsitzenden Hans Barzen wuchs die Mitgliederzahl an. Neue Spieler kamen hinzu –  im Jahr 1931/32 hatte der SV Nunkirchen seine erste Meisterschaft gewonnen -, die eine wesentliche Verstärkung bildeten, so dass das sportliche Ansehen des SV Nunkirchen in den Vorkriegsjahren sehr groß war. Eine zweite Meisterschaft konnte gefeiert werden.
Die neuen Spieler kamen zum Teil aus der DJK-Mannschaft, deren Spielbetrieb 1933 aufgrund der politischen Verhältnisse eingestellt werden musste. Vereinigungen christlicher, im vorliegenden Fall katholischer Prägung, und das war die Deutsche Jugendkraft (DJK), passten nicht mehr in die neue politische Landschaft.
Wie Franz Lang aussagte, war bei der Herstellung des Sportplatzes vereinbart worden, dass die DJK das untere Tor zur Straße hin bezahlen musste, der Sportverein das andere. Der damalige Kaplan Böhm, aus begüterter Familie stammend, bezahlte es aus eigener Tasche. Zuvor hatte die DJK in der „Harlfingersch Kaul“ gespielt.
Der Zweite Weltkrieg setzte dem Spielbetrieb ein Ende. Unter vielen Schwierigkeiten organisatorischer und finanzieller Art gelang es nach dem Krieg der damaligen Vereinsführung unter Peter Engel und Hans Barzen eine Mannschaft aufzustellen, die sich bald zu einer der spielstärksten im Hochwald entwickelte. Spieler wie Herbert Michely, Hans Thome, Marcel Mürer, Franz Kläser, Arthur Weyand, Leo Thome, Franz Schneider, Willi Scholl, Kurt Meires, Hinterholz, Paul Jager, Franz Lang („Hobel“) gehörten dazu.
In jeder Sportart gibt es Höhen und Tiefen. Diese Erfahrung musste auch der SV Nunkirchen machen. Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre fand sich die erste Mannschaft fast ständig im unteren Tabellenbereich. Ein Abstieg konnte jedoch verhindert werden.
Die damaligen Vorsitzenden Nikolaus Biewer, Albert Lehmon, Robert Lang, Ignatz Schwindling, Matthias Naumann, Fritz Glutting und Georg Gemmel sorgten dafür, dass der Spielbetrieb weiterging. Der Sportplatz erfuhr eine Neugestaltung. Während dieser Zeit trug der SV Nunkirchen seine Heimspiele auf dem Michelbacher Sportplatz aus.
Im Jahr 1965 übernahm Alfred Weyand den Vorsitz. Er und sein Vorstandsteam führten eine neue Blüte des SV Nunkirchen herbei. Bereits am Ende der Spielzeit 1965/66 wurde die Meisterschaft in der B-Klasse Hochwald errungen.
Beflügelt von dem Erfolg, kam die Mannschaft auch im folgenden Spieljahr in der A-Klasse zu Meisterehren. Ein unvergessliches Erlebnis knüpft sich an diese Meisterschaft: An der damals ausgetragenen Landesmeisterschaft der A-Klasse nahm der SV Nunkirchen teil und drang nach Siegen über in Hin- und Rückspiel gegen Herrensohr ins Endspiel gegen Hellas Bildstock vor, das auf neutralem Platz in Theley ausgetragen wurde. Nach 120 Minuten Dramatik und Aufregung stand es unentschieden 4:4. Die notwendige Wiederholung drei Tage später sah an gleicher Stätte ein hochklassiges Spiel der Nunkircher Mannschaft (G. Hacket, F. Hecktor, W. Zimmer, A. Latz, Egon Ott, H. Cavelius, W. Jager, G. Weyand, Horst Demmer, H. Harmke und Stefan Wieczorek), die mit 7:1 ihren Gegner deklassierte.
Der spielerische Glanz erlosch auch in den ersten Jahren der Zugehörigkeit zur 2. Amateurliga West nicht (Vizemeisterschaft 1969/70), Nach acht Jahren 2. Amateurliga erfolgte dann der Abstieg in die A-Klasse Westsaar.
In diesen Jahr wurde auch der Sportplatz den neuen Anforderungen gemäß ausgebaut (Flutlichtanlage in Eigenarbeit!) und zusätzlich mit einer 400-Meter-Laufbahn ausgestattet.
Das Spiel zwischen Höhen und Tiefen wiederholte sich. Nach dem Abstieg in die A-Klasse Westsaar hielt sich der Verein zwei Jahre, in dieser Klasse, ehe 1977/78 der Abstieg in die Kreisklasse A Hochwald (vormals B-Klasse Hochwald) folgte. Am Ende der Saison 1980/81 musste die Mannschaft den Weg in die Kreisklasse B Wadern (vormals C-Klasse) antreten, ein Weg, der bis heute noch nicht in umgekehrter Richtung eingeschlagen werden konnte. Seit Beginn der Saison 2009/2010 tritt der SV Nunkirchen in Spielgemeinschaft mit der Nachverein aus Büschfeld an. Die SG Nunkirchen/Büschfeld wurde im Sommer 2009 gegründet.
Zur Jugendarbeit ist zu sagen, dass anfangs der 60er Jahre mit der gezielten Heranbildung eines Nachwuchses begonnen wurde. Der damalige Hauptlehrer der Volksschule F. Glutting sorgte in Zusammenarbeit mit Karl Koch aus Überlosheim – er führte manchen Überlosheimer Jungen in die Nunkircher Jugendmannschaften – für den Aufbau einer Jugendabteilung. Mit dem gleichzeitigen Aufwärtstrend der ersten Mannschaft wuchs auch die Fußballbegeisterung der Jugend. Mehrere Jugendmannschaften wurden gebildet, die innerhalb ihrer Gruppen zu den spielstärksten zählten: C-Jgd. 1964 Meister; A-Jgd. 1968 und 73 Meister. Von den unteren Jugendmannschaften ist der Gruppensieg der E-Jgd. in den Jahren 81/82 und 86/87 und der D7-Jgd. 1988/89 zu melden.
Die Reihe der Vorsitzenden in zeitlicher Abfolge: Paul Groß (ab 1925), Nikolaus Thome (Zeitraum unbekannt), Hans Barzen (ab 1931 und 1946 bis 1947), Peter Engel (1945 bis 1946), Nikolaus Spang (1947 bis 1950), Nikolaus Biewer (1950 bis 1956), Albert Lehmon, Robert Lang, Ignatz Schwindling, Matthias Naumann (Zeiträume unbekannt), Georg Gemmel (1959 bis 1965), Alfred Weyand (1965 bis 1975), Herbert Theobald (1975 bis 1977), Manfred Groß (1978), Dieter Schneider (1979 bis 1981), Gerd Stroh (1981 bis 1982), Bernd Rudolph (1982 bis 1983), Raimund Gabriel (1983 bis 1990), Germano Porta (1990 bis 1993), Franz Hecktor (1993 bis 1999), Walter Kunkel (1999 bis 2001), Peter Thiel (2001 bis 2002),l Bettina Hoffmann (2003 bis 2005), Gerd Zengerli (2005 bis 2009), John Thiel (seit 2009).
Die Reihe der Trainer in zeitlicher Abfolge: Erich Deutch (1964 bis 1965), Günther Hacket (1965 bis 1967), Rudi Jakob (1967 bis 1971), Benno Candidori(1971 bis 1972), Günther Hacket (1972 bis 1974), Winfried Habermann (1974 bis 1975), Rudi Jakob (Ende der Saison 1974/1975), Günther Weyand (1975 bis 1976), Peter Schmitt (1976 bis 1977), Raimund Gabriel (1977 bis 1987), Raimund Linnig (Ende Saison 1977/1978), Wolfgang Fontaine (Ende der Saison 1977/1978), Laux (Vorname nicht übermittelt, 1978 bis 1980), Bernd Rudolph (1980 bis 1981), Hans Schmitt (1981 bis 1982), Stefan Wieczorek (1982 bis 1984), Ottmar Roth (1984 bis 1986), Hans Schmitt (1986 bis 1987), Joachim Fontaine (1987 bis 1988), Jörg Schmidt (1988 bis 1989), Uwe Therre (1991 bis 1992), Peter Spelz (1992 bis 1995), Dietmar Tamble (1995 bis 1997), Martin Gebert (1997 bis 1999), Stefan Kirbs (1999 bis 2001), Ali Cukur (2001/2003), Detlef Scholl (2003 bis 2005), Christian Schäfer (ab Ende Saison 2004/2005 bis 2006), Robert Sirotkovic (2006 bis 2007), Christian Schäfer (2006 bis 2008), Elmar Hoffmann (Ende Saison 2007/2008), Ali Cukur (2008 bis 2009), Rainer Schambony (Ende Saison 2008/2009).
Seit 2009 arbeitet der SVN mit Fortuna Büschfeld in einer Spielgemeinschaft zusammen. Trainer dieser Spielgemeinschaft: Heiko Kaiser (2009 bis 2010), Besir Zuka (2009 bis 2010), Stefan Höwer (2010 bis 2013).

Turnverein Nunkirchen
Die Gründung des Turnvereins Nunkirchen erfolgte im Mai des Jahres 1912 im damaligen Hotel Meyers (heute Gasthaus Salm). Gründungsmitglieder des TV „Gut Heil“ Nunkirchen waren: Johann Lay, Josef Kraus, Nikolaus Kraus, Franz Thome, Johann Meyer, Johann Oehm, Johann Görgen.
Im Winter 1912/13 wurde Baron Gottfried von Zandt zum 1. Vorsitzenden gewählt. Die Mitglieder bemühten sich, durch gute sportliche Leistungen Anerkennung und damit Zulauf von jungen Turnern zu finden. Das wurde in den anderthalb Jahren bis zum Kriegsbeginn 1914 auch erreicht. Am Turnfest in Lebach 1913 nahm der TV Nunkirchen mit 13 Turnern in weißen Uniformen teil. An auswärtigen Veranstaltungen in Saarlouis, Merzig und am Spicherer Berg nahmen die Nunkircher Turner ebenfalls teil. In der Leichtathletik wurden mehrere Preise erzielt. Im Herbst des Jahres 1913 fand in Nunkirchen ein Turn- und Spieltag statt. Die Turnvereine von Dillingen und Lebach waren zu Gast. Das Jahr 1913 sah weiterhin die Gründung eines Spielmannszuges unter der Leitung von Josef Kraus.
Der Erste Weltkrieg setzte dem aufstrebenden Verein ein vorläufiges Ende. Nach dem Krieg fanden sich die Turner wieder bereit, einen neuen Anfang zu machen. Leider fehlen entsprechende Unterlagen, um den Werdegang des neuen Aufstiegs darzustellen. Einzelne Zeitungsnotizen sind die einzigen Belege über die Aktivitäten in jenen Jahren so z.B. der Bericht über die Gemeinderatssitzung vom 3. Mai 1928, in dem die Gemeinde dem Turnverein auf dessen Antrag hin den Platz bei der Kiesgrube an der Straße nach Weiskirchen gegen eine jährliche Anerkennungsgebühr von 50 Pfennig verpachtete. Der Verein verpflichtete sich, den Platz anderen Vereinen bei Festlichkeiten gegen eine Gebühr von 5 RM zu belassen. Der Vertrag lief auf die Dauer von 10 Jahren unter gegenseitiger 14-tägiger Kündigung. Bei etwaigen Streitigkeiten behielt sich die Gemeinde eine endgültige Entscheidung vor.
Die Gemeinde zeigte sich auch weiterhin den Wünschen der Turner aufgeschlossen und erteilte die Genehmigung zur Errichtung eines Geräteschuppens auf dem fünf Jahre zuvor angelegten Sportplatz (8. April 1931).
Neben der turnerischen Abteilung – im Januar 1930 war eine Damenriege mit 20 Damen gegründet worden – hatte die Abteilung „Leichtathletik“ einen besonders guten Ruf. Die „Merziger Zeitung“ schrieb am 4. Juli 1931 in der Vorschau auf den Mannschaftswettkampf im Volksturnen zwischen dem TV Dillingen und dem TV Nunkirchen in Dillingen am 5. Juli 1931: „Man darf gespannt sein auf das Abschneiden des TV Nunkirchen, der hier zum ersten Mai für dieses Jahr mit seinen Leichtathleten auf den Plan tritt und auch zum ersten Mal einen solchen Mannschaftswettkampf austrägt, zumal der Verein einzelne gute Könner in seinen Reihen hat.“ Solche guten Könner waren u.a. Jakob Mayer („Stuhlmayer“), Johann Werding, Franz Wilkin, Otto Werno, Josef Lauerund Jakob Werding in der Jugendabteilung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte in der Versammlung am 11. Februar 1951 im Nebenraum des Gasthauses Lauer die Wiedergründung. Folgender Vorstand wurde gewählt: Nikolaus Spang („Beamten-Spang“) als 1. Vorsitzender; sein Stellvertreter wurde Jakob Mayer; Kassierer: Karl Demmer; Schriftführer: Josef Biewer; Beisitzer: Josef Greff und Alois Thome. Oberturnwart: Josef Widua. Herausragende Aktivitäten des neuerstandenen Turnvereins war die Beteiligung an Wettkämpfen, Sportfesten, Verbandsspielen und die Teilnahme an den Deutschen Turnfesten 1958 in München, 1983 in Essen und 1968 in Berlin. Der Mitgliederstand war nach der Wiedergründung von 71 auf 233 im Jahr 1974 in den Sparten Turnen, Faustball, Tischtennis, Judo, Schwimmen, Skilaufen und Wandern angewachsen.
Im Jahr 1980 formierten sich die Tischtennisspieler und die Judokas zu eigenen Vereinen. Die anderen Sparten lösten sich auf. Der Name des Turnvereins Nunkirchen lebt jedoch weiter; Die Sparte Hausfrauenturnen mit derzeit 28 Mitgliedern – 1980 unter der Leitung von Mia Biewer gegründet – hält die Erinnerung an den erfolgreichen Turnverein „Gut Heil“ Nunkirchen lebendig.
Die Vorsitzenden nach dem Zweiten Weitkrieg: Nikolaus Spang (1951 bis 1954); Rudi Lay (1954 bis 1955); Josef Biewe (1955 bis 1956); Hans Hill (1958 bis 1969); Werner Kraus (1989 bis 1971); Jakob-Josef Kuttler (1971 bis 1972); Hugo Valentin (1972 bis 1980), Mia Biewer als Leiterin der Sparte Hausfrauenturnen (198 bis 2008). Sie ist heute Ehrenvorsitzende. Seit 2008 leitet Helen Becker die Geschicke des Vereins.
Ehrenvorsitzende waren Hans Hill und Nikolaus Spang.

Tennisclub Nunkirchen
Der Artikel wurde den Verantwortlichen mit der Bitte um Aktualisierung vorgelegt!
Wie bei vielen anderen Vereingründungen war auch im Fall des Tennisclubs Nunkirchen eine Stammtischrunde der Initiator zur Clubgründung. Zu Werner Kraus und Herbert Theobald gesellten sich Pastor Hans-Jörg Hoferer, Bürgermeister Paul Schmitz, Paul Ruschel und Otto Lang, Sie beriefen eine Gründungsversammlung ein, die am 13. Dezember 1973 stattfand. 35 Tennisfreunde fanden sich ein, die folgenden Vorstand wählten; Paul Schmitz (Präsident); Robert Schulz (1. Vors.); Paul Ruschei (2. Vors.); Werner Kraus (Schriftführer); Franz Altrneyer (Kassenwart); Peter Koch (Sport- und Jugendwart); Herbert Theobald, Heinz Merziger und Werner Wilkin (Beisitzer). Schon gleich nach der Gründung nahm der TG Nunkirchen eine rasche Aufwärtsentwicklung mit steigernder Mitgliederzahl und sportlichen Erfolgen. Die Frage nach einer Halle drängte sich auf. Schließlich wollte man nicht nur im Sommer spielen. Nach Plänen des 1. Vorsitzenden Schulz wurde das Vorhaben „Halle“‚ samt Clubhaus – zum Teil in beträchtlichen Eigenleistungen – verwirklicht; Am 3. Januar 1978 konnte die Tennishalle in Nunkirchen – sie war die erste innerhalb der Stadt Wadern – zum Bespielen freigegeben werden. Im Herbst des gleichen Jahren (22. Oktober) wurde das Clubheim eingeweiht.
Damit war das Bauprogramm noch nicht vollständig erledigt. Die beiden Außenplätze genügten nicht mehr dem stark erweiterten Spielbetrieb. In mustergültigen Eigenleistungen wurden zwei weitere Plätze fertig gestellt, die am 31. August 1980 durch Msgr. Prof. Dr. Alfons Weyand eingeweiht wurden.
Auch die Außenanlagen (geteerte Zufahrt, Parkplatz u.a.) wurden in Angriff genommen und samt Anpflanzungen zu einem harmonischen Gesamtbild der Tennisanlage vor den Toren der Gemeinde in der Nähe des „Birkenhofes“ gestaltet.
Der Vergleich sei erlaubt: Das Äußere passte zum Inneren, was besagen will, dass auch die sportlichen Erfolge auf gleicher Erfolgskurve wie die Baumaßnahmen verliefen. Erfolge bei Stadt- und Kreismeisterschaften sowohl bei den aktiven Mannschaften wie auch im Jugendbereich konnten verzeichnet werden. Der größte Erfolg bedeutete 1989 der Aufstieg der Jungseniorinnen in die Oberliga, die höchste Spielklasse im Saarland.
Der TC Nunkirchen veranstaltet außer den Punktespielen auch eigene Turniere, zu denen stets zahlreiche Meldungen getätigt werden: Hallendoppelturnier seit 1983; Hochwald-Mixed-Turnier seit 1984 und das Saisonabschlussturnier für alle Vereinsmitglieder („Nord“-„Süd“) seit 1987.
Z.Zt. sind folgende Mannschaften gemeldet: 2 Herren-, 2 Damen-, 2 Jungsenioren-, 2 Jungseniorinnen-, 1 Senioren- und 1 Senioren mannschaft Altersklasse II (ab 55 Jahre). Dazu kommen noch 1 Jungen-, 2 Mädchen- und 2 Bambinomannschaften.
Auf die Jugendarbeit wird großer Wert gelegt Für zirka 70 Kinder und Jugendliche stellt der Club im Winter kostenlos die Halle zur Verfügung, um ein konstantes Training zu gewährleisten. Vorsitzende waren: Robert Schulz (1973 bis 76): Werner Kraus (1976 bis 84); Herbert Theobald (1984 bis 2012), Guido Altmeyer (2012 bis heute). Ehrenmitglieder: Die inzwischen verstorbenen Paul Schmitz und Robert Schulz.

Tischtennisverein
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Eine tischtennisbegeisterte Interessengemeinschaft, die sich aus dem ehemaligen Kolping-Verein Nunkirchen gebildet hatte, gründete im Jahr 1953 die Sparte „Tischtennis“ innerhalb des Turnvereins 1913 Nunkirchen. Hugo Valentin fungierte als Spartenleiter. In die Meisterschaftsrunde 1953/54 wurde mit je einer 1. und 2. Herrenmannschaft gestartet. Im Saal Lauer wurden die Wettkämpfe ausgetragen. Die Sparte musste sich zu Anfang selber tragen, d.h. die Auslagen mussten von den Spielern bestritten werden. Im Laufe der Jahre wurde dann doch die Sparte Tischtennis vom Turnverein gefördert, sehr zum Verdruss der alten Vereinsmitglieder, in deren Augen Tischtennis kein richtiger förderungswürdiger Sport war.
Durch Karl-Josef Tamble wurde 1956 die 1. Herrenmannschaft verstärkt. Sein Engagement bewirkte die Heranbildung hoffnungsvoller Spieler wie z.B. Günther Hacket und Günther Weyand, so dass im Spieljahr 1959/60 die 1. Herrenmannschaft ihre erste Meisterschaft feiern konnte. Wegen Spielermangel, bedingt durch berufliche Umstände, ruhte ab dem Spieljahr 1961/62 der Spielbetrieb.
1970 wurde dann auf Betreiben des damaligen 1. Vorsitzenden des Turnvereins, Werner Kraus, die Sparte „Tischtennis“ mit Spartenleiter Hugo Valentin wieder ins Leben gerufen. Trainings- und Austragungsort der Wettkämpfe wurde die 1968 eingeweihte Turnhalle. Durch erfolgreiche Nachwuchs-Werbung entwickelte sich der Tischtennis-Sport in Nunkirchen sehr positiv. Zeitweise wurde ab 1970 mit sieben Mannschatten gespielt. Der Nachwuchs wurde durch Lehrgänge an der Saarländischen Sportschule gefördert. Zahlreiche Meisterschaften der Herren-, Damen-, Jugend- und Schülermannschaften krönten die Nachwuchsarbeit. Besonders zu erwähnen sind 2. und 3. Plätze bei Turnieren auf Landesebene durch Rosi Wollscheid und Jutta Valentin. Herausragender Spieler wurde Jörg Cavelius (1983 Vize-Saarlandmeister im Doppel; Kreissieger im Einzel, zweimal Kreismeister im Doppel).
1980 trennte sich die Sparte Tischtennis vom Turnverein und machte sich unter dem Namen „Tischtennisverein“ selbstständig. Zum 1. Vorsitzenden wurde Walter Kühn gewählt, ihm folgte nach zwei Jahren Michael Schmitz. Seit 1990 leitet Ottwin Engel als 1. Vorsitzender die Geschicke des Vereins, der z.Zt. zirka 30 Aktive in einer Herren-, zwei Jugend-, einer Mädchen- und einer Damen-Hobby-Mannschaft einsetzt.

Judo Ju-Justu-Verein
Er wurde 1968 als Sparte „Judo“ des TV Nunkirchen gegründet. Initiatoren waren Peter Zimmer und Klaus Weyand, 1973 kam die Sparte „Ju-Jutsu“ hinzu.
Was ist Judo? Was ist Ju-Jutsu? Judo ist eine reine Kampf Sportart, die ähnlich wie viele andere Sportarten sich in Punktekämpfen misst. Bestandene Prüfungen, nach Schwierigkeitsgraden abgestuft, werden durch verschiedenfarbige Gürtel! gekennzeichnet: vom Anfängerweiß über gelb (1. Prüfung) über orange, grün, blau bis braun (5. Prüfung), Der Meister- oder Dan-Grad ist gekennzeichnet durch den schwarzen Gürtel. In beiden Sportarten Judo und Ju-Jutsu sind diese Farbgürtel gebräuchlich. Weitere Merkmale beider Sportarten sind Höflichkeit, Disziplin, Hilfsbereitschaft und gute Manieren.
Ju-Jutsu ist ein Selbstverteidigungssystem, das Schlag-und Stoßtechniken, Hebel und Würfe in sich äußerst sinnvoll und wirksam vereinigt.
Das Jahr 1980 sah die Auflösung des TV Nunkirchen in einzelne selbständige Vereine, darunter auch der Judo-Ju-Jutsu Verein, der im Jahr 1991 über 62 Aktive verfügte, darunter 47 Schülerjugendliche (35 männl; 12 weibl.). Alle Schüler sind ausschließlich Judokas. Die Erwachsenen und vier Jugendliche sind Judokas und J-Jutsukas.
Die Entwicklung des Vereins ist gekennzeichnet durch viele große Erfolge auf Kreis-, Landes- und Sundesebene. Unter dem Trainer und Übungsleiter Klaus Weyand (II. Dan Judo und II. Dan Ju-Jutsu), der von Anfang an bis heute diese Funktion ausübt, haben vor allem Schüler herausragende Leistungen gezeigt. Die 1970er Jahre insbesondere waren Erfolgsjahre, über die ein Zeitungsartikel vom 9. Dez. 1974 urteilt: „Nunkircher Jugendmannschaften der Judokas sind Extraklasse“. Aus diesen Jahren seien besonders erwähnt H.G. Meiers, Peter Pitzius, Jürgen Dörr, Rudi Wiikin und Lothar Wiemer, die bei Bezirks- und Landesmeisterschaften der Jahre 1973/74 hervorragend abschnitten. Zu H.G. Meiers ist noch anzuführen, dass er 1978 bei den Süddeutschen Meisterschaften in der Klasse bis 70 kg die Goldmedaille errang. Weitere Erfolge der Nunkircher Judokas waren 1979 der 1. Platz bei der Jugend-Landesmeisterschaft sowie in den Jahren 1980-1987 gute Plazierungen bei den Landesliga-Kämpfen der Senioren. Bei den Einzelmeisterschaften konnten beim „Kano-Turnier“ in Steinbach im September 2008 sechs Kämpfer bzw. Kämpferinnen unter 11 Jahren punkten (zweimal einen 2. Platz, zweimal einen dritten Platz und einmal den 5. Platz).
Der Judo Ju-Justu-Verein bietet jährlich in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt einen Kurs „Frauenselbstbehauptung“ an.
Seit 1980 ist Klaus Weyand – mit kurzfristiger Unterbrechung durch Uwe Valentin und Jörg Ruschel – Vorsitzender des Vereins, der zurzeit zirka 60 Aktive (45 Judoka, 15 Ju-Jutsuka) Mitglieder zählt.